Ein Schuss mehr Emotion würde der Wirtschaft guttun


Die Hauptdarsteller der Podiumsdiskussion (v. li.): Moderator Jan Heinecke, Holger Stanislawski (Ex-Fußballprofi und Unternehmer), Hajo Schumacher (Publizist), Stefan Niemeyer (geschäftsführender Gesellschafter des Basketballclubs Rasta Vechta) und Jan Müller (Präsident der oldenburgischen Industrie- und Handelskammer und Unternehmer).


„Wir spielen mit der LandwirtschaftLandwirtschaft (oder Agrarwirtschaft) ist ein Wirtschaftsbereich der sogenannten Urproduktion. in der 1. Liga“: Unter dieser Überschrift stand die Podiumsdiskussion bei der AGRAVIS-Vortragsveranstaltung. Holger Stanislawski, Ex-Fußballprofi und Unternehmer, Jan Müller, Präsident der oldenburgischen Industrie- und Handelskammer und Unternehmer, Stefan Niemeyer, geschäftsführender Gesellschafter des Basketballclubs Rasta Vechta, sowie der Publizist Hajo Schumacher diskutierten unter der Moderation von AGRAVIS-Vorstandsmitglied Jan Heinecke über Gemeinsames und Unterschiede zwischen Sport und Wirtschaft.

Beim Sport regnet es Bierduschen

Während Unternehmen sich häufig in Understatement üben und Erfolge bescheiden auf Zahlen und die sachlich-nüchterne Information reduzieren, lebten sportliche Erfolge von der Emotionalität. „Wenn im Fußball das 1:0 fällt, regnet es Bierduschen. Im Supermarkt machen wir hingegen keine Polonaise, wenn wir vier Scheiben Tilsiter mehr verkaufen“, brachte es Holger Stanislawski überspitzt auf den Punkt. Die Auftritte von Rasta Vechta sorgen regelmäßig für solche Begeisterung mit Auswirkungen ins gesamte Oldenburger Münsterland, wie Stefan Niemeyer stolz verkündete. Wichtig ist dem Verein die AusbildungBei der AGRAVIS werden regelmäßig rund 600 junge Menschen ausgebildet. von Jugendspielern mit dem Effekt, dass die Besten inzwischen in amerikanischen College-Teams spielen.

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Landwirtschaft steckt voller Geschichten

Daher waren sich die Diskutanten darin einig, dass es wichtig sei, Erfolge in der Wirtschaft mit Emotionen zu verknüpfen. Denn: „Wir brauchen Geschichten, um Begeisterung zu wecken“, stellte Hajo Schumacher heraus. „Und die Landwirtschaft steckt voller Geschichten“, so der Berliner Journalist. Auch die AGRAVIS könne noch mehr solcher Geschichten erzählen, „obwohl ihr schon so was wie die Brasilianer der Landwirtschaft seid“, so Schumacher augenzwinkernd. In der öffentlichen Wahrnehmung komme die Branche aus einem jahrelangen Kulturkampf und werde häufig in eine bestimmte Ecke gedrängt, meinte Jan Müller. Tatsächlich bringe die deutsche Landwirtschaft aber Produkte in weltweit einmaliger Qualität und auf einem hohen technischen Standard hervor. „Das ist nicht nur 1. Liga, sondern Champions League“, so Müller.

Basketball sorgt für großen Spaß

Auf dem Podium am Nachmittag wurde am Beispiel von Rasta Vechta über Basketball geredet, beim abendlichen geselligen Ausklang der Vortragsveranstaltung Basketball gespielt. Beim Shootout auf eigens montierte Körbe hatten alle Teilnehmenden großen Spaß.

St. Pauli-Urgestein Holger Stanislawski: Mutig sein und machen


Ex-Fußballprofi und Unternehmer Holger Stanislawski teilte seine Erfolgsgeschichte auf der Vortragsveranstaltung.


Wenn in einem Hamburger Supermarkt freitags abends 3.500 Menschen zwischen den Regalen tanzen, dann hat St. Pauli-Urgestein Holger Stanislawski zum Single Night Shopping eingeladen. Diese Erfolgsgeschichte war Teil der Keynote des langjährigen Bundesligaspielers und -trainers mit dem Titel: „Erfolg und Misserfolg im Sport: Wie die Wirtschaft davon lernen kann.“ Bei der Vortragsveranstaltung der AGRAVIS Raiffeisen AG in der EWE-Arena in Oldenburg machte Stanislawski den rund 500 Gästen Mut, einfach mal zu machen: „Oft ist das Risiko geringer als die Chance dahinter.“

Ein Mann, viele Wege

Holger Stanislawski hat viele Chancen genutzt. Er hat eine Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht, ist eine Größe des FC St. Pauli mit 260 Einsätzen, war Aufstiegstrainer 2010, Fußball-Analyst im Fernsehen, ist Geschäftsführer eines Supermarkts mit wöchentlich 25.000 Kundinnen und Kunden in Hamburg, Tierschützer und mehr. Stanislawski hat oft um die Ecke gedacht und ist voll ins Risiko gegangen: „Das kann schiefgehen, aber eben auch funktionieren.“ Als Beispiel nannte er den 1:0-Sieg im DerbyDerby ist eine Marke der Equovis GmbH. Sie steht für Kompetenz in der Pferdeernährung. gegen den HSV, nachdem St. Pauli dort 37 Jahre nicht mehr gewonnen hatte. Mit seiner Taktik, den dritten Torwart aufzustellen, sorgte Stanislawski dafür, dass alle Spieler diese Negativserie aus dem Kopf bekamen und sich ausschließlich darauf konzentrierten, diese vermeintliche Schwächung auszubügeln. „Was wäre gewesen, wenn wir verloren hätten? Na und, dann hätten wir auch im 38. Jahr verloren. Das Risiko war sehr überschaubar“, meinte Stanislawski lakonisch.

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Ärmel hochkrempeln und mutig sein

Diese Erfahrung nahm er, wie so vieles, aus dem Fußball mit hinüber ins Unternehmertum. „Als Führungskraft muss ich im Wind stehen können und den Rücken gerade machen, wenn etwas nicht klappt. Aber ich muss trotzdem neue Ideen entwickeln und etwas riskieren.“ Und wenn es danebengeht? „Keiner verliert gerne. Es ist immer wichtig, dass man sachlich und gut analysiert und erstmal bei sich selbst anfängt: Hast Du alles gemacht, warst Du bereit? Um dann die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Aber dann muss man auch abhaken können und die Ärmel hochkrempeln.“ Der ehemalige Profispieler findet: „Grundsätzlich etwas machen ist besser, als immer nur zu warten. Einfach mal mutig sein.“

Die vier M für den Erfolg

Wichtig sind Stanislawski dabei die Menschen, sie mitzunehmen und zu begeistern, und zwar alle. Beispiel Single Night Shopping: Kundschaft, Lieferanten und Mitarbeitende kommen ganz ohne Stress zusammen. „Meine Mitarbeitenden zum Beispiel lernen ihre Kundinnen und Kunden ganz anders kennen, nicht unter Zeitdruck, nicht nur fordernd. Die Kundschaft wiederum erlebt ihren Supermarkt ebenfalls ganz anders. Wir haben eine andere Art der Begegnung geschaffen, das ist eine tolle EnergieMobilität, Wärme und Strom sind ein bedeutendes Element für ein modernes Leben.“, schwärmt Stanislawski. Seine vier M für den Erfolg: Menschen müssen Menschen mögen.

Einfach mal machen

Übrigens: Die nächste Idee schwirrt schon in Stanislawskis Kopf herum. „Ich kann mir eine inoffizielle Drohnenflugmeisterschaft vorstellen. Durch die Regale durchfliegen, Artikel abfotografieren – dafür zahlt dann der Lieferant – und dann durch die Kasse fliegen, aber nur eine ist grün. Das Geld spenden wir und jeder hat Mehrwert: die Menschen und der gute Zweck.“ Ist das ein Risiko oder eine Chance? Egal. Einfach mal machen.

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