„Erdbeeren bekommen eine Regen-Haut“

AGRAVIS-Sonderkulturen-Experte Frank Uwihs im Interview




Die Erdbeerernte geht in den kommenden Wochen zu Ende. Haben die Wetterturbulenzen, die Deutschland seit Wochen in Atem halten, auch hier ihre Spuren hinterlassen? Diese Frage beantwortet Frank Uwihs, Sonderkulturen-Experte der AGRAVIS Raiffeisen AG Sonderkulturen-Experte der AGRAVIS Raiffeisen AG .

Schadet wechselhaftes Wetter den Erdbeeren?

Uwihs: Niederschlagreiches Wetter wie in diesem Jahr ist nicht gut für die Erdbeeren. Wenn es häufige Niederschläge gibt, so wie in diesem Jahr, dann sorgt das dafür, dass die äußere Schicht der Erdbeerhaut anfängt aufzuweichen. Damit wird sie anfälliger für Krankheiten wie die Botrytis, die Grauschimmelfäule. Man kann sie zwar immer noch ernten, aber es bilden sich kleine Risse in der Schale. Durch diese Risse können Pilze eindringen und dafür sorgen, dass die Erdbeeren anfangen zu faulen.

Was wäre denn ideales Wetter für die Erdbeeren?

Uwihs: Trockenes Wetter ist für die Erdbeeren ideal, denn es hält die Früchte stabil. Natürlich benötigen die Pflanzen auch ausreichend Feuchtigkeit, damit die Früchte in der gewünschten Größe heranwachsen können. Regen, der gezielt an einzelnen Tagen fällt, wäre optimal. Aber wenn es jeden Tag regnet, dann wird das zum Problem. Dieses Jahr ging es allerdings schon mit dem zu warmen Winter los. Die Pflanze benötigt eine gewisse Zahl an Kältestunden, um zu wachsen. Weil der Winter zu warm war, starteten die Pflanzen mit weniger Blüten und demzufolge auch weniger Früchten.

Gibt es schon ein erstes Fazit der Erdbeerernte 2016?

Uwihs: Die Haupternte ist durch, bis August sind noch die Terminkulturen an der Reihe. Insgesamt rechne ich mit einer deutlich geringeren Ernte als im Vorjahr. 2015 hatten wir mit einer Ernte von 172.588 Tonnen ein Rekordjahr. Diesmal erwarten die Landwirte in den Regionen Deutschlands, in denen es in den vergangenen Wochen lange und ausgiebig geregnet hat, mindestens 30 Prozent weniger Erntemenge .

Gibt es weitere Aspekte, die die Ernte beeinflussen?

Uwihs: Insgesamt muss man sagen: Man merkt, dass es immer früher deutsche Erdbeeren auf dem Markt gibt. Bevor in Norddeutschland die Freilandfrüchte geerntet werden, kann der Kunde bereits Früchte aus anderen Regionen und aus Folientunneln kaufen. Wenn dann die Erdbeerernte ihren Höhepunkt erreicht, haben viele Deutsche schon recht viele Erdbeeren gegessen und sind fast Erdbeer-satt. Durch diese Verfrühung wird es immer schwieriger, nach hinten hinaus noch eine ausreichende Menge zu verkaufen.

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