Agrarunternehmertage 2017

Teilflächenspezifische Maisaussaat: Mit intelligenter Aussaattechnik zum Höchstertrag




Ein kurzer Rückblick auf das Maisjahr 2016: Nach einem nasskalten Frühjahr folgte ein überwiegend verregneter Sommer mit guten Wachstumsbedingungen, welcher vielerorts zu der Entwicklung eines kleinen Wurzelsystems ohne tiefe Wurzeln führte. Zum Zeitpunkt der Abreife und der Stärkeeinlagerung stiegen die Temperaturen und die Niederschläge blieben überwiegend aus. Im Vergleich zum Vorjahr wurden die Maisbestände zirka zwei bis drei Wochen früher geerntet. Besonders auf den leichten und trockenen Standorten im östlichen Niedersachsen machten sich hohe Verdunstungsraten durch viel Sonne und Wind sowie die geringen Niederschläge im August bemerkbar. Die Folge war ein schnellerer Abreifeprozess, der bis zum Absterben der Restpflanze führte. Auf trockenen, sandigen Böden wurde dieses Phänomen besonders bei hohen Aussaatstärken frühzeitig sichtbar. Die Pflanzen vertrockneten, sodass der Stärkeeinlagerungsprozess nicht abgeschlossen wurde.

Bessere Ergebnisse mit AGRAVIS NetFarming

Die Maisbestände mit herkömmlicher Aussaatstärke und geringer Wurzelentwicklung konnten der Trockenheit nicht standhalten, sodass es zu Ertrags- und Qualitätseinbußen kam. „Anders sah es bei unseren teilflächenspezifischen Aussaatstärken aus“, berichtet Torsten Börger, Produktmanager der AGRAVIS NetFarming GmbH AGRAVIS NetFarming GmbH. Das junge Unternehmen führte in diesem Jahr auf diversen landwirtschaftlichen Betrieben an über 15 Standorten teilflächenspezifi sche Aussaatversuche in Mais durch. Dazu wurden für die Aussaatplanung die Ertragspotenziale der jeweiligen Teilflächen mithilfe von Fernerkundungsdaten identifiziert und in relative Ertragszonen eingeordnet. Unter der Annahme, dass Wasser der limitierende Produktionsfaktor ist, galt es, in diesen Ertragszonen die Wasserverfügbarkeit vor Ort zu ermitteln. Grundlegende Parameter dafür sind die erwartete Niederschlagsmenge in der Vegetationsperiode, der aktuelle Wassergehalt sowie auch die Wasserhaltefähigkeit des Bodens.

Parameter für die optimale Aussaatstärke

Diese Parameter sowie auch die Kenntnis über das Sortenverhalten seien für die Berechnung der optimalen Aussaatstärke entscheidend. „Jede Sorte reagiert sehr unterschiedlich auf verschiedene Saatstärken. So ist beispielsweise die Sorte Niklas eher für höhere Saatstärken geeignet als die Sorte DKC3507“, erklärt der Produktmanager. Auf Basis dieser Daten fertigte die AGRAVIS NetFarming für ihre Versuche individuelle teilfl ächenspezifische Aussaatkarten an, bei denen die Aussaatstärken in den Ertragszonen durchaus auf einzelnen Flächen zwischen 5,4 und 12 Körner pro Quadratmeter variierten. Zur Aussaat erfolgte die Übertragung dieser Aussaatkarten kabellos via VarioDoc Pro direkt an das Terminal des Fendt-Schleppers, das über die ISO-BUS-Verbindung die Drillmaschine ansteuert.

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Im Abreifestadium wurden die angelegten Großflächenversuche nach Ertragszonen beerntet, gewogen und im Labor analysiert. Die Ergebnisse zeigten, dass die Pflanzen bei einer teilflächenangepassten Aussaatstärke im Vergleich zur betriebsüblichen Aussaat im Durchschnitt Ertragszuwächse bis zu 12,4 Prozent generieren konnten. Dies lasse sich wie folgt erklären: „Durch die Reduzierung der Aussaatstärke in den Niedrigertragszonen wurde auch die Stressempfindlichkeit in den niederschlagsarmen Perioden reduziert, wodurch sich der Kolben optimal entwickeln konnte. In den Hochertragszonen hingegen wurde dem Ertragspotenzial entsprechend die Anzahl der Pflanzen pro Quadratmeter und somit auch die Höhe des Trockenmasse-Ertrags pro Hektar erhöht“, erklärt Börger.

Ertragssteigerungen bis zu 17,3 Prozent

Das beschleunigte Absterben der Pflanze spiegelte sich auch nachweisbar im Stärkegehalt wider. Hier zeigten die Pflanzenbestände aus den teilflächenspezifischen Varianten Ertragssteigerungen bis zu 17,3 Prozent. Dies sei auch im verringerten Zuckergehalt wiederzuerkennen. Das zonenspezifische Monitoring der Trockensubstanz (TS)-Gehalte zeigte in den Varianten mit konstanter Aussaatstärke ungleichmäßigere Pflanzenbestände, die mit einer Differenz von knapp vier Prozentpunkten in den unterschiedlichen Ertragszonen zu Buche schlugen. Dagegen bewirkte eine Umverteilung des Saatguts einen homogeneren Pflanzenbestand, der sich vor allem im Abreifestadium nur minimal zwischen den einzelnen Ertragszonen unterschied.

Ertragszuwächse von der Heterogenität der Ackerfläche abhängig

Wie die Versuchsergebnisse aus dem Vorjahr bereits zeigten, erwies die teilflächenangepasste Aussaatstärke auch in diesem Jahr ein enormes Ertragssteigerungspotenzial. „Auf Einzelflächen konnten wir sogar Ertragssteigerungen von 17 Prozent in der Trockenmasse feststellen. Diese sind sicher nicht auf jedem Standort zu erreichen, da die Ertragszuwächse stark von der Heterogenität der Ackerfl äche abhängig sind“, erklärt Börger. Bei extrem hohen Saatstärken bestand zudem das Risiko von Lagerbeständen, was wiederum die Relevanz der richtigen Sortenwahl widerspiegelt. Dennoch seien die ermittelten Ertragssteigerungen von 12 Prozent sowie die verbesserten Qualitätsparameter sowohl für die Biogaserzeugung als auch für die Nutztierhaltung ein attraktiver Mehrertrag.

Spezielles Angebot der AGRAVIS NetFarming

Für das Frühjahr 2017 hat die AGRAVIS NetFarming speziell für die teilflächenspezifische Maisaussaat ein besonderes Angebot für den Landwirt konzipiert: Anhand der gesammelten Erfahrungen aus den vergangenen Versuchsjahren bietet das Unternehmen nun Saatgut in Kombination mit einer betriebsindividuellen, teilflächenspezifischen Aussaatplanung auf ihrem Online-Portal Online-Portal an. Für die Sorten Tokala (S 210), Niklas (S 230), SY Welas (S 230) und DKC 3507 (S 250), zu denen bislang die meisten Erfahrungen bezüglich der Aussaatstärke gesammelt werden konnten, sowie weitere empfohlene Sorten, wird mithilfe einer sogenannten Managementzonenkarte (Ertragspotenzialkarte) die teilflächenspezifische Aussaatstärke betriebsindividuell berechnet und in einer maschinenlesbaren Aussaatkarte gespeichert.

Bei der gesamten Aussaatplanung steht das AGRAVIS NetFarming-Team mit seinen Erfahrungen und dem pflanzenbaulichen Know-how zur Unterstützung bereit. Weitere Informationen gibt es bei Torsten Börger, Telefon 0511 . 8075-3395, torsten.boerger@agravis.de oder auf netfarming.de netfarming.de.

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