Disclaimer

Bei den Marktanalysen handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung! Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können eine Prognose bezüglich der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.

Wochenbericht 27. Mai 2026


  • Weizenproduktionsaussichten (ohne Durum) Exportländern Erntejahr 2026/27

Die Produktionsaussichten 2026/27 für Weizen (ohne Durum) bleiben schwächer im Vergleich zur Rekordproduktion 2025/26, aber nahezu unverändert zu den bisherigen Erwartungen. In nahezu allen wichtigen Anbauregionen wird ein Rückgang erwartet.

USA: Die US-Weizenproduktionsschätzung wurde weiter gesenkt, aufgrund der sehr schwachen Ernteaussichten im Süden des Landes. Das USDA sieht die Weizenproduktion rund 10 Mio. Tonnen niedriger als im Vorjahr, private Marktbeobachter sind aber nicht so negativ.

EU: Die EU-Produktion bleibt mit 142 bis 143 Mio. Tonnen nahezu unverändert gegenüber der vorherigen Schätzung. Unterschiede zeigen sich jedoch im Detail: Die Weizenproduktion in Frankreich wird leicht niedriger erwartet als bislang, während sie in anderen Anbauregionen – allen voran in Deutschland – leicht höher ausfallen dürfte. Insgesamt bewegt sich die EU-Produktion weiterhin nahe am wichtigen Schwellenwert von 140 Mio. Tonnen. Eine Produktion unter 140 Mio. Tonnen dürfte das Exportpotenzial der EU in der Saison 2026/27 wieder stärker begrenzen (auf maximal etwa 30 Mio. Tonnen).

Russland: In Russland kommt die Sommerweizenaussaat nur sehr langsam voran. Derzeit wird das langsamste Aussaattempo seit mindestens sechs Jahren beobachtet. Die gemeldeten Aussaatflächen liegen aktuell knapp 2 Mio. ha unter dem Vorjahr und rund 3 Mio. ha unter dem langjährigen Mittel. Aufgrund der geringeren Anbaufläche für Sommerweizen dürfte die russische Weizenerzeugung 2026 nicht deutlich über dem Vorjahresniveau liegen. Ernteschätzung unverändert zum Vorjahr dank sehr guter Wachstumsbedingungen im Süden des Landes.

Australien: Die Anbaufläche für Weizen könnte deutlich zurückgehen. Im Raum stehen Rückgänge von 7 bis 21 Prozent. Ein Minus von 21 Prozent dürfte jedoch zu hoch gegriffen sein. Dennoch würde bereits ein Rückgang von rund 7 Prozent ausreichen, dass die Erzeugung bei einem El Niño deutlich unter die wichtige Marke von 30 (Vorjahr: 36) Mio. Tonnen fällt.


  • Indonesien

In Indonesien könnte sich die Exportpolitik in den kommenden Monaten drastisch verändern. Die Regierung plant umfassende Maßnahmen, was bei Agrargütern vor allem die globale <a href="de/glossar#glossar_Pflanzen" class="glossaryTooltip">Pflanzen<span class="tooltiptext">Die AGRAVIS ist Expertin in ihrem Geschäftsbereich Pflanzen.</span></a>ölversorgung betreffen dürfte.

Indonesien plant, Exporte von Palmöl, Kohle und Ferrolegierungen künftig über eine staatliche Agentur abzuwickeln, um mehr Kontrolle über Rohstoffe und höhere Staatseinnahmen zu erzielen.

Nach einer Übergangsphase von etwa drei Monaten (ggf. bis Jahresende verlängerbar) übernimmt die staatliche Einheit PT Danantara Sumber Daya den Handel mit dem Ausland.

Künftig kauft diese Stelle die Rohstoffe im Inland und verkauft sie an ausländische Käufer zu Benchmarkpreisen.

Ziel ist, mehr Transparenz zu schaffen, Unterbewertung zu verhindern, Staatseinnahmen zu steigern und die Landeswährung zu stabilisieren.


  • Rapversorgungslage 2026/27 in den wichtigsten Ländern der Welt

Die Rapsversorgungslage für 2026/27 in den wichtigsten Ländern der Welt dürfte sich im Jahresvergleich kaum verändern. Die Endbestände bleiben im Vergleich zum Fünfjahresmittel nahezu unverändert. Die globale Rapsanbaufläche dürfte zur Ernte 2026/27 einen neuen Rekord erreichen – eine Ausdehnung der Anbauflächen wird in nahezu allen wichtigen Produktionsländern erwartet. Gleichzeitig dürfte auch die Verarbeitung von Rapssaat einen neuen Rekord aufstellen, da vor allem in Kanada mehr <a href="de/glossar#glossar_Raps" class="glossaryTooltip">Raps<span class="tooltiptext">Raps ist eine Pflanzenart und eine wirtschaftlich bedeutende Nutzpflanze.</span></a> als in den Vorjahren verarbeitet werden sollte.

Kanada: Das Aussaattempo in Kanada sollte in diesem Jahr stärker in den Fokus rücken. Eine sehr kühle und nasse Wetterlage im Rapsgürtel verzögert die Aussaat. Je nach Region muss der Raps zwischen dem 5. und 15. Juni im BodenDer Boden wird umgangssprachlich auch Erde oder Erdreich genannt. sein, damit eine Ernteversicherung abgeschlossen werden kann. Die Rapsanbaufläche soll im Jahresvergleich um 3 bis 5 Prozent steigen. Die Produktionsaussichten 2026/27 liegen bei angesetzten überdurchschnittlichen Erträgen bei rund 21 Mio. Tonnen (Vorjahr: 21,7 Mio. Tonnen; Fünfjahresmittel: 19 Mio. Tonnen). Im Binnenmarkt dürfte die Verarbeitung mit rund 13 Mio. Tonnen (Vorjahr: 12 Mio. Tonnen; 10,5 Mio. Tonnen) weiter steigen, sodass das Exportpotenzial mit etwa 8 Mio. Tonnen im Bereich des Vorjahresmittels liegen dürfte.

Australien: Die El-Niño-Wetterlage in Australien könnte die Ertragsaussichten 2026/27 schmälern. Da jedoch die Anbaufläche weiter steigen soll, dürfte die Produktion dennoch rund 6 Mio. Tonnen erreichen (Vorjahr: 7,6 Mio. Tonnen; Fünfjahresmittel: 7 Mio. Tonnen). Im letzten ausgeprägten El-Niño-Jahr 2019 lag die Erzeugung aufgrund sehr niedriger Anbauflächen nur bei 2,5 Mio. Tonnen. Der Exportüberschuss dürfte infolge der geringeren Ernte auf rund 5 Mio. Tonnen (Vorjahr: 5,5 Mio. Tonnen; Fünfjahresmittel: 5,8 Mio. Tonnen) zurückgehen.

Ukraine: In der Ukraine bleiben die Ertragsaussichten trotz lokaler Probleme durch Frostschäden stabil. Die Produktion dürfte mit rund 3,5 Mio. Tonnen leicht über dem Vorjahr von 3,3 Mio. Tonnen liegen, während das Fünfjahresmittel bei etwa 3,7 Mio. Tonnen liegt. Im Binnenmarkt sollten erneut rund 1 Mio. Tonnen Raps verarbeitet werden, sodass der Exportüberschuss mit gut 2 Mio. Tonnen unter dem Fünfjahresmittel von etwas über 3 Mio. Tonnen bleibt.

EU & UK: In der EU & UK bewegen sich die Ertragsaussichten weiterhin über dem Fünfjahresmittel, liegen jedoch unter dem sehr guten Ertragsjahr 2025/26. Die Produktion sollte bei einer höheren Anbaufläche das gute Vorjahresniveau von rund 21 Mio. Tonnen erreichen (Fünfjahresmittel: 20 Mio. Tonnen). Im Binnenmarkt dürften erneut 26 bis 27 Mio. Tonnen Raps verarbeitet werden, sodass Importe von 6 bis 7 Mio. Tonnen notwendig sind, um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

  • Schwarzmeerraum

Keine HitzeDie Themen Hitze und Trockenheit werden im Rahmen des Klimawandels immer wichtiger. und TrockenheitDie Themen Hitze und Trockenheit werden im Rahmen des Klimawandels immer bedeutender. erwartet – vielmehr könnten kräftige Niederschläge für Probleme sorgen. Hohe Niederschlagsmengen werden weiterhin in weiten Teilen des Winterweizengürtels erwartet. Vor allem der Süden Russlands ist derzeit zu nass, um Feldarbeiten durchführen zu können. Zudem steigt mit der wärmeren Wetterlage der Infektionsdruck in den bislang gut entwickelten Beständen. In der Ukraine dürften die Wachstumsbedingungen aufgrund der aktuellen Wetterentwicklung besser sein als im Vorjahr, während der Osten Rumäniens sowie Bulgarien weiterhin deutlich zu nass bleiben. Dort ist – ähnlich wie im Süden Russlands – mit einem höheren Krankheitsdruck bei den Winterkulturen zu rechnen.


  • USA

Deutlich mehr Niederschlag wird im Südosten der USA erwartet und dürfte die Sorgen über schwache Startbedingungen für MaisMais ist eine Pflanzenart und gehört zur Familie der Süßgräser. und Sojabohnen infolge der bislang anhaltenden Trockenheit mindern. Im Mittleren Westen der USA bestehen dagegen keine Probleme aufgrund zu geringer Niederschläge. Allerdings hat die kühle Witterung mit Frostnächten Anfang Mai dazu geführt, dass in diesem Jahr mehr Maisflächen neu bestellt werden mussten als in den Vorjahren. Grundsätzlich bleiben die Startbedingungen für Mais und Sojabohnen derzeit jedoch zufriedenstellend. Der Regen im HRW-Weizengürtel dürfte für weite Anbauregionen zu spät kommen und eher den Erntebeginn des Winterweizens verzögern.


  • EU&UK

Eine neue Hitzewelle und länger anhaltende Trockenheit kündigen sich für weite Teile der EU an. Vor allem die Wachstumsbedingungen in Frankreich rücken wieder verstärkt in den Fokus. Der Weizen befindet sich dort derzeit in der wichtigsten Wachstumsphase, und die Wasserreserven im Boden dürften mit den angekündigten Temperaturen schnell sinken. Zu trocken ist es inzwischen auch wieder in Teilen von Ungarn, Tschechien, Polen und der Slowakei. Dort dürften die Ernteaussichten weiterhin unter dem sehr guten Vorjahresniveau bleiben. Vor allem für Ungarn (und auch Serbien) bleiben die Ertragsperspektiven schwach. In Deutschland hingegen sollten die wärmeren Temperaturen den Kulturen sehr helfen. Nur wenn auf den leichten Standorten die trockene Wetterlage in den Juni hinein anhält, rücken Diskussionen über mögliche Ertragsverluste 2026 schnell wieder in den Fokus.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Quellen: Reuters, USDA, OIL WORLD, Eurostat, AHDB, USDA-Attaché, BLE, Destatis, StatCan

Wochenbericht 15. September 2025


  • Sojabohnenexporte 24/25

Laut offiziellen Handelsdaten sind die Sojabohnenexporte aus den wichtigsten Ländern der Welt sind in dem Zeitraum September 2024 bis August 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 4 Mio. Tonnen auf 168 Mio. Tonnen gestiegen. Die USA exportierten 51 (46) Mio. Tonnen, Argentinien 6 (5) Mio. Tonnen, Brasilien 102 (105) Mio. Tonnen. China importiert weniger als im Vorjahr mit 106 (110) Mio. Tonnen, doch die Einfuhren lagen in den vergangenen drei Monaten weit über dem gleichen Vorjahreszeitraum. Die EU steigerte seine Einfuhren auf 15 (13) Mio. Tonnen, Pakistan kam zurück als Importland mit 2 (0) Mio. Tonnen, Südostasien erhöhte die Importe um knapp 2 Mio. Tonnen auf 12 Mio. Tonnen. Auffällig auch der Anstieg der Sojabohnenimporte der Türkei, vom Irak und Ägypten (+2 Mio. Tonnen).


  • Globale Milchproduktion

Die Milchproduktion in den USA ist weit über Vorjahr von Januar bis August 2025 (+3 Prozent), weit über Vorjahr in Argentinien (+10 Prozent), unter Vorjahr in Australien und Neuseeland (bis -5 Prozent), in der EU&UK leicht über Vorjahr. Innerhalb der EU&UK erhebliche Unterschiede. Starkes Wachstum im Jahresvergleich in Irland und UK, weiteres Wachstum in Polen und Baltikum, dagegen rückläufig bislang in den Niederlanden und Deutschland, unverändert in Frankreich.


  • Schwarzmeerraum

Sehr durchwachsene Startbedingungen für den Winterraps wegen der sehr warmen und trockenen Wetterlage in wichtigen Anbauregionen Rumäniens und Teilen der Ukraine. Für eine gute Vorwinterentwicklung aller Winterkulturen muss im Oktober, spätestens im November guter Regen fallen. Das trockene Wetter sollte zu einem schnellen Erntefortschritt bei Mais und Sonnenblumen führen. Die Ertragsaussichten für die Sonnenblumensaat bleiben derzeit nicht viel besser als im Vorjahr, vor allem in Russland fallen die Erträge im Vergleich zum Vorjahr deutlich ab.


  • Australien

Keine Hitzewelle derzeit im September, der kühlste September seit 2022. Niederschlagsmengen höher als in den beiden Vorjahren im September. Der September 2022 war aber deutlich nasser als der September 2025. 2022 war das Jahr mit den extrem hohen Erträgen für Weizen und Raps. Derzeit liegen die Ertragserwartungen weiterhin höher als in den beiden Vorjahren, aber nicht so hoch wie 2022. Kleines Risiko in den westlichen Anbauregionen: Anders als in beiden Vorjahren oder 2022 gab es mehr Tage mit leichten Nachtfrösten.

Quellen: Reuters, USDA, OIL WORLD, Eurostat, AHDB, USDA-Attaché, BLE, Destatis, StatCan

Kontakt

Bernhard Chilla

Leiter volkswirtschaftliche Abteilung Agrarerzeugnisse