Disclaimer

Bei den Marktanalysen handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung! Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können eine Prognose bezüglich der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.

Wochenbericht 16. Oktober 2026


  • Weizenproduktionsschätzungen in den Exportländern 2026/27

Der Fokus richtet sich mehr und mehr auf die Ernten in Argentinien und Australien. In Australien bleiben die Ernteaussichten hoch. Das bestätigen zuletzt Berichte von Crop-Touren im Südosten sowie der GIWA-Bericht aus Western Australia. Die Kernfrage bleibt die Höhe der Weizenanbaufläche. Dabei steht auch im Raum, dass die Gerstenfläche höher ist als aktuell geschätzt und dagegen weniger Weizen in den BodenDer Boden wird umgangssprachlich auch Erde oder Erdreich genannt. gekommen ist. Die Produktionsschätzungen für Australien sollten sich daher um die 30 Mio. t bewegen, nach gut 35 Mio. t im Vorjahr. Aus Argentinien kommen aktuell vermehrt Berichte, dass die starken Fröste von Mitte bis Ende September doch zu größeren Schäden bei Weizen und GersteDie Gerste ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Süßgräser zählt. geführt haben. Daher dürfte sich die Produktion eher zwischen 20 und 22 Mio. t bewegen als zwischen 22 und 24 Mio. t, verglichen mit gut 26 Mio. t im Vorjahr. Eine Produktion von 20 bis 22 Mio. t setzt immer noch einen Ertrag voraus, der über dem Fünfjahresmittel liegt. Damit bleibt die Weizenerzeugung 2026/27 mit rund 360 Mio. t gut 33 Mio. t unter der Vorjahresmenge und bewegt sich auf dem Durchschnittsniveau der Jahre 2019 bis 2025.


  • Update zur Milchproduktion in wichtigen Erzeugerländern weltweit

In Russland sinkt die Milchproduktion im Vergleich zu 2024 und 2025 weiter. Zwischen Januar und August 2026 wurden gut 2 % weniger Milch erzeugt als im Vorjahr. Ein besonders starker Rückgang war zwischen Mai und Juli im Vorjahresvergleich zu verzeichnen. Im August erholte sich die Milchproduktion wieder. In den USA steigt die Milcherzeugung im Vergleich zum Vorjahr weiter, allerdings schwächt sich das Wachstum ab. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 lag das Wachstum noch bei rund 3 %, zwischen Juni und August dagegen nur noch bei knapp 2 %. Ein ähnliches Produktionsbild zeigt sich derzeit in Brasilien: Auf hohe Wachstumsraten in den ersten Monaten des Kalenderjahres folgte in den vergangenen drei Monaten ein schwächeres Wachstum gegenüber dem Vorjahr. Für Australien kann eine solche Entwicklung derzeit noch nicht bestätigt werden. Bis Juli stieg die Milchproduktion deutlich an, der August fiel dagegen im Vergleich zu 2024 und 2025 schwächer aus. Ein ähnliches Bild zeigt sich in der EU. Von Januar bis Juli 2026 wurden im Vergleich zu 2025 sehr hohe Produktionszahlen erreicht. Im August war dagegen kein Wachstum mehr zu verzeichnen. Im Jahresvergleich wächst die Milcherzeugung am stärksten in Deutschland, Italien und den Niederlanden. Deutlich rückläufig ist sie dagegen in Irland und den baltischen Staaten. Ein stabiles Wachstum wird aus Frankreich, Dänemark und Polen gemeldet. Das Produktionsbild Australiens und der EU ist auch in Neuseeland zu beobachten. Dort ist die Milchproduktion im Vergleich zum Vorjahr allerdings noch stärker gestiegen. Entscheidend für den Milchmarkt wird nun die weitere Produktionsentwicklung in Neuseeland und Australien. Eine El-Niño-Wetterlage könnte zu einem Rückgang der Milchleistung führen. Im Jahr 2023, dem letzten El-Niño-Jahr, sank die Milchproduktion in Australien nach Beginn von El Niño im Vergleich zum Vorjahr um 2 %.


  • Weizenexporte aus den wichtigsten Ausfuhrländern

Der Handel pendelt sich im Zeitraum Juli bis Oktober 2026 derzeit auf rund 14 Mio. t pro Monat ein. Das sind 2 Mio. t weniger pro Monat als im 5-Jahresmittel. Das Exporttempo liegt damit rund 11–12 Mio. t unter dem Vorjahresniveau und auf einem sehr niedrigen Stand. Sollte das aktuelle Exporttempo im weiteren Jahresverlauf auf dem bisherigen Niveau bleiben, dürften die Weizenexporte insgesamt 157–162 Mio. t erreichen, nach 196 Mio. t im Vorjahr und 177 Mio. t 2024/25. Solch geringe Exporte dürften die Weizenbestände in vielen Importländern deutlich reduzieren, sodass kaum noch Reservebestände verfügbar wären. Die russischen Exporte sollten von Juli bis Oktober 9–10 Mio. t erreichen, nach 16 Mio. t im Vorjahr und 20 Mio. t vor zwei Jahren. Die Exporte der Ukraine dürften bei 4–4,5 Mio. t liegen (Vorjahr: 6,2 Mio. t; vor zwei Jahren: 7,6 Mio. t), Australien bei 7–7,5 Mio. t (8,0; 4,9 Mio. t) und Kanada bei rund 11 Mio. t (8,9; 7,6 Mio. t). Die EU-Ausfuhren sollten sich auf rund 11 Mio. t einpendeln, unverändert zum Vorjahr und gegenüber knapp 10 Mio. t vor zwei Jahren. Die Exporte der USA bleiben mit rund 7 Mio. t deutlich unter dem Vorjahresniveau (10; 8 Mio. t). Das Exporttempo Kanadas ist weiterhin viel zu hoch im Vergleich zum langjährigen Mittel. Bis Ende Januar sollte das Exporttempo dort hoch bleiben, sodass ab März 2027 deutlich weniger Weizen aus Kanada verfügbar sein dürfte. Das Exporttempo der EU passt zum Exportpotenzial. Die US-Weizenexporte liegen im Bereich der Erwartungen. Weizen aus Australien und Argentinien dürfte in den kommenden Monaten stark gefragt sein, solange die russischen Weizenexporte nicht anziehen.


  • Getreideproduktionsschätzungen 2026 Frankreich

Die Getreideproduktionsschätzungen 2026 für Frankreich werden vom Landwirtschaftsministerium weiter gesenkt. Die Weizenernte 2026 wurde um 0,2 Mio. t auf 31,5 (zuvor: 31,7; Vorjahr: 33,4) Mio. t reduziert. Die Gerstenproduktionsschätzung wurde weiter auf 10,6 (10,8; 11,9) Mio. t gesenkt, da vor allem die Ertragserwartungen für Wintergerste deutlich nach unten korrigiert wurden. Die Maisproduktion wird inzwischen auf 7,3 (8,5; 13,9) Mio. t geschätzt. Private Marktbeobachter bleiben dagegen bei Schätzungen von rund 6 Mio. t.


  • Offizieller Aussaatfortschritt Russland

Mitte Oktober 2026 ist weiterhin das langsamste Aussaattempo bei den Winterkulturen seit mindestens 2017 zu beobachten. Die Aussaatfläche soll bei 12,1 Mio. ha liegen, verglichen mit knapp 13 Mio. ha vor einem Jahr und einem langjährigen Mittel von gut 14 Mio. ha. Ziel der Regierung bleibt eine Anbaufläche von 17,6 Mio. ha, unverändert zum Vorjahr. Ein Trend innerhalb der Winterkulturen ist die deutliche Ausdehnung des Winterrapsanbaus. Für die Ernte 2023 lag die Anbaufläche bei gut 0,5 Mio. ha, für 2026 bei rund 0,8 Mio. ha. Zur Ernte 2027 könnten bis zu 1 Mio. ha Winterraps bestellt werden. Sollte die Winterrapsfläche tatsächlich in diesem Umfang steigen, dürfte dies innerhalb der Winterkulturen zulasten anderer Kulturen gehen, insbesondere von Winterweizen oder Wintergerste.

Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

  • Schwarzmeerraum

Seit Anfang August ist in wichtigen Winterweizenanbauregionen im Osten Südrusslands eine sehr trockene Wetterlage zu beobachten. Dort dürfte der Weizen keinen guten Start haben, sodass dringend mehr Niederschlag benötigt wird. In anderen Anbauregionen wird in diesem Jahr dagegen ein deutlich besseres Erntewetter verzeichnet als 2024 und 2025. Daher ist weiterhin mit einem guten Erntefortschritt zu rechnen. In der Ukraine dürfte der Oktober in wichtigen Anbauregionen nun deutlich zu nass ausfallen. Das könnte die Maisernte verzögern, da sich die Landwirtschaft zunächst verstärkt auf die empfindlichere Sonnenblumenernte konzentrieren dürfte. Die Niederschläge erhöhen dort allerdings auch deutlich die Wasserreserven im Boden.


  • Brasilien Sojabohnengürtel

Die Regenzeit beginnt in diesem Jahr früh. Zudem fällt deutlich mehr Regen als in den beiden Vorjahren. Daher dürfte die Sojabohnenaussaat in den kommenden Wochen, zu Beginn der Aussaatperiode, gut vorankommen. Problematisch ist dagegen die nasse Wetterlage im Süden für die Weizenernte. Die Produktionsschätzungen werden weiter gesenkt. Zudem soll der Anteil an Weizen in Futterqualität in diesem Jahr hoch ausfallen. Die Weizenernte in Brasilien dürfte derzeit zu rund 50 % abgeschlossen sein. Die Produktionsschätzungen liegen zwischen 5 und 7 Mio. t, verglichen mit durchschnittlich 8 Mio. t in den vergangenen fünf Jahren.


  • EU

Im Osten, in der Mitte und im Süden der EU bleibt es für die Jahreszeit sehr trocken. Dort sind weiterhin dringend Niederschläge für einen guten Start der Winterkulturen erforderlich. Guter Regen wird für Bulgarien und den Osten Rumäniens erwartet. Auch dort waren Niederschläge dringend notwendig. Leichte Niederschläge werden weiterhin im Westen der EU erwartet. Allerdings ist auch dort mehr Regen erforderlich, um die Bodenfeuchtigkeit zu verbessern und die Bedingungen für die Logistik zu erleichtern.


  • Argentinien

Deutlich zu kalt für die Jahreszeit im Weizengürtel. Trotz der trockenen Wetterlage führt dies bislang zu keinem größeren Wachstumsstress. Das Risiko von Nachtfrösten dürfte bei der aktuellen Wetterlage allerdings weiterhin nicht ausgeschlossen sein. Derzeit ist es der kälteste Oktober seit 2015. Im Jahr 2015 wurde ein durchschnittlicher Weizenertrag eingefahren, obwohl es bereits im September Frost gegeben hatte. Der Gerstenertrag lag damals über dem langjährigen Mittel. Für 2026 werden bei Weizen und Gerste weiterhin gute bis sehr gute Erträge erwartet. Das größte Risiko für den Weizen bleiben in diesem Jahr mögliche Frostschäden durch die Spätfröste sowie die Gefahr eines nassen Erntewetters im Zusammenhang mit der El-Niño-Wetterlage.

Quellen: Reuters, USDA, OIL WORLD, Eurostat, AHDB, USDA-Attaché, BLE, Destatis, StatCan

Kontakt

Bernhard Chilla

Leiter volkswirtschaftliche Abteilung Agrarerzeugnisse