Dass die Klauengesundheit erhebliche Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Milchviehbetriebs hat, ist unumstritten. Aber welche Ursachen sind für Klauenerkrankungen wie Mortellaro verantwortlich und gegen welche „Gegner“ müssen Landwirtinnen und Landwirte kämpfen? Matthias Oskamp klärt auf. Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Kurz und knapp


  • Mortellaro, Sohlengeschwüre und Reheerkrankungen zählen für Dr. Denißen zu den „großen drei“ Erkrankungen bei der Klauengesundheit.
  • Um Erreger vom Betrieb fernzuhalten oder zu bezwingen gilt: Biosicherheit unbedingt beachten.
  • Zwei bis drei Mal im Jahr sollte eine funktionelle Klauenpflege erfolgen. Darüber hinaus ist eine wiederkäuergerechte Fütterung sehr wichtig.

Ursachen, Therapie und Prophylaxe bei Klauenerkrankungen

Sie sprechen manchmal von den „big three“? Was meinen Sie damit?

Oskamp: Frage ich auf den Betrieben nach den wichtigsten Klauenerkrankungen in ihren Beständen, sind die Antworten häufig sehr ähnlich gelagert: Mortellaro, Sohlengeschwüre und Reheerkrankungen. Die hartnäckigste der eben genannten Erkrankungen ist häufig die Dermatitis digitalis, besser bekannt als Mortellaro. Das sind für mich zwar bei Weitem nicht die einzigen relevanten Klauenerkrankungen, aber sie zählen für mich zu den „großen drei“ Erkrankungen, wenn man über Klauengesundheit bei der Milchkuh spricht.

Zurück zur erstgenannten Erkrankung: Wie kommt es zu „Mortellaro“ im Bestand?

Oskamp: Bei der Dermatitis digitalis handelt es sich um eine infektiöse Klauenerkrankung, die in ihrer Entstehung sehr komplex ist. So bedarf es mehrerer Faktoren, um sie auszulösen. Eine feuchte Umgebung und das Vorhandensein bestimmter Erreger (Treponema) sowie eine Reizung der Haut begünstigen eine Infektion. Die Erreger setzen sich dann in den tiefen Hautschichten fest und verrichten von dort ihr Unheil. Zu 90 Prozent findet man die Erkrankung an den Hinterklauen im hinteren Zwischenklauenbereich im Übergang vom Horn zur Haut.

Wie lässt sich Mortellaro am besten bekämpfen?

Oskamp: Wer das Glück hat, einen Bestand haben, der frei von Dermatitis digitalis ist, sollte alles tun, damit es so bleibt. Achten Sie auf die Biosicherheit in Ihrem Bestand. Das bedeutet: Personen, die den Bestand betreten, sollten unbedingt betriebseigene Kleidung und Stiefel verwenden. Dieser Hinweis ist natürlich genauso wichtig in Beständen, die schon mit dem Erreger im Kontakt sind.

Hier heißt es im Besonderen: Schützen Sie Ihre Rinder bzw. die Nachzucht. Sollten Sie im Bestand der melkenden TiereIm Geschäftsbereich Tiere bietet die AGRAVIS vielfältige Services und Dienstleistungen an. Probleme haben, können sich die Erreger schnell auf die Rinder übertragen. Die HygieneHygienemanagement dient der Tiergesundheit und Qualitätssicherungssystemen in der Tierproduktion. der Stiefel beim Wechsel der Stallungen spielt eine wichtige Rolle beim Schutz der Jungtiere. Ein Tier, das sich einmal infiziert hat, wird die Erreger nie wieder los, da sich diese in die tiefen Hautschichten setzen. Von dort sind sie nicht mehr zu entfernen und können bei ungünstigen Umweltbedingungen im Stall erneut für Probleme sorgen. Grundsätzlich gilt: Je sauberer und trockener die Laufgänge sind, desto besser. Bei Problemen im Stall kann es helfen, kontinuierlich Klauenbäder mit zugelassenen Mitteln wie zum Beispiel

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Wichtig ist: Akute Fälle von Dermatitis digitalis können nicht mit einen Klauenbad „behandelt“ werden. Diese Fälle gehören unter Verband. Sprechen Sie hier mit Ihrem Hoftierarzt oder mit Ihrer Hoftierärztin, sie kennen die hierfür zugelassenen Mittel. Und vergessen Sie keinesfalls, die Verbände nach fünf bis sieben Tagen zu entfernen.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Was können Betriebe zusätzlich tun, um die Lage in den Griff zu bekommen und die Klauengesundheit der Herde zu verbessern?

Oskamp: Die regelmäßige funktionelle Klauenpflege hilft. Sie sollte je nach Herdenleistung und Bodenbeschaffenheit zwei bis drei Mal im Jahr durchgeführt werden. Die Klauenpflege ist auch essenziell, um Sohlengeschwüre zu vermeiden beziehungsweise zu minimieren.

Zum Schluss ein Blick auf die letzte der drei häufigsten Klauenerkrankungen in den Milchviehbeständen: Was ist die Ursache der Klauenrehe? Was ist präventiv möglich?

Oskamp: Die Ursache ist oft in einer Überbelastung der Klauen in Kombination mit Problemen bei der FütterungDie AGRAVIS bietet für alle Nutztierarten ein vielfältiges Fütterungs-Programm an. begründet. Im Endeffekt kommt es zu einer schlechteren Durchblutung an den Klauen und zur AusbildungBei der AGRAVIS werden regelmäßig rund 600 junge Menschen ausgebildet. von minderwertigem Klauenhorn. Häufig sind auch Einblutungen in das Sohlenhorn sichtbar. Hier gilt es insbesondere im geburtsnahen Zeitraum, den Liegekomfort der Tiere im Blick zu haben. Die Entlastung beim Liegen hilft bei der Ausbildung von besserem Klauenhorn. Vermeiden Sie in der Transitphase lange Stehzeiten und lange Treibwege auf hartem Untergrund. Darüber hinaus ist eine wiederkäuergerechte Fütterung sehr wichtig.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

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Matthias Oskamp

Produktmanagment Rind

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