Die Blauzungenkrankheit (auch Blauzunge oder BT genannt) breitet sich derzeit in Deutschland immer weiter aus – auch auf rinderhaltenden Betrieben. Erfahren Sie im Experteninterview mit Matthias Oskamp mehr zur aktuellen Situation sowie zu Faktoren, die Betrieben bei der Eindämmung des BT-Virus bei den Wiederkäuern helfen können.Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Kurz und knapp



Was ist die Blauzungenkrankheit?

In Deutschland verbreitet sich aktuell die sogenannte Blauzungenkrankheit, eine Virusinfektion bei Wiederkäuern aus. Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, die durch Gnitzen (kleine, blutsaugende Mücken) übertragen wird. Durch ansteigende Temperaturen verbreiten sich die Gnitzen mit hoher Geschwindigkeit. Die Gnitzen fliegen jedoch auch bei kühleren Temperarturen und Rinder können den Virus mehrere Wochen tragen. Aus diesem Grund ist mit einer erneut starken Ausbreitung im Frühjahr zu rechnen.

Blauzungenkrankheit: Experteninterview

Matthias Oskamp, Produktmanager Rind, beantwortet im Interview Fragen zur aktuellen Situation und gibt Tipps für Betriebe.

Wie ist der aktuelle Stand der Verbreitung der Blauzungenkrankheit in Deutschland und wie blicken Sie auf die anstehenden kälteren Monate und das kommende Jahr?

Oskamp: Bei der aktuellen Welle der Blauzungenkrankheit in Deutschland zeigt sich ein sehr variables Krankheitsbild – es sterben deutlich mehr Tiere als bei den vorigen Ausbrüchen an dem Virus BTV. Bei der Eindämmung der Virusvermehrung hilft nur eine Impfung. Jetzt noch nicht geimpfte Jungtiere und Kühe sollten zeitnah mit dem entsprechenden Impfstoff versorgt werden. Derzeit kranke Tiere sollten natürlich außen vor gelassen werden. Hier ist eine Impfung ratsam, wenn sich die Tiere wieder erholt haben. An den immer weiter steigenden Zahlen der Infektionen wird aus unserer Sicht auch der Winter nicht viel ändern – denn die Gnitzen, die die Krankheit übertragen, fliegen bis zu einer Temperatur von 5 °C. Deshalb ist die Stärkung des Immunsystems der Tiere, besonders bei hochleistenden Kühen, sehr wichtig.

Was beobachten Sie aktuell auf den Betrieben und worauf sollten Betriebe besonders bei Spätlaktierenden achten?

Oskamp: Wir beobachten unter anderem eine schlechte Fruchtbarkeit auf den Betrieben. Dies kann dazu führen, dass die Tiere am Ende der Laktation verfetten und dann wiederum eine hohe Anfälligkeit für Erkrankungen in der Transitphase haben. Es ist sehr wichtig, die Fruchtbarkeit der Tiere in der Herde zu unterstützen. So kann man das Verfetten der Tiere am Ende der Laktation verhindern. Eine von vielen Maßnahmen ist beispielsweie der Einsatz von Beta-Carotin. Der Zielwert in der Körperkonditionsbewertung liegt bei 3 bis 3,5. Während der Trockenstehphase sollte eine Veränderung des Wertes bei maximal 0,5 Punkten liegen.

Die Kühe in der Transitphase unterliegen ohnehin schon einer hohen Stoffwechselbelastung. Was gilt es hier zu beachten?

Oskamp: Die hohe Futteraufnahme sollte unbedingt sichergestellt werden. Faktoren hierbei sind die Vermeidung von Futterselektion, die tägliche Vorlage von frischem Futter, die Einkalkulation von genügend Futterresten, der Einsatz von einwandfreien Silagequalitäten und noch viele weitere.
Natürlich muss die Rationszusammensetzung und die unterstellte Futteraufnahme auch stimmen, damit eine bedarfsdeckende Versorgung der Tiere mit EnergieMobilität, Wärme und Strom sind ein bedeutendes Element für ein modernes Leben., Nährstoffen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen gewährleistet ist und einer Infektion mit dem BTV vorgebeugt werden kann. Hier beraten meine Kolleginnen und Kollegen Sie gerne.

Wir sprechen hier von einer Krankheit, die logischerweise Auswirkungen auf das Immunsystem der Tiere hat. Wie kann man da über die <a href="de/glossar#glossar_Fütterung" class="glossaryTooltip">Fütterung<span class="tooltiptext">Die AGRAVIS bietet für alle Nutztierarten ein vielfältiges Fütterungs-Programm an.</span></a> unterstützend eingreifen?

Oskamp: Die Immunantwort der Kühe verbraucht Energie: Dies sollte bei der Rationsgestaltung und eventuell geringen Futteraufnahmen berücksichtigt werden. Rationen mit entsprechenden Stärke- und Zuckergehalten könnten den erhöhten Glukosebedarf des Immunsystems unterstützen. Betriebe sollten aber unbedingt das Risiko der Pansenübersäuerung bei den Rindern im Blick halten.
Zur Unterstützung des Leberstoffwechsels, des Immunsystems und der Pansenfunktion können weitere Futterkomponenten eingesetzt werden, die das Immunsystem und den Stoffwechsel der Rinder unterstützen und so während oder nach einer Infektion unterstützen können. Dazu gehören zum Beispiel unterschiedliche Vitamine, aufgeschlossene Leinsaat oder Hefeprodukte. Es haben sich die Produkte Vitamiral Imuvit, Miravit TEK und unsere LIN-Produkte mit aufgeschlossener Leinsaat in den letzten Monaten bewährt.

Welchen letzten Tipp haben Sie noch für die Betriebe?

Oskamp: Betriebe sollten unbedingt alle zusätzlichen Stressfaktoren für die Rinder vermeiden – dazu gehören beispielsweise häufiges Umstallen der Tiere, unregelmäßige Betriebsabläufe oder schlechte Grobfutterqualitäten. Die Einhaltung der guten fachlichen Praxis bei der Fütterung und in den Betriebsabläufen ist in der derzeitigen Lage umso wichtiger.


Zur Broschüre über Blauzungenkrankheit
Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Ausbruch der Blauzungenkrankheit

Ende 2023 wurde der erste Ausbruch der Blauzungenkrankheit mit dem Serotyp 3 (BTV-3) in Deutschland festgestellt. Seit Sommer 2024 nahm die Anzahl der Ausbrüche von BTV-3 stark zu. Mittlerweile sind weitere Serotypen auf dem Vormarsch, darunter die Serotypen 4 und 8. Auch der Serotyp 12 breitet sich von der niederländischen Grenze her in Deutschland aus.

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Matthias Oskamp

Produktmanagment Rind

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