Wie ist die aktuelle Lage auf dem Kartoffelmarkt?
Christopher Olm: Durch die enorme Flächenausdehnung im
KartoffelanbauDie hohen Deckungsbeiträge der vergangenen Jahre haben allein deutschlandweit zu einer Flächenausdehnung von ca. sechs Prozent geführt. Außerdem konnten die Bestände frühe Pflanztermine mit günstigen Wuchsbedingungen in Ertrag und gute Qualitäten umsetzen.
Der zeitige Erntestart traf auf einen nicht aufnahmefähigen Markt, was schon früh in der Saison zu Problemen im Absatz führte. Deshalb fließen große Mengen, vor allem von Industrieware, in die Fütterung oder werden in Biogasanlagen verwertet. Diese Absatzwege können die hohen Produktionskosten allerdings nicht annähernd decken. Die nicht vertraglich gebundene freie Ware ist derzeit kaum zu vermarkten.
Die Folge für den Kartoffelmarkt im nächsten Jahr werden Preissenkungen bei Vertragsware sein. Dazu muss es zu einer Anpassung der Anbaufläche nicht nur in Deutschland kommen, um den Kartoffelanbau in den nächsten Jahren wieder rentabel werden zu lassen. Dadurch kann es vor allem in marktfernen Anbaugebieten zu Flächenreduktionen kommen.
Wie ist der derzeitige Stand bei der Ernte?
Christopher Olm: Die Ernte in den Frühkartoffelgebieten ist weitgehend abgeschlossen, aber auch hier hat die beschriebene Lage zu einem verzögerten Abfließen der Ware geführt. Qualitativ nicht ausreichende Partien wurden alternativen Absatzwegen zugeführt.
In den Hauptanbaugebieten ist die Ernte angelaufen und auch erste Lagerware ist mittlerweile gerodet. Die Lagerkapazitäten werden aber bei Weitem nicht ausreichen, um die vorhandenen Mengen einzulagern und auf bessere Preise im Frühjahr 2026 zu hoffen. Die bislang gerodeten Qualitäten und Erträge sind in den meisten Fällen zufriedenstellend.
Drei Tipps zur Ernte
- Festschaligkeit prüfen: Mit der Daumenprobe am Kronenende kann überprüft werden, ob die Kartoffel noch losschalig und somit nicht lagerfähig ist. Hierbei wird mit dem Daumen Druck auf die Schale gegeben. Löst sich die Schale, muss mit der Ernte gewartet werden.
- Auf geeignete Temperaturen beim Roden achten: Die Knollentemperatur sollte möglichst zwischen 10°C und 25°C liegen. Geringere Temperaturen führen zu einer erhöhten Gefahr von Beschädigungen und Blaufleckigkeit. Aber auch höhere Knollentemperaturen bei der Ernte können die Gefahr von Blaufleckigkeit begünstigen. Dazu sind Nassfäulebakterien wärmeliebend und können sich bei Temperaturen von 23 bis 25°C im Lager schnell vermehren.
- Schonend roden: Der Kartoffelroder sollte so eingestellt werden, dass etwas mehr Erde auf den Siebketten liegt. Das schützt die Kartoffeln und verhindert, dass sie herumspringen. Zusätzlich sollte beim Abbunkern auf geringe Fallhöhen geachtet werden, um die Kartoffeln nicht unnötig zu belasten.