Hinweis: Dieses Interview vom 22. Juli 2026 wurde aufgrund der anhaltenden Trockenheit am 3. August aktualisiert und erweitert.
Die anhaltend niedrigen Pegelstände auf wichtigen Wasserstraßen erschweren die Logistik in der Agrar- und Futtermittelbranche. Am Ober- und inzwischen auch am Niederrhein können Schiffe derzeit nur noch etwa ein Drittel oder weniger ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Die Pegel sind weiter gesunken als vorhergesagt.
Im Interview ordnen Thomas Wiggering und Jens-Oliver Oster aus dem Bereich
Herr Oster, Herr Wiggering, die Pegelstände auf Rhein und Donau fallen weiter. Halten Sie die Versorgung der AGRAVIS-Futtermittelwerke dennoch für gesichert?
Thomas Wiggering: Die Versorgung der AGRAVIS-Futtermittelwerke ist grundsätzlich weiterhin sichergestellt. Allerdings muss man zwischen GetreideDie AGRAVIS ist Experte für alle Fragen rund um das Thema Getreide. und Ölschroten unterscheiden. Für Getreide gilt die angespannte Lage nicht, da die meisten unserer Futtermittelwerke von Kanalstandorten oder regional von Landwirtinnen und Landwirten aus der ErnteDie Ernte beschreibt alle Arbeiten zum Einbringen landwirtschaftlicher Gewächse und Früchte. beliefert.
Anders stellt sich die Lage bei Ölschroten dar, insbesondere bei RapsRaps ist eine Pflanzenart und eine wirtschaftlich bedeutende Nutzpflanze.- und Sojaschrot. Dieses kommt häufig von Ölmühlen, die am Rhein liegen, Sojaschrot aus den großen Seehäfen in Benelux. Die Schifffahrt ist noch eingeschränkt möglich, aber die Lage verschärft sich täglich. Wir setzen deshalb schon jetzt ergänzend Lkw-Ware ein.
Welche Rolle nehmen Lkw-Transporte künftig ein, wenn Schiffe weniger Ladung aufnehmen können?
Jens-Oliver Oster: Eine vollständige Verlagerung der Transporte auf Lkw wäre nicht machbar. Dafür wären bei größeren Mengen sehr viele Fahrzeuge nötig. Zum Vergleich: Für eine Schiffsladung wären etwa 40 Lkw-Ladungen nötig. Hinzu kommt, dass derzeit Ernte- und Urlaubszeit ist und die Möglichkeiten zur zusätzlichen Lkw-Disposition dadurch begrenzt sind. Insgesamt bleibt die Verlagerung auf die Straße deshalb nur eine ergänzende Lösung.
Logistisch anspruchsvoll wird die Situation vor allem dadurch, dass für die gleiche Transportmenge wegen der geringeren Abladetiefe ungefähr die doppelte bis dreifache Anzahl an Schiffen benötigt wird. Für 2.000 Tonnen Ware sind derzeit mindestens vier bis fünf statt zwei Schiffe erforderlich. Eine nachhaltige Entspannung ist nur bei flächendeckenden Niederschlägen zu erwarten, die aktuell nicht in Sicht sind. Ein Indikator für den Rhein ist der Wasserstand am Bodensee – und der befindet sich aktuell auf historischem Tiefststand. Ohne nennenswerte Niederschläge im August könnte sich die Lage weiter verschärfen.
Was bedeutet die Lage für die Kosten der Schiffstransporte?
Oster: Die Kostenentwicklung wird vor allem durch steigende Kleinwasserzuschläge (KWZ) und höhere Gasölpreise bestimmt. Die Schiffe erhalten KWZ für den Verlust der Lademenge; dadurch steigen die Frachten teilweise nahezu auf das Doppelte. Für Transporte über den Rhein aus den Seehäfen sind die Frachten bereits um 70 bis 80 Prozent gestiegen, betroffen sind insbesondere die Werke in Neuss und Wiesbaden. Bei den anderen Werken wirken sich die niedrigen Wasserstände vor allem indirekt über einzelne Teilstrecken über Kleinwasser und die allgemeine Marktlage aus.
Hinzu kommen Gasölzuschläge: Diese fallen seit Anfang März an, und in den vergangenen zwei Wochen ist der Gasölindex nochmals um rund 30 Prozent gestiegen. Im Vergleich zu Anfang März liegen die Zuschläge für Gasöl seit Kriegsbeginn um etwa 20 Prozent höher.
Wiggering: Einige AGRAVIS-StandorteDie AGRAVIS-Gruppe bietet ihre Produkte und Dienstleistungen an insgesamt rund 400 Standorten an. wie in Dörpen, Leer und Oldenburg lassen sich über die nördliche Route, sprich das Ijsselmeer, anfahren. Aus den Seehäfen in Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen und Gent kommt beispielsweise ein Teil der Ölschrote. Auf der Strecke fallen zwar auch Aufschläge an. Sie liegen allerdings deutlich unter denen für die Rhein-Touren.
Welche Auswirkungen hat das Niedrigwasser auf die Versorgung mit Mineralölprodukten?
Wiggering: Auch die Versorgung mit Mineralölprodukten wird zunehmend herausfordernd. Aufgrund des Niedrigwassers sind regionale Versorgungsengpässe nicht auszuschließen. Insbesondere kurzfristige Nachlieferungen könnten sich verzögern.
In enger Abstimmung mit den Vorlieferanten arbeitet der
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