Ausnahmezustand im Grünland

Wie Sie Ihre Grünlandnarbe wieder fit machen können

Mäuseplage, Dürre und Nässe verursachen große Schäden im Grünland.

Eine Mäuseplage und drei Jahre Witterungsextreme in Folge bedeuten für viele Landwirte massive Einschnitte. In Verbindung mit sprunghaften Milchpreisen setzt dies die Futterbaubetriebe unter Druck. Doch es gibt Lösungen: Landwirte können jetzt Anträge auf Wiederherstellung der Grünlandnarbe stellen, einen Umbruch durchführen und sollten sich jetzt mit Saatgut eindecken.

Die Grünland-Maßnahmen im Überblick

Von der Mäuseplage betroffene Betriebe aus allen Regionen Niedersachsens und in Bremen können ab sofort mit einem gesonderten Formular Anträge auf Wiederherstellung der Grünlandnarbe im Rahmen außergewöhnlicher Umstände bzw. höherer Gewalt stellen. Das entsprechende Antragsformular und weitere Informationen stehen bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zur Verfügung.

Hinweise:

  • Die Anerkennung höherer Gewalt ist prämienrechtlich für alle Dauergrünlandflächen in Niedersachsen (auch für Ersatzflächen) möglich. Normalerweise gilt für Dauergrünlandflächen ein striktes Umbruchverbot.
  • Innerhalb der festgelegten Schadkulisse erübrigt sich die Prüfung auf Landkreisebene für die Bewilligung und das Verfahren erleichtert sich. Betriebe mit Flächen außerhalb der Schadkulisse werden über das normale Verfahren abgewickelt, reichen aber dasselbe Antragsformular ein.
  • Der Landwirt muss innerhalb von 15 Tagen, nachdem das Schadensausmaß absehbar ist, einen Antrag stellen.
  • Die Wiederherstellung darf erst nach Vorliegen der Genehmigung erfolgen.

Ein Umbruch macht fachlich durchaus Sinn, weil die Flächen komplett kahlgefressen sind und so auch ihre eigentliche Funktion als Grünland (Habitat für Flora und Fauna) nicht erfüllen. Eine flächendeckende wirtschaftliche Bekämpfung als Alternative zum Umbruch ist kaum möglich. Grundsätzlich gibt es einen hohen Schutzstatus für Grünland, sodass dieses nicht einfach „umgebrochen“ werden darf. Besonders schwierig wird eine Genehmigung auf umweltsensiblem Dauergrünland (z.B. FFH Gebiete oder Natura 2000 Gebiete) zu erhalten sein. Hier sind die unteren Naturschutzbehörden in den jeweiligen Kreisen beteiligt. Durch die mechanische Bodenbearbeitung wird die Infrastruktur der Mäuse zerstört, das heißt Laufgänge unterbrochen und Nester an die Oberfläche geholt. Dadurch kann eine zirka 80-prozentige Mortalität der Mäuse auf dieser Fläche erwirkt werden.

„Die Nachfrage nach Saatgut bei Gras ist hoch. Die Wiederverkäufer wurden rechtzeitig von uns informiert, sodass viele sich rechtzeitig mit Gras eingedeckt haben. Wie viel Saatgut schon bis zum Landwirt weiterverkauft wurde, können wir nur schätzen“, erläutert Imke Hansing, Grünland-Expertin der AGRAVIS Raiffeisen AG. „Nach der Qualitätsware ist nur noch B-Ware verfügbar und wir gehen davon aus, dass auch diese im Frühjahr ausverkauft sein wird.“


Was beim Grünland jetzt wichtig ist

Grünland als Dauerkultur ist von den Witterungsextremen stark gezeichnet, eine Regeneration braucht mitunter Jahre – und die Nässe 2017, die Dürreperioden 2018 und 2019 sowie zuletzt Schädlinge erschweren eine Erholung der Grünlandbestände. Imke Hansing von der Pflanzenbau-Vertriebsberatung der AGRAVIS Raiffeisen AG gibt Tipps, wie Landwirte die Grünlandnarbe wieder fit machen können.

Mit welchen Herausforderungen haben die Landwirte aktuell auf dem Grünland zu kämpfen?

Imke Hansing: Kurzfristig gilt es, die Futterversorgung zu sichern und Lücken zu schließen. Der Großteil der Grünlandbestände ist nach der wiederholten Dürre in diesem Frühjahr in einem desolaten Zustand, Mäuse taten ihr übriges. Regional differenziert konnten aufgrund der ausgeprägten Vorsommertrockenheit und der massiven Mäusepopulationen im Spätsommer 2019 kaum ausreichende Grundfuttermengen und Qualitäten eingefahren werden, sodass das schnelle Generieren von zeitigen Grasaufwüchsen in diesem Jahr höchste Priorität hat.

Aktuell wird der Schaden durch die Mäuse in Niedersachen auf rund 150.000 Hektar geschätzt, 50.000 Hektar allein in der Wesermarsch, dadurch entsteht ein Futtervakuum von rund 1.000.000 Tonnen Gras. Derweil hoffen die betroffenen Landwirte auf eine schnelle, unbürokratische Politik, die pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine Bodenbearbeitung der geschädigten Flächen zunächst erst rechtlich ermöglicht. Mittelfristig müssen die Grünlandbestände wieder in eine wirtschaftliche Ausgangslage überführt werden, um ein solide Futterversorgung zu gewährleisten.

Mäuse zerstörten viel Grünland

Vielerorts haben Mäuse beträchtlichen Schaden angerichtet.

Welche Maßnahmen sind aktuell möglich, um hochwertiges Grundfutter ernten zu können?

Hansing: Zu Saisonbeginn sollte eine Bestandsaufnahme erfolgen; viele Schäden sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen – Mäuse haben vor allem die Jährige Rispe selektiert, und vermeintlich „grüne“ Narben erweisen sich als wertlos. Entsprechend der Ausgangssituation müssen intensive Pflegemaßnahmen bei Befahrbarkeit ergriffen werden – bei anhaltendem Mäusebefall sollten diese unbedingt in mehreren Intervallen gestört werden, je nach rechtlicher Rahmenbedingung mit einer Bodenbearbeitung, minimal jedoch durch Walzen.

Anschließend sollte abhängig vom Zustand der Narbe nachgesät oder neu angesät werden. Bei akutem Futterbedarf bietet sich eine Kombination aus einem Drittel Einjährigem Weidelgras und zwei Dritteln Dauer-Grünlandmischung an. Das Einjährige Weidelgras zeichnet sich durch eine schnelle Jugendentwicklung und Frohwüchsigkeit aus, sodass bereits nach 60 Tagen eine Schnittreife erreicht werden kann. Das Einjährige Weidelgras ist nicht ausdauernd, nutzt sich im Laufe der Zeit aus der Grasnarbe heraus und sollte durch eine regelmäßige Nachsaat mit Dauer-Gräsern ersetzt werden.

Welche Faktoren sollten bei der Wahl der Gräser-Mischungen berücksichtigt werden?

Hansing: Im Normalfall hängt die Wahl der Mischung sowohl von der Standorteignung als auch von der Nutzungsrichtung ab. Es gibt für jeden Standort die passende Mischung, für raues oder eher mildes Klima, für spät erwärmende, schwere Böden ebenso wie für leichte, sandige Böden. Bei der Nutzungsrichtung ist relevant, ob es sich um Wiese zum Mähen oder um Weiden handelt. Flächen, die ausschließlich gemäht werden, sollten beispielsweise einen hohen Anteil an Deutschem Weidelgras enthalten, um stabile Erträge und Qualitäten bei intensiver Nutzung zu sichern.

Bei Beweidung eignet sich eine Mischung, die neben Deutschem Weidelgras und Wiesenlieschgras auch Wiesenrispe für eine stabile, trittfeste Narbe enthält sowie Weißklee für einen höheren Proteingehalt. Unter den aktuellen Bedingungen ist auf einen hohen Anteil Deutsches Weidelgras zu achten, da diese Art die schnellste Jugendentwicklung der hochwertigen Dauergräser aufweist. Zudem sollte bei der Wahl des Einjährigen Weidelgrases zur Futterkompensation auf die Nutzungseinstufung der Sorte geachtet werden – für die geplante Verwendung eignen sich insbesondere die Sorten, die auf eine hohe Trockenmasse-Ertragsleistung im ersten Schnitt bzw. zur Zwischenfrucht-Nutzung gezüchtet wurden.

Für die stark geschädigten Flächen empfehlen sich insbesondere die Basis-Mischungen Plantinum Intensiv und Plantinum Universal bestehend aus 100 Prozent Deutschem Weidelgras sowie Plantinum Norddeutsch mit 80 Prozent Deutschem Weidelgras und 20 Prozent Wiesenlieschgras. Das Plantinum-Mischungskonzept stützt sich auf energiereiche und rostresistente Sorten des Deutschen Weidelgrases, die ausschließlich moorgeeignet und kammerempfohlen sind. Weitere futterbauliche hochwertige Arten vervollständigen das Konzept.

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