Mikroorganismen



Produkttypische Flora

Bei den einzelnen Arten wird zwischen produkttypischer und verderbanzeigender Flora unterschieden. Zur produkttypischen Mikroflora zählen die Mikroorganismen, die zum Zeitpunkt der Ernte auf den Pflanzen sind. Diese Keimgruppen werden auch unter dem Sammelbegriff der Feldflora oder Primärflora zusammengefasst. Dazu gehören zum Beispiel bei den Schimmelpilzen die Gattungen Alternaria, Fusarium, Verticillium und Cladosporium. Einige von ihnen, beispielsweise Fusarium, sind auch als potenzielle Toxinbildner bekannt.

Im Verlauf der Ernte, der Verarbeitung oder der Lagerung kann eine Kontamination mit weiteren Keimarten stattfinden, die ebenfalls als typisch angesehen werden: der sogenannten Sekundärflora. Beide Gruppen, die Primär- und die Sekundärflora, werden als produkttypische Mikroflora bezeichnet.

Verderbanzeigende Flora

Während der Lagerung findet immer eine Umschichtung zwischen den einzelnen Arten statt, da diese unterschiedlich an die Bedingungen im Lager angepasst sind. In der Regel sinkt dabei die Keimdichte der ursprünglich vom Feld kommenden Keime (Feldflora) ab. Es vermehren sich jetzt die Keime, die besser an die Bedingungen im Lager angepasst sind. Sie werden deshalb auch Lagerflora oder verderbanzeigende Keimflora genannt. Verderbanzeigend deshalb, weil sich unter ihnen viele Mikroorganismen befinden, die auf einen mikrobiellen Verderb hinweisen (Tabelle 1).

Beurteilung der mikrobiologisch-hygienischen Beschaffenheit nach Keimgruppen (nach VDLUFA 2012)

Bakterien (aerob mesophil)produkttypisch (Feld-/Primärflora)KG 1Gelbkeime, Pseudomonas, Enterobacteriaceen und andere produkttypische BakterienverderbanzeigendKG 2Bacillus, Micrococcus und StaphylococcusKG 3StreptomycetenSchimmel- und Schwärzepilzeprodukttypisch (Feldpilze)KG 4Alternaria und andere Schwärzepilze, Vericillium, Aureobasidium, Acreonium, Fusarium und andere produkttypische Pilzeverderbanzeigend (Lagerpilze)KG 5Aspergillus, Penicillium, Scopulariopsis, Wallemia und andere verderbanzeigende PilzeKG 6MucoralesHefenverderbanzeigendKG 7Hefen aller Gattungen

Typisch für die Lagerflora sind zum Beispiel die Schimmelpilzgattungen Aspergillus, Penicillium und Mucorales. Erstere sind als Mykotoxinbildner bekannt. Aber auch Hefen und bestimmte Bakterien können auf einen Verderb hinweisen.

Anhand des von der VDLUFA erarbeiteten Orientierungsschemas für die Mikrobiologie von Futtermitteln können der Hygienestatus und die Fütterungseignung beurteilt werden. Die in der Tabelle 2 zusammengestellten Keimzahlen für die einzelnen Keimgruppen geben klare Hinweise, wie es um die Qualität bestellt ist. So zeigen hohe Keimzahlen an Schimmelpilzen Mängel bei der Lagerung an. Sie wachsen zuerst, wenn sich die Lagerbedingungen verschlechtern. Infolge ihres Wachstums steigt die Temperatur im Lager und Wasser wird freigesetzt, was wiederum eine Vermehrung von verderbanzeigenden Bakterien zur Folge hat. Es kommt zur Zersetzung, Nährstoffverlust und Anreicherung von schädlichen Stoffwechselprodukten (zum Beispiel Mykotoxine, biogene Amine).

OrientierungswerteKeimgruppeKG 1KG 2KG 3KG 4KG 5KG 6KG 7EinzelfuttermittelBakterien produkttypisch Mio. KBE/gBakterien verderbanzeigend MioStreptomyceten Mio. KBE/gFeldpilze produkttypisch Tsd. KBE/gLagerpilze verderbanzeigend Tsd. KBE/gMucorales Tsd. KBE/gHefen Tsd. KBE/gKörner / SchroteMais20,500,052030560Weizen / Roggen /Triticale50,500,053020230Gerste2010,0540302100Hafer5010,05200502200Kleien (Weizen / Roggen)810,105050280Nachmehle / Grießkleien510,105030250Extrationsschrote110,101020130

Um das Ausmaß der Qualitätsminderung zu beschreiben, wurden vier Qualitätsstufen (Tabelle 3) festgelegt. Dabei entscheidet die jeweils schlechteste Bewertung innerhalb der Keimgruppen über die Wahl der Qualitätsstufe.

Keimzahlstufe (KZS)Der Keimgehalt einer KG überschreitet ...Bewertung der QualitätKZS 1den OW nichtnormalKZS 2den OW bis zum 5-fachen (in der Regel)geringgradig herabgesetztKZS 3den OW bis zum 10-fachenherabgesetztKZS 4den OW um mehr als das 10-facheverdorben

Die mikrobiologische Beschaffenheit von Futtermitteln ist ausschlaggebend für eine spätere Fütterungseignung. Daher muss der Keimgehalt an Bakterien, Schimmelpilzen und Hefen immer so gering wie möglich gehalten werden.

  • Dokument

    Merkblatt zur mikrobiologisch-hygienischen Beschaffenheit von Futtermitteln von der LUFA NRW

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Christoph Reiberg

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