Vier Irrtümer zu Milchaustauschern

Fragen und Antworten zur Kälberernährung

Über das Thema Kälberernährung lässt sich bekanntlich streiten. Unumstritten ist allerdings, dass Kälber in den ersten Lebenswochen eine Milchtränke brauchen. Dazu eignen sich sowohl Vollmilch als auch der Einsatz von Milchaustauschern. Ein großes Angebot an Milchaustauschern und viele unterschiedliche Meinungen dazu stiften häufig Verwirrung. Die AGRAVIS-Futtermittelexperten klären auf.

Irrtümer zu Milchaustauschern

„Vollmilch ist gesünder als Milchaustauscher“

Grundsätzlich ist Vollmilch die natürlichste Art, ein Kalb zu ernähren. Doch aufgrund der Züchtung hat sich die Zusammensetzung der Vollmilch verändert. Zum einen ist der Fettgehalt gestiegen. Der tägliche Fettbedarf eines Kalbs im Alter zwischen drei und fünf Wochen liegt bei etwa 150 Gramm. Durch den erhöhten Fettgehalt von Vollmilch erhält ein Kalb jedoch über das Doppelte (ca. 350 Gramm) am Tag. Die Folgen können frühe Verfettung (im Gegensatz zum gewünschten Muskelwachstum) und Verdauungsprobleme sowie Durchfall sein. Des Weiteren hat sich der Gehalt der Vollmilch an Vitaminen und Spurenelementen verändert, sodass es zu einer Minderversorgung an Vitaminen A, D3, E und B1 sowie Eisen, Kupfer und Selen kommen kann. Folgen können Anämien und schlechte Knochenstrukturen sein. Es empfiehlt sich daher, einen Vollmilchergänzer beispielsweise von CombiMilk einzusetzen.

Irrtümer zu Milchaustauschern

„Von zu viel Milch (-austauscher) bekommen die Kälber Durchfall“

Ein Satz der bekennenden „ad libitum-Gegner“. Die Antwort darauf lautet: Jein. Wie schon erwähnt, ist der hohe Fettgehalt der Vollmilch kritisch zu betrachten, was fütterungsbedingte Durchfälle angeht. In Bezug auf Milchaustauscher hingegen kommt es eher auf die Proteinquelle an. Gerade in der frühen Phase der Milchtränke kann das Kalb rein aus physiologischen Gründen nur tierisches Eiweiß, beziehungsweise Milchprotein und Kasein, verdauen. Diese Proteinquellen findet man vorzugsweise im Magermilchpulver, sodass bei der Wahl des Milchaustauschers auf einen hohen Gehalt (40-60 Prozent) geachtet werden sollte. Außerdem sollte man auf eine Zusammensetzung ohne pflanzliche Proteine setzen.

Irrtümer zu Milchaustauschern

„Milchaustauscher sind zu teuer“

Generell sind die Preise für Milchaustauscher sehr unterschiedlich. Von 140 bis 250 Euro per 100 Kilogramm ist alles dabei. Die Kosten für ein Kilogramm Vollmilch im Vergleich zu einem Kilogramm eines hochwertigen Milchaustauschers mit 50 Prozent Magermilchpulver lassen sich einfach ermitteln:

  • Aktueller Auszahlungspreis für Vollmilch – ca. 33 Cent
  • Milchaustauscher (50 Prozent Magermilchpulver), 160 g/l – ca. 35 Cent

Die Rechnung scheint eindeutig zu sein: Vollmilch ist günstiger. Aber: Ein guter Milchaustauscher deckt den Bedarf eines Kalbs in jeglicher Hinsicht ab. Vollmilch sollte besonders in Hinblick auf Vitamine und Spurenelemente unbedingt aufgewertet werden. Demnach sähe die Rechnung beispielsweise so aus:

  • Aktueller Auszahlungspreis für Vollmilch plus Aufwerter – ca. 33 Cent plus 3 Cent ca. 36 Cent
  • Milchaustauscher (50 Prozent Magermilchpulver), 160 g/l – ca. 35 Cent

Demnach ist der Einsatz eines hochwertigen Milchaustauschers im Vergleich zur Vollmilchtränke nicht zwingend teurer.

(Preise: Stand 16. April 2020, CombiMilk Komplett und Miravit Milkdeal)

Irrtümer zu Milchaustauschern

„Meine Kälber mögen keinen Milchaustauscher“

Hier und da kann es mal zu Akzeptanzproblemen kommen. Zum Beispiel bei Zukaufskälbern, die zuvor mit Vollmilch ernährt wurden. Hier sollte beim Antränken mit Milchaustauscher besonders viel Wert auf Schmackhaftigkeit und Hochwertigkeit gelegt werden. Auch das fehlerhafte Anmischen des Milchaustauschers kann ein Grund sein. Ist die Trinktemperatur eventuell zu hoch oder zu niedrig? Wurde sich an die empfohlene Konzentration gehalten? Gilt die empfohlene Anmischkonzentration für Gramm IM Liter Wasser oder Gramm AUF einen Liter Wasser? Und natürlich ist auch die richtige Wahl der Milchaustauscher-Sorte, abhängig vom Alter und des Fütterungsmanagements, entscheidend. Im Großen und Ganzen gibt es aber keine Art von Kälbern, die prinzipiell keinen Milchaustauscher mögen.

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