Trockenheit

AGRAVIS bietet Lösungen für Pflanzen, Ernte und Tiere

Stand Ende Mai 2022: Diese Seite wird laufend aktualisiert und um Inhalte erweitert.
In den vergangenen Jahren mussten Landwirt:innen mit regional verbreiteter Trockenheit kämpfen. Auch für diesen Sommer werden wieder schwierige Bedingungen aufgrund des Klimawandels erwartet. Für 2022 fallen die ersten Zwischenbilanzen und Ernteprognosen trotz regional unterschiedlicher Wetterbedingungen noch etwas positiver aus.
Prognosen, Berichte und Lösungen der AGRAVIS zur diesjährigen Ernte finden Sie auf der Seite Ernte 2022.
Trockenheit in der Landwirtschaft hat Auswirkungen nicht nur auf die Ernte, sondern auch auf den Umgang mit Getreide und die Versorgung der Tiere. Unsere AGRAVIS-Expert:innen versorgen Sie mit wertvollen Tipps und Lösungen für einen optimalen Umgang mit der Trockenheit.

Stand Ende Mai 2022:

Hoffen auf Regen in Niedersachsen-Süd

Die Expert:innen im Arbeitsgebiet der AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH verfolgen aktuell mit Sorge die Hinweise des Fachverbands Feldberegnung e.V. (FVF). „Die nutzbare Feldkapazität schwindet mit jedem Tag und die ersten Getreidebestände, vor allem nördlich der A2, beginnen Trockenstressreaktionen zu zeigen“, berichtet Geschäftsführer Rainer Widdel. Die potentielle Verdunstung hat nochmals zugelegt. Bei gleichzeitig nur geringen Niederschlägen erhöhte sich das Defizit der klimatischen Wasserbilanz vielerorts deutlich, schreibt der FVF. „Die Niederschläge der vergangenen Tage haben aufgrund der geringen Menge keine Entspannung gebracht. Wir alle hoffen nun auf die angekündigten Niederschläge“, resümiert Widdel.

Ostwestfalen und Nordhessen: Gute Bestände trotz knapper Regenversorgung

In Ostwestfalen und Nordhessen fielen die Niederschlagsmengen in den vergangenen acht Tagen deutlich knapper aus. Bei der Wintergerste macht sich Stefan Bobbert, Pflanzenbauberater bei der AGRAVIS Westfalen-Hessen GmbH, aber keine Sorgen. „Wie im vergangenen Jahr stehen die Bestände ausgezeichnet dar. Mit dem Stresswetter haben sie noch keine Probleme.“ Der Weizen habe dagegen an schwachen Standorten gelitten, sodass der vorhergesagte Regen und die kühleren Temperaturen nun dringend benötigt werden. „Mit einigen Ausnahmen ist die Situation in den Beständen aber dennoch gut.“
Mit den vorherrschenden Wetterbedingungen legte der Mais in diesem Jahr einen „Traumstart“ hin. Eine feuchtigkeitsschonende Bodenbearbeitung vor der Aussaat tat ihr Übriges dazu. „Die Kulturen befinden sich in der Entwicklung derzeit zehn Tage im Voraus“, erläutert der Pflanzenbauexperte.
„Insgesamt gesehen, haben wir in unseren Arbeitsgebieten trotz knapper Regenversorgung noch gute Bestände stehen, sodass wir voraussichtlich eine normale Ernte einfahren werden. Die kurzfristig gefallenen Niederschläge in der Region Nordhessen entspannen die Situation nochmal mehr“, resümiert Stefan Pielsticker, Geschäftsführer der AGRAVIS Westfalen-Hessen GmbH, zufrieden. Dennoch sollten Landwirtinnen und Landwirte den extremen Gelbrostdruck in den Kulturen, der durch den milden Winter eingeleitet und das strahlungsreiche Frühjahr begünstigt wurde, im Blick behalten und bei Bedarf rechtzeitig gegensteuern.

Große Unterschiede in Westfalen-Süd und Westfalen/Hessen

Frederik Fischer-Neuhoff, Experte der AGRAVIS Westfalen-Süd GmbH, schätzt die Lage in "seiner" Region (von Dortmund übers Sauerland hin zur Warburger Börde und bis kurz vor Kassel) differenziert ein: "Auf den mittleren und guten Böden hatten wir bis jetzt noch keine Not. Lediglich leichte bis ganz leichte Standorte sind an ihre Grenzen gekommen, haben auch optisch sichtbar etwas gelitten. Die Frostschäden beim Raps (aufgeplatzte Stängel) sind wahrscheinlich doch nicht so schlimm, wie schon befürchtet. Insgesamt präsentieren sich die Getreidebestände hier gut.
Die Niederschläge in der vergangenen Woche waren sehr unterschiedlich, sodass sich in einigen Teilen die Lage etwas entspannt hat. Besonders für das Grünland und die Sommerungen war der Regen mehr als nötig, aber auch für die Korneinlagerung der Gerste kam er sehr passend.
Bei der wichtigsten Kultur, dem Weizen, ist die Trockenheit und das damit verbundene strahlungsreiche Wetter am meisten eingeschlagen. Hier hat sich im ganzen Arbeitsgebiet der Gelbrost extrem ausgebreitet und ist die dominierende Fungizidkrankheit in diesem Frühjahr. Teilweise erinnert es an das Jahr 2014. Gelbrost kann bis zu 50 Prozent Ertragsverlust bedeuten. Für die Korneinlagerung des Weizens benötigen wir aber dringend in den nächsten Tagen erneut Regen, sonst wird es auf den leichteren bzw. trockenen Standorten zu Einbußen führen.

Ostfriesland: Erst zu nass, dann zu trocken

„Alles in allem lief es bis jetzt nicht gut bei uns. Erst war es zu nass, dann zu trocken. Die Extreme tun dem Pflanzenbau nicht gut. Ein Blick in die Bestände lässt keine gut Ernte erhoffen. Im vergangenen Jahr war es umgekehrt und wir wurden enttäuscht. Leben wir in Hoffnung, dass es dieses Jahr positiver wird als erwartet“, fasst Thomas Bathow, Pflanzenbauberater der AGRAVIS Ems-Jade GmbH, die aktuelle Situation zusammen. „Bis vor Ostern waren wir in der Entwicklung zwei Wochen voraus, die hat die Trockenheit relativiert, so dass mit normalem Erntebeginn um Mitte Juli zu rechnen ist.“
Ein Blick zurück: Unbeständiges und nasses Wetter haben in Ostfriesland die Aussaat der Winterungen immer in Abschnitten geschehen lassen. Bei der Rapsaussaat gab es zwei Saatfenster: Wer bis um den 25. August 2021 den Raps nicht im Boden hatte, der kam erst gut 10 Tage später wieder dazu. Für viele Betriebe war es dann gefühlt zu spät, wodurch der Rapsanbau etwas zurückging.
Wer in den folgenden Wochen sein Wintergetreide bis zum 29. September in den Boden bekam, hatte schon vieles richtig gemacht. Die dann einsetzenden Regenmengen liefen eine vernünftige Aussaat erst wieder um den 20. Oktober zu. Mit Ende Oktober war es dann in Ostfriesland nicht mehr möglich eine Winterung auszusäen. Bis Jahresende wurden die Flächen nicht mehr trocken, so dass die Vorwinterentwicklung für die Kulturen schwierig war.
Dauerhaft wassergesättigte Flächen, späte Düngung und immer wieder Nachtfröste ließen die Bestände sich eher rückwärts als vorwärts entwickeln. Winterraps und -Weizen wurden umgebrochen und die benötigten Mengen Sommergetreide stiegen von Woche zu Woche. Bis zur Ostern war es unbeständig, kalt und nass, dann setze die Trockenheit ein, die bis auf wenige Regenereignisse anhält. Ostwind trocknete die brachliegenden Oberflächen der Sommerungen schlagartig ab, so dass viele Bestände zum wiederholten Male angesät werden mussten.
Aktuell fehlen den Weizenbeständen ein bis zwei Triebe, die Bestände sind licht. Zunehmender Wasserstress lässt die Pflanzen sich schon reduzieren. Die Gersten sind dem Wasserstress davongewachsen und waren als es stressig wurde schon am Grannenspitzen. Aber auch hier fehlen Triebe. In den Rapsbeständen ist das Erwartungspotenzial sehr gering. Roggen und Triticale auf den leichteren Standorten sind gut und gesund entwickelt. „Leider spielen diese Kulturen bei uns eine untergeordnete Rolle“, so Bathow. Das Sommergetreide muss nun erst einmal in Wachstum kommen, aber auch hier sind die wenigsten Flächen mit einer vernünftigen Bestandesdichte gesegnet. Ackerbohnen und Erbsen stehen gut. Auch der Mais keimt, aber die Pflanzenschutzmaßnahmen haben ohne Regen bis jetzt nicht den gewünschten Effekt gebracht.

Bernhard Chilla

Stand Ende Mai 2022:

Der AGRAVIS-Marktanalyst Bernhard Chilla blickt auf die Ernteprognosen in Europa, den USA und Russland.

Globale Weizenversorgung nicht nur durch Ukraine-Krieg belastet

Die Weizenpreise an den internationalen Warenterminbörsen erreichten in den vergangenen Wochen wieder einen neuen Rekordstand. Der Hauptgrund der steigenden Preise ist weiterhin die knappe globale Weizenversorgungslage. Schon seit dem Wirtschaftsjahr 2018/19 werden nach Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums USDA die Weizenendbestände in den wichtigsten Exportländern der Welt kontinuierlich abgebaut. Die globale Weizennachfrage lag deutlich höher als die Produktion. Der Krieg in der Ukraine belastet nun zusätzlich die Weizenversorgung der Welt. Nicht nur die Produktion soll in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr deutlich sinken, sondern auch die Exportlogistik ist durch den Krieg stark beeinträchtigt. Die Ukraine kann derzeit anstelle von bis zu 6 Mio. Tonnen Getreideexporten pro Monat nur rund 1 bis 2 Mio. Tonnen ausführen. Somit rückt nun mehr und mehr das Weizenangebot für das kommende Wirtschaftsjahr in den Vordergrund.

Trockenheit und Spätfröste in den USA

In den USA sind die Wachstumsbedingungen in den wichtigsten Winterweizenanbauregionen aufgrund einer langanhaltenden Trockenheit im Süden des Landes und auch größeren Schäden durch Spätfröste weitaus schwächer als im Vorjahr. Manche Marktbeobachter erwarten nun die niedrigste Winterweizenproduktion seit dem Jahr 2018. Die Sommerweizenaussaat in den USA, aber auch in Kanada, ist durch zu viel Niederschlag im Frühjahr in den wichtigsten Anbauregionen deutlich verzögert. Dort wächst die Sorge, dass der Weizen nicht rechtzeitig ausgesät werden kann.

Wachstumsbedingungen in der EU nicht perfekt

Auch in der EU-27, die jedes Jahr rund 25 bis 30 Mio. Tonnen Weizen exportiert, sind die diesjährigen Wachstumsbedingungen nicht perfekt. Die Niederschlagsmengen waren in weiten Teilen der EU seit Anfang März weit unter dem langjährigen Mittel, vor allem in Frankreich, in weiten Teilen Deutschlands und auch in den wichtigen Exportregionen im Südosten der EU, wo im vergangenen Jahr eine absolute Rekordernte beim Weizen eingefahren wurde. So gehen viele Marktanalysten davon aus, dass die EU-27 Weizenproduktion 2022 im Wesentlichen durch die Rückgänge im Südosten der EU unter der Vorjahresmenge liegt.

Trockene und sehr warme Wetterlage in Frankreich

Vor allem die Erntemenge in Frankreich rückt nun immer stärker in den Vordergrund. Die Wachstumsbonitierungen für den Weizen von der staatlichen Behörde FranceAgrimer haben sich in den vergangenen Wochen aufgrund der trockenen und sehr warmen Wetterlage deutlich verschlechtert im Vergleich zu Ende April. Doch diese Ratings suggerieren immer noch eine Durchschnittsernte. Ein Durchschnittsertrag würde zu einer französische Weizenproduktion führen, die leicht unter dem Vorjahresniveau liegen könnte. Das heißt auch, dass von nun an dort flächendeckender Regen nötig ist. Dieser flächendeckende Regen ist aber aktuell nicht vorhergesagt, was zu weiteren Diskussionen über etwaige Ertragsverluste führen dürfte.

Erste Trockenschäden im Osten Deutschlands

Ebenso in Deutschland sind in diesem Frühjahr nicht überall flächendeckend gute Wachstumsbedingungen zu verzeichnen, doch die Situation sollte nicht so kritisch sein wie aus Frankreich berichtet. Vor allem auf den leichten Standorten in der Mitte Deutschlands oder den östlichen Landesteilen konnten erste Trockenschäden beobachtet werden. Das betrifft vorerst eher Gerste und Roggen und weniger den Weizen. Dennoch ist auch hier in Deutschland für den Weizen mehr Regen nötig. Die derzeitigen Wetterprognosen lassen jedoch hoffen, dass der Regen für den Weizen auch rechtzeitig kommt. Der Deutsche Raiffeisenverband erwartet in diesem Jahr in seiner aktuellen Ernteschätzung eine Weizenproduktion von gut 22 Mio. Tonnen, die damit über dem Vorjahr liegt, aber nicht über dem Mittel der Jahre 2019 bis 2021.

Gute Wachstumsbedingungen in Russland

Doch sind in Europa nicht nur schwache Wachstumsbedingungen zu beobachten. In den baltischen Staaten dürfte in diesem Jahr eine bessere Ernte heranwachsen als im Vorjahr. Ebenfalls sind die Wachstumsbedingungen in Russland weitaus besser als im Vorjahr. Der Mai war sehr kühl und ausreichend Bodenfeuchtigkeit ist im Winterweizengürtel zu verzeichnen. Zuletzt lag eine ähnliche Wetterlage im Jahr 2017 vor. Damals stiegen die russischen Weizenerträge auf ein neues Rekordhoch. Diese Erinnerung an 2017 scheint derzeit auch die aktuellen Ernteprognosen Russlands zu beeinflussen. Die lokalen Markbeobachter rechnen mit einem signifikanten Anstieg der Produktion in diesem Jahr; eine neue Rekordproduktion wird nicht ausgeschlossen.

Fazit: Hoffnung auf gute Erträge bleibt

Für die globale Weizenversorgung sollte festgehalten werden: Gute Erntemengen in den traditionellen Exportländern sind enorm wichtig für die Erhöhung des globalen Angebots, um die Nachfrage, die im kommenden Jahr ähnlich hoch werden sollte wie zwischen 2019/20 und 2021/22, decken zu können. Falls die Erträge in der EU durch die aktuelle Trockenheit stärken leiden, werden die Diskussionen über eine knappe Angebotslage wieder zunehmen. Doch die Hoffnung bleibt, dass die Wetterlage in weiten Teilen der EU nun umschlägt und in diesem Jahr gute Erträge eingefahren werden können.

Unsere Expert:innen geben wertvoll Tipps für tierhaltende Betriebe, was bei Hitze und Trockenheit zu beachten ist.

Andre Stevens von der AGRAVIS Futtermittel GmbH erklärt: Hühner gegen Hitzestress schützen

Standortdaten ändern

Bestimmen Sie hier Ihren Standort. Tragen Sie hierfür lediglich Ihre PLZ sowie die Straße ein.