Schon im Frühjahr 2026 stand fest, dass der europäische Körnermaismarkt im Wirtschaftsjahr 2026/27 stärker in den Blickpunkt rücken würde. Die Landwirtinnen und Landwirte in der Europäischen Union hatten deutlich weniger Körnermais angebaut als im Vorjahr. Andere Kulturen waren wirtschaftlich attraktiver oder erschienen weniger riskant. In mehreren Regionen wechselten die Betriebe deshalb beispielsweise zu Sonnenblumen oder Sojabohnen. Damit war die Ausgangslage für die europäische Maisversorgung bereits vor dem Sommer angespannt. (Stand: Ende September 2026)Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Die Anbaufläche in der EU sank von rund 8,5 Mio. Hektar im Vorjahr auf nur noch 7,5 Mio. Hektar. Das entspricht einem Rückgang um gut elf Prozent. Innerhalb weniger Jahre hat Körnermais damit erheblich an Fläche verloren. Viele Landwirte reagierten mit dem geringeren Anbau auf die enttäuschenden Ergebnisse der vergangenen Jahre. Mais benötigt während der Bestäubung und Kornfüllung ausreichend Wasser. Gerade diese Bedingungen waren zuletzt häufig nicht gegeben. Andere Kulturen boten daher in vielen Regionen ein besseres Verhältnis zwischen Kosten, Ertrag und Risiko.

Trotz der kleineren Anbaufläche bestand zunächst noch die Hoffnung auf gute Erträge. Diese hätten zumindest einen Teil des Flächenrückgangs ausgleichen können. Der Sommer 2026 machte diese Hoffnung jedoch zunichte.

Große Teile West- und Mitteleuropas litten unter hohen Temperaturen und fehlendem Regen. Besonders problematisch war, dass Hitze und Trockenheit den Mais während wichtiger Wachstumsphasen trafen. Die Bestäubung verlief teilweise schlecht, die Kolben bildeten weniger Körner und die Kornfüllung endete vielerorts früher als üblich. Die Probleme beschränkten sich nicht auf einzelne Länder. Besonders hohe Ertragsverluste werden in Frankreich, Ungarn, Teilen Italiens, Rumäniens oder der Slowakei erwartet. Auch in Deutschland hat die Trockenheit vor allem im Süden zu erheblichen Einbußen geführt. In weiteren Teilen Mittel- und Südosteuropas blieben die Bestände ebenfalls hinter ihrem ursprünglichen Potenzial zurück.

Die Ernte 2026 leidet damit unter zwei Belastungen gleichzeitig: Die Landwirtinnen und Landwirte haben weniger Mais angebaut und erzielen auf vielen Flächen zusätzlich geringere Erträge.

Im Frühjahr wurde noch mit einer Erholung der europäischen Maisproduktion gerechnet. Im Laufe des Sommers mussten die Prognosen jedoch mehrfach deutlich nach unten korrigiert werden. Private Marktbeobachter erwarten inzwischen eine EU-Körnermaisernte von weniger als 50 Mio. Tonnen. Das wären gut zehn Millionen Tonnen weniger als im langjährigen Durchschnitt. Es könnte damit eine der schwächsten Maisernten in der Geschichte der Europäischen Union werden.

Die schwache ErnteDie Ernte beschreibt alle Arbeiten zum Einbringen landwirtschaftlicher Gewächse und Früchte. unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt vom Vorjahr. Im Jahr 2025 lagen die größten Probleme vor allem im Südosten der EU. Im Jahr 2026 sind dagegen auch wichtige Erzeugungsgebiete in West- und Mitteleuropa stark betroffen. Vor allem die Entwicklung in Frankreich fällt ins Gewicht. Das Land gehört normalerweise zu den bedeutendsten Maisproduzenten und Exporteuren innerhalb der Europäischen Union. Auch Ungarn dürfte deutlich weniger Mais ernten. Das Land war in früheren Jahren ein wichtiger Lieferant für andere EU-Staaten. Wenn dort weniger Ware verfügbar ist, verringert sich auch der Exportüberschuss. Dadurch müssen traditionelle Importregionen ihren Bedarf aus anderen Ländern decken.
Gute oder zumindest bessere Ergebnisse in einzelnen Teilen Rumäniens und Bulgariens können diese Verluste nur teilweise auffangen. Das europäische Angebot bleibt insgesamt sehr knapp.

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Die schwache Eigenerzeugung hat klare Folgen: Die Europäische Union muss im Wirtschaftsjahr 2026/27 mehr Mais aus Drittländern importieren. Die EU ist bereits heute neben Mexiko einer der größten Maisimporteure der Welt. Mit der ungewöhnlich kleinen Ernte steigt ihre Abhängigkeit vom internationalen Markt weiter. Die Versorgungslücke kann teilweise durch den stärkeren Einsatz anderer Getreidearten geschlossen werden. In der Futtermittelproduktion dürften daher mehr WeizenWeizen sind verschiedene Pflanzenarten der Süßgräser. und GersteDie Gerste ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Süßgräser zählt. eingesetzt werden. Das würde allerdings auch die Nachfrage auf diesen Märkten erhöhen.

Die schwache Maisernte bleibt somit nicht auf den Maismarkt begrenzt, sondern beeinflusst die gesamte europäische Getreidebilanz. Etwas Entlastung könnte von Gerste kommen. Die deutsche Wintergerste hat die schwierigen Bedingungen vergleichsweise gut überstanden. Erträge und Qualitäten fielen insgesamt zufriedenstellend aus, und das Angebot dürfte eine ähnliche Größenordnung wie im Vorjahr erreichen. In Spanien und teilweise auch in Frankreich wurde dagegen weniger Gerste geerntet. Dadurch könnte die Nachfrage nach deutscher Gerste innerhalb Europas steigen.

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Die entscheidende Frage in den kommenden Wochen lautet aber, woher die zusätzlichen Maisimporte kommen sollen. Die Ukraine ist traditionell der wichtigste Maislieferant der Europäischen Union. Das Land wäre deshalb der naheliegendste Ursprung, um einen großen Teil des europäischen Defizits auszugleichen. Ob dies im Wirtschaftsjahr 2026/27 gelingt, ist jedoch unsicher. Seit Juli hat sich die Kriegslage weiter verschärft. Russland griff mehrfach Exportterminals in ukrainischen Seehäfen an. Gleichzeitig gab es Berichte über Angriffe auf russische Exportanlagen am Schwarzen Meer. Seit Anfang August sind die Getreideexporte aus beiden Ländern deutlich zurückgegangen sein.

Die großen Schwarzmeerhäfen sind für die Ukraine von zentraler Bedeutung. Theoretisch könnten über die großen Seehäfen bis zu 90 Prozent der ukrainischen Getreideexporte abgewickelt werden. Angriffe auf Häfen, Terminals, Bahnstrecken oder Energieanlagen können die Ausfuhren deshalb erheblich beeinträchtigen. Selbst eine ausreichende ukrainische Maisernte wäre somit keine Garantie für hohe Lieferungen in die EU. Die Ware muss auch gelagert, zu den Häfen transportiert, verladen und sicher über das Schwarze Meer ausgeführt werden können. Jede Störung kann Lieferungen verzögern und die Transportkosten erhöhen.

Sollten die Importe aus der Ukraine nicht im gewohnten Umfang eintreffen, müsste die EU verstärkt Mais aus anderen Ländern kaufen. Vor allem die USA und Brasilien kommen dafür infrage. Die USA verfügen 2026 erneut über eine große Maisernte. Dennoch dürften selbst zusätzliche US-Lieferungen das erwartete europäische Defizit nur teilweise ausgleichen. Zudem sind die Transportwege länger als bei Ware aus der Ukraine.

Nicht nur der Krieg belastet die Warenströme. Die TrockenheitDie Themen Hitze und Trockenheit werden im Rahmen des Klimawandels immer bedeutender. hat auch die Wasserstände auf wichtigen europäischen Flüssen sinken lassen. Besonders auf dem Rhein und der Donau erschwert Niedrigwasser den Transport von Getreide und anderen Agrarrohstoffen. Bei niedrigen Wasserständen können Schiffe weniger Ware laden. Dadurch werden mehr Fahrten benötigt und die Kosten steigen. Gleichzeitig stehen geringere Transportkapazitäten zur Verfügung. Die Marktteilnehmer hoffen deshalb weiterhin auf ausreichende Niederschläge im Herbst und eine Erholung der Flusspegel.

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Für Deutschland ist die Lage ebenfalls anspruchsvoll. Ein großer Teil der deutschen Körnermaisimporte kam in früheren Jahren aus Polen. Nach interner Einschätzung erreichte der polnische Anteil zeitweise rund 60 Prozent der deutschen Einfuhren. Polen hat sich neben Frankreich und Rumänien zu einem der wichtigsten Maisexporteure innerhalb der EU entwickelt. Gleichzeitig wird dort zunehmend mehr Mais im eigenen Land benötigt. Der Verbrauch für die Futtermittel- und Ethanolproduktion wächst. Dadurch könnte weniger polnischer Mais für Deutschland zur Verfügung stehen. Frankreich dürfte aufgrund seiner schwachen Ernte ebenfalls weniger Ware anbieten können. Auch aus Ungarn und anderen Teilen Mitteleuropas sind geringere Überschüsse zu erwarten. Deutschland muss seinen Importbedarf daher stärker über andere EU-Länder oder durch direkte Einfuhren aus Drittländern decken. Die Entwicklung in Polen und die Verfügbarkeit ukrainischer Ware werden deshalb zu wichtigen Faktoren für den deutschen Markt. Sollten beide Lieferquellen weniger Mais anbieten, könnte die Beschaffung erheblich schwieriger und teurer werden.

Die Probleme am Maismarkt wirken sich auch auf Weizen und Gerste aus. Fehlt Mais für die FütterungDie AGRAVIS bietet für alle Nutztierarten ein vielfältiges Fütterungs-Programm an., werden andere Getreidearten als Ersatz verwendet. Damit steigt die Nachfrage nach Futterweizen und Gerste. Gleichzeitig verändern kleinere Ernten und logistische Probleme die Handelsströme innerhalb Europas. Die europäischen Defizitregionen müssen ihren Bedarf zunehmend aus weiter entfernten Ursprungsländern decken. Dabei kommt es nicht nur darauf an, ob weltweit genügend Getreide vorhanden ist. Entscheidend ist auch, ob die Ware zum richtigen Zeitpunkt, in der benötigten Qualität und zu wirtschaftlichen Kosten verfügbar ist.


Zum Getreidejahr 2026/27
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Schon der starke Rückgang der Anbaufläche machte deutlich, dass die Maisversorgung 2026/27 schwierig werden könnte. Die Hitze und Trockenheit des Sommers haben die Lage nochmals erheblich verschärft. Aus einem Flächenproblem ist ein umfassendes Versorgungsproblem geworden.

Die Europäische Union muss deutlich mehr Mais importieren. Gleichzeitig ist unklar, ob genügend Ware aus der Ukraine verfügbar sein und zuverlässig exportiert werden kann. Lieferungen aus den USA oder Brasilien können helfen, sind aber mit längeren Transportwegen und zusätzlichen Kosten verbunden. Auch der stärkere Einsatz von Weizen und Gerste kann die fehlenden Maismengen nur teilweise ersetzen.

Alles in allem wird das Wirtschaftsjahr 2026/27 für den europäischen Maismarkt zu einer großen Herausforderung. Die kleine EU-Ernte, der hohe Importbedarf, die unsichere Lage in der Ukraine und die logistischen Probleme greifen unmittelbar ineinander. Für LandwirtschaftLandwirtschaft (oder Agrarwirtschaft) ist ein Wirtschaftsbereich der sogenannten Urproduktion., Handel, Futtermittelwirtschaft und Verarbeitung wird es deshalb entscheidend sein, wie sich die Lieferungen aus der Ukraine entwickeln und wie schnell alternative Importmengen verfügbar werden.

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Kontakt

Bernhard Chilla

Leiter volkswirtschaftliche Abteilung Agrarerzeugnisse