Marktbericht Saatgut

Lage im Frühjahr 2022

März 2022: Die Aussaat der Frühjahrskulturen ist in vollem Gange. Die AGRAVIS-Expert:innen bewerten die Markt- und Versorgungslage unterschiedlich.

Die Versorgungslage mit Saatmais ist, verglichen mit den vergangenen Jahren, unkritisch. Natürlich aber werden begehrte Sorten mit guten Versuchsergebnissen schneller vergriffen sein als nicht empfohlenes Material. Vor diesem Hintergrund sollten sich Kunden rechtzeitig um ihre Wunschsorte bemühen. Als Trend ist beobachten wir, dass Landwirtinnen und Landwirte wieder auf eher frühe und mittelfrühe Sorten zurückgreifen. Besonders in unserem Arbeitsgebiet verlieren die mittelspäten Sorten wegen des höheren Anbaurisikos leicht an Bedeutung. Mit Blick auf die Anbaufläche beim Silomais vermuten wir einen leichten Flächenrückgang zumindest in den Ackerbaugebieten, da im Vorjahr sehr gute Gesamttrockenmasseerträge geerntet wurden. In Veredelungs- und Futterbauregionen wird der Mais als Futter seine Anbaubedeutung mutmaßlich behalten. Eine alternative Nutzung als Körnermais hingegen könnte quer durch alle Regionen weiter an Bedeutung gewinnen.

Grundwasserstände noch nicht im Optimum

Der vergangene Herbst war für die Aussaat der Wintergetreide bundesweit günstig. Die Anbaufläche der Kulturen erreicht für die Ernte 2022 annähernd das Niveau von 2021 (-0,7 Prozent), doch mit teils größeren Umverteilungen hinsichtlich der Arten. Der Winterweizen als flächenmäßig größte Kultur ist bundesweit eher stabil (+0,4 Prozent) und in Niedersachsen sogar nochmals um 1,3 Prozent gewachsen, nach dem Plus von fünf Prozent zur Ernte 2021.
Die Wintergerste verbleibt gesamt nahezu auf Vorjahresniveau (-0,3 Prozent), regional gesehen aber verzeichnet hier Niedersachsen mit minus 5,5 Prozent den deutschlandweit deutlichsten Flächenrückgang. Und in den beiden größten Roggenanbauregionen Niedersachsen (-7,2 Prozent) und Brandenburg (-4,3 Prozent) spiegelt sich der bundesweite Rückgang von hier minus 5,9 Prozent wider.
Die Triticale wiederum ist sowohl in Niedersachsen als auch im übrigen Land auf Vorjahr, der sehr milde Winter hat hier zu keinen Schäden an den Kulturen geführt.
Übrigens: Auch wenn der Winter bis einschließlich Februar feucht wirkt und die Befahrbarkeit besonders auf besseren Böden aktuell zu wünschen übriglässt, sind die Grundwasserstände noch nicht im Optimum, immerhin aber besser als vor einem Jahr.

Ausreichende Versorgung

Die gesamt gute Entwicklung und die bundesweit weitgehend konstante Fläche an Wintergetreide geben aktuell entsprechend wenig Raum für einen erhöhten Bedarf an Sommergetreide. Einzig und allein die guten Braugerstenpreise für die Erzeuger könnten weiteren Bedarf mit sich bringen. Die Warenversorgung bei Sommergerste, Sommerweizen und Hafer ist ausreichend.

Winterraps etabliert sich

Der Winterraps ist wieder da! Nach mehreren Jahren mit widrigen Aussaat- und Wuchsbedingungen etablierte er sich im Herbst 2021 sichtbar gut. Auch die regenbedingt späteren Aussaaten haben sich gut entwickelt, nur in Einzelfällen führte starker Erdflohbefall zu Umbrüchen. Aktuell gibt es kaum umbruchwürdige Flächen – und wir starten mit kräftigen Rapspflanzen ins Frühjahr.
Ausgelöst von durchweg guten Sortenleistungen in den Exaktversuchen und starken Praxisergebnissen überzeugte die TuYV-resistente und umweltstabile Genetik auf ganzer Linie. Dies führte bereits im Anbaujahr 2020/21 bei Sortenwahl zu einer Art Generationswechsel. Die „Neuen“ von 2020/21 haben ihr Können bewiesen und finden auch in der Saison 2021/22 großen Anklang. Sorten wie Ludger, Smaragd, Ambassador, Albit und Cadran waren erneut die Gewinner des Jahres. Mit Daktari und Scotch stehen frische Spieler auf dem Feld, die Korn- und Ölgehalt gleichermaßen versprechen. Auch im Segment der kohlhernie-resistenten Sorten gibt es mit LG Alledor nun eine TuYV-resistene Sorte.
Weil der Anbau von Raps eng an die Möglichkeit der Schädlingskontrolle gekoppelt ist, ist ein Grundstock an wirksamen Insektiziden zwingend von den Fachbehörden zu verteidigen. Gezielte und von der Beratung gestützte Insektizideinsätze sind für den erfolgreichen Rapsanbau essenziell. Neben den positiven Effekten als Vorfrucht nimmt der Raps auch eine besondere Stellung in der Ungraskontrolle ein, und viele Fruchtfolgen sind ohne Raps kaum denkbar. Neben den pflanzenbaulichen Aspekten bereichert der Raps auch regionale Kulturlandschaften – vielfältige Gründe für sein Einbinden in die Fruchtfolge.

Große Futtermengen mit nur mangelhafter Qualität

Das vergangene Jahr 2021 war geprägt von Rekordernten der Futterbaubetriebe. Nach angespannten Jahren mit Trockenheit und hohem Schädlingsdruck konnten die Betriebe beachtliche Futterreserven anlegen, ausreichender Winterregen legten den Grundstein für den ersten Aufwuchs. Allerdings hielten die Niederschläge über Wochen hinweg an, sodass eine Beerntung zum optimalen Reifezeitpunkt vielfach nicht möglich war. Das Resultat sind große Futtermengen mit nur mangelhafter Qualität. Aktuell werden die unbefriedigenden Grundfutterqualitäten durch Mineralfutterzukäufe zu drastisch gestiegenen Preisen ausgeglichen, die zusammen mit explodierenden Betriebsmittelkosten und trotz des ebenfalls gestiegenen Milchpreises an den Betrieben zehren. Wegen der durchwachsenen Witterung fiel zudem die Grünlandpflege in der vergangenen Saison vielerorts aus, und auch wenn sich der Winter eher von seiner milden Seite gezeigt hat, greift die anhaltende Nässe erneut die Grasnarben an. Um die Erträge, allem voran aber die Qualitäten für die nächste Periode zu sichern und eine ausdauernde und kräftige Narbe zu halten, darf die Pflege in diesem Frühjahr nicht zu kurz kommen.

Gräserernte weltweit

Im europäischen Durchschnitt immerhin war die Gräserernte 2021 im Vergleich zu den Vorjahren noch zufriedenstellend. Das Ernteniveau der Niederlande beispielsweise lag nur geringfügig unter dem langjährigen Mittel, während die Dänen sogar leicht über dem Mittel ernteten. Lediglich die Produktion der kurzlebigen Gräser in Ostdeutschland und Osteuropa war in Teilen von der Trockenheit zu Jahresbeginn negativ beeinflusst. Die Vermehrungsflächen bei Wiesenschwingel konnten nicht ausgedehnt werden – und entsprechend sind die Verfügbarkeiten begrenzt. Bei Wiesenlieschgras besteht nach der Missernte in Nordamerika als Folge des Heat dome eine Versorgungslücke. Die Situation bei Wiesenrispe wiederum ist unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Bei Weißklee begrenzen schwache Ernten in Nord- und Südamerika die Verfügbarkeit. Und nachdem auch die Rotklee-Ernte in den USA deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, steigt der Druck auf die europäische Produktion, die regional stark schwankend ausgefallen ist.

Situation bei den Zwischenfrüchten

Im Bereich der Zwischenfrüchte hat unterdessen insbesondere die Phacelia-Produktion unter ungünstigen Witterungsbedingungen gelitten. Die Flächenerträge rangieren zwischen 0 bis 50 Prozent der erwarteten Erntemenge, sodass trotz gestiegener Vermehrungsfläche die Versorgung eher knapp ausfällt. Ebenfalls vergleichsweise knapp ist die Versorgung bei Ölrettich und nematodenresistentem Senf. In Summe sind alle Zwischenfruchtartikel mehr oder weniger gesucht und keine Überhänge erkennbar – entsprechend gestaltet sich das Preisniveau. Gespannt sein darf man beim Blick auf die steigenden Vermehrungskosten für Zwischenfrucht- und Gräserkomponenten aus der kommenden Ernte 2022.

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