Disclaimer

Bei den Marktanalysen handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung! Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können eine Prognose bezüglich der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.

Wochenbericht 2. Oktober 2026


  • US-Milch-, Rindfleisch- und Schweinefleisch-Update

Die Zahl der Milchkühe in den USA steigt weiter und lag im August bei rund 9,8 Mio. Tieren (August 2025: 9,5 Mio.). Die Milchleistung je KuhDie Kuh ist ein weibliches Hausrind nach der ersten Kalbung. nimmt im Jahresvergleich jedoch nicht zu. Dennoch wächst die Milcherzeugung gegenüber dem Vorjahr um rund 2 %. Die Rindfleischerzeugung in den USA von Januar bis August 2026 fällt gegenüber dem Vorjahr deutlich auf 7,4 Mio. t (Vorjahr: 7,8 Mio. t), während die Schweinefleischproduktion mit 8,1 Mio. t nahezu unverändert bleibt.


  • Deutsche Ernteeinschätzung 2026

Derweil hat das Statistische Bundesamt seine Ernteschätzung 2026 aktualisiert. Gegenüber der vorherigen Schätzung von Mitte August wurden nur geringe Veränderungen vorgenommen. Die Weizenproduktion (ohne Durum) wurde leicht gesenkt und liegt weiterhin bei rund 20,5 Mio. t (Vorjahr: 22,8 Mio. t). Dabei stehen höheren Ertragsschätzungen im Norden niedrigere Erwartungen für den Süden gegenüber. Die Gerstenproduktion wurde dank höherer Wintergerstenerträge nochmals leicht angehoben und liegt nun mit 11,3 Mio. t auf Vorjahresniveau. Die Roggenproduktion wurde leicht erhöht und wird nun auf 2,9 Mio. t (3,0 Mio. t) geschätzt. Die TriticaleTriticale ist ein Getreide. Es ist eine Kreuzung aus Weizen und Roggen.-Erzeugung wurde geringfügig auf 1,6 Mio. t (1,8 Mio. t) reduziert. Die Rapsernte wurde ebenfalls weiter nach unten korrigiert und wird nun auf 3,5 Mio. t (3,9 Mio. t) geschätzt.


  • Getreideimporte Chinas

Von September bis August 2025/26 stiegen die Getreideimporte Chinas gegenüber dem Vorjahr deutlich auf 33 Mio. t, nach 24 Mio. t im Jahr zuvor. Damit liegen sie jedoch weiterhin deutlich unter dem Rekordniveau von 63 Mio. t vor zwei Jahren. Die Weizenimporte erreichten 4,8 Mio. t (3,2 Mio. t; 12,8 Mio. t), die Gerstenimporte stiegen auf 14,2 Mio. t (10,0 Mio. t; 16,0 Mio. t), die Sorghumimporte lagen bei 7,0 Mio. t (5,8 Mio. t; 7,8 Mio. t). Die Maisimporte blieben mit 3,5 Mio. t (2,1 Mio. t; 24,8 Mio. t) vergleichsweise niedrig. Zwischen Juni und August 2026 lagen die Importe von Gerste und Sorghum deutlich über dem Vorjahresniveau. Die Weizeneinfuhren gingen leicht zurück, während die Maisimporte moderat zulegten.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

  • US-Maisgürtel

Bis Sonntag wird in den westlichen Anbauregionen weiterhin sehr viel Regen erwartet. Danach soll sich eine trockenere Wetterlage einstellen. Der Niederschlag führt lokal bereits zu Schäden in den Beständen und teilweise zu Auswuchs, von flächendeckenden Problemen kann bislang jedoch nicht gesprochen werden. Dennoch ist die für nächste Woche prognostizierte trockene Witterung dringend erforderlich, um deutliche Fortschritte bei der Ernte zu ermöglichen. Ein derart nasses Erntewetter wurde zuletzt im Jahr 2019 beobachtet.


  • Australien Weizengürtel

In den kommenden Tagen werden für Western Australia sehr wichtige Niederschläge erwartet, die die Ertragsaussichten 2026 auf dem bereits hohen Niveau stabilisieren sollten. Deutlich zu warm (seit dem 18. September 6-7°C wärmer als im Mittel) und zu trocken für die Jahreszeit bleibt dagegen die bedeutende Anbauregion New South Wales. Dort ist auch in den nächsten Tagen keine grundlegende Wetteränderung in Sicht. Im Süden des Landes soll bis Anfang Oktober mehr Regen fallen. Sollten die prognostizierten Niederschläge eintreten, dürften sich die Ertragsaussichten auch dort auf dem aktuell guten bis überdurchschnittlichen Niveau halten. Nach heutigem Stand kann für Australien weiterhin eine gute Getreideernte erwartet werden.


  • EU und UK

Zu trocken bleibt es weiterhin im Südosten der EU. Dort sind nun zeitnah flächendeckende Niederschläge erforderlich, damit sich die Rapspflanzen vor dem Winter noch ausreichend entwickeln können. Die Startbedingungen für die Rapssaison 2027 sind in weiten Teilen der EU bislang ungünstig. Die Anbaufläche dürfte daher geringer ausfallen als noch im August erwartet, insbesondere in Frankreich sowie in Teilen Südosteuropas. Für Frankreich wird derzeit ein Wetterwechsel mit zunehmenden Niederschlägen erwartet. Auch im Westen Deutschlands könnten die Regenmengen in den kommenden Tagen deutlich zunehmen. Dies wäre hilfreich, um die Bodenwasservorräte vor dem Winter wieder aufzufüllen und die Entwicklung der Winterkulturen zu verbessern.

Quellen: Reuters, USDA, OIL WORLD, Eurostat, AHDB, USDA-Attaché, BLE, Destatis, StatCan

Kontakt

Bernhard Chilla

Leiter volkswirtschaftliche Abteilung Agrarerzeugnisse