Insektenmast in der Landwirtschaft
Wie können wir Insekten als alternative Proteinquelle in der Tierernährung nutzen? Gemeinsam mit starken Partnern aus der Insektenbranche sucht die AGRAVIS Raiffeisen AG nach Lösungen.Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar
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Die Larve der Schwarzen Soldatenfliege ist klimafreundlich sowie platz- und ressourceneffizient. Außerdem kann sie ein breites Futterspektrum verarbeiten und damit regionale Lebensmittelrohstoffe in hochwertige Proteine und Fette umwandeln – ganz im Sinne einer Kreislaufwirtschaft.
Gewinnen Sie Protein aus Insekten, stärken Sie eine regionale und versorgungssichere Landwirtschaft, die unabhängiger von globalen Versorgungsengpässen ist. Zudem entstehen durch den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten attraktive Geschäftsmodelle für Sie als Landwirtin oder Landwirt.
Schwarze Soldatenfliege überzeugt mit ihren Eigenschaften
Es gibt acht zugelassene Nutzinsektenarten in der EU. Die Schwarze Soldatenfliege überzeugt vor allem durch ihre hohe Effizienz in den Punkten Zuwachs und Futterverwertung. Zudem stellt sie geringe Ansprüche an das Futtersubstrat. Dadurch können wir sie kostengünstig füttern.
Aus der Schwarzen Soldatenfliege lassen sich als Hauptkomponenten das Insektenmehl und Insektenöl gewinnen.
Insektenmehl
Das Insektenmehl ist vor allem für Jungtiere ein guter Ersatz zu den herkömmlich genutzten Rohproteinquellen. Da es sich hierbei um eine tierische Proteinquelle handelt, überzeugt es durch eine hohe Verdaulichkeit von über 85 Prozent. Außerdem verfügt es über ein interessantes Aminosäure- und Fettsäuremuster. Die Petfood-Industrie ist aufgrund der hypoallergenen Eigenschaften des Proteinmehls von dessen Einsatz im Heimtierfutter überzeugt.
Insektenöl
Das Insektenöl ist leicht verdaulich und kann vom Tier auf schnellem Wege energetisch genutzt werden. Das Öl besteht zu 58 Prozent aus Laurinsäure, einer gesättigten Fettsäure mit bakteriziden und viruszerstörenden Eigenschaften. Aufgrund des interessanten Fettsäuremusters ist das Insektenöl eine interessante Alternative zum Kokos- oder Palmöl, deren Einsatz unter klimatischen Aspekten heutzutage sehr umstritten ist.
Nach einer Mastdauer von 7 bis 10 Tagen werden die Insektenlarven geerntet und zur weiteren Verarbeitung transportiert. Das übriggebliebene Futtersubstrat, der sogenannte Insektenfraß, ist ein guter Dünger mit hohen Nährstoffgehalten sowie einer hohen organischen Substanz. Auch eine Verwendung des Insektenfraß in Biogasanlagen ist möglich.
Die Schwarze Soldatenfliege verfolgt in ihrer kurzen Lebensdauer nur eine Aufgabe – möglichst viele Eier legen. Eine Fliege legt zwischen 500 bis 1.200 Eier. Nach etwa 100 Stunden schlüpfen die Junglarven. Diese werden nun für fünf bis sieben Tage großgezogen. Die Prozesse der Fliegenzucht, Eiablage und Junglarvenaufzucht finden bei unseren Kooperationspartnern statt. Nach der Aufzucht werden die Junglarven zum Landwirt oder zur Landwirtin transportiert. Hier folgt die anschließende Mast für weitere sieben bis zehn Tage. Aus einem Kilogramm Larven-Eiern entstehen 2,4 Kilogramm Protein.
Die Larven werden auf landwirtschaftlichen Betrieben innerhalb spezieller Mastkammern gehalten. Je nach System entscheidet man hier in Kisten oder Schächte. Diese werden einmalig mit einem flüssigen Futterbrei (22 bis 25 Prozent Trockensubstanzgehalt) befüllt und die Junglarven anschließend auf diesen Brei gegeben. Die optimale Masttemperatur beträgt circa 27 Grad Celsius. Nach einer Mastdauer von 7 bis 10 Tagen werden die Tiere geerntet und anschließend zur Weiterverarbeitung aufgearbeitet.
Die Larven der schwarzen Soldatenfliege sind Allesfresser. Sie verfügen über einen hervorragenden Stoffwechsel, der es ihnen ermöglicht ein breites Nahrungsspektrum zu verwandeln. Da die schwarze Soldatenfliege als Nutztier zugelassen ist, sind die Verfütterungsvorschriften einzuhalten. Das heißt: Die Larven müssen mit zugelassenen Futtermitteln gefüttert werden.
Wir bei der AGRAVIS verfügen über ein breites Portfolio unterschiedlicher Futtersubstrate von Ergänzungsfuttermitteln bis hin zu Nach- und Nebenprodukten aus der Lebensmittel- und Ethanolherstellung.
Idealerweise sind eigene Energiequellen auf dem Betrieb vorhanden, da die Energiekosten einen wesentlichen Faktor in der Insektenmast darstellen. Ein vorhandenes Wärmekonzept beispielsweise in Form einer Biogasanlage ist von Vorteil, da die Mastanlagen über die Abwärme beheizt werden können und der Larvenfrass, Kot und Futterreste der Insekten, über die Biogasanlage verwertet werden kann.
Ja. Grundsätzlich können Bestandsgebäude für eine Insektenmastanlage umgebaut werden. Allerdings muss je nach individueller Ausgangssituation abgewogen werden, inwieweit der Umbau eines Bestandsgebäudes sinnvoll ist.