Disclaimer

Bei den Marktanalysen handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung! Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können eine Prognose bezüglich der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.

Wochenbericht 24. August 2026


  • Die globale Wachstumsrate der Milchprodukion sinkt

Die globale Milchproduktion sollte von Januar bis Ende August 2026 weiter höher liegen als im Vorjahr, doch die Wachstumsrate sinkt derzeit im Vergleich zu den Vormonaten. Höchste Wachstumsraten sind in Brasilien, Argentinien und Neuseeland zu beobachten. Die US-Produktion bleibt ebenfalls höher als im Vorjahr, die Milcherzeugung in Russland sinkt derzeit überraschend stark. In der EU bleibt die Milcherzeugung höher als 2025, allen voran in Deutschland (+6,5 %), in Tschechien und den Niederlanden (jeweils 5 %), in Italien, Polen und Frankreich (jeweils 3 %). Die Milcherzeugung sinkt im Jahresvergleich in Irland, ein stärkerer Rückgang ist nun auch in England zu beobachten. Leicht weniger Milch als im Vorjahr wird auch in den baltischen Staaten erzeugt, in Spanien und Dänemark/Skandinavien steigt die Milchproduktion nur leicht.


  • Die Ethanolerzeugung in Argentinien

Die Ethanolerzeugung in Argentinien soll nach Schätzungen des USDA-Attachés im Kalenderjahr 2026 weiter wachsen aufgrund höherer Beimischungen in das konventionelle Benzin. Die Produktion sollte 2026 1,4 Mio. m³ erreichen nach 1,3 Mio. m³ im Vorjahr. 2020 lag die Produktion noch bei 0,8 Mio. m³. Wichtigste Rohstoffe sind dabei MaisMais ist eine Pflanzenart und gehört zur Familie der Süßgräser. mit 1,9 (Vorjahr: 1,8; 2020: 1,0) Mio. t und Melasse mit 2,2 (2,1; 1,6) Mio. t. Dagegen soll die Biodieselproduktion in Argentinien nicht stark wachsen, sie verharrt bei rund 1,05 Mio. t im Jahr. Die inländische Produktion wird aber immer stärker im Binnenmarkt verwendet, der Exportüberschuss sinkt. Die Beimischungsrate liegt derzeit bei rund 7 % nach 6 % im Vorjahr und gegenüber 5 % im Jahr 2020.


  • Weizenqualität Frankreich <a href="de/glossar#glossar_Ernte" class="glossaryTooltip">Ernte<span class="tooltiptext">Die Ernte beschreibt alle Arbeiten zum Einbringen landwirtschaftlicher Gewächse und Früchte.</span></a> 2026

Die Qualität der französischen Weizenernte 2026 fällt trotz der <a href="de/glossar#glossar_Hitze" class="glossaryTooltip">Hitze<span class="tooltiptext">Die Themen Hitze und Trockenheit werden im Rahmen des Klimawandels immer wichtiger.</span></a>- und trockenheitsbedingt kleineren Ernte überdurchschnittlich gut aus. Nach vorläufigen Ergebnissen von FranceAgriMer und Arvalis erreichen 90 % der Proben einen Proteingehalt von mindestens 11 % und damit deutlich mehr als im Fünfjahresmittel (80 %). Auch das Hektolitergewicht überzeugt: 96 % der Proben liegen 76 kg/hl, verglichen mit nur 61 % im Fünfjahresdurchschnitt. Zudem erfüllen alle bislang untersuchten Proben die Anforderungen an die Fallzahl (mindestens 250 Sekunden). Die diesjährige Ernte dürfte damit eine überdurchschnittliche Mahl- und Backqualität aufweisen.


  • Globale Weizenexporte 2026/27

Globale Weizenexporte 2026/27 starten so schwach wie zuletzt im Wirtschaftsjahr 2016/17. Die Folgen der Angriffe Russlands und der Ukraine auf die Exportinfrastruktur beider Länder haben im August zu einem kräftigen Rückgang der Exportmengen geführt. So sollten in den ersten beiden Monaten des Wirtschaftsjahres 2026/27 rund 25 Mio. t Weizen bewegt werden, nach knapp 30 Mio. t in der Vorjahresperiode. Die Ausfuhren Russlands sollten auf 4 bis 4,5 Mio. t (Vorjahresperiode: 6,2 Mio. t) fallen, aus der Ukraine auf rund 2 Mio. t (2,6 Mio. t). Auch die Ausfuhren der USA sinken deutlich auf 3,8 Mio. t (5,0 Mio. t), während die Exporte Kanadas gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert sind. Die EU-Exporte dürften ebenfalls nahezu unverändert zum Vorjahr bei 4,5 bis 5 Mio. t liegen.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

  • USA Maisgürtel

Deutlich wärmer und trockener als im Vorjahr verlief der August in den nördlichen Anbauregionen von Mais und Sojabohnen (aber nicht höher als im langjährigen Mittel). Der Mais befindet sich dort noch in der wichtigsten Wachstumsphase, die Sojabohnen wie auch in den anderen Anbauregionen. Daher kann die trockene Wetterlage die Ertragsaussichten noch schmälern. Die Ernteprognosen für Mais und Sojabohnen rücken bei dieser Wetterlage stärker in den Blickpunkt.


  • Kanadische Prärien

Lokal herrscht kein gutes Erntewetter aufgrund zu hoher Niederschläge in den kommenden zehn Tagen. Der Regen kam Anfang August zudem deutlich zu spät, um die Ertragsaussichten nach dem trockenen Juli noch spürbar zu verbessern. Derzeit wird eher mit einer guten Durchschnittsernte bei GetreideDie AGRAVIS ist Experte für alle Fragen rund um das Thema Getreide. und Ölsaaten gerechnet als mit Spitzenerträgen. Das Augustwetter 2025 war deutlich besser für einen guten Erntefortschritt.


  • Kasachstan/Russland Sommerweizengürtel

Eine sehr kritische Wachstumsphase für den Weizen war in Kasachstan während der wichtigsten Entwicklungsphase der Bestände zu beobachten. Zwischen Mitte Juli und Mitte August lagen die Höchsttemperaturen im Durchschnitt 5 °C über dem langjährigen Mittel. Zudem wurden keine nennenswerten Niederschläge registriert. Private Marktbeobachter senken ihre Ernteerwartungen nun deutlich. Pessimisten sehen die Weizenproduktion bei 11 Mio. t, Optimisten bei 15 Mio. t, nach über 18 Mio. t im Vorjahr. Bei einer Produktion von unter 15 Mio. t sinkt der Exportüberschuss für Weizen deutlich auf unter 7 Mio. t, nachdem in der Saison 2025/26 noch über 10 Mio. t (inklusive Mehl) exportiert wurden. In den östlichen Sommerweizenanbauregionen Russlands sind ebenfalls hohe Ertragsverluste zu erwarten. Erste Ertragsergebnisse (Erntefortschritt 15%) aus dem Osten Russlands haben sich im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert. Im Sommerweizengürtel werden in den kommenden zehn Tagen nun deutlich überdurchschnittliche Niederschläge erwartet, was den Erntefortschritt wiederum verlangsamen dürfte.


  • Maisgürtel Schwarzmeerraum

Eine relativ trockene Wetterlage wird weiterhin im Maisgürtel der Ukraine beobachtet. Der August dürfte, ebenso wie bereits der Juli, trockener als in normalen Jahren ausfallen. Die Wetterlage im ukrainischen Maisgürtel für die Ernte 2026 ähnelt derzeit stark der Situation zur Ernte 2024. Dies könnte dazu führen, dass die diesjährige Maisproduktion die Marke von 30 Mio. t nur schwer überschreiten kann. Die Produktion 2025 erreichte gut 31 Mio. t, während 2024 knapp 28 Mio. t Mais erzeugt wurden. Die trockene Wetterlage in Rumänien und Bulgarien dürfte die teilweise guten Maisertragsaussichten ebenfalls wieder geschmälert haben. Dies betrifft derzeit vor allem die östlichen Anbauregionen. In den westlichen Anbaugebieten lagen die Ertragsaussichten allerdings bereits zuvor deutlich unter den Erträgen normaler Jahre. In Russland bleibt nun auch der Süden zu trocken. Dies könnte punktuell die Ertragsaussichten für Sonnenblumen, Sojabohnen und Mais beeinträchtigen. Im Zentrum des Landes ist dagegen weiterhin eine sehr gute Bodenfeuchtigkeit für das Wachstum der Sommerkulturen zu beobachten.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Quellen: Reuters, USDA, OIL WORLD, Eurostat, AHDB, USDA-Attaché, BLE, Destatis, StatCan

Kontakt

Bernhard Chilla

Leiter volkswirtschaftliche Abteilung Agrarerzeugnisse