Die Umstellung von der Weide auf die Stallhaltung kann den Pferdemagen belasten. Weniger Bewegung, längere Fresspausen und veränderte Fütterungszeiten können dazu führen, dass Magensäure die empfindliche Magenschleimhaut reizt. Eine ausreichende Versorgung mit Raufutter, kurze Fresspausen und eine angepasste Fütterung helfen dabei, die Magengesundheit zu unterstützen.

Kurz und knapp


  • Die Umstellung von Weide auf Stall kann den Pferdemagen belasten, weil längere Fresspausen und veränderte Fütterungszeiten die natürliche Verdauung stören.
  • Der Pferdemagen produziert kontinuierlich Magensäure. Bleibt der Magen über längere Zeit leer, kann die empfindliche Magenschleimhaut gereizt werden.
  • Ausreichend Raufutter und kurze Fresspausen unterstützen die Magengesundheit und fördern das natürliche Fressverhalten des Pferdes.
  • Auch vor dem Training sollte das Pferd nicht nüchtern sein, damit ein schützender Futterbrei im Magen vorhanden ist.

Wenn die Weidesaison endet, verändert sich für viele Pferde der Alltag grundlegend. Statt stundenlangem Grasen auf der Weide verbringen sie mehr Zeit im Stall. Gleichzeitig erfolgt die Fütterung nur noch zu bestimmten Zeiten. Dadurch entstehen längere Fresspausen. Für den empfindlichen Pferdemagen kann diese Umstellung eine Herausforderung sein. Wie Pferdehalterinnen und Pferdehalter gegensteuern können, erklärt Pferdefütterungsexpertin Anna Röwekamp von der

Equovis GmbH

„Der Tagesablauf sollte sich der Verdauungsphysiologie des Pferdes anpassen und nicht dem Zeitplan des Menschen“, betont sie. Denn Pferde sind von Natur aus darauf ausgelegt, über viele Stunden hinweg kleine Futtermengen aufzunehmen.

Warum lange Fresspausen den Pferdemagen belasten können

Der Magen eines Großpferdes fasst etwa 15 Liter. Damit macht er nur rund zehn Prozent des gesamten Verdauungstrakts aus, der insgesamt etwa 150 Liter umfasst. Aus diesem Grund sollten Pferde ihre tägliche Futterration möglichst auf mehrere kleine Portionen verteilt erhalten. Hinzu kommt, dass der Pferdemagen rund um die Uhr Magensäure produziert. Dieses Verdauungssystem ist an das natürliche Fressverhalten von Pferden angepasst. Als ursprüngliche Steppentiere waren sie über viele Stunden des Tages mit Futtersuche und Futteraufnahme beschäftigt.


Magensäure ist dabei grundsätzlich sinnvoll und notwendig. Sie hilft, den Futterbrei zu desinfizieren und wichtige Verdauungsvorgänge einzuleiten. Problematisch wird es jedoch, wenn der Magen über längere Zeit leer bleibt.

Der Pferdemagen besteht aus einem unteren, drüsenhaltigen Bereich mit schützender Schleimhaut und einem oberen, drüsenlosen Bereich. Dieser obere Bereich ist deutlich empfindlicher gegenüber Magensäure. Gelangt Säure dorthin, kann sie die Schleimhaut reizen und die Entstehung von Magengeschwüren begünstigen.

„Fresspausen sollten möglichst nicht länger als vier Stunden sein“, empfiehlt Röwekamp. Dafür muss ein Pferd nicht dauerhaft vor einer großen Heumenge stehen. Mehrere Heugaben über den Tag verteilt, geeignetes Stroh und bei Bedarf geeignete Knabberäste können dazu beitragen, die Fresszeiten besser zu verteilen. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt immer von der gesamten Futterration und dem einzelnen Pferd ab.

Fünf Tipps für die Umstellung von Weide auf Stall


  1. Fresspausen möglichst kurz halten
    Die Fütterung so planen, dass keine langen Zeiten ohne Raufutter entstehen.
  2. Ausreichend <a href="de/glossar#glossar_Heu" class="glossaryTooltip">Heu<span class="tooltiptext">Heu ist die getrocknete Biomasse von Grünlandpflanzen wie Gräsern, Kräutern und Hülsenfrüchten.</span></a> anbieten
    Die Heumenge an Gewicht, Bedarf und Gesundheitszustand des Pferdes anpassen.
  3. Lange Kauzeiten ermöglichen
    Haltung und Fütterung am natürlichen Fressverhalten orientieren.
  4. Training und Fütterung aufeinander abstimmen
    Das Pferd vor der Arbeit nicht unnötig lange nüchtern lassen und große Kraftfuttergaben rund um das Training vermeiden.
  5. Veränderungen frühzeitig wahrnehmen
    Unruhe, Gewichtsverlust oder ein verändertes Fressverhalten beobachten. Halten Auffälligkeiten an, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden.

Warum Heu für die Magengesundheit so wichtig ist

Ausreichend Rohfaser bildet die Grundlage einer pferdegerechten Fütterung und spielt eine zentrale Rolle für die Magengesundheit. Beim intensiven Kauen von Heu produziert das Pferd Speichel. Dieser enthält Bicarbonate, die Magensäure abpuffern können. Gleichzeitig sorgt das Heu im unteren Magenbereich für einen lockeren Futterbrei, der dazu beitragen kann, den Kontakt der Magensäure mit empfindlichen Magenbereichen zu begrenzen.

Als Orientierung nennt Röwekamp eine tägliche Heumenge von mindestens 1,5 Kilogramm je 100 Kilogramm Körpergewicht. Die Heuration sollte auf mehrere Portionen verteilt werden. Dabei sind die Heuqualität, der individuelle Bedarf und der Gesundheitszustand des Pferdes zu berücksichtigen.


Raufutter unterstützt jedoch nicht nur die Verdauung. Lange Kauzeiten entsprechen dem natürlichen Fressverhalten des Pferdes und fördern das Wohlbefinden. Fehlen Futter und Beschäftigung über längere Zeit, kann Hunger Stress verursachen. Dieser kann wiederum Magenprobleme begünstigen. Darüber hinaus fördert faserreiches Futter die Anzahl der Kauschläge, was sich wiederum positiv auf Zufriedenheit und Sättigungsgefühl auswirkt.

Welches Krippenfutter kann die Kauzeit verlängern?

Neben ausreichend Raufutter spielt auch die Zusammensetzung des Krippenfutters eine Rolle. Ein faserreiches Kraftfutter kann die Kautätigkeit fördern und die Fressdauer verlängern. Getreidefreie Produkte können dabei eine Option sein, sind jedoch nicht automatisch für jedes Pferd die beste Wahl. Entscheidend ist, dass die gesamte Ration zum individuellen Bedarf passt.

Ein Beispiel dafür ist

Höveler Pur.Gastro

Auch

Höveler Pur.Gastro Müsli

Beide Produkte sind Ergänzungsfuttermittel und ersetzen keine ausreichende Versorgung mit Raufutter. Welche Variante sinnvoll ist, hängt unter anderem von der bestehenden Ration und dem individuellen Bedarf des Pferdes ab.

Warum Pferde vor dem Training nicht nüchtern sein sollten

Auch vor dem Training spielt die Fütterung eine wichtige Rolle. Ist der Magen leer, fehlt der Futterbrei, der einen Teil der Magensäure bindet. Durch die Bewegung während der Arbeit kann die Säure leichter in den empfindlichen oberen Magenbereich gelangen.

Röwekamp empfiehlt daher, dem Pferd etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Training Zugang zu Raufutter zu geben. Die konkrete Fütterungsplanung sollte immer zur Gesamtration und zur geplanten Belastung passen. Große Kraftfuttermengen unmittelbar vor oder nach der Arbeit sollten ebenfalls vermieden werden, da sie den Magen zusätzlich belasten können.

Für magenempfindliche Pferde gibt es darüber hinaus spezielle Ergänzungsfuttermittel. Dazu gehört

equinova Gastro-Renon

Solche Produkte können eine bedarfsgerechte Fütterung ergänzen. Sie ersetzen jedoch weder ein gutes Fütterungsmanagement noch die tierärztliche Abklärung bei anhaltenden Beschwerden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viel Futter ein Pferd täglich braucht, hängt von seinem Körpergewicht, seinem individuellen Bedarf, seinem Gesundheitszustand und der Qualität des Futters ab. Für Heu nennt Pferdefütterungsexpertin Anna Röwekamp (Equovis GmbH) als Orientierung mindestens 1,5 Kilogramm je 100 Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Ein 600 Kilogramm schweres Pferd erhält demnach mindestens 9 Kilogramm Heu täglich. Die Menge sollte auf mehrere Portionen verteilt werden.

Fresspausen sollten laut Anna Röwekamp, Pferdefütterungsexpertin bei der Equovis GmbH, möglichst nicht länger als vier Stunden dauern. Mehrere Heuportionen über den Tag verteilt können helfen, lange Pausen zu vermeiden und das natürliche Fressverhalten zu unterstützen.

Beim Kauen von Heu produziert das Pferd Speichel. Dieser enthält Bicarbonate, die Magensäure abpuffern können. Gleichzeitig unterstützt ausreichend Raufutter lange Kau- und Fresszeiten und entspricht damit dem natürlichen Fressverhalten des Pferdes.

Der Pferdemagen produziert kontinuierlich Magensäure. Bleibt er längere Zeit leer, kann die Säure den empfindlicheren oberen Bereich des Magens reizen und Magenprobleme begünstigen. Regelmäßige Raufutteraufnahme hilft, lange Leerzeiten zu vermeiden.

Ja. Anna Röwekamp, Pferdefütterungsexpertin bei der Equovis GmbH, empfiehlt, Pferden etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Training die Möglichkeit zu geben, Raufutter aufzunehmen. Ist der Magen nicht leer, ist Futterbrei vorhanden, der einen Teil der Magensäure bindet.

Ihre Ansprechpartnerin

Anna Röwekamp

Produktmanagerin Höveler Pferdefutter und Supplemente

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