Disclaimer

Bei den Marktanalysen handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung! Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können eine Prognose bezüglich der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.

Wochenbericht 23. September 2026


  • Dieselkraftstoffabsätze

Die Dieselkraftstoffabsätze in der EU sind nach Angaben von Eurostat in der ersten Jahreshälfte 2026 um 7 % auf rund 98 Mio. t gesunken. Der größte Rückgang war in Deutschland zu beobachten, wo der Absatz auf 17 Mio. t zurückging (Vorjahresperiode: 20 Mio. t). Rückläufig waren die Absätze auch in Frankreich mit 15,4 Mio. t (17 Mio. t), in Italien mit 11,0 Mio. t (11,8 Mio. t) sowie in den Beneluxstaaten mit 5,7 Mio. t (6,4 Mio. t). Die Verkäufe in Tschechien, der Slowakei und Polen blieben mit 14,6 Mio. t (14,8 Mio. t) nahezu auf Vorjahresniveau. Auch in Spanien wurde kein Rückgang beobachtet, dort erreichten die Verkäufe 13,2 Mio. t.


  • Biodieselabsatz

Der EU Biodieselabsatz (inkl. HVO) in der EU stieg nach Berichten von Eurostat in der ersten Jahreshälfte 2026 auf 6,8 Mio. t (6,5 Mio. t). Zuwächse wurden unter anderem in Deutschland auf 1,4 Mio. t (1,2 Mio. t), in Polen auf 0,6 Mio. t (0,5 Mio. t), in Skandinavien auf 0,4 Mio. t (0,3 Mio. t) sowie in den Niederlanden auf 0,4 Mio. t (0,3 Mio. t) verzeichnet. In Frankreich blieb der Biodieselabsatz mit 1,0 Mio. t unverändert gegenüber dem Vorjahr. In Spanien sank der Absatz dagegen auf 0,6 Mio. t (0,8 Mio. t), während er in Italien mit gut 0,7 Mio. t nahezu unverändert blieb.


  • Kanadische Ernteschätzung 2026

Statistics Canada hat seine erste belastbare Produktionsschätzung für 2026 veröffentlicht. Die kanadische Weizenproduktion (ohne Durum) soll gut 29 Mio. t erreichen (Vorjahr: 33 Mio. t), die Gerstenernte wird mit knapp 10 Mio. t auf Vorjahresniveau geschätzt. Auch die Rapsproduktion soll mit 22 Mio. t nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr ausfallen. Diese Schätzung liegt erfahrungsgemäß häufig zu niedrig. Bei RapsRaps ist eine Pflanzenart und eine wirtschaftlich bedeutende Nutzpflanze. wird die Produktion in der Regel um 0,5 bis 1 Mio. t unterschätzt, beim WeizenWeizen sind verschiedene Pflanzenarten der Süßgräser. oftmals um 0,5 bis 2 Mio. t. Die Erhebungsdaten stammen aus dem August und basieren auf Berechnungen mithilfe von Satellitendaten. Allerdings ist die Vegetationsentwicklung in diesem Jahr deutlich stärker verzögert als in den Jahren, in denen diese satellitengestützten Auswertungen bislang zum Einsatz kamen. Somit ist keine echte Vergleichbarkeit mit den Ergebnissen aus den Vorjahren möglich. Zusätzlich führte eine Regenfront im September zu einer deutlichen Verzögerung des Erntefortschritts. Damit könnte die tatsächlich geerntete Fläche auch geringer ausfallen als bislang geschätzt. Ertragsseitig soll der starke Niederschlag jedoch keine größeren Verluste verursacht haben. Beim Weizen hat sich die Qualität dagegen deutlich verschlechtert, sodass für 2026 mit einem hohen Anteil an Futterweizen gerechnet wird. Dies könnte im Wirtschaftsjahr 2026/27 zu erheblichen Verschiebungen der Handelsströme führen. Länder wie Vietnam oder Südkorea dürften verstärkt Futterweizenqualitäten nachfragen, während andere Qualitätskäufer, darunter auch EU-Länder (EU&UK importieren im Jahr 1-2 Mio.t Qualitätsweizen aus Kanada), ihren Bedarf aus anderen Ursprüngen decken müssten.


  • Ukrainisches Exporttempo

Die Exporte von Agrargütern aus der Ukraine bleiben im September 2026 auf einem sehr niedrigen Niveau, entwickeln sich jedoch etwas besser als im August. Das Exporttempo aus der Ukraine liegt weiterhin unter dem Niveau des Frühsommers 2022, als die großen Exporthäfen des Landes noch nicht geöffnet waren. Auffällig ist der schwache Export aus der Ukraine per Lkw, während die Bahnexporte inzwischen wieder das frühere Niveau erreicht haben. Ebenfalls bemerkenswert bleibt der geringe Export über die Donauhäfen im Vergleich zum Potenzial, das im Jahr 2022 genutzt wurde.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

  • Australien Weizengürtel

Kein gutes Wachstumswetter, um die erwarteten Erträge 2026 zu erreichen. In den vergangenen drei Tagen wurden im Süden und Südosten des Landes leichte Nachtfröste registriert. Diese könnten bei den gut entwickelten Beständen in den betroffenen Regionen zu Schäden geführt haben. Nun steigen die Tagestemperaturen jedoch wieder deutlich über das langjährige Mittel. Die trockene Wetterlage im Osten des Landes belastet das Wachstum von GetreideDie AGRAVIS ist Experte für alle Fragen rund um das Thema Getreide. und Raps zunehmend. Ein Wetterwechsel mit nennenswerten Niederschlägen ist dort bis Ende des Monats dringend erforderlich. In Western Australia dürften die Wachstumsbedingungen stabil bleiben und sich sogar weiter verbessern, sofern die für die kommende Woche prognostizierten Niederschläge tatsächlich eintreten. Die Wachstumsbedingungen im Osten des Landes sind dagegen deutlich schwächer als in den beiden Vorjahren, während sie in Western Australia günstiger ausfallen. Damit bleiben die Ernteaussichten für Weizen bei rund 28 bis 29 Mio. t nach 35 Mio. t im Vorjahr. Für Raps wird weiterhin eine Ernte von etwa 7 Mio. t erwartet und damit unverändert zum Vorjahr.


  • Schwarzmeerraum

Nasses Erntewetter für MaisMais ist eine Pflanzenart und gehört zur Familie der Süßgräser. und Sonnenblumen in der Ukraine erwartet. Derzeit betrifft dies die Ernte der Sonnenblumensaat stärker als die des Maises. Die Ernteaussichten für Körnermais bleiben in den westlichen Anbauregionen schwächer als im Vorjahr. Das Maiswachstum war dort in diesem Jahr von einer schwachen Befruchtung und einer unzureichenden Kolbenausbildung geprägt. Die Witterungsbedingungen sprechen daher eher für durchschnittliche Körnermais-Erträge. Damit dürfte die Produktion von Körnermais eher unter 30 Mio. t ausfallen, verglichen mit 31 Mio. t im Vorjahr. Auch im Zentrum Russlands wird nasses Erntewetter für die Sonnenblumenernte erwartet. Die AussaatDas Ausbringen des Saatgutes in den Boden der Felder geschieht mit speziellen Sämaschinen. von Winterkulturen kommt in Russland in diesem Jahr nur langsam voran. Über die Höhe der Winterweizenfläche wird weiterhin intensiv diskutiert. Im Raum steht ein Rückgang von rund 15 % beziehungsweise 2 Mio. ha gegenüber dem Vorjahr, insbesondere in den Anbauregionen im Zentrum des Landes. Zu trocken bleibt die Wetterlage weiterhin in wichtigen Rapsanbauregionen Rumäniens. In Bulgarien werden die Wachstumsbedingungen dagegen tendenziell etwas günstiger eingeschätzt.


  • Argentinien Weizengürtel

Der September bleibt bislang deutlich trockener als der September 2025. Die sehr guten Niederschläge im September 2025 bildeten eine wichtige Grundlage für die Rekorderträge des vergangenen Jahres. Hinzu kommt, dass zuletzt starke Nachtfröste im südlichen Weizengürtel beobachtet wurden. Lokal wurden Tiefstwerte von bis zu -8 °C gemessen. So kalt war es Mitte September mindestens seit 2015 nicht mehr. Auch in den kommenden sieben Tagen sind weitere Nachtfröste nicht ausgeschlossen. Damit bleiben die Wachstumsbedingungen für die Ernte 2026 schwächer als im Vorjahr. Um die derzeit überdurchschnittlichen Ertragserwartungen weiterhin zu erfüllen, wird im Oktober deutlich mehr Niederschlag benötigt. Die aktuelle Wetterentwicklung spricht somit weiterhin nicht für eine Wiederholung der außergewöhnlich guten Wachstumsbedingungen des Vorjahres. Entscheidend wird sein, ob ab Anfang Oktober ausreichend Regen fällt, um die Ertragsbildung in den wichtigen Anbauregionen zu unterstützen und die hohen Erwartungen an die Ernte 2026 zu bestätigen.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Quellen: Reuters, USDA, OIL WORLD, Eurostat, AHDB, USDA-Attaché, BLE, Destatis, StatCan

Kontakt

Bernhard Chilla

Leiter volkswirtschaftliche Abteilung Agrarerzeugnisse