Neben den Flächenzuwächsen waren die Wachstumsbedingungen in nahezu allen Anbauregionen von Weizen in Europa sehr gut. Auffällig hierbei ist vor allem, dass in keinem EU-Land ein schwacher Weizenertrag eingefahren wurde. Eine solche Beobachtung ist für den großen europäischen Markt selten. In diesem Jahr dürfte sogar ein neuer Rekordertrag eingefahren werden, der mit rund 6,4 t/ha gut 10 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt und den bisherigen Rekord von 6,3 t/ha aus dem Jahr 2015 einstellen sollte.
Stabile Erträge dank günstiger Regenphasen
Dabei waren die Wachstumsbedingungen über die gesamte Vegetationsperiode bei Weitem nicht ideal. Eine langanhaltende Trockenperiode im Mai und Juni sowie zu nasses Erntewetter in wichtigen Anbauregionen zur Ernte führten zu Sorgen vor größeren Ertragseinbußen. Doch rückblickend kam der Regen anscheinend immer zum richtigen Zeitpunkt und die Bestände waren zudem keinem echten Krankheitsdruck ausgesetzt.
Rekorderträge auch in deutschen Bundesländern
Dieses starke Ertragsbild für die EU kann auch auf die einzelnen deutschen Bundesländer heruntergebrochen werden. So sind die ersten offiziellen Erträge aus vielen deutschen Bundesländern nun verfügbar. In Nordrhein-Westfalen soll der beste Ertrag seit 2014 geerntet worden sein, in Niedersachen der beste Ertrag seit 2015, in Sachsen-Anhalt seit 2016, in Schleswig-Holstein seit 2022, in Bayern seit 2020.
Russland: Ertragsrückgänge im Süden, Ausgleich im Zentrum
In Russland zeigt sich in diesem Jahr ein zweigeteiltes Ertragsbild. Im Süden des Landes, wo der große Exportüberschuss vorherrscht, wurden unterdurchschnittliche Erträge eingefahren. Das kann neben witterungsbedingten Wachstumsproblemen auch daran liegen, dass die finanzielle Ausstattung der Betriebe nicht so gut ist, um alle Krankheiten in den Weizenbeständen, die in diesem Jahr beobachtet wurden, zu behandeln. Im Zentrum Russlands dagegen waren die Erträge hingegen viel besser als ein Jahr zuvor, weil anders als im Vorjahr ausreichende Niederschläge gefallen sind. Somit wurden hohe Ertragsrückgänge aus dem Süden durch bessere Erträge aus dem Zentrum oder Osten ausgeglichen. Doch der viele Regen soll zu höheren Qualitätsverlusten geführt haben. So sollen Auswuchs und Fallzahlprobleme beim Weizen im Zentrum und im Osten Russlands keine Seltenheit sein. Wenn das tatsächlich der Fall ist, dürfte Russland nicht so viel Qualitätsweizen exportieren können wie in den Vorjahren.
Ukraine: Schwache Erträge im Süden, Ausgleich im Norden
In Süden der Ukraine wurden ebenfalls schwache Weizenerträge eingefahren. Jedoch konnte der Norden des Landes diese Ertragsverluste fast wettmachen, so dass die Produktion nicht so niedrig ausfällt wie zu Beginn der Erntesaison vermutet wurde.