Sie wünschen sich gesunde und leistungsstarke Kühe? Das ist abhängig von den Genen Ihrer Tiere, von deren Aufzucht und davon, wie Sie Ihren Betrieb und die Fütterung managen. Die sogenannte Pansenazidose kann in Milchviehherden auftreten, wenn bei der Fütterung etwas im Argen liegt.Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Was ist Pansenazidose?

Meist ist mit einer Pansenazidose die subakute Form gemeint. Eine solche Pansenazidose liegt vor, wenn im Pansen ein pH-Wert von 5,5 erreicht oder über einen Zeitraum von mehr als fünf Stunden ein pH-Wert von 5,9 unterschritten wird. Der pH-Wert des Pansens einer gesunden KuhDie Kuh ist ein weibliches Hausrind nach der ersten Kalbung. liegt bei etwa 6,2. ​Die akute Pansenazidose ist dagegen selten und tritt vor allem nach Fütterungshavarien auf – also beispielsweise, wenn Ihre TiereIm Geschäftsbereich Tiere bietet die AGRAVIS vielfältige Services und Dienstleistungen an. sich ungehindert am KraftfutterIn der Landwirtschaft gelten Weizen, Gerste, Triticale, Hafer und Körnermais als Kraftfutter. bedienen. Die akute Pansenazidose ist lebensbedrohlich. In vielen Fällen stirbt das Tier.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Vor einigen Jahren untersuchten Forschende deutsche Milchviehherden im Rahmen einer Feldstudie (Kleen et al., 2013). Das Ergebnis: In 88 Prozent aller untersuchten Herden lebten Tiere mit einer subakuten Pansenazidose (engl. SARA – Subacute Ruminal Acidosis). In einigen dieser Herden waren mit 58 Prozent mehr als die Hälfte der Tiere betroffen. Durchschnittlich wurde bei 20 Prozent aller Tiere eine SARA festgestellt. In einigen Herden war hingegen kein einziges Tier oder nur wenige Tiere erkrankt.

Die subakute Pansenazidose ist nicht nur ein Problem, das Milchkühe betrifft. Auch Aufzucht- und Fresserkälber sowie

Mastbullen

Leidet Ihr Tier an Pansenazidose, kann das mehrere Gründe haben. Ist das Futter falsch zusammengesetzt, kann das beispielsweise die Erkrankung verursachen. Schuld können zu hohe Anteile an leicht verdaulichen Kohlenhydraten wie Stärke und Zucker in der Ration sein, wenn das Tier gleichzeitig unzureichend mit Fasern versorgt wird. Füttern Sie nicht „pansensynchron“, kann das ebenfalls zu Problemen führen.

​​​Ideal ist es, wenn Sie verschiedene Rohprotein- und Energiequellen miteinander kombinieren, sodass der Nährstoffabbau im Pansen ungefähr gleichzeitig erfolgt (Pansensynchronisation).

Ein fehlerhaftes Fütterungsmanagement kann ebenfalls zu Pansenazidose führen. Ist der Futtertisch zwischendurch leer, reagieren die Tiere mitunter mit Heißhunger auf die frische Futtervorlage. Ebenfalls ein Problem: Selektives Fressen von einzelnen „Leckerbissen“ wie Silomais oder Konzentratfutter in der Ration. In beiden Fällen sinkt der pH-Wert ab und der Pansen übersäuert.

Wichtig zu wissen: Pansenazidose wirkt sich nicht allein auf den Pansen aus. Betroffene Tiere sind dadurch generell krankheitsanfälliger.

Leiden Ihre Tiere an Pansenazidose, wirkt sich das negativ auf Ihren Betrieb aus. Die Krankheit hat vielfältige Folgen. Betroffene Tiere fressen weniger. Die Milchmenge verringert sich und die Milch enthält weniger Fett. So produzieren Tiere mit einer SARA im Vergleich zu einer gesunden Kuh pro Tag circa 2,7 Kilogramm weniger Milch (Stone, 1999; Abdela, 2016). Auch Folgeerkrankungen wie Schäden am Magen-Darm-Trakt, Leberabszesse und Lahmheiten können auftreten (Abdela, 2016; Krause und Otzel, 2006; Plaizier et al., 2008; Radostits et al., 2007). Pansenazidose ist daher mit enormen wirtschaftlichen Einbußen für die betroffenen Betriebe verbunden. Die wirtschaftlichen Mindererträge bewegen sich zwischen 200 und 400 Euro pro Tier und Fall (Abdela, 2016).

Neben der „klassischen“ Pansenazidose gibt es auch den Fall einer sogenannten Dickdarmazidose. Hier passiert ein zu großer Teil der Stärke unverdaut den Pansen. Diese pansenbeständige Stärke wird normalerweise im Dünndarm absorbiert. Nimmt das Tier allerdings zu viel davon zu sich, gelangt ein Teil in den Dickdarm und kann hier Verdauungsprobleme verursachen.

Das Risiko einer Pansenazidose können Sie umgehen, indem Sie Ihre Kraftfuttergaben an die Grundfuttermengen anpassen, die Rationen passend berechnen und entsprechend füttern. Mithilfe aktueller Parameter zur Pansensynchronisation und Tiergesundheit können Sie die Fütterung zusätzlich optimieren.

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Sabrina Hodi

Produktmanagement Rind

Kleen JL, Upgang L, Rehage J. Prevalence and consequences of subacute ruminal acidosis in German dairy herds. Acta Vet Scand. 2013;55(1):48. Published 2013 Jun 27. doi:10.1186/1751-0147-55-48

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23805878/

Stone, W.C., 1999. The effect of subclinical rumen acidosis on milk components. Proceedings of the Cornell Nutrition Conference of Feed Manufacturers, Syracuse, N.Y. Cornell University, Ithaca, NY, USA, pp. 40–46

Abdela, N., 2016. Sub-acute Ruminal Acidosis (SARA) and its Consequence in Dairy Cattle: A Review of Past and Recent Research at Global Prospective. Achievments in the Life Sciens 10 (2016) 187-196

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2078152016300773

Krause, M.K., Otzel, G.R., 2006. Understanding and preventing subacute ruminal acidosis in dairy herds: a review. Anim. Feed Sci. Technol. 126, 215–236.

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0377840105003196

Plaizier, J.C., Krause, D.O., Gozho, G.N., McBride, B.W., 2008. Subacute ruminal acidosis in dairy cows: the physiological causes, incidence and consequences. Vet. J. 176, 21–31.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18329918/

Radostits, O.M., Gay, C.C., Hinchcliff, K.W., Constable, P.D., 2007. Veterinary Medicine: A Textbook of the Diseases of Cattle, Horses, Sheep, Pigs and Goats. 10th ed. Elsevier, Philadelphia, PA.

Ogunade I, Pech-Cervantes A, Schweickart H. Metatranscriptomic Analysis of Sub-Acute Ruminal Acidosis in Beef Cattle. Animals (Basel). 2019;9(5):232. Published 2019 May 12. doi:10.3390/ani9050232

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31083622/