Die Aussicht von oben war eindrucksvoll: Von den Dächern des Futtermittelwerks in Dorsten schweifte der Blick der Gäste über das Gelände, wo täglich an die 1.000 Tonnen Futter produziert werden. Bevor es beim AGRAVIS-Mischfuttertag in die Fachvorträge ging, fuhren viele der eingeladenen regionalen Genossenschaften und Handelspartner mit dem Aufzug auf die höchste Ebene des Werks 1. Von dort arbeiteten sich die einzelnen Gruppen Etage für Etage nach unten – vorbei an Pressen, Hammermühlen, Waagen und Verladezellen. Die Geräusche, Gerüche und Dimensionen der TechnikDie AGRAVIS Technik-Gruppe bietet Landwirt:innen alles, was sie für ihre Arbeit benötigen. machten die Leistung des Standorts Dorsten greifbar.
An vier verschiedenen Presslinien entstehen in Dorsten PelletsHolzpellets sind stäbchenförmige Pellets mit einem Durchmesser von weniger als 25 Millimetern. für
RinderSchweineGeflügelPferdeImpulse aus der Praxis für die Praxis
„Wir treffen uns heute in der Veredlungs-Hochburg für Mischfutter. Dorsten steht für Qualität, Effizienz und Nähe zu unserer Kundschaft“, begrüßte Bernd Schmitz, Geschäftsführer der AGRAVIS Nutztier GmbH, die Gäste zur Vortragsveranstaltung. Mit der zentralen Vertriebsgesellschaft richtete sich die AGRAVIS im Juli 2024 tierartspezifisch aus, um noch mehr auf die Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden einzugehen. Neben dem Mischfutter legt das Team einen besonderen Fokus auf die Spezialfutter und Spezialitäten, um weitere Marktpotenziale zu heben.
Mit Blick auf die politischen Rahmenbedingungen zeigte Schmitz sich vorsichtig optimistisch: „Wir hoffen darauf, dass die neue Regierung uns das Arbeiten im landwirtschaftlichen Kontext wieder leichter macht. Aktuell sind die Rahmenbedingungen gut: Wir sind in einer Phase, in der alle Geld mit der LandwirtschaftLandwirtschaft (oder Agrarwirtschaft) ist ein Wirtschaftsbereich der sogenannten Urproduktion. verdienen – eine gute Voraussetzung für Investitionen.“
<a href="de/glossar#glossar_Rind" class="glossaryTooltip">Rind<span class="tooltiptext">Das Rind (auch Hausrind genannt) ist die domestizierte Form des eurasischen Auerochsen.</span></a>: <a href="de/glossar#glossar_Melken" class="glossaryTooltip">Melken<span class="tooltiptext">Beim Melken wird aus einem Euter Milch gewonnen.</span></a> mit System – Futter, Daten, Beratung
Das Vertriebsteam Rind präsentierte ein ganzheitliches Konzept für automatische Melksysteme. „Unser neues Datenverarbeitungssystem Cowmetrix bildet eine intelligente Schnittstelle auf Roboterbetrieben“, erklärten Steffen Einhaus und Matthias Oskamp, die außerdem drei neue schmackhafte Futtersorten für Melkroboter von Laktaria vorstellten. Eine besondere Kostprobe gab es fürs Publikum: Ein Bonbon brachte das Melonen-Aroma auch auf die Zungen der Teilnehmenden. „Die Süßstoffe dienen als Lockmittel für die Kühe, wodurch ihre Besuche im Melkroboter nachweislich ansteigen“, so die Referenten.
<a href="de/glossar#glossar_Schwein" class="glossaryTooltip">Schwein<span class="tooltiptext">Das Schwein (oder Hausschwein) ist die domestizierte Form des Wildschweins.</span></a>: <a href="de/glossar#glossar_Fütterung" class="glossaryTooltip">Fütterung<span class="tooltiptext">Die AGRAVIS bietet für alle Nutztierarten ein vielfältiges Fütterungs-Programm an.</span></a> trifft Fachwissen
Mit einem interaktiven Quiz sorgte das Team Schwein für unterhaltsame Wissensvermittlung. Bei „Wer wird Schweineprofi?“, angelehnt an das bekannte RTL-Format mit Moderator Günther Jauch, stellten Tierärztin Dr. Sandra Vagt und Michael Ermann aus dem Produktmanagement Schwein der AGRAVIS Nutztier GmbH Fragen rund um Sauenhaltung, Ferkelaufzucht und Schweinemast. Für jede richtige Antwort gab es ein kleines Plüsch-Schwein. Wie sich herausstellte, saßen viele „Schweineprofis“ im Publikum, die bereits bestens mit dem Portfolio der AGRAVIS vertraut waren. Etwas Neues gab es auch für sie: das Futterkonzept OlymPig GastroTop für FerkelDas Hausschwein ist die domestizierte Form des Wildschweins und bildet mit ihm eine einzige Art. mit Absetzdurchfällen. „Unsere Fütterungskonzepte verbinden Leistung, Tierwohl und NachhaltigkeitNachhaltigkeit beschreibt allgemein ein Handlungsprinzip zur Nutzung von Ressourcen.“, erläuterte Ermann, der abschließend noch auf aktuelle Herausforderungen in der Schweinemast und damit die intensive Beratungsleistung der AGRAVIS zu sprechen kam. „Viele Landwirtinnen und Landwirte möchten von Haltungsform 3 auf Haltungsform 4 umstellen – und das bringt ganz neue Anforderungen an die Fütterung mit sich.“
Geflügelhaltung: Zeit für Investitionen
Eine „EGG*zellente“ Zukunft im Bereich Geflügel beschrieb Andre Stevens in seinem Beitrag. „Das Ei erlebt gerade ein Comeback – vor allem bei der jungen Generation, die es wieder verstärkt in ihre Ernährung integriert. Eine steigende Tendenz können wir auch beim Konsum von Geflügelfleisch beobachten“, verdeutlichte der Leiter des Produktmanagements Geflügel bei der AGRAVIS Nutztier GmbH. „Wir erreichen schon jetzt über 86 Prozent der deutschen Haushalte beim Kauf von Geflügelfleisch und Eiern. Das sind beeindruckende Werte, auf die wir künftig aufbauen können.“ Für interessierte Landwirtinnen und Landwirte seien daher die Voraussetzungen günstig, um in neue Ställe zu investieren – auch vor dem Hintergrund, dass der Selbstversorgungsgrad mit Eiern in Deutschland bei nur rund 70 Prozent liege.
B2B: Spezialitäten als Wachstumsfeld
Einblicke in den Bereich B2B lieferten Dieter Jürgens (Leiter Geschäftsfeld B2B und Online bei der AGRAVIS Nutztier GmbH) und sein Team. Jürgens ging auf Spezialitäten in der Tierhaltung ein und hob in diesem Zusammenhang den Standort Dormagen hervor, der Flüssigprodukte herstellt. „Gemeinsam haben wir eine Menge Potenzial. Uns steht ein Teil vom Kuchen zu, den müssen wir uns nur erarbeiten – und das ist eine Teamleistung“, betonte er und nannte mit dem Raiffeisen-MarktIn den eigenen Raiffeisen-Märkten der AGRAVIS stehen die Kund:innen im Mittelpunkt. Neuenkoop ein Beispiel, der die AGRAVIS-MarkenZur AGRAVIS gehören sehr viele eigene Marken, die sie herstellt und vertreibt. wie Miravit, Combimilk oder Crystalyx übersichtlich im Sortiment integriert. Thematisch sortierte Regale weisen Kundinnen und Kunden den Weg. Produkte für Stallhygiene, Schadnagerbekämpfung, Milchkühe, Kälber sowie Fliegenbekämpfung sind so schnell zu finden.
Dieter Jürgens erwähnte außerdem eine besondere Teamleistung: Die Marke DesintecDesintec steht für ein modernes und innovatives Hygienemanagement. ist 25 Jahre alt geworden und hat sich heute mit rund 80 Produkten fest im Markt etabliert. Seit der Gründung im Jahr 2000 bildete das Team zahleiche Hygienemanagerinnen und -manager aus, die die landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort beraten. Anlässlich des Jubiläums findet gemeinsam mit ihnen eine große Feier mit Fachsymposium im September statt.
AGRAVIS-CEO und Gäste diskutierten auf dem Podium
Unter der Moderation von Matthias Schulze Steinmann, Chefredakteur der top agrar, diskutierten Martin Epping (Geschäftsführer Bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft BBAG Rhedebrügge eG), Felix Grosse Verspohl (Vorstand Railand Raiffeisen AG), Landwirtin Konstanze Lülf, AGRAVIS-CEO Dr. Dirk Köckler und Valentin Schulze Spüntrup (Geschäftsfeldleiter Bereich Geflügel der AGRAVIS Nutztier GmbH) auf dem Podium (v. li.).
Die Podiumsdiskussion stand unter dem Motto: „Futtermittelgeschäft 2030 im Verbund: das Zukunftsmodell“. Fünf Teilnehmende – darunter Landwirtin Konstanze Lülf aus Havixbeck (Hähnchenmast, Schweinemast, Hühnermobil, Direktvermarktung) und AGRAVIS-CEO Dr. Dirk Köckler – diskutierten über Herausforderungen, Chancen und Perspektiven im genossenschaftlichen Verbund. „Unser Betrieb wird immer digitaler“, berichtete die 31-jährige Direktvermarkterin. „Anfang des Jahres haben wir eine KI im Stall eingebaut, die die TiereIm Geschäftsbereich Tiere bietet die AGRAVIS vielfältige Services und Dienstleistungen an. den ganzen Tag beobachtet.“
„Wir sollten die Chancen der digitalen Transformation mit Realismus nutzen und dabei nachhaltig denken“, betonte der AGRAVIS-Vorstandsvorsitzende und ergänzte: „Nutztiere zu generieren ist richtig und mutig, aber herausfordernd.“ Um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauche es ein gemeinsames Verständnis. „Im genossenschaftlichen Verbund liegen viele Chancen“, ist sich Köckler sicher. Das Brot- und Buttergeschäft bleibe der klassische AgrarhandelDer Agrarhandel ist ein wesentlicher Bestandteil des Agribusiness..
Auch für Lülf war Gemeinschaftlichkeit das zentrale Stichwort: „Wir sind gut integriert. Es gibt nicht nur das Futter, sondern das ganze Drumherum, die fachliche Beratung, die persönlichen Kontakte.“ Wichtig sei jedoch eine klare Kommunikation, um Reibungsverluste an den Schnittstellen innerhalb der genossenschaftlichen Zweistufigkeit zu vermeiden. „Wir brauchen Verlässlichkeit, Fairness und Transparenz“, so die junge Landwirtin.
Und die Mutmacher für die Zukunft? „Wir haben ein klares Ziel vor Augen und glauben ausdrücklich an uns und unser landwirtschaftliches Kerngeschäft“, hob Köckler hervor. Wichtig sei es, die Marke Raiffeisen zu pflegen.
Für Konstanze Lülf seien es die junge, gut ausgebildete Generation an Betriebsleitenden sowie der gemeinschaftliche genossenschaftliche Gedanke, den jeder weiterträgt. Dem stimmten auch Felix Grosse Verspohl (Vorstand Railand Raiffeisen AG), Martin Epping (Geschäftsführer Bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft BBAG Rhedebrügge eG) und Valentin Schulze Spüntrup (Geschäftsfeldleiter Bereich Geflügel der AGRAVIS Nutztier GmbH), zu: „Wir haben eine Power im Markt, die sonst keiner hat.“
Keynote-Speaker: Veränderungen meistern und Zukunft gestalten
Den Abschluss bildete eine inspirierende Keynote von Stefan Krämer. Er referierte zum Thema „Gemeinsam wachsen: Veränderungen meistern und mit Optimismus in die Zukunft blicken“. Der Geschäftsführer von K Consulting Relationship-Management war sich sicher: „Niemand kann die Landwirtschaft besser gestalten als die Genossenschaften.“
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