Afrikanische Schweinepest

Warum Landwirte jetzt vorbeugen sollten

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist nahe an Deutschland herangerückt. Tierarzt Dr. Bernhard Lingemann erklärt im Interview die Hintergründe und empfiehlt Schweinehaltern, Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Die Afrikanische Schweinepest steht fast buchstäblich vor unseren Ställen. Worauf müssen wir jetzt achten?

Lingemann: Panik ist jetzt keinesfalls das Gebot der Stunde. Es gilt nun einen kühlen Kopf zu behalten und sinnvoll alles Machbare zu unternehmen, um die Tierseuche einzudämmen und unsere Bestände zu schützen. Es gibt einige Punkte, auf die man als Landwirt leider keinen Einfluss hat. Aber es gibt sehr viele Möglichkeiten, um die eigenen Tiere zu schützen und damit der Verbreitung der Seuche Einhalt zu gebieten.

Was macht die ASP gefährlich?

Lingemann: Die ASP ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die für Hausschweine und Wildschweine tödlich ist. Für den Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr. Die Tiere infizieren sich mit dem Virus über Tierkontakt oder über die Aufnahme von infizierten Materialen. Die Übertragung des Erregers ist besonders über Blut sehr effektiv. Erschwerend ist, dass das Virus sehr lange in unterschiedlichen Materialien überlebt. Eine Ansteckung über mit Blut kontaminierte Bereiche ist bis zu 70 Tage lang möglich. In konserviertem Schinken ist der Erreger noch nach 6 Monaten infektiös. Eine Inaktivierung des Virus gelingt erst bei 70°C nach 30 Minuten.

Wie erkenne ich die ASP?

Lingemann: Das Krankheitsbild der ASP ist sehr unspezifisch. Die Schweine leiden unter hohem Fieber, Abgeschlagenheit und Hautverfärbungen. Der Tod der Tiere tritt in der Regel nach einer guten Woche ein. Es gibt trotz intensiver Forschungen an dem Virus derzeit noch keinen Impfstoff. Sollte ASP hierzulande auftreten, wären die Folgen für die heimischen Bestände und die Handelsbeschränkungen einschneidend und schmerzhaft.

Kann ein Land nach einem ASP-Ausbruch wieder frei von der Seuche werden?

Lingemann: Ja. In Tschechien ist es beispielsweise gelungen die Seuche unter sehr großen Anstrengungen zurückzudrängen. Es gibt Stand Mitte August 2019 bis dato keine neuen Fälle in dem Land.

Wie kann ein Landwirt seinen Betrieb schützen?

Lingemann: Es gibt verschiedene Punkte, die man als Landwirt mit Schweinehaltung beachten sollte und durch die man seinen Betrieb vor ASP schützen kann. Insbesondere die Grenzen des Betriebes kann und muss jeder Landwirt selber schützen. Hierbei steht die Seuchenprävention bzw. die Vorbeuge des Eintrages der Seuche in dem Betrieb im Vordergrund.

Wichtig ist im Seuchenkonzept des Betriebes eine ganzheitliche Betrachtung, denn eine Kette ist bekanntlich nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Soll heißen: Wenn der Betrieb beispielsweise mit dem besten Zaun eingefriedet wird, der Jagdhund aber nach der Jagd durch den Stall läuft, fällt das betriebliche Vorsorgekonzept wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Es ist also ein hohes Maß an nachhaltiger Disziplin bei allen beteiligten Personen erforderlich. Erfahrungsgemäß dauert die Verinnerlichung neuer Arbeitsweisen sehr lange und flacht schnell wieder ab. Eine regelmäßige Kontrolle, ob Maßnahmen weiterhin eingehalten werden, hilft das betriebliche Vorsorgekonzept nachhaltig zu etablieren.

Das hört sich sehr komplex an. Haben sie Tipps für den Landwirt um solch ein Vorsorgekonzept systematisch umzusetzen?

Lingemann: Es gibt eine sehr hilfreiche Checkliste für schweinehaltende Betriebe und weitere Informationen zur Afrikanischen Schweinepest auf der Internetseite des Friedrich-Loeffler-Instituts.

Muss der Landwirt wirklich so einen Aufwand betreiben um sich vor der ASP zu schützen?

Lingemann: Ein ganz klares Ja! Eine strukturierte Vorgehensweise in der Seuchenprävention ist zwar aufwändig aber unerlässlich. Zudem schützen die Maßnahmen den Betrieb nicht nur gegen die ASP, sondern auch vor anderen Pathogenen, die dem Betrieb gefährlich werden können.

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