Jahresbilanz

Robust im Markt unterwegs

Die AGRAVIS Raiffeisen AG ist robust durch das Geschäftsjahr 2020 gekommen.

Die AGRAVIS hat am 24. März 2021 über die Jahresbilanz 2020 berichtet - wegen der Corona-Pandemie ohne Präsenzveranstaltung. Dabei stellte das Unternehmen aktuelle Geschäftszahlen vor und kündigte unter anderem eine weiterhin starke Investitionsbereitschaft an.

Berichte zur Bilanz 2020:

Die AGRAVIS Raiffeisen AG ist robust durch das Geschäftsjahr 2020 gekommen. Das Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen schloss mit einem Umsatz von 6,39 Mrd. Euro (Vorjahr: 6,45 Mrd. Euro) und einem Ergebnis vor Steuern von 30,5 Mio. Euro (Vorjahr: minus 20,5 Mio. Euro) ab. „Nach den Einmal-Belastungen des vergangenen Jahres bestätigen die Zahlen, dass die AGRAVIS ihren Kurs konsequent umsetzt“, bekräftigte deshalb auch AGRAVIS-Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff auf der digitalen Bilanz-Pressekonferenz: „Trotz der erneuten Trockenheit, die regional unterschiedlich ausgeprägt war, der Herausforderungen durch Vogelgrippe, Afrikanische Schweinepest und natürlich der gesamten Corona-Pandemie sowie der gesellschaftlichen und politischen Debatten um die in Anführungsstrichen „richtige“ Landwirtschaft.“ Schulte-Althoff präsentierte auch ein deutliches Plus im Eigenkapital, das durch die Ausgabe von Genussscheinen von 543,5 auf rund 578 Mio. Euro gestiegen ist. „Die Eigenkapitalquote hat sich damit um über zwei Prozentpunkte von 27,4 auf 29,6 Prozent erhöht – wir sind dem langfristigen Ziel von einer Eigenkapitalquote von 30 Prozent sehr nahe gekommen.“

In Lösungen denken und handeln

Insgesamt zeigt sich auch der Vorstandsvorsitzende Dr. Dirk Köckler zufrieden mit dem Erreichten: „Das Jahr hat gezeigt, dass wir in Lösungen denken und handeln. Und wir wollen im Verbund mit unseren genossenschaftlichen Partnern noch mehr Markt machen. Aber wir straffen auch Strukturen, reduzieren Doppelarbeit und setzen den Weg der Digitalisierung konsequent, aber mit Augenmaß und Praxisbezug, fort. Das sind viele kleine Schritte, die uns erfolgreich machen, viele kleine Mosaiksteine, die am Ende das große Bild ergeben.“

Digitales Geschäft wächst

Bei der AGRAVIS müsse gerade die Digitalisierung, so machte es der Vorstandsvorsitzende deutlich, für Landwirtschaft und Genossenschaften künftig eine spürbar nützlichere Rolle einnehmen. „Unser digitales Geschäft wächst mit der Expertise des stationären, des analogen Geschäfts. Wir müssen es schaffen, mehr und mehr Dienstleistungen mit einem klassischen Mehrwert digital anzubieten.“ Dieses spiegelt sich dann auch in den Investitionen des Konzerns wider: Schwerpunkte des Investitionsvolumens 2020 und auch 2021 gehen in Digitalisierungsprojekte. „Wir investieren weniger in Steine und Beton, mehr in Digitalisierung, Prozesse und IT-Anwendungen. Wir sehen uns als Digitalisierungstreiber. Wir haben den Anspruch, die Digitalisierung praxisgerecht und mit dem Blick auf das wirtschaftlich Machbare weiter voranzutreiben. Das machen wir aus der Kenntnis des Geschäfts heraus, aus Kenntnis der Strukturen und mit dem Know-how unserer Mitarbeiter:innen, die immer wieder neue Ideen entwickeln. Deshalb hat für uns die Innovationskraft künftig auch eine wachsende Bedeutung.“

Noch mehr Kundennähe

Zu dieser Weichenstellung, das machte Vorstandschef Dr. Köckler ebenfalls deutlich, gehöre es, „die Strukturen permanent weiterzuentwickeln und dabei mehr Kundennähe aufzubauen. Das tun wir Schritt für Schritt in unserem Konzern, um an Leistungsstärke, aber auch Marktzugang und wirtschaftlicher Stärke zu gewinnen.“ Jüngstes Beispiel dafür sei nicht nur die seit Jahresbeginn aktive AGRAVIS Ost, in der drei zuvor eigenständige Gesellschaften aufgegangen seien, sondern auch die GiG, in der ab 1. Mai die Vertriebsaktivtäten für Geflügelfutter im westlichen Arbeitsgebiet der AGRAVIS zusammengeführt werden. „Ein starkes Signal in den genossenschaftlichen Verbund und in Richtung der Landwirte, dass sie alle Dienstleistungen von der Konzeptentwicklung über das Geflügelmanagement bis hin zum Vertrieb von Geflügelfutter künftig aus einer Hand bekommen“, erläuterte Dr. Dirk Köckler und betonte, dass das für ihn ein praktisches Beispiel für Change und Weiterentwicklung bei AGRAVIS sei. „AGRAVIS leistet gern durch Innovationen einen Beitrag für zukunftsfähige Konzepte unserer Landwirtschaft.“

Geschäftsjahr 2021 realistisch geplant

Auf Basis dieser steten Weiterentwicklung sieht der AGRAVIS-Chef das Unternehmen auf einem guten Weg. „Wir gehen auch für 2021 weiter von der Robustheit im AGRAVIS-Geschäft aus. Wir haben das Geschäftsjahr deshalb konservativ realistisch geplant. Beim Umsatz gehen wir in 2021 von 6,2 Mrd. Euro aus und beim Ergebnis vor Steuern streben wir einen ähnlichen Wert wie in 2020 an. Wir haben mit 31,6 Mio. Euro vor Sonderprojekten geplant. Das heißt, wir gehen davon aus, dass sich die Branche auch unter den Herausforderungen des Klimawandels und der Pandemie sowie den politischen Rahmenbedingungen weiter konsolidieren wird. Wir investieren zudem 58,3 Mio. Euro – abermals mit einem Schwerpunkt in unseren digitalen Ausbau.“

Fachlicher Dialog mit Gesellschaft und Politik

Der AGRAVIS-Chef setzte sich gegenüber den Medienvertretern aber auch für einen sachlichen, fachlichen Dialog mit Gesellschaft und Politik ein und betonte, dass „die Landwirtschaft durch die Corona-Pandemie, weil systemrelevant, an Wertschätzung gewann. Ausreichend Warenversorgung, regionale Produkte, Direktvermarktung, heimische Ware standen plötzlich im Rampenlicht, und da viele Verbraucher sich auch selbst wieder ans Säen und Ernten im heimischen Garten wagten, ist das Verständnis für die heimische Landwirtschaft gestiegen. Was nicht geklappt hat, ist Wert und Wertschätzung in Einklang zu bringen. Die Folge: Der Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel führte uns allen vor Augen, welchen Wert Lebensmittel haben bzw. welche Wertschätzung sie nicht haben.
Lösungen wurden in der Borchert-Kommission und in der Zukunftskommission beschrieben. Diesen Handlungsrahmen gilt es in 2021 politisch verlässlich umzusetzen – damit Investitionen der Landwirtschaft auch langfristig gesichert sind und Bilder, in denen Landwirte Zufahrten zu Auslieferungslägern des Lebensmittelhandels dicht machten, um auf angespannte Lage aufmerksam zu machen, nicht mehr erforderlich sind.“

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Geschäftsfeld Pflanzen
Produktumsatz praktisch auf Vorjahresniveau, leichter Rückgang von 0,3 Prozent zu 2019. Produktumsatz: 2.677 Mio. Euro (2019: 2.684 Mio. Euro)

  • Rückgang beim Betriebsmitteleinsatz durch das regional abermals sehr trockene erste Halbjahr und strengere Vorgaben der Düngeverordnung
  • Witterungsbedingt geringere Erfassung von Getreide und Ölsaaten vor allem im Osten, geringere Dienstleistungserlöse als Folge
  • Pflanzenschutz: trockenes erstes Halbjahr, im Herbst witterungsbedingt gute Behandlungsquote möglich
  • Düngemittel: Insgesamt wieder gestiegener Mengenabsatz, aber niedriges Preisniveau
  • Saatgut: positive Impulse durch Exklusivsorten, starke Nachfrage nach Mischungen und Grassaaten, Zuwachs auch bei Zwischenfrüchten
  • Pflanzenbau-Vertriebsberatung: Futterbau-Vertriebsberatung erfolgreich angelaufen, Piloteinheit Farm-Management positiv entwickelt
  • Agrarerzeugnisse: Fokus auf Kerngeschäft Trendwende beim Ergebnis eingeleitet

Geschäftsfeld Tiere
Produktumsatz im Vergleich zu 2019 praktisch konstant, plus 0,2 Prozent auf 1.270 Mio. Euro gestiegen

  • Mischfutter:
    • Fokus auf Absicherung der eigenen Produktionskapazitäten, dazu genossenschaftliche Zusammenarbeit mit den Mischfutterwerken ausgeweitet
    • Produktionstonnage mit 4,9 Mio. Tonnen konstant (einschl. Beteiligungen) – davon Schweinefutter rund 1,8 Mio. Tonnen; Rinderfutter rund 1,6 Mio. Tonnen und Geflügelfutter rund 1 Mio. Tonnen
    • Schweinefutter in den konzerneigenen Werken minus 4,1 Prozent, Rinderfutter minus 3,6 Prozent, Geflügelfutter plus 1,4 Prozent
  • Spezialfutter:
  • Equovis GmbH und Profuma Spezialfutter GmbH im nationalen Markt gut behauptet
  • Höherer Absatz beim Mineralfutter und Hygieneprodukten; Milchaustauscher unter Druck
  • Petfood-Sektor entwickelte sich erfreulich
  • Tiergesundheit:
    • Umsatzanstieg realisiert
    • Wachstumsmärkte durch Corona beeinträchtigt
    • Umsatzanteil an Haus- und Kleintierprodukten erhöht

Geschäftsfeld Technik
Produktumsatz im Vergleich zu 2019 um 12,1 Prozent auf 973 Mio. Euro gestiegen

  • Unter Corona-Bedingungen stets volle Einsatzfähigkeit gegeben, Schichtpläne etc.
  • Neumaschinengeschäft bei Schleppern klar im Plus
  • Gebrauchtmaschinengeschäft national stabil, beim Export nach Osteuropa Corona spürbar
  • After-Sales deutlich über Vorjahr: Werkstätten gut ausgelastet, Ersatzteilgeschäft im Plus
  • Onlineshop ATStore24 ging erfolgreich ans Netz, 7 Mio. Ersatzteile bestellbar, Baustein der Omnichannel-Strategie
  • Fokussierung auf Haupt- und Kernmarken

Geschäftsfeld Märkte
Produktumsatz deutlich erhöht: plus 19,4 Prozent auf 350 Mio. Euro

  • Erfolgreiche Terres-Kooperation: stationäre Märkte des Verbundes als Wachstumstreiber
  • Einzelhandel in der Raiffeisen-Markt GmbH ebenfalls deutlich über Plan
  • Hohe Wachstumsraten im Onlinegeschäft auf raiffeisenmarkt.de, Corona als Treiber
  • Omnichannelstrategie geht unabhängig von der Pandemie auf; stationär und online sind für Kund:innen eine Einheit
  • Erfolgreiche Eigenmarken mit hohem Umsatzanteil
  • Baustoffhandlungen in Westfalen und im Emsland in genossenschaftliche Hände gegeben, AV konzentriert auf Einkauf in Regio Baustoffe GmbH

Geschäftsfeld Energie
Produktumsatz im Vergleich zu 2019 um 16,2 Prozent auf rund 1.051 Mio. Euro gesunken

  • Durch Preisverfall an Rohölmärkten hoher Heizölabsatz und gutes Kontraktgeschäft beim Diesel
  • Kraftstoffabsatz durch Lockdown rückläufig
  • Projektgeschäft im Tankstellensegment ausgebaut
  • Weiteres Wachstum beim Vertrieb von Holzpellets, team Energie GmbH neuer Gesellschafter der RBB
  • Absatz bei Schmierstoffen stabil
  • Strom- und Erdgasvertrieb solide

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Futtermittel, Pflanzen, Technik – in der Realität sind diese Arbeitsbereiche kaum voneinander zu trennen. Für die Landwirt:in fließen beispielsweise pflanzenbauliche und agrartechnische Aspekte bei der Arbeit auf dem Feld ineinander, wenn es darum geht, ihren Acker optimal zu bewirtschaften. Die AGRAVIS Raiffeisen AG erfüllt mit ihrem bereichsübergreifenden Ansatz, der Expertise ihrer vielen Fachleute und dem intensiven Austausch untereinander die Bedürfnisse der Kund:innen nach integrierten Konzepten und Lösungen. Saaten, Dünger, Pflanzenschutz, Hacktechnik oder die teilflächenspezifische Arbeit auf dem Feld sorgen für einen ganzheitlichen Ansatz, der die Kund:in bei einer optimalen wirtschaftlichen und ressourcenschonenden Bestandesführung unterstützt. Die umfangreiche Beratung der untereinander vernetzten AGRAVIS-Expert:innen sichert ihr außerdem einen Wissensvorsprung.

Bereichsübergreifendes Denken und Handeln

Für die AGRAVIS ist das bereichsübergreifende Denken und Arbeiten zum Wohle der Kund:in selbstverständlich und, mit Blick auf die sich weiter verändernden Rahmenbedingungen, ein Alleinstellungsmerkmal. So bei den Forderungen des Green Deal der EU-Kommission. Ein Ziel des Green Deal ist, den Einsatz von kritischen Pflanzenschutzmitteln bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren. Für die AGRAVIS ergeben sich dadurch Herausforderungen sowohl im Bereich Pflanzenbau und in der Beratung als auch im Segment Technik. In ihren Versuchen untersucht die AGRAVIS Pflanzenbau-Vertriebsberatung Pflanzenschutz-Strategien sowie Bodenbearbeitungs- und Aussaatverfahren, um aus den Ergebnissen Lösungen für die Landwirtschaft zu entwickeln. Die Erkenntnisse werden an die Kund:innen weitergegeben – in der täglichen Beratung, aber auch in Schulungen zum Beispiel auf der AGRAVIS Future Farm.

AGRAVIS Future Farm

Denn die AGRAVIS Raiffeisen AG arbeitet nicht nur auf ihren eigenen Versuchsparzellen, sondern auch auf den Feldern eines Demo-Betriebs, der AGRAVIS Future Farm. Die Erkenntnisse begutachten und diskutieren Mitarbeitende verschiedener Fachrichtungen. So kamen 2020 Mitarbeiter:innen des Pflanzenbaus, der Technik und der Agrarzentren in Suderburg/Landkreis Uelzen zusammen, um bei einem Workshop zur mechanischen Unkrautbekämpfung einen Blick auf die Möglichkeiten der Hacktechnik zu werfen und ihre Chancen, aber auch Herausforderungen in der Unkrautbekämpfung zu diskutieren. Durch die Regulierungen im Pflanzenschutz rechnet die AGRAVIS mit einer zunehmenden Bedeutung der mechanischen Bodenbearbeitung.
Auf der AGRAVIS Future Farm konnten mehrere Grubber zur flachen Bodenbearbeitung mit der Kombination von Scheiben und Zinken getestet werden, die eine mögliche Antwort auf den Wegfall einzelner Pflanzenschutzmittel sein können, um Auflaufgetreide oder Zwischenfrüchte umzubrechen. 2021 sollen außerdem Versuche zum Einsatz von Robotik zur Unkrautregulierung durchgeführt werden.

NetFarming

Die Marke NetFarming, in der die AGRAVIS ihre Kompetenzen und Konzepte im Bereich Smart Farming bündelt, ist ein weiteres Beispiel der erfolgreichen Verknüpfung von pflanzenbaulichem Know-how und den Möglichkeiten digitaler Lösungen in der Landtechnik. Der Einsatz von Smart Farming-Technologien verbessert nicht nur die Verteilung, sondern ermöglicht auch eine teilspezifische Applikation des einsetzbaren Pflanzenschutzes – ebenfalls ein Thema, das für die Kund:innen mehr und mehr an Bedeutung gewinnt.

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Herr Dr. Köckler, die AGRAVIS sieht sich mit Blick auf die strategische Ausrichtung in den kommenden Jahren als Digitalisierungstreiber. Was genau meinen Sie damit?
Dr. Dirk Köckler:
Wir sehen in der Digitalisierung die Chance und auch einen Auftrag an uns selbst, passgenaue digitale Bausteine für unsere Kunden zu etablieren. Wir müssen es schaffen, mehr und mehr Dienstleistungen mit einem klassischen Mehrwert digital anzubieten. Wir bringen hier unser Wissen aus der sogenannten analogen Welt mit der digitalen Welt zusammen – und sichern den Erfolg. Wir wissen, dass diese digitalen Anwendungen einer Erklärung und eines Mehrwerts für die Landwirtschaft bedürfen, aber wir sind sicher, dass wir dies bieten werden – und wir sind bereit, die gefragten Produkte auch mit viel Einsatz einzuführen. Weil wir vom langfristigen Erfolg überzeugt sind, was uns im Übrigen viele Branchen um uns herum bereits beweisen. Wir sind hier auf dem richtigen Weg, wenn ich beispielsweise an die Softwarelösungen Delos und Acker24 für das Nährstoffmanagement denke oder an Xarvio Healthy Fields, das wir im Jahr 2020 mit einem Konzept für den Winterweizen in die Landwirtschaft gebracht haben. Jeweils zusammen mit Partnern – Odas, Land24 und BASF. Das zeigt, dass wir hier offen sind für Kooperationen. Wir sehen uns hier als Partner auf Augenhöhe. Mit der Raiffeisen Portal GmbH, die unserem Portal myfarmvis als dem zentralen Eintrittstor für Landwirte in die digitale Welt zu schnellem Wachstum verhelfen wird, und unserem ausgeweiteten Engagement bei der Land24 GmbH setzen wir konsequent auf eine Beteiligung von Genossenschaften, um die Themen zusammenzuführen und gemeinsame Lösungen anzubieten. Der zweite große Strang bei der Digitalisierung ist die Automatisierung und effiziente Gestaltung unserer internen Geschäftsprozesse. Diese Digitalisierung nach innen, nah an den ERP-Logiken mit Stammdaten, Logistik, Change-Management bei den Mitarbeiter:innen wird in den nächsten Jahren der Schwerpunkt bleiben – abzulesen auch an den hohen Investitionen in diesen Bereich. Dieser Pflicht folgt dann die „Kür“ im Frontend.

Corona hat im Vorjahr dafür gesorgt, dass in vielen Bereichen der Wirtschaft die Digitalisierung einen Boost erlebte. Wie hat das bei der AGRAVIS geklappt?
Dr. Dirk Köckler:
Die Digitalisierung gehört zweifellos zu den wenigen Corona-Gewinnern – Dinge mussten von jetzt auf gleich neu online organisiert werden. Auch bei uns: In unseren zentralen Standorten wechselten im März 2020 rund 1.000 Mitarbeiter:innen quasi über Nacht ins Homeoffice. Wir haben eine digitale Hauptversammlung entwickelt, wir hatten aber auch unsere Vertriebskontakte anders zu managen und neue Wege zum Kunden zu finden – beispielsweise durch digitale Veranstaltungs- und Informationsformate wie AGRAVIS 360 Grad, Pigdays, Milchtalk, Webinare, digitale Vorordertage im Bereich Raiffeisen-Märkte. Wir haben für uns erkannt, dass diese Wege funktionieren und darüber hinaus auch Anklang und Zustimmung finden. Wir haben uns gefreut, dass wir bei unseren diversen digitalen Formaten pro Abend zwischen 200 und 600 Teilnehmende begrüßen konnten. Das ist ein lebhaftes Echo und eine Größenordnung, die längst nicht bei allen physischen Zusammentreffen erreicht wird. Auch andere Vertriebsaktivitäten müssen sich hieraus messbar ableiten lassen. Unsere XXL-Landtechnikauktion – in Nicht-Coronazeiten ein Treffpunkt für Tausende Interessierter in Meppen – verlief sehr erfolgreich und generierte erfreuliche Umsätze. Hierbei haben wir 312 Maschinen in insgesamt 20 Länder verkauft. Wir sind überzeugt, dass diese Art der Kundenansprache Corona überdauern wird.

Heißt das, AGRAVIS verabschiedet sich Schritt für Schritt aus dem analogen Geschäft?
Dr. Dirk Köckler:
Nein, ganz und gar nicht. Geschäfte werden auch in Zukunft weiterhin zwischen Menschen gemacht. Daher gehören Kundennähe und die persönliche Beratung weiterhin zur gelebten AGRAVIS-DNA. Die Mischung wird es machen, sodass wir den Zeitgewinn durch digitale Begegnung gern in die Qualität der Geschäftsbeziehung investieren.

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Die AGRAVIS Raiffeisen AG hat im zurückliegenden Geschäftsjahr ihre Eigenkapitaldecke deutlich gestärkt. „Hier können wir eine erfreuliche Weiterentwicklung feststellen“, sagte Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff in der digitalen Bilanz-Pressekonferenz des Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmens. Das Eigenkapital stieg gegenüber Vorjahr um mehr als 6 Prozent auf 578 Mio. Euro. Positiv wirkte sich hier insbesondere die Ausgabe von Genussscheinen an Investoren im vergangenen Jahr aus. Sie sorgten für eine Kapitalzufuhr von 60,2 Mio. Euro und überstiegen damit deutlich das Volumen der ausgelaufenen Genussrechte aus dem Jahr 2015 (36 Mio. Euro). „In der regen Nachfrage sehen wir einen großen Vertrauensbeweis in die Solidität und die ausgewogene Finanzstruktur unseres Unternehmens“, erklärte Johannes Schulte-Althoff.

Eigenkapitalquote gestiegen

Die Eigenkapitalquote stieg von 27,4 auf 29,6 Prozent. Im Jahr 2021 soll sie die Schwelle von 30 Prozent dann wieder übersteigen (30,3 Prozent), so wie das über mehrere Geschäftsjahre bereits der Fall war. Neue Genussscheine sollen im Geschäftsjahr 2021 die 2016 emittierten Genussscheine in mindestens gleicher Höhe ablösen.

Das gezeichnete Kapital der AGRAVIS Raiffeisen AG betrug zum Ende des Geschäftsjahres 2020 unverändert 205,5 Mio. Euro. Es ist in 8,03 Mio. vinkulierte Namensaktien (nennwertlose Stückaktien) eingeteilt. Die AGRAVIS-Aktie ist nach wie vor sehr werthaltig: Ihr rechnerischer Wert beträgt 25,60 Euro, der Handelswert ist aber deutlich höher. Seit dem 9. Mai 2019 erfolgt die Ausgabe neuer Aktien jedoch zu einem Stückpreis von 61,50 Euro. Die größte Aktionärsgruppe mit 61,7 Prozent zum Stichtag 31. Dezember 2020 waren Genossenschaften beziehungsweise genossenschaftliche Gesellschaften. Auf branchennahe natürliche und juristische Personen entfiel ein Aktienanteil von zusammen 28,3 Prozent. Darüber hinaus waren zu diesem Zeitpunkt landwirtschaftliche Betriebe mit 4,8 Prozent und Mitarbeitende mit 4,9 Prozent an der AGRAVIS Raiffeisen AG beteiligt. Die AGRAVIS hielt zum Ende des zurückliegenden Geschäftsjahres 0,3 Prozent ihrer eigenen Aktien.
Ein wesentliches Indiz für die Werthaltigkeit der AGRAVIS-Aktie ist neben dem stabilen Handelswert eine nachhaltige Dividendenfähigkeit. Die ist für das Geschäftsjahr 2020 wieder gegeben: Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung deshalb 1,02 Euro je Aktie vor. Bezogen auf den rechnerischen Wert der Aktie von 25,60 Euro entspricht dies für das abgelaufene Geschäftsjahr einer Dividendenrendite von 4 Prozent.

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Die AGRAVIS-Gruppe will ihre Marktposition beim Vertrieb von Geflügelfutter weiter ausbauen. Aus diesem Grund sollen die bisher regional organisierten Vertriebsaktivitäten künftig in der Konzerngesellschaft GiG Geflügel GmbH zusammengeführt werden. Die GiG wird ab dem 1. Mai 2021 die Verantwortung für das Vertriebsgeschäft im westlichen Arbeitsgebiet der AGRAVIS übernehmen. „Für die Kund:innen hat dies einen deutlichen Mehrwert, bekommen sie doch alle Dienstleistungen rund ums Thema Geflügel künftig aus einer Hand“, hebt der Vorstandsvorsitzende der AGRAVIS, Dr. Dirk Köckler, hervor. Sie würden überdies ihre vertrauten Ansprechpersonen behalten. Zudem sei durch die überregionale Vernetzung ein noch intensiverer Austausch mit der Kundschaft das Ziel. „Die spezialisierte Beratung wird flächendeckend sichergestellt. Weiterhin wird die marktorientierte Entwicklung unseres Sortiments durch das Produktmanagement in der GiG gewährleistet“, beschreibt Dr. Köckler.

Marktanteile gewinnen

„Mit einem einheitlichen Kundenauftritt zu Genossenschaften und Landwirtschaft wollen wir den Markt für Geflügelfutter stärker durchdringen und weitere Marktanteile hinzugewinnen“, betont Dr. Dirk Köckler. „Mit unserem Außendienst und dem Produktmanagement bündeln wir unsere vielfältigen Kompetenzen im Bereich Geflügel an einer Stelle“, erläutert Dr. Köckler weiter. Dafür sei die GiG in hervorragender Weise geeignet, weil sie bisher schon unter dem Namen GiG Geflügelintegration GmbH als Konzeptentwickler und zuverlässiger Dienstleister in Sachen Geflügelmanagement erfolgreich im Markt tätig ist. „Da bot es sich aus unserer Sicht an, das Portfolio der GiG um den Geflügelfuttervertrieb zu erweitern“, so Dr. Dirk Köckler. Den Geflügelfuttervertrieb überregional anzugehen, mache auch deswegen Sinn, weil die Geflügelproduzent:innen zum großen Teil in Erzeugergemeinschaften oder anderen Verbünden agierten und zudem der Wettbewerb nicht nur auf einzelne Regionen schaue.
In elf Futtermittelwerken werden aktuell rund 500.000 Tonnen Geflügelfutter im Jahr für die Kunden im westlichen Arbeitsgebiet der AGRAVIS produziert.

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Die AGRAVIS Raiffeisen AG entwickelt sich stetig weiter und verändert proaktiv Werte, die sich merklich in der Gesellschaft und in ihrem Marktumfeld abzeichnen. Deshalb hat die AGRAVIS eine neue Imagekampagne entwickelt. Es gibt nicht nur neue Motive, Großflächenplakate und einen emotionalen Imagefilm, sondern auch einen neuen Unternehmensclaim. Aus „Wir helfen wachsen.“ wird „Gemeinsam stark. Für Land und Leben“.

Innovative und praxistaugliche Konzepte

„Wirtschaftlicher Erfolg ist natürlich weiterhin wichtig. Aber um den dauerhaft sicherzustellen, muss die AGRAVIS sich auch den Themen der Digitalisierung, der Nachhaltigkeit und damit der gesellschaftlichen Diskussion stellen“, unterstreicht der Vorstandsvorsitzende Dr. Dirk Köckler. Als systemrelevantes Unternehmen sei es Aufgabe der AGRAVIS, gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden, kundenorientiert und nachhaltig zu wirtschaften sowie in Netzwerken das Zusammenspiel von Genossenschaften und Landwirtschaft zu organisieren. Mit innovativen und praxistauglichen Konzepten wird die AGRAVIS die landwirtschaftliche Wertschöpfungskette stärken und dafür das Know-how der mehr als 6.300 Mitarbeitenden nutzen, um als Digitalisierungstreiber erfolgreiche Vertriebswege und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dabei steht die AGRAVIS fest zum genossenschaftlichen Gedanken und den genossenschaftlichen Werten – ganz in der Tradition des Tenors Friedrich Wilhelm Raiffeisens: „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“.

Das „Gemeinsame“ in den Vordergrund stellen

Das Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen stellt seinen Worten zufolge daher künftig noch stärker als bisher das „Gemeinsame“ in den Vordergrund und verbindet das mit den genossenschaftlichen Werten wie „Gemeinsam sind wir stark“. Das breite AGRAVIS-Portfolio bietet darüber hinaus den Kundengruppen – Genossenschaften, Landwirtschaft, aber auch dem privaten Landhandel und den Verbrauchern in Stadt und Land – ausreichend Möglichkeiten, mit der AGRAVIS in Kontakt zu kommen. Dieser Anspruch und der gemeinsame Antritt werden in dem neuen Unternehmensclaim zusammengeführt.

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