Welchen Einfluss hat die <a href="de/glossar#glossar_Fütterung" class="glossaryTooltip">Fütterung<span class="tooltiptext">Die AGRAVIS bietet für alle Nutztierarten ein vielfältiges Fütterungs-Programm an.</span></a> auf die Knochenentwicklung bei Schweinen?
Michael Ermann: Eine bedarfsgerechte Fütterung von
MastschweinenWirkt sich ein stark reduzierter Gehalt an Phosphor negativ auf die Knochenentwicklung aus?
Ermann: Schweine können ihren Bedarf an verdaulichem Phosphor (P) auch unter einem reduzierten P-Gehalt im Futter decken. Voraussetzung ist jedoch ein angepasstes Fütterungskonzept: Dieses enthält einen standardmäßigen Phytase-Einsatz und eine möglichst exakte Bestimmung der P-Gehalte aus den Rohwaren. Betriebe müssen den Gehalt auch dann untersuchen lassen, wenn sie ihr hofeigenes GetreideDie AGRAVIS ist Experte für alle Fragen rund um das Thema Getreide. verfüttern. Außerdem müssen sie sicherstellen, dass die TiereIm Geschäftsbereich Tiere bietet die AGRAVIS vielfältige Services und Dienstleistungen an. die kalkulierte Futtermenge pro Tag aufnehmen. Ein längerer Ausfall der Fütterungstechnik, ein unpassendes Tier-Fressplatz-Verhältnis, Krankheiten oder Stresssituationen reduzieren die Futteraufnahme und können einen P-Mangel begünstigen.
Wie entstehen Infektionen der Gelenke?
Dr. Sandra Vagt: Viele Bakterien, die zu Gelenkentzündungen (Arthritis) führen, gehören zu der physiologischen Mikroflora der Haut oder den Schleimhäuten des Schweins. Durch negative Umweltfaktoren wie Stress, ein schlechtes Immunsystem oder ein ungünstiges
StallklimaFerkelnWas sind erste Anzeichen einer Gelenkentzündung?
Dr. Vagt: Entzündungen gehen immer mit typischen Symptomen einher: Rötung, vermehrte WärmeDer Bereich Energie der AGRAVIS versorgt die Kundschaft zuverlässig mit Wärme., Schwellung, Schmerz und eine gestörte Funktion des betroffenen Gewebes. Geschwollene Gelenke bzw. gelenknahe Schwellungen können sowohl von festen Kapseln umgeben als auch flüssigkeitsgefüllt sein. Betroffene Bereiche verändern sich manchmal auch schmerzhaft. Das bedeutet, die Tiere sind dort besonders druckempfindlich. Je nach Keim können ein oder mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen sein. Auch der Krankheitsverlauf ist individuell und hängt vom jeweiligen Bakterium ab: Einige Keime lösen Fieber aus, andere wiederum stören das Allgemeinbefinden und die Futteraufnahme geht zurück.
Warum ist die Diagnostik von Gelenkinfektionen so schwierig?
Dr. Vagt: Lahmheiten werden meistens erst sichtbar, wenn sich die Schäden am Knorpel oder Knochen bereits in einem chronischen Stadium befinden. Die Infektion erfolgt häufig im Ferkelalter oder im Flatdeck ohne Symptome. Es dauert eine Zeit lang, bis die Keime den Knorpel oder andere Strukturen des Bewegungsapparates schädigen. Mit zunehmendem Gewicht nimmt auch die Belastung auf betroffene Gelenke zu – erst jetzt werden Lahmheiten sichtbar. Die eigentlichen Verursacher befinden sich häufig nicht mehr im Gelenk. Zudem sind beispielsweise die Keime Haemophilus parasuis oder Mycoplasmen sehr anspruchsvoll in der Anzüchtung im Labor. Am besten eignet sich die Entnahme von Gelenkflüssigkeit nicht vorbehandelter Schweine mit dem typischen Krankheitsbild, wobei eine ausreichend große Stichprobenanzahl wichtig ist. Der alleinige Nachweis des Erregers reicht für eine Diagnose der Erkrankung nicht aus. Erst die Kombination aus Symptomen, Pathologie und Erregernachweis ist entscheidend.
Wie funktioniert die Diagnostik im Labor? Welche Parameter werden bei Lahmheit bestimmt?
Dr. Vagt: Das Labor nutzt Probenmaterial (z. B. Gelenkflüssigkeit) für eine kulturelle Anzüchtung. Hierzu wird die Flüssigkeit auf ein Untersuchungsmedium aufgetragen und unter bestimmten – für den vermuteten Keim ideale – Umweltbedingungen inkubiert. Ist ein Bakterium vorhanden, wächst dieses auf dem Medium und kann anschließend mikroskopiert werden. Gemeinsam mit den klinischen Symptomen, den Befunden aus der Sektion, den histopathologischen Veränderungen des Gelenks und des kulturellen Nachweises kann schließlich der ursächlich verantwortliche Erreger bestimmt werden.
Neuere Untersuchungsmethoden wie die Polymerase-Ketten-Reaktion (kurz PCR) erlauben für bestimmte Bakterien einen Nachweis spezifischer Gensequenzen in Tupferproben. Die PCR ist hochsensitiv und weist die DNA des Erregers nach. Dadurch ist eine eindeutige Bestimmung möglich.
Wie beugen Landwirtinnen und Landwirte Lahmheit am besten vor?
Dr. Vagt: Viele Keime treten durch offene Wunden ein oder vermehren sich, wenn die Umweltfaktoren für das Tier nicht ideal sind. Keimeinträge müssen auf ein Minimum reduziert und die Kolostrumversorgung sichergestellt sein. Besonders beim Kastrieren, Impfen, Kupieren und Zähneschleifen sind saubere Instrumente und Kanülen wichtig. Die Abferkelbucht muss gereinigt und desinfiziert sein. Außerdem sollten Landwirtinnen und Landwirte nach der Geburt auf die Nabelhygiene achten und die Umweltbedingungen sowohl im Abferkelstall als auch im Flatdeck optimieren.
Warum ist eine optimale Kolostrumversorgung wichtig, um Gelenkentzündungen vorzubeugen?
Dr. Vagt: Ferkel besitzen bei ihrer Geburt keine Antikörper. Bis zu einem Alter von 35 Lebenstagen ist ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift. Das Kolostrum der Muttersau ist reich an wichtigen Antikörpern und sorgt somit für einen optimalen Schutz vor Bakterien, Viren und Pilzen – vorausgesetzt, es wird in ausreichender Menge in den ersten Lebensstunden aufgenommen. Ohne diese Abwehrstoffe ist das Ferkel anfällig für Keime, und das Infektionsrisiko steigt stark an.
Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar