Disclaimer

Bei den Marktanalysen handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung. Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können eine Prognose bezüglich der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.

Der deutsche Getreidemarkt im Wirtschaftsjahr 2025/26

Vor einem Jahr galt die Regel: Ohne Körnermaisknappheit keine Weizenknappheit. 2024 konnte die sehr gute deutsche Körnermaiserzeugung im Futtersektor einige Lücken füllen, die mit den Ernteverlusten bei GersteDie Gerste ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Süßgräser zählt. und WeizenWeizen sind verschiedene Pflanzenarten der Süßgräser. entstanden waren. 2025 können wir die Regel erweitern: Ohne eine stabile Weizennachfrage wird die Weizenversorgung trotz hoher europäischer Ernteverluste in 2024 nicht so knapp werden wie zu Beginn des Wirtschaftsjahres befürchtet. Denn: Die internationale Weizennachfrage im Exportmarkt 2024/25 war bislang so gering, dass am Ende des Wirtschaftsjahres 2024/25 die Endbestände in den wichtigsten Exportländern im Vergleich zum Vorjahr nicht weiter fallen dürften.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Mit der Nachfrageentwicklung beginnen wir unseren Ausblick auf das Wirtschaftsjahr 2025/26. Was ist im internationalen Weizenmarkt 2024/25 geschehen? China, 2022/23 und 2023/24 zum weltweit größten Weizenimporteur aufgestiegen, war 2024/25 als Weizenkäufer kaum im Markt. Die chinesischen Weizenimporte könnten 2024/25 so gering ausfallen wie zuletzt 2018/19, als das Land statt 13 Millionen Tonnen wie 2023/24 nur rund drei Millionen Tonnen Weizen einführte. Die Einfuhren der Türkei, die seit 2015/16 zu einem weltweit bedeutenden Weizenimporteur wurde, fallen auf den niedrigsten Stand seit 2010/11. Pakistan, das zwischen 2021 und 2024 jedes Jahr um die drei Millionen Tonnen Weizen importiert hatte, trat diesmal gar nicht als Weizenkäufer auf. Insgesamt sank in den genannten Ländern die Nachfrage im Exportmarkt um fast 20 Millionen Tonnen. Der globale Weizenhandel dürfte 2024/25 um nahezu 10 Prozent fallen, das würde annähernd einer deutschen Weizenernte entsprechen. Ein derart starker Rückgang im Jahresvergleich wurde zuletzt während der globalen Finanzkrise zwischen 2008 und 2010 beobachtet.

Wichtigster Einflussfaktor dürfte somit die Entwicklung der internationalen Weizenexportnachfrage 2025/26 werden. Pakistan könnte 2025/26 zum Weizenimporteur werden. Die diesjährige pakistanische Weizenernte wird gerade eingefahren und die Ernteschätzungen liegen wegen einer langanhaltenden Hitzewelle weit unter der Vorjahresmenge. Die Türkei hat ihre Importregularien vom Herbst 2024 geändert, als Weizenmehlproduzenten nur einen kleinen Teil ihres Bedarfs aus anderen Ländern beziehen durften und den größten Anteil aus inländischer Erzeugung decken mussten. Entsprechend sanken nicht nur die türkischen Weizenimporte – auch die Weizenmehlerzeugung brach ein. Im Binnenmarkt schrumpften aber gleichzeitig die Weizenvorräte, sodass die Regierung in diesem März ihre Herbst-Regelung wieder zurücknahm. Auch die Türkei könnte darum wieder als „normaler“ Weizenimporteur zurückkommen. Nur die chinesische Importentwicklung bleibt weiter ein Rätsel. Chinas Importbedarf an GetreideDie AGRAVIS ist Experte für alle Fragen rund um das Thema Getreide. ist seit über einem Jahr nicht durchschaubar und verunsichert weltweit die Marktteilnehmer. Sollte auch China als großer Weizenkäufer in den Weltmarkt zurückkehren, dürften die Preise an den internationalen Terminmärkten deutlich volatiler werden als zuletzt.

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Blicken wir nun auf die mögliche Weizenangebotslage 2025/26 in wichtigen Exportländern. Die russische Weizenanbaufläche dürfte nach Einschätzungen dortiger Marktanalysten um eine Million Hektar geringer ausfallen als 2024. Damit wäre es das zweite Jahr in Folge, dass Russlands Anbaufläche abnimmt. Abseits davon sind die Wachstumsbedingungen bisher besser als im Vorjahr; die Ernteerwartung liegt aktuell bei 80-85 Millionen Tonnen (Vorjahr: 82 Millionen Tonnen). Erst eine Produktionserwartung unter 80 Millionen Tonnen senkt das russische Exportpotenzial signifikant und hätte erhebliche Auswirkungen auf das globale Exportangebot. In der Europäischen Union dürfte sich die Weizenerzeugung 2025 nach dem schwachen Erntejahr 2024 wieder deutlich steigern; die Anbaufläche wurde stark ausgedehnt, allen voran in Deutschland und Frankreich. Erste Produktionsschätzungen für 2025 liegen mit rund 126 Millionen Tonnen rund 15 Millionen Tonnen höher als 2024; damit dürfte das Exportpotenzial der EU auch wieder steigen. In der Ukraine blieb die Anbaufläche verglichen mit den Vorjahren nahezu konstant, lokale Markbeobachter rechnen sogar mit einer kleinen Zunahme. Und solange keine anhaltende TrockenheitDie Themen Hitze und Trockenheit werden im Rahmen des Klimawandels immer bedeutender. droht, dürfte die Weizenproduktion ähnlich hoch ausfallen wie im Vorjahr. Unterm Strich könnte die Ukraine wieder gut 16 Millionen Tonnen Weizen exportieren – und somit das europäische Exportpotenzial 2025/26 insgesamt rund 90 Millionen Tonnen erreichen (im Vergleich zu gut 80 Millionen in 2024/25). Dieses höhere Angebot wäre auch dann wichtig, wenn die Türkei und Pakistan tatsächlich als größere Weizenkäufer zurückkehren.

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Für den deutschen Weizenmarkt bleibt unterdessen außerordentlich wichtig, wie gut die Weizenqualität in diesem Jahr ausfällt – und sich entsprechend die Nachfrage im Exportmarkt entwickelt. Seit der Ernte 2018 nämlich sinkt die deutsche Weizenqualität kontinuierlich. Destinationen wie Südafrika, Nigeria, westafrikanische Länder oder Saudi-Arabien, die früher den deutschen Weizen wegen seiner besseren Qualitäten kauften, decken ihren Bedarf nun verstärkt aus anderen Anbauländern, vor allem aus Polen oder den baltischen Staaten. Zwar wird deutscher Weizen inzwischen verstärkt in den nordafrikanischen Ländern nachgefragt – doch konkurriert er dort mit billigerem Weizen aus den Schwarzmeer-Anrainerstaaten oder aus Frankreich. Und England, wohin Deutschland im laufenden Wirtschaftsjahr fast eine Million Tonnen Weizen exportieren dürfte? England muss im kommenden Wirtschaftsjahr voraussichtlich nicht mehr so viel Weizen importieren, da auch dort die Produktionserwartungen für 2025 steigen.

Abschließend noch ein rascher Blick auf den Körnermaismarkt – denn ohne ein knappes Körnermaisangebot kommt nur sehr schwer eine knappe Weizenversorgungslage zustande. Die sehr gute Nachfrage nach MaisMais ist eine Pflanzenart und gehört zur Familie der Süßgräser. in den USA im laufenden Wirtschaftsjahr dürfte nach Einschätzungen vom US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA) in 2025 zu einer deutlichen Ausdehnung der Anbaufläche führen. Laut USDA könnte die Anbaufläche wachsen wie zuletzt 2013 –und nur durch hohe Ertragsausfälle zu einem deutlichen Produktionsrückgang im Vergleich zu 2024 führen. Jedoch ist der Mais in den USA noch lange nicht im BodenDer Boden wird umgangssprachlich auch Erde oder Erdreich genannt., und je nach WetterWie wird das Wetter? Wie hoch ist die Waldbrandgefahr oder wie niedrig die Bodentemperatur? kann die Anbaufläche während der Hauptaussaat im Mai noch deutlich höher oder niedriger ausfallen. Und: Über die Erträge für 2025 entscheidet erst das Wetter im Juli und August. Zwar ist das Versorgungsbild beim Mais mit Blick auf die hohe Anbauflächenerwartung in den USA derzeit deutlich entspannter als beim Weizen – doch wird der Mais am Ende neben der internationalen Weizennachfrageentwicklung für die Weizenversorgungslage 2025/26 zum Zünglein an der Waage werden.

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Quellen: Reuters, USDA, OIL WORLD, Eurostat, AHDB, USDA-Attaché, BLE, Destatis, StatCan

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Bernhard Chilla

Leiter volkswirtschaftliche Abteilung Agrarerzeugnisse