Mechanische Unkrautbekämpfung

Landmaschinen und Landtechnik für ökologische Landwirtschaft

Immer mehr Landwirte setzen auf mechanische Unkrautbekämpfung mit passender Landtechnik. Sie ersetzen chemische Unkrautbekämpfung durch Landtechnik und Manpower. Ein Praxisbeispiel aus der ökologischen Landwirtschaft.

Das harmonische Miteinander von Menschen, Tieren, Maschinen und Bewirtschaftung spielt auf Gut Holzhausen eine große Rolle. Denn die gesamte Hofanlage in Nieheim/Nordrhein-Westfalen steht unter Denkmalschutz. Die ältesten Gebäude stammen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Bei Weitem nicht ganz so lange, aber immerhin auch schon seit über 50 Jahren, betreibt Gut Holzhausen ökologische Landwirtschaft nach den Richtlinien des Demeter-Verbandes.

Für die Landwirtschaft auf dem Gutshof ist Verwalter Gunther Lötzke verantwortlich. Auf den tonigen Böden geht die Fruchtfolge über sieben Jahre, auf den besonders schweren über sechs Jahre. „Unsere Schläge sind sehr heterogen, wir haben innerhalb von 100 Metern eine Bodenpunkte-Differenz von 18 bis 64“, erklärt der Verwalter. Das muss bei der Aussaat, aber auch bei der Auswahl der Landtechnik bedacht werden.

Aufsattelpflüge von Lemken und Kverneland

Über die AGRAVIS Technik Lenne-Lippe GmbH in Brakel bezieht Gut Holzhausen einen großen Teil seiner Landtechnik. So kamen von der AGRAVIS zur Herbstbestellung sechsscharige Aufsattelpflüge von Lemken und Kverneland zur Probe auf den Betrieb. Für die Saatbettbereitung und Saat setzt Gut Holzhausen auf Technik von Väderstad.

Für die mechanische Unkrautbekämpfung benötigt der Betrieb Maschinen und Manpower anstelle von chemischem Pflanzenschutz – ein Thema, das mehr und mehr auch für konventionell wirtschaftende Betriebe interessant wird. Für den ersten Teil der mechanischen Unkrautregulierung nutzt Lötzke einen Einböck-Striegel mit zwölf Metern Breite. Im Einsatz ist auch eine Rollhacke von Carré. „Sie ist für die Unkrautregulierung gedacht, belüftet aber auch den Boden und ermöglicht eine gute Striegelwirkung im Nachgang, vor allem, wenn der Boden einmal verschlämmt war“, erklärt Lötzke.

Er stellt weiter fest, dass es schwierig ist, für die ökologische Landwirtschaft die optimalen Landmaschinen zu finden: „Die Landtechnik richtet sich nach dem größten Kundenstamm aus und das sind die konventionellen Landwirte. Wir Ökos schaffen keinen großen Umsatz.“ Das allerdings beginnt sich zu ändern. Denn die Zahl der resistenten Unkräuter nimmt zu, die der Pflanzenschutzmittel, die der Landwirt einsetzen darf, sinkt. Die sich verändernden Rahmenbedingungen und auch die gesellschaftliche Debatte um Nachhaltigkeit, Boden- und Klimaschutz sorgen dafür, dass sich immer mehr Landwirte für die mechanische Unkrautbekämpfung interessieren.

Striegel und Hacken stärker nachgefragt

Das bestätigt Tristan Wiemers von der AGRAVIS Technik Lenne-Lippe GmbH in Brakel: „Mechanische Landtechnik wie Striegel oder Hacken wird stärker nachgefragt. Für uns bedeutet das, dass wir auch im Ersatzteillager entsprechend vorsorgen müssen. Denn wenn solch eine Maschine defekt ist, kann der Landwirt genauso wenig ein paar Tage warten, bis das Ersatzteil beschafft worden ist, wie bei anderen Maschinen. Wir stellen uns auf diese Entwicklung ein und fordern bei den Herstellern entsprechende Teile für unser Lager an.“

Gut Holzhausen

• Nienheim/Nordrhein-Westfalen
•Verwalter: Gunther Lötzke
• Zwei Mitarbeiter, ein Auszubildender, eine Bürokraft
• Ökologische Landwirtschaft (Demeterbetrieb)
• 440 Hektar Ackerbau, davon 35 Hektar Grünland
• Durchschnittlich 40 Bodenpunkte
• Kulturen: Kleegras, Winterweizen, -dinkel, -triticale, Sommerhafer, -weizen, Ackerbohnen, Erbsen, Gerste, Körnermais, ein Hektar Soja (versuchsweise)
•Tierhaltung: 100 Rinder, Kreuzungen aus Limousin und Deutsch Angus
• Fütterung: im Winter Kleegrassilage und gequetschtes Getreide, im Sommer Weidegang bzw. Frischfutter

Lötzke teilt seine Erfahrungen aus der ökologischen Landwirtschaft gerne auch mit den Herstellern. So hat er beispielsweise lange mit einem Vertreter von Väderstad und Lennard Heers von der AGRAVIS Technik in Brakel diskutiert.

Dabei stehen Detailfragen im Mittelpunkt, die er als Praktiker über die AGRAVIS als Händler an die Hersteller heranträgt. „Für uns ist es wichtig, dass die Geräte flexibel und schnell umzurüsten sind. Wünschenswert sind modulare Systeme, Hacken oder Saattechnik sollten problemlos einstellbar sein. Oft passen die Abstände nicht und wir müssen an der Hacke wieder die Einstellung verändern“, erklärt Lötzke.

Bei allen Reihenkulturen kommt der Landwirt mit Hacken und Striegeln gut zurecht. Allerdings muss er beachten, dass jede Bodenbearbeitung auch auf den Boden einwirkt. Unter Umständen kann er so die nächste Unkrautwelle anregen. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Kräuter keine Konkurrenz zur Hauptkultur sind. Die Wirkung der Bearbeitung kann eine Verzögerung oder eine Schwächung des Unkrauts bewirken. Der Landwirt sollte bereits, bevor das Unkraut aufkommt, anfangen zu regulieren. Lötzke geht regelmäßig auf seine Schläge und schaut, wo und wann ein Eingriff Sinn ergibt.

Mit einem Gedanken müssen sich Landwirte, die mit mechanischer Unkrautbekämpfung arbeiten wollen, anfreunden, sagt Lötzke: „Man bekommt die Bestände nicht so sauber, wie man das aus der konventionellen Landwirtschaft kennt.“ Vorausschauende Planung ist bei der mechanischen Unkrautbekämpfung das A und O.

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