Wie ist es in der Ferkelaufzucht möglich, hohe Leistungen trotz geringerer Rohproteingehalte im Futter zu generieren? Zusammen mit der Hochschule Osnabrück gingen wir dieser Frage nach und testeten in einem Praxisversuch unseren ProteinMix. Die Ergebnisse zeigen: Leistung und Sicherheit stehen nicht länger im Widerspruch zueinander. Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Leistung sichern während der Absetzphase

Einen wichtigen Aspekt gilt es zu berücksichtigen: Ein SchweinDas Schwein (oder Hausschwein) ist die domestizierte Form des Wildschweins. hat keinen Bedarf an Rohprotein, sondern an Aminosäuren. In Zeiten von synthetischen Aminosäuren und unterschiedlichen Eiweißquellen ist es einfacher denn je, Proteingehalte ohne Wachstumsverluste im Ferkelfutter zu senken. Besonders ein Zuviel an Rohprotein in der Ration kann, vor allem rund um die Absetzphase bei der Ferkelaufzucht, zu Durchfall führen. Ein geläufiger Ansatz ist dann die Reduktion des Rohproteins. In der Regel geht dies jedoch mit weniger Leistung einher – schlechte Futterverwertung und niedrige Tageszunahmen sind die Folge. Sicherheit geht hier also vor.

Aber muss das sein? Zusammen mit der Hochschule Osnabrück untersuchten wir in einem Praxistest, was nötig ist, um Rohprotein abzusenken und gleichzeitig das Wachstumspotenzial der Ferkel nicht auszubremsen.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Unser Futter für Ihre Ferkelaufzucht: ProteinMix

Unser Produkt besteht aus verschiedenen hochverdaulichen Eiweißquellen und ist besonders reich an Aminosäuren. Der ProteinMix enthält zwei tierische Quellen, die auch Betriebe mit

Wiederkäuern

​​Abbildung 1 zeigt, warum der Rohproteingehalt eines Futters allein keine Aussage zur Proteinqualität erlaubt. Der Anteil der essentiellen Aminosäuren (z. B. Lysin) variiert je nach Proteinquelle. Je mehr essentielle Aminosäuren enthalten beziehungsweise verdaulich sind, desto hochwertiger ist die Proteinquelle.


Abbildung 1: Proteinquelle A enthält viel Lysin und ist enzymatisch leicht zu spalten (leicht verdaulich). Proteinquelle B enthält wenig Lysin und ist enzymatisch kaum abbaubar (schwer verdaulich).


Der Versuchsaufbau im Überblick

  • Zwei Gruppen mit je 192 Ferkeln
  • Rasse: Topigs TN 70 x Pi Select Eber
  • Einstallgewicht: 7,5 Kilogramm
  • 49 Aufzuchttage
  • Trockenfütterung
  • Dreiphasiges Fütterungskonzept je nach Lebendgewicht mit unterschiedlichen Rohproteingehalten in Kontroll- und Versuchsfutter
  • Versuchsgruppe erhielt ein Prozent weniger Rohprotein bei Zugabe des AGRAVIS ProteinMix

Die Ergebnisse unseres Praxistests

Unsere Versuche zeigen, dass Ferkel aus der Versuchsgruppe (einprozentige Rohproteinabsenkung plus AGRAVIS ProteinMix) eine bessere Futterverwertung (siehe Diagramm 2) erreichten als die Kontrollgruppe. Die Tageszunahme war in beiden Gruppen identisch


Das Rohprotein lässt sich absenken, sofern der Anteil verdaulicher Aminosäuren im Futter auf einem hohen Niveau bleibt. Dies gelingt, da wir unser Schweinefutter auf die ersten neun präcaecal verdaulichen (pcv) Aminosäuren optimieren. Nur mit exakt abgestimmten Proteinquellen weist auch Futter mit niedrigem Proteingehalt genug Aminosäuren wie Leucin, Isoleucin und Histidin auf.


Fünf Fragen an Dr. Sandra Vagt

Beim Absetzen der Ferkel ist ihr Verdauungstrakt noch sehr unreif. Der Dünndarm und die Verdauungsenzyme müssen sich erst noch entwickeln. Gelangt nun mehr Eiweiß in den Dünndarm, als enzymatisch verdaut werden kann, steht es Bakterien zur Verfügung. Diese vermehren sich dann überproportional. Die Folge ist eine Dysbiose, eine Störung der physiologischen Zusammensetzung der Darmflora. Diese kann zu Durchfall oder sogar Darmentzündungen führen.

Neben einer hohen Schmackhaftigkeit besitzt die Zusammensetzung aus zwei tierischen Proteinquellen mehrere Vorteile: ein sehr gutes Aminosäureprofil, eine hohe biologische Wertigkeit und Verdaulichkeit. Durch die leichte Verdaulichkeit und die hohe Wertigkeit steigt die Effizienz, mit der das Tier die Futterproteine in körpereigene Proteine umsetzen kann. Und durch das fein abgestimmte Profil können viele Aminosäuren aus dem Rohprotein zum Aufbau eigener Gewebe wie beispielsweise Muskulatur genutzt werden.

Wir rechneten mit diesen Ergebnissen. Schon seit Langem wissen wir, dass Schweine keinen Bedarf an Rohprotein haben. Vielmehr sind es die Aminosäuren im Futter, auf die es ankommt. Daher freue ich mich, dass sich die Theorie mit der richtigen Futterzusammensetzung auch in die Praxis umsetzen lässt.

Was die Chancen für Schweinehalterinnen und Schweinehalter angeht: Durch die Absenkung des Rohproteins minimieren wir das Risiko von Durchfallerkrankungen rund um den Zeitpunkt des Absetzens. So beeinflussen wir die Tiergesundheit positiv und reduzieren gleichzeitig die Kosten für Medikamente und Leistungseinbußen.

Das Rohprotein in der Ration noch weiter abzusenken, ist derzeit nicht möglich. Neben den neun präcaecal verdaulichen Aminosäuren gibt es noch weitere, die die Ferkel benötigen. Diese synthetischen Aminosäuren stehen auf dem Markt noch nicht zur Verfügung. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis die Entwicklung so weit ist. Dann sehe ich eine realistische Chance, das Rohprotein in der Ration weiter abzusenken. Denn wir wissen ja: Das Schwein hat einen Bedarf an Aminosäuren und nicht an Rohprotein.

Sofern neue Aminosäuren futtermittelrechtlich zugelassen sind (z. B. Leucin und Histidin), berücksichtigen wir diese in der Ration. In einem Praxistest können wir dann schauen, welche Absenkung ohne Leistungseinbußen weiterhin möglich ist. Interessant ist auch ein Versuch mit Insektenprotein und der Fragestellung, ob es als hochverdauliche und schmackhafte Komponente in der Ferkelfütterung eingesetzt werden kann.

Ihre Ansprechperson

Kontakt

Sonja Brosthaus

Produktmanagement Sauen und Ferkel