Wie sieht der diesjährige Weihnachtsbaummarkt aus?
Frank Uwihs: Der Markt für die Bäume sieht aktuell ganz gut aus. Es wird wohl genug Bäume geben, aber auch nicht zu viele. Die Bäume sind, wenn sie im Mai austreiben, noch sehr frostempfindlich. In einigen Regionen in Deutschland und auch in Dänemark haben Spätfröste dazu geführt, dass Bäume Schaden genommen haben und nicht verkauft werden können. Diese Bäume müssen jetzt zwei Jahre gepflegt werden, damit sie wieder gut dastehen und in den Verkauf gehen können. Am häufigsten stehen in deutschen Wohnzimmern mit Abstand Nordmanntannen. Weit abgeschlagen dahinter folgt die Blaufichte. In den letzten Jahren haben wir aber auch beobachtet, dass die Zahl der künstlichen Bäume leicht zunimmt.
Welche Pflegemaßnahmen sind über den Sommer in der Kultur wichtig?
Frank Uwihs: Hier spielt das Stichwort Triebregulierung eine wichtige Rolle. Bis ein Baum im Wohnzimmer steht, ist er etwa elf bis zwölf Jahre alt. In den letzten drei bis fünf Standjahren steht diese Regulierung im Fokus. Hier gibt es verschiedene Wege, um die Triebe zu kürzen. Zu den mechanischen Verfahren zählen die Top-Stopp-Zange (mit Schneide) oder die Tipp-Topp-Zange ohne Schneide, die die Rinde stattdessen eindrückt. Der sogenannte Terminaltrieb kann mit natürlichen Pflanzenhormonen behandelt werden. Die Produkte werden auf den obersten Trieb aufgetragen, dadurch wächst dieser Trieb nicht so stark. Hier gibt es zwei verschiedene Wirkstoffe: der eine hemmt die Zellteilung, der zweite die Zellstreckung. So bleibt der Trieb auf der Länge wie zum Zeitpunkt der Behandlung.
Auch die Breite des Baums sollte beachtet werden. Hier kommt das sogenannte Snippen zum Einsatz: Die Langtriebe aus dem aktuellen Jahr werden abgekniffen, wenn sie noch weich sind. Ansonsten würde zwar der Terminaltrieb nicht weiter in die Höhe, die übrigen Triebe aber dennoch in die Breite wachsen.
Wie sieht der Einstieg in die Weihnachtsbaumkulturen aus?
Frank Uwihs: Möchte man in das Weihnachtsbaumgeschäft einsteigen, empfiehlt sich ein Pflanztermin im Herbst. So können die Bäume gut anwachsen und sind im Frühjahr schon eingewurzelt. Möglich ist auch eine Pflanzung im zeitigen Frühjahr. Dann besteht jedoch das Risiko, dass die Bäume nicht rechtzeitig einwurzeln und dann vertrocknen. Als Abstand sollten etwa 1,20 m x 1,20 m belassen werden. Sinnvoll ist die Pflanzung von etwa drei- bis vierjährigen Jungpflanzen. Es ist auch ratsam, nicht die gesamte Fläche auf einmal zu bepflanzen, sondern pro Jahr nach und nach Teilflächen anzugehen. Es dauert etwa acht Jahre, bis die Bäume erntereif sind – bepflanzt man alles auf einmal, könnte man also acht Jahre keine Bäume verkaufen, muss im nächsten Jahr allerdings die gesamte Fläche auf einen Schlag ernten.