Stand 13. August 2026:

Die extrem niedrigen Pegelstände auf wichtigen Wasserstraßen erschweren weiterhin massiv die Logistik in der Agrar- und Futtermittelbranche. Am Rhein können Schiffe derzeit nur noch minimale Mengen an Ladung aufnehmen.
Im Interview ordnen Thomas Wiggering und Jens-Oliver Oster aus dem Bereich 

Agrarerzeugnisse der AGRAVIS ein, wie sicher die Versorgung der Futtermittelwerke ist, welche Rolle Lkw-Transporte spielen, warum die Lage bei Ölschroten besonders angespannt ist und was das Niedrigwasser für die Versorgung mit Mineralölprodukten bedeutet.

Herr Oster, Herr Wiggering, die Pegelstände auf Rhein und Donau fallen weiter. Halten Sie die Versorgung der AGRAVIS-Futtermittelwerke dennoch für gesichert?
Thomas Wiggering: Die Versorgung der AGRAVIS-Futtermittelwerke ist grundsätzlich weiterhin sichergestellt. Allerdings muss man zwischen Getreide und Ölschroten unterscheiden. Für Getreide gilt die angespannte Lage nicht, da die meisten unserer Futtermittelwerke von Kanalstandorten oder regional von Landwirtinnen und Landwirten aus der Ernte beliefert.
Anders stellt sich die Lage bei Ölschroten dar, insbesondere bei Raps- und Sojaschrot. Dieses kommt häufig von Ölmühlen, die am Rhein liegen, Sojaschrot aus den großen Seehäfen in Benelux. Die Schifffahrt ist noch eingeschränkt möglich, aber die Lage verschärft sich täglich. Wir setzen deshalb ergänzend Lkw-Ware ein. Die vorübergehende Freigabe des Lkw-Verkehrs an Wochenenden bringt keine nennenswerte Verbesserung, da die Fahrten im Grunde nur verlagert werden und keine zusätzlichen Fahrerinnen und Fahrer zur Verfügung stehen.

Welche Rolle nehmen Lkw-Transporte künftig ein, wenn Schiffe weniger Ladung aufnehmen können?
Jens-Oliver Oster: Eine vollständige Verlagerung der Transporte auf Lkw wäre nicht machbar. Dafür wären bei größeren Mengen sehr viele Fahrzeuge nötig. Zum Vergleich: Für eine Schiffsladung wären etwa 40 Lkw-Ladungen nötig. Hinzu kommt, dass derzeit Ernte- und Urlaubszeit ist und die Möglichkeiten zur zusätzlichen Lkw-Disposition dadurch begrenzt sind. Insgesamt bleibt die Verlagerung auf die Straße deshalb nur eine ergänzende Lösung.
Logistisch anspruchsvoll wird die Situation vor allem dadurch, dass für die gleiche Transportmenge wegen der geringeren Abladetiefe ungefähr die drei- bis vierfache Anzahl an Schiffen benötigt wird. Für 2.000 Tonnen Ware sind derzeit mindestens fünf bis sieben statt zwei Schiffe erforderlich. Eine nachhaltige Entspannung ist nur bei flächendeckenden Niederschlägen zu erwarten, die aktuell weiterhin nicht in Sicht sind. Ein Indikator für den Rhein ist der Wasserstand am Bodensee – und der befindet sich aktuell auf historischem Tiefststand. Ohne nennenswerte Niederschläge im August könnte sich die Lage weiter verschärfen.

Was bedeutet die Lage für die Kosten der Schiffstransporte?
Oster: Die Kostenentwicklung wird vor allem durch steigende Kleinwasserzuschläge (KWZ) und höhere Gasölpreise bestimmt. Die Schiffe erhalten KWZ für den Verlust der Lademenge; dadurch steigen die Frachten teilweise nahezu auf das Dreifache. Für Transporte über den Rhein aus den Seehäfen sind die Frachten bereits um 100 bis 120 Prozent gestiegen, betroffen sind insbesondere die Werke in Neuss und Wiesbaden. Bei den anderen Werken wirken sich die niedrigen Wasserstände vor allem indirekt über einzelne Teilstrecken über Kleinwasser und die allgemeine Marktlage aus.
Hinzu kommen Gasölzuschläge: Diese fallen seit Anfang März an, und in den vergangenen zwei Wochen ist der Gasölindex nochmals um rund 30 Prozent gestiegen. Im Vergleich zu Anfang März liegen die Zuschläge für Gasöl seit Kriegsbeginn um etwa 20 Prozent höher.
Wiggering: Einige AGRAVIS-Standorte wie in Dörpen, Leer und Oldenburg lassen sich über die nördliche Route, sprich das Ijsselmeer, anfahren. Aus den Seehäfen in Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen und Gent kommt beispielsweise ein Teil der Ölschrote. Auf der Strecke fallen zwar auch Aufschläge an. Sie liegen allerdings deutlich unter denen für die Rhein-Touren.

Welche Auswirkungen hat das Niedrigwasser auf die Versorgung mit Mineralölprodukten?
Wiggering: Auch die Versorgung mit Mineralölprodukten wird zunehmend herausfordernd. Aufgrund des Niedrigwassers sind regionale Versorgungsengpässe nicht auszuschließen. Insbesondere kurzfristige Nachlieferungen könnten sich verzögern.
In enger Abstimmung mit den Vorlieferanten arbeitet der

AGRAVIS-Bereich Energie

Schiffsentladung bei AGRAVIS in Münster

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