Pansenazidose vermeiden

Mit einer gesunden Kuh zu mehr Wirtschaftlichkeit

Neben der Aufzucht, dem Betriebsmanagement und der Genetik hat auch die Fütterung einen enormen Einfluss auf das Leistungsvermögen und die Gesundheit von Kühen. Ein häufig unterschätztes Problem in Milchviehherden ist die sogenannte Pansenazidose.

Siegel Projekt Langlebigkeit

Wenn landläufig von einer Pansenazidose gesprochen wird, ist in den meisten Fällen die subakute Form gemeint. Eine Pansenazidose liegt vor, wenn im Pansen ein pH-Wert von 5,5 erreicht oder über einen Zeitraum von mehr als fünf Stunden ein pH-Wert von 5,8 unterschritten wird. Die akute Pansenazidose ist dagegen relativ selten und tritt vor allem nach extremen Fütterungshavarien, zum Beispiel durch ungehinderten Zugang zu Kraftfutter, auf. Die akute Pansenazidose ist lebensbedrohlich und führt nicht selten zum Verenden des Tieres.

Wussten Sie, dass...

Eine Untersuchung an deutschen Milchviehherden zeigte, dass in 88 Prozent der Herden Tiere mit einer subakuten oder schleichenden Pansenazidose, kurz SARA (engl. Subacute Ruminal Acidosis), zu finden sind. In einigen dieser Herden waren sogar bis zu 58 Prozent der Tiere betroffen (Kleen et al., 2013). Durchschnittlich wurde bei 20 Prozent der Tiere eine SARA festgestellt. Interessanterweise gab es aber auch Herden, in der keine oder nur wenige Tiere eine Pansenazidose aufwiesen.

Mögliche Gründe für eine Erkrankung

Die Pansenazidose ist aber nicht nur ein Problem, das Milchkühe betrifft. Auch Aufzucht- und Fresserkälber sowie Mastbullen leiden häufig an einer SARA (Ogunade, 2020). Bei Mastbullen äußert sich eine Pansenazidose häufig dadurch, dass die Tiere sehr unruhig sind. Die Gründe für eine Erkrankung sind vielfältig: Ein Grund können zu hohe Anteile an leicht verdaulichen Kohlenhydraten wie beispielsweise Stärke und Zucker in der Ration sein, während gleichzeitig eine unzureichende Faserversorgung vorliegt. Eine nicht pansensynchrone Fütterung kann ebenfalls zu Problemen am Pansen führen. Unterschätzte Risikofaktoren liegen häufig im Fütterungsmanagement: Hier ist vor allem der Einfluss eines leeren Futtertisches zu nennen, infolgedessen die Tiere mit „Heißhunger“ auf die frische Futtervorlage reagieren. Auch das Selektieren der Ration auf einzelne Komponenten wie Silomais oder Konzentratfutter kann zu großen Problemen führen. In allen Fällen kommt es zu einem Absinken des pH-Wertes, also einer „Übersäuerung“, im Pansen. Die Auswirkungen einer Pansenazidose beschränken sich allerdings nicht nur auf den Pansen, denn betroffene Tiere sind im Allgemeinen wesentlich krankheitsanfälliger.

Folgen einer Erkrankung

Das Auftreten einer Pansenazidose hat vielfältige Folgen für den Betrieb. Beim Tier können sich diese in einer verminderten Futteraufnahme, einem Rückgang der Milchmenge und des Milchfetts zeigen. So produzieren Tiere mit einer SARA im Vergleich zu einer gesunden Kuh pro Tag zirka 2,7 Kilogramm Milch weniger (Stone, 1999; Abdela, 2016). Dazu können Folgeschäden am Magen- Darm-Trakt, Leberabszesse und Lahmheiten auftreten (Abdela, 2016; Krause und Otzel, 2006; Plaizier et al., 2008; Radostits et al., 2007). Daher sind enorme wirtschaftliche Einbußen für einen betroffenen Betrieb zu erwarten. Die wirtschaftlichen Mindererträge bewegen sich zwischen 200 bis 400 Euro pro Tier und Fall (Abdela, 2016).

Mit optimierter Fütterung eine Erkrankung umgehen

Neben der „klassischen“ Pansenazidose gibt es auch den Fall einer so genannten Dickdarmazidose. Hier passiert ein zu großer Teil der Stärke unverdaut den Pansen. Diese pansenbeständige Stärke wird normalerweise im Dünndarm aufgenommen. Wenn der Anteil an pansenbeständiger Stärke allerdings zu hoch ist, gelangt diese in den Dickdarm und kann hier zu Verdauungsproblemen führen. Durch eine Anpassung der Kraftfutter- an die Grundfuttermengen des Betriebes, eine adäquate Futterberechnung und deren Umsetzung kann dieses Risiko umgangen werden. Mit Hilfe aktuellster Parameter zur Pansensynchronisation und Tiergesundheit kann die Fütterung im Betrieb zusätzlich optimiert werden.

Weitere Informationen zu einer betriebsindividuellen Ration gibt es bei den zuständigen AGRAVIS-Beratern vor Ort oder bei Tierarzt Dr. Bernhard Lingemann, Telefon 0251 . 682-2286, bernhard.lingemann@agravis.de, und unter agrav.is/projekt-langlebigkeit.

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