Disclaimer

Bei den Marktanalysen handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung! Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können eine Prognose bezüglich der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.

Wochenbericht 16. September 2026


  • Der globale Körnermaishandel 2025/26

Der globale Körnermaishandel hat 2025/26 (September/August) einen neuen Rekord aufgestellt. Weltweit wurden rund 200 Mio. t Mais gehandelt, verglichen mit 182 Mio. t im Vorjahr. Der vorherige Rekord stammte aus dem Wirtschaftsjahr 2023/24. Die Ausfuhren der USA stiegen auf gut 87 Mio. t (Vorjahr: 73 Mio. t), Argentinien exportierte 37 Mio. t (35 Mio. t), Brasilien 40 Mio. t (38 Mio. t) und die Ukraine unverändert zum Vorjahr rund 21 Mio. t. Die wichtigste Importregion war Asien, allen voran Südostasien. Auch Süd- und Mittelamerika steigerten ihre Einfuhren signifikant, während Nordafrika seine Importe erheblich ausweitete. Hauptgrund hierfür ist das starke Wachstum der Geflügelfleischerzeugung. Dadurch ist weltweit auch der Sojaschrotbedarf deutlich gestiegen. Die Einfuhren der EU haben sich im Jahresvergleich nur leicht erhöht, und China importierte wie bereits 2024/25 wieder sehr wenig MaisMais ist eine Pflanzenart und gehört zur Familie der Süßgräser. . Im Wirtschaftsjahr 2023/24 war China noch einer der wichtigsten Maisimporteure der Welt.

Die Maisproduktionsschätzung 2026 wurden gesenkt auf gut 46 (vorher: 49; Vorjahr: 57) Mio. t, da in nahezu allen EU-Ländern die Schätzung noch einmal reduziert wurde. Frankreich soll 6,6 (Vorjahr: 13,6) Mio. t Körnermais erzeugen, Rumänien/Bulgarien 10 (8) Mio. t, Ungarn 1,7 (3,9) Mio. t, Polen 9 (9) Mio. t und Italien 4,3 (5,3) Mio. t


  • Malaysia Palmölproduktion

In Malaysia sinkt die Palmölproduktion seit zwei Monaten im Vergleich zum Vorjahr. Damit ist die Produktion zwischen Januar und August 2026 mit 12,6 Mio. t nahezu unverändert gegenüber der Vorjahresperiode. Die Bestände Ende August 2026 liegen mit 2,8 Mio. t jedoch weiterhin deutlich über dem Vorjahresniveau (2,2 Mio. t). Der Grund dafür ist, dass im Export- und Binnenmarkt weiterhin weniger Palmöl verbraucht wird, als erzeugt wird. Die Produktion müsste derzeit auf unter 1,7 Mio. t pro Monat fallen (aktuell: 1,8 Mio. t), damit die Bestände bei den aktuellen Verbrauchszahlen wieder sinken. Aktuell verschiebt sich in Malaysia auch das Nachfragebild. Während der Verbrauch im Binnenmarkt gegenüber dem Vorjahr stärker zurückgeht, steigen die Exporte.


  • Indonesien Palmölproduktion

Die Palmölproduktionsaussichten in Indonesien dürften die kommenden Monate stärker ins Blickfeld kommen. Die Niederschläge fallen deutlich im Vergleich zum Vorjahr: Die Niederschläge in Indonesien liegen 2026 bislang deutlich unter dem Vorjahr, insbesondere seit Juli. August erreichte landesweit nur 44 % des Durchschnitts gegenüber 169 % im August 2025. Besonders trocken ist Kalimantan, wo im August lediglich 21 % des durchschnittlichen Niederschlags fielen (Vorjahr: 151 %). Auch Sumatra verzeichnet seit Juli und August unterdurchschnittliche Niederschläge von 80 % bzw. 69 % des Normalwerts. Nach einem überwiegend normalen bis feuchten Jahresbeginn hat sich die TrockenheitDie Themen Hitze und Trockenheit werden im Rahmen des Klimawandels immer bedeutender. seit Juni/Juli 2026 deutlich verschärft.


  • Getreideproduktionschätzungen

Expana (vormals Strategie Grains) senkt seine Weizenproduktionsschätzung 2026 (ohne Durum) für die EU & UK auf 138 (vorher: 140; Vorjahr: 149) Mio. t, da die Ernteschätzungen für Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich stärker gesenkt wurden. Erhöht wurden die Ernteerwartungen für das Baltikum und Polen. Auffällig ist die starke Erhöhung für Litauen. Das passt jedoch nicht zu den Ernteberichten von Landwirten. Zu niedrig könnte dagegen die Schätzung für Lettland sein.

Das französische Landwirtschaftsministerium senkt die Getreideproduktionsschätzungen für 2026 für Frankreich weiter. Die Weizenerzeugung ohne Durum wird nun auf 31,7 (vorher: 31,9; Vorjahr: 33,3) Mio. t geschätzt, GersteDie Gerste ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Süßgräser zählt. auf 10,8 (11,0; 11,9) Mio. t und Körnermais auf 8,1 (9,0; 13,9) Mio. t. Die Rapsproduktionsschätzung für 2026 bleibt unverändert bei 4,7 (Vorjahr: 4,6) Mio. t.

Das spanische Landwirtschaftsministerium senkt die Produktionsschätzungen für 2026. Die Weizenerzeugung (ohne Durum) liegt nun bei 6,1 (vorher: 6,5; Vorjahr: 7,8) Mio. t, die Gerstenerzeugung bei 7,2 (8,0; 9,2) Mio. t. Die Getreideproduktion 2026 nähert sich damit wieder dem Niveau des Jahres 2024 an. Spanien bleibt damit ein Getreideimporteur von 16 bis 18 Mio. t, verglichen mit 16 Mio. t in 2024/25 und gut 16 Mio. t in 2023/24.

Getreideexport-Update Russland, Juli bis Mitte September 2026: Die Weizenexporte fallen auf 4,4 (Vorjahresperiode: 7,7; vor zwei Jahren: 10,9) Mio. t, die Gerstenexporte auf 0,65 (1,6; 2,0) Mio. t. Die Maisexporte erreichen 0,6 (0,5; 0,8) Mio. t.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

  • Australien

Der September bleibt bislang in den wichtigsten Anbauregionen Australiens deutlich trockener als im Vorjahr, insbesondere in Western Australia und im Osten des Landes. In New South Wales und Western Australia wurden 2025 rund 70 % der australischen Weizenproduktion geerntet. Eine günstige Wachstumslage in Victoria kann mögliche stärkere Ertragsrückgänge, insbesondere in New South Wales, nur teilweise ausgleichen. Bis Ende September sind in allen Anbauregionen noch ergiebige Niederschläge erforderlich, um die derzeit hohen Ertragserwartungen zu erfüllen. Die aktuelle Wetterlage spricht jedoch eher gegen eine nachhaltige Verbesserung der Bodenfeuchtigkeit und der Ertragsperspektiven. Vor diesem Hintergrund erscheint derzeit eher eine australische Weizenproduktion von 27 bis 29 Mio. t realistisch als die aktuelle Schätzung von ABARES von gut 29 Mio. t (Vorjahr: 35 Mio. t). In Australien wird weiterhin intensiv über die tatsächlichen Anbauflächen 2026 diskutiert. Einige Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Weizenfläche 2026 mit einem Rückgang von über 20 % deutlich stärker gesunken ist als die offiziellen Schätzungen von gut 10 %. Gleichzeitig könnte die Gerstenfläche stärker ausgeweitet worden sein als bislang angenommen.


  • Kanadische Prärien

Heftige Niederschläge Anfang September haben den Erntefortschritt in Kanada deutlich verlangsamt. Aktuell herrscht zwar wieder günstigeres Erntewetter, doch bereits ab dem Wochenende werden erneut umfangreiche Niederschläge erwartet. Gleichzeitig sollen die Temperaturen deutlich unter das langjährige Mittel fallen, was die Feldarbeiten zusätzlich erschwert und den Erntefortschritt weiter verzögern dürfte. Die kanadische Ernte 2026 kommt somit weiterhin deutlich langsamer voran als im Vorjahr. Insbesondere in den Prärieprovinzen steigt damit das Risiko von Qualitätsverlusten und einer verlängerten Ernteperiode.


  • EU

Der September bleibt in den französischen Rapsanbaugebieten deutlich zu trocken. Besonders im Rapsgürtel Frankreichs sowie im Südosten der EU wird dringend mehr Niederschlag benötigt, nachdem die Niederschlagsprognosen zuletzt in nahezu allen Anbauregionen erneut nach unten korrigiert wurden. Für Wintergerste und Winterweizen stellt die aktuelle Wetterlage bislang noch kein ernsthaftes Problem in der EU dar. Für die Vorwinterentwicklung der Winterkulturen wären jedoch in fast allen Anbauregionen höhere Niederschläge hilfreich. Das Hauptaugenmerk des Marktes liegt derzeit eindeutig auf dem Rapsgürtel Frankreichs und der Entwicklung der Rapsbestände im Südosten der EU.

Quellen: Reuters, USDA, OIL WORLD, Eurostat, AHDB, USDA-Attaché, BLE, Destatis, StatCan

Kontakt

Bernhard Chilla

Leiter volkswirtschaftliche Abteilung Agrarerzeugnisse