Warme Märztage beschleunigen den Saisonauftakt, geschützter Anbau bleibt auf Erfolgskurs und regionale Ware hat stabile Marktchancen: AGRAVIS SonderkulturenSonderkulturen sind in der Landwirtschaft bestimmte Bereiche der Pflanzenproduktion.-Experte Frank Uwihs ordnet den Start der Erdbeersaison 2026 ein und erklärt, worauf es für Erzeuger ankommt.Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Kurz und knapp


  • Erste regionale
    Erdbeeren
    aus dem Hochtunnel werden Mitte April erwartet.
  • Bestände sind in überwiegend gutem Zustand, vor allem im geschützten Anbau.
  • Der geschützte Anbau gewinnt wegen höherer Erträge weiter an Bedeutung.
  • Sehr gute Marktchancen für regionale ErdbeerenErdbeeren gehören zu den Rosengewächsen. auf stabilem Preisniveau.

Wann erwarten Sie die ersten regionalen Erdbeeren im Arbeitsgebiet der AGRAVIS – und ist das eher früh oder spät?

Frank Uwihs: Die ersten regionalen Erdbeeren aus Erd- bzw. Substratkultur, also aus der klassischen Dammkultur im Hochtunnel, erwarten wir voraussichtlich ab dem 20. April. Das ist erneut ein eher früher Saisonbeginn und liegt auf dem Niveau des vergangenen Jahres. Verantwortlich dafür sind vor allem die vielen Sonnenstunden und die ungewöhnlich hohen Temperaturen im März, die das Pflanzenwachstum deutlich beschleunigt haben, auch wenn es im April dann eher kühl mit regionalen Nachtfrösten war.

Wie ist der aktuelle Zustand der Erdbeerpflanzen zu bewerten?

Frank Uwihs: Im geschützten Anbau, insbesondere im Hochtunnel, wurden viele Pflanzen bereits im Februar gesetzt. Anfangs verlief die Entwicklung aufgrund niedriger Temperaturen noch verhalten, doch mit der freundlicheren Witterung haben sich die Bestände sehr gut erholt und befinden sich aktuell in einem guten Entwicklungszustand trotz der teilweise niedrigen Nachttemperaturen.

Anders stellt sich die Situation bei mehrjährigen Freilandpflanzen dar, die bereits im Juni oder Juli des Vorjahres oder davor gepflanzt wurden. Diese hatten im Winter regional mit Frost und Schnee zu kämpfen. Unter geschlossenen Schneedecken kam es mancherorts zusätzlich zu Problemen durch Mäusefraß. Und jetzt kommen noch die niedrigen Temperaturen und die Spätfroste dazu. Hier bleibt abzuwarten, wo es zu Schäden an den Kulturen gekommen ist.

Gut zu wissen

Je nach Anbausystem beginnt die Erdbeerernte zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Am frühesten kommen Erdbeeren aus dem geschützten Anbau in Gewächshäusern oder Folientunneln auf den Markt, gefolgt von mit Vlies bzw. Lochfolien abgedeckten Freilandbeständen. Klassische Freilanderdbeeren ohne Schutz starten in der Regel ab Mitte/Ende Mai.

Wie stark unterscheiden sich Vegetationsfortschritt und Ertragserwartung zwischen den Systemen und Sorten?

Frank Uwihs: Die Unterschiede sind erheblich. Im Folienhaus lassen sich deutlich höhere Erträge erzielen als im Freiland. Grob gesagt entspricht ein Hektar Erdbeeren im Folienhaus vom Ertrag her etwa zwei Hektar im Freiland. Der entscheidende Vorteil ist der Witterungsschutz: Regen beispielsweise ist für Erdbeeren ein großes Risiko. Wird die empfindliche Fruchthaut nass, können Risse in der Fruchthaut entstehen und die Beeren können an Botrytis erkranken, was zu Fäulnis an den Früchten führt.

Deshalb setzen viele Betriebe zunehmend auf geschützte Anbausysteme. Besonders verbreitet sind heute Stellagensysteme mit Folienabdeckung. Die Pflanzen stehen erhöht, bleiben trocken und lassen sich deutlich ergonomischer ernten. Diese Systeme haben sich inzwischen zum Standard im Tunnelanbau entwickelt, weil sie Arbeit erleichtern und das Ausfallrisiko deutlich senken.

Erdbeeren, die direkt auf dem BodenDer Boden wird umgangssprachlich auch Erde oder Erdreich genannt. wachsen, profitieren allerdings von der Bodennähe und der Wärmespeicherung. Sie reifen oft etwas früher als höher gestellte Pflanzen. Bei den Sorten gibt es ein breites Spektrum von frühen über mittlere bis hin zu späten Typen. Besonders interessant sind remontierende, also immertragende Sorten, die bis in den September hinein Ertrag liefern können.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Anbausysteme für Erdbeeren im Überblick

Gewächshaus (unter Glas, teils beheizt)

Folientunnel (Hochtunnel, Wandertunnel)


  • Stellagen (erhöhte Systeme)
  • Dammkultur mit Substrat
  • Bodenkulturen im Damm

Regenkappen im Freiland (mit Stellagen)

Klassische Freilanderdbeeren (mit Lochfolien oder Vliesabdeckung aber auch ohne)


  • mit oder ohne Tropfbewässerung

Häufig hört man, dass die Größe der Blüte bereits Rückschlüsse auf die spätere Fruchtgröße erlaubt. Wie viel Wahrheit steckt dahinter?


Die Größe der Blüte erlaubt Rückschlüsse auf die Größe der Frucht.


Frank Uwihs: Da ist tatsächlich eine ganze Menge Wahrheit dran. Man unterscheidet bei Erdbeeren zwischen A-, B- und C-Blüten. Die A-Blüte ist die größte und bringt in der Regel auch die größten Früchte hervor. B- und C-Blüten sind entsprechend kleiner. Entscheidend bleibt allerdings die Bestäubung. Denn nur wenn die Blüten vollständig und gleichmäßig bestäubt werden, kann sich die Frucht optimal entwickeln.

Mit welchen Erträgen und Marktbedingungen rechnen Sie 2026?

Frank Uwihs: Erdbeeren lassen sich nach wie vor sehr gut vermarkten – nicht zuletzt, weil sie ein unkomplizierter Snack für unterwegs sind und über alle Altersgruppen hinweg beliebt bleiben. Die Marktchancen für regionale Ware schätze ich daher als sehr gut ein. Die Bestände sehen überwiegend gut aus, und wir rechnen derzeit mit einer guten ErnteDie Ernte beschreibt alle Arbeiten zum Einbringen landwirtschaftlicher Gewächse und Früchte. bei einem Preisniveau in etwa auf Vorjahreshöhe. Wichtig ist jedoch: Erdbeeren verlangen höchste Präzision im Anbau. Wer das Timing beherrscht und seine Bestände genau im Blick hat, wird auch künftig sehr gute Marktchancen mit seiner Ware haben.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Während die ertragsfähigen Erdbeerflächen im deutschen Freiland kontinuierlich schrumpfen, nimmt der geschützte Anbau von Erdbeeren stetig zu. Unter begehbaren Schutzabdeckungen (inkl. Gewächshäusern) wuchsen die roten Früchte 2025 auf rund 2.081 Hektar – ein Plus von 346 % seit 2013. (Quelle: Statistisches Bundesamt 2026)


Schon gewusst?

Die fünf Bundesländer mit der größten Erdbeeranbaufläche sind:


  1. Niedersachsen (2.555 ha)
  2. Baden-Württemberg (2.387 ha)
  3. Nordrhein-Westfalen (2.382 ha)
  4. Bayern (1.571 ha)
  5. Hessen (960 ha)

Quelle: Statistisches Bundesamt 2026

Kontakt

Frank Uwihs

Ansprechpartner Sonderkulturen

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