- Der globale Weizenhandel 2026/27: Lohnt sich ein Vergleich mit den Erfahrungen aus den Vorjahren?
Das globale Weizenexporttempo startet sehr schwach in das Wirtschaftsjahr aufgrund der fehlenden Ausfuhren aus der Ukraine und Russland. Die Kernfrage ist jetzt, ob das sehr schwache Exporttempo lange anhält.
Zum Vergleich: Im Wirtschaftsjahr 2010/11, als Russland einen Exportstopp aussprach, kam es in den ersten drei Monaten nicht zu einem starken Einbruch der Ausfuhren aller Exportländer im Jahresvergleich. Die Exportlücke schlossen damals die EU, Australien und die USA. Ein stärkerer Rückgang der Ausfuhren im Jahresvergleich wurde damals in der Periode Oktober bis Januar beobachtet, erst ab Februar zog der globale Handel wieder stark an. Im gesamten Wirtschaftsjahr 2010/11 wurden aber nur 2 % weniger Waren bewegt als in 2009/10.
2012/13 sank der globale Weizenhandel leicht stärker als 2011/12 um rund 4 % im Jahresvergleich. Damals wurden aber auch zu Beginn des Wirtschaftsjahres sehr viele Weizenmengen bewegt und auch mehr als im Wirtschaftsjahr zuvor. Der Welthandel sank damals kräftig in der Periode November bis Juni 2012/13. Russland war damals aber noch ein großer Exporteur bis in den Oktober. Die Lücke der fehlenden Weizenexporte Russlands konnte danach kein anderes Land mehr schließen.
2015/16 sanken die Exportmengen in den ersten drei Monaten ebenfalls kräftig im Jahresvergleich. Damals war die Wirtschaftskrise in China der große Auslöser für eine fehlende Nachfrage. Der globale Handel zog dann aber ab November/Dezember stark an und lag damals jeden Monat weit höher als im Vorjahr.
2018/19 mit den hohen Ernteausfällen in Europa deckten die Importländer ihren Bedarf stark in den ersten vier Monaten des Wirtschaftsjahres. Ab November brachen damals die globalen Ausfuhren auch deutlich im Jahresvergleich ein.
Im Wirtschaftsjahr 2022/23, als die Welt erwartete, dass weniger Weizen aus Russland kommen würde, war kein Einbruch der globalen Nachfrage zu beobachten, da Russland, die EU, aber auch Australien den hohen Weltbedarf deckten.
2024/25 mit der Missernte in der EU sank der globale Weizenhandel kräftig bis ins Frühjahr 2025. Dann aber zogen die Exporte kräftiger an.
2026/27 dürfte bei den aktuellen Meldungen aus dem Schwarzmeerraum auch bis in den Oktober der globale Weizenhandel schwächer bleiben. Ab November/Dezember aber müsste die globale Nachfrage stark anziehen, um die Bestände in den Importländern nicht zu stark abzubauen. Aktuell wäre ein Rückgang von 35 bis 40 Mio. t im Jahresvergleich die theoretische Größe, also 20 % weniger Weizenhandel weltweit. So ein starker Rückgang im Jahresvergleich wäre ein echtes Novum in der globalen Weizenhandelsgeschichte.
- Aktuelle Weizenproduktionsschätzungen 2026/27 in den Exportländern
Australien und Argentinien rücken mit ihren Produktionsschätzungen mehr in den Vordergrund. Auffällig ist vor allem, dass ABARES für Australien nun für Weizen (und GersteDie Gerste ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Süßgräser zählt. ) den dritthöchsten Ertrag in der Geschichte der australischen Getreideproduktion für dieses Jahr erwartet und damit zuletzt die Ernteerwartungen deutlich nach oben gesetzt hat. Diese hohen Ertragserwartungen müssen jetzt vor allem für den Weizen erfüllt werden, da die Anbaufläche 2026/27 im Jahresvergleich um rund 1,5 Mio. ha oder 12 % gesunken sein soll. Aktuell erwartet ABARES daher eine Produktion von über 29 Mio. t nach 36 Mio. t im Vorjahr. Wenn aber doch nur Durchschnittserträge am Ende eingefahren werden, da sich aktuell die El-Niño-Wetterlage stark aufbaut, dann fällt die Produktion doch wieder eher auf 28-29 Mio. t. Die Startbedingungen für den Weizen in Argentinien unterscheiden sich ebenfalls deutlich im Vergleich zum Vorjahr. Während im Vorjahr während des Winters ausreichend Niederschlag gefallen ist, ist aktuell seit August eine relativ trockene Wetterlage in den wichtigsten Anbauregionen zu beobachten. Wichtig wird das WetterWie wird das Wetter? Wie hoch ist die Waldbrandgefahr oder wie niedrig die Bodentemperatur? für den argentinischen Weizengürtel aber erst ab Ende September. Daher kann weiterhin von guten Erträgen für 2026/27 ausgegangen werden. Auffällig für Australien und Argentinien ist derzeit aber das relativ niedrige Exporttempo im Vergleich zu den Produktionsschätzungen des Vorjahres, vor allem aus Argentinien. Wahrscheinlich ist daher, dass die Weizenproduktion im Vorjahr in beiden Ländern doch eher 1-2 Mio. t niedriger ausgefallen ist im Vergleich zu den offiziellen Schätzungen.
- Rapsverarbeitung in den USA, Kanada und EU
Die Rapsverarbeitung in den USA, Kanada und der EU zusammen startet in das Wirtschaftsjahr 2026/27 mit einem neuen Rekord, allen voran mit einem stark steigenden Rapscrush in Nordamerika. In Kanada wurden auch rückwirkend die Verarbeitungszahlen von Statistics Canada noch einmal erhöht. So wurden im Wirtschaftsjahr 2025/26 (Juli bis Juni) in Kanada 12,5 Mio. t Raps verarbeitet nach 11,5 Mio. t im Jahr zuvor. In den ersten beiden Monaten von 2026/27 sollten gut 2,3 Mio. t Raps verarbeitet worden sein gegenüber 1,8 Mio. t in der Vorjahresperiode. Das spricht für eine Verarbeitung in 2026/27 von rund 14 Mio. t. Damit bliebe der Exportüberschuss Kanadas bei einer Produktion von gut 21 (Vorjahr: 21,7) Mio. t bei rund 8 Mio. t im Vergleich zu 8,3 Mio. t im Vorjahr. Die Rapsverarbeitung in den USA steigt auch und dürfte 2026/27 rund 2,5 Mio. t erreichen im Vergleich zu rund 2 Mio. t in 2025/26. Die Rapsverarbeitung in der EU & UK soll schwächer als im Vorjahr gestartet sein. Bei dem aktuellen Crushtempo sollten rund 26,5 Mio. t SaatDie AGRAVIS-Expert:innen aus dem Pflanzenbau beschäftigen sich mit allen Fragen rund um die Saat. verarbeitet werden nach 27,4 Mio. t im Vorjahr. Doch um weit über 26 Mio. t Raps zu verarbeiten, müssten die EU & UK-Einfuhren wieder rund 7 (2025/26: 7,1) Mio. t erreichen, vor allem die Ukraine müsste wieder ein wichtiger Ursprung sein. Derzeit aber liegt das Exporttempo aus der Ukraine mit 0,3 Mio. t nur halb so hoch wie im Vorjahr für die ersten beiden Monate von 2026/27.
Rapsausfuhren Australiens bleiben von Oktober bis Juli 2025/26 niedriger als im Vorjahr, obwohl die Ernte 2025 mit 7,7 (2024: 6,4) Mio. t deutlich höher ausgefallen sein soll. Das geringe Exporttempo spricht nicht für eine Ernte von 7,7 Mio. t, sondern eher für eine Produktion um die 7 Mio. t. Wichtigste Destinationen für den australischen Raps waren bisher die EU mit 3,0 (Vorjahresperiode: 3,6) Mio. t, China mit 0,6 (0) Mio. t, die Vereinigten Arabischen Emirate mit 0,6 (0,5) Mio. t und Japan mit 0,4 (0,25) Mio. t.
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