Ertragreiche Getreidesorten

Trotz Hitze und Trockenheit gute Erträge sichern

Die Landwirte blicken bereits auf zwei trockene und teilweise sehr heiße Anbaujahre 2018 und 2019 zurück. Insbesondere auf schwächeren Standorten kostet eine derart ungünstige Niederschlagsverteilung kombiniert mit extremen Hitzephasen wertvollen Kornertrag. Wie sollten Getreideanbauer auf die sich ändernden Bedingungen reagieren?

Die ausgeprägte Trockenheit führt auf Grenzertragsstandorten zu einer Verschiebung von Weizen und Triticale hin zum ertragssichereren Roggenanbau. Insgesamt stellt sich die Frage: welche Sorten innerhalb der Fruchtarten kommen mit diesen extremen Bedingungen am besten klar? AGRAVIS-Pflanzenbauberater Thomas Husemann stellt geeignete Getreidesorten vor.

Triticalesorten

Rivolt: Novum unter Hochertragssorten

Bei den Triticalesorten scheinen die etwas längeren Roggentypen mit wetterbedingten Ausnahmezuständen besser umgehen zu können als die eher kurzen Weizentypen. „Eine ganz neue Sorte dieser Art, die neben überragenden Ertragsergebnissen auch noch ein einzigartiges Resistenzpaket mitbringt, ist die Sorte Rivolt. Es ist die erste Triticalesorte, die eine Kombination aus sehr hohen Erträgen und der bestmöglichen Fusariumresistenz bietet“, erläutert AGRAVIS-Pflanzenbauberater Thomas Husemann. Damit stellt Rivolt ein Novum unter den Hochertragssorten dar und bricht gewissermaßen die Korrelation zwischen Ertrag und Fusariumanfälligkeit. Abgerundet wird das Sortenprofil durch eine sehr gute Blattgesundheit hinsichtlich Mehltau und Rosten – und liefert damit genau die richtige Antwort auf die Frage, ob der Triticaleanbau weiterhin sinnvoll ist und welchem Sortentyp die Zukunft gehört. „Die Sorte steht zur Ernte 2020 sowohl in den AGRAVIS-Sortenversuchen als auch in fast allen Landessortenversuchen und wird sicher auf sich aufmerksam machen“, ist Husemann überzeugt.

Lombardo, Lanetto: sichere Erträge auf leichten Standorten

Darüber hinaus steht neben der bewährten Sorte Lombardo ganz besonders die neuere Sorte Lanetto für sehr hohe und vor allem sichere Erträge auf leichten Standorten. Lanetto überzeugt durch eine sehr gute Mehltauresistenz, muss aber bei Gelb- und Braunrost abgesichert werden.

Wintergerste

KWS Wallace überzeugt mit guten Hektolitergewichten

Bei den mehrzeiligen Wintergerstensorten steht mit der neuen Züchtung KWS Wallace eine Weiterentwicklung des bisherigen Standards zur Verfügung. „Im Kornertrag hat sie in den vergangenen Extremjahren in Wertprüfung und AGRAVIS-Versuchen unter Beweis gestellt, dass sie zum Besten gehört, was der Markt zu bieten hat“, berichtet Thomas Husemann. Außerdem überzeugt die KWS Wallace in puncto Standfestigkeit und Strohstabilität genau wie die KWS Orbit mit der besten Ausstattung im KWS-Portfolio und passt entsprechend gut zu langjährig organisch gedüngten Standorten.
Das Besondere an der Neuzüchtung ist allerdings die außergewöhnliche Kornqualität: „Die KWS Wallace ist die einzige mehrzeilige Wintergerste mit der Ausprägungsstufe 7 beim Hektolitergewicht und der Note 8 beim behandelten Kornertrag. Mit dieser Kombination aus Ertrag und Kornqualität sticht die Sorte aus der Masse anbauwürdiger Sorten heraus und bietet die höchstmögliche Sicherheit, auch bei schwierigen Bedingungen gute Hektolitergewichte abliefern zu können“, hebt Husemann hervor.

Mirabelle: lange vital und grün

Weiterhin erhält die etablierte Sorte Mirabelle die volle Empfehlung, da die etwas längere, dabei aber sehr standfeste und blattgesunde Sorte auch im vergangenen Jahr wieder positiv aufgefallen ist und im Vergleich lange vital und grün war. „Die verhältnismäßig späte Reife wurde jedoch insbesondere zur Ernte 2019 zum Nachteil und Mirabelle zeigte im Gegensatz zum Vorjahr nur durchschnittliche Erträge“, schränkt der Pflanzenbauexperte ein. „Das zeigt einmal mehr, dass zur Risikostreuung verschiedene Reifeklassen kombiniert werden sollten, weil auch in Trockenjahren mal der eine und mal der andere Typ im Vorteil ist.“

„Versuchsergebnisse aus einzelnen Extremjahren sollten nicht überbewertet und nur im mehrjährigen Kontext betrachtet werden.“

Thomas Husemann, Pflanzenbau-Vertriebsberater

Ergebnisse Sortenprüfung Wintergerste 2019

(Verrechnungssorten 2019: KWS Meridian, SY Galileoo (Hy), California)
Hy = Hybridsorte, mz = mehrzeilig, zz = zweizeilig

Sorte Typ Ertrag
(dt/ha)
Ertrag
(rel.)
Hektolitergewicht
Bielefeld (68 BP)        
KWS Meridian mz 109,7 101 60,9
KWS Wallace mz 107,4 99 65,7
SY Galileo (Hy) mz 112,8 104 63,6
Bordeaux zz 107,7 99 64,6
California zz 103,3 95 61,9
Grenzdifferenz (5%): 5,9 dt/ha        
Münster (35 BP)        
KWS Meridian mz 89,6 98 68,8
KWS Wallace mz 95,7 105 69,9
SY Galileo (Hy) mz 93,8 103 65,5
Bordeaux zz 93,9 103 69,8
California zz 90,7 99 67,7
Grenzdifferenz (5%): 6,7 dt/ha 4,4 dt        
Eldagsen (78 BP)        
KWS Meridian mz 115,8 105 68,1
KWS Wallace mz 116,7 106 68,5
SY Galileo (Hy) mz 112,0 101 67,3
Bordeaux zz      
California zz 103,5 94 66,7
Grenzdifferenz (5%): 4,4 dt/ha        

Winterweizen

Auch wenn der Winterweizen auf einigen Grenzertragsstandorten auf dem Rückzug ist, stellt die Fruchtart nach wie vor den mit Abstand größten Anteil der Wintergetreidearten dar. Innerhalb der Weizensorten besteht eine große Vielfalt an Sortentypen, die sich in vielerlei Hinsicht differenzieren und segmentieren lassen. Neben den klassischen Kriterien wie Qualitätsparametern, Resistenzausstattung, Standfestigkeit und Ertrag gewinnt der Aspekt der Ertragsstabilität unter extremen Witterungsbedingungen zunehmend an Bedeutung. Für die Einschätzung dieser Eigenschaft sind neben den eigenen Erfahrungen außerdem die Ergebnisse aus regionalen Sortenversuchen von Bedeutung. „Versuchsergebnisse aus einzelnen Extremjahren sollten aber nicht überbewertet und nur im mehrjährigen Kontext betrachtet werden“, betont Husemann. „Besonders positiv zu bewerten sind in diesem Zusammenhang jene Sorten, die bereits in den Vorjahren stabile und gute Erträge gezeigt haben und in den Erntejahren 2018 und 2019 ebenfalls gut gedroschen haben.“ Diese Sorten scheinen überdurchschnittlich anpassungsfähig gegenüber widrigen Umwelteinflüssen zu sein und sind die richtige Wahl für die kommende Aussaat.

B-Weizen Informer und Hochertragsweizen Campesino

Zu diesen Sorten gehört der 2018 zugelassene B-Weizen Informer, der im Anbau deutlich ausgedehnt wurde und aufgrund seiner überdurchschnittlichen Ertragstreue zu den größten Sorten Deutschlands gehört. Auch die Ernte 2019 bescherte Informer-Anbauern überdurchschnittliche Erträge, obwohl die späte Reife der Sorte zum Nachteil wurde und das genetische Ertragspotenzial nicht überall ausgeschöpft werden konnte. Der neue Hochertragsweizen Campesino aus dem Zulassungsjahrgang 2019 bietet aufgrund seiner deutlich früheren Reife die ideale Ergänzung zum spätreifen Informer. „Sowohl in der Wertprüfung 2016 bis 2018 als auch im Erntejahr 2019 hat Campesino in Landessortenversuchen und AGRAVIS-Versuchen gezeigt, welches überdurchschnittliche Ertragspotenzial die Sorte unter extremen Witterungseinflüssen bietet. Die standfeste Sorte überzeugt neben dem Ertrag aber auch durch ein ausgezeichnetes Resistenzpaket bei Blattkrankheiten und Halmbruch und fällt in jedem Sortenvergleich durch seine besondere Frohwüchsigkeit positiv auf“, hebt der AGRAVIS-Experte hervor.

Asory: Inbegriff von Ertragsstabilität

Zu guter Letzt darf in Bezug auf die Weizensorten mit besonderer Anpassungsfähigkeit an trockene und heiße Bedingungen die Sorte Asory nicht unerwähnt bleiben. „Der Qualitätsweizen ist unter optimalen Bedingungen ertraglich unter den genannten Masseweizen Informer und Campesino einzuordnen, besitzt aber eine enorme Kompensationsfähigkeit gegenüber den genannten Umwelteinflüssen und ist deshalb der Inbegriff von Ertragsstabilität“, macht Thomas Husemann die Vorteile der Sorte deutlich. „Insofern empfiehlt sich der A-Weizen sowohl für Marktfrucht- als auch für Veredlungsregionen, wo Asory aufgrund seiner überdurchschnittlichen Fusariumresistenz uneingeschränkt eingesetzt werden kann.“

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