Auswirkungen der Trockenheit

Interview mit AGRAVIS-Experten

Welche Auswirkungen hat die Trockenheit auf die Ernte in dieser Saison? Und welche weiteren Folgen haben die extremen Temperaturen für die Landwirtschaft? Bernhard Chilla klärt auf.

AGRAVIS-Experte zu den Auswirkungen der Trockenheit
AGRAVIS-Experte Bernhard Chilla

UPDATE (2.8.2019): Ein aktualisierter Überblick zu der diesjährigen Ernte

Die Weizenernte kam in der vergangenen Woche durch die sehr trockene und warme Wetterlage sehr gut voran. Rund 70-75 Prozent der Anbaufläche sollte geerntet sein. In den Gebirgsregionen sowie in den nördlichen Anbauregionen sind aber noch größere Flächen zu ernten. Die Weizenerträge sind zwar besser als im Trockenjahr 2018, dennoch ist die Streubreite sehr groß. Auf leichten Böden in der Mitte und im Osten Deutschlands, aber auch auf guten Standorten, die zu wenig Bodenwasserreserven aufzeigten, enttäuschten die Erträge sehr im Vergleich zu den guten Erwartungen von Ende Juni/Anfang Juli. Im Norden Deutschlands dagegen konnten bislang gute bis sehr gute Erträge eingefahren werden. Auch in Westdeutschland konnten der Weizen überzeugen. Auffällig ist aber, dass die Frühsaaten insgesamt bessere Ertragsleistungen zeigten als die Spätsaaten. Durch die hohen regionalen Unterschiede bei den Erträgen könnte die deutsche Weizenernte daher doch noch leicht niedriger ausfallen als noch Anfang Juli erhofft wurde. Die kommende Ernteschätzung des DRV sowie der ersten offiziellen Schätzung der Bundesregierung Mitte August werden aber ein sehr gutes Bild über die Weizenerzeugung abgeben.

Die Wintergerstenernte ist in Deutschland abgeschlossen. Die Wintergerstenerträge lagen in nahezu allen Anbauregionen höher als im Vorjahr und aber auch höher als erwartet wurde. Die Wintergerste gehört zu den positiven Überraschungen in diesem Jahr. Somit dürfte daher die Wintergerstenproduktion in Deutschland erheblich höher ausgefallen worden sein als noch im Vorjahr.

Nur die Rapserträge in Deutschland haben 2019 wieder enttäuscht – wie schon in den vergangenen drei Jahren. Die Erträge auf den leichten Standorten verharren auf einem sehr niedrigen Niveau, auch auf den besseren Standorten konnten Spitzenerträge wie 2014 oder 2015 nicht mehr erreicht werden. Zu der diesjährigen Ernte ist zudem die Anbaufläche so stark gesunken, so dass es schwierig sein wird, 2019 mehr als 3 Mio. Tonnen Raps zu produzieren. 2014 lag die deutsche Rapsproduktion noch bei weit über 6 Mio. Tonnen, 2015 noch über 5 Mio. Tonnen.

Wie haben sich die Wetterbedingungen für die Kulturen in der Region von AGRAVIS in dieser Anbausaison bisher entwickelt?

Die Wachstumsbedingungen für Wintergetreide waren im Vergleich zu der von der Dürre betroffenen Ernte im Jahr 2018 besser, vor allem auf besseren Böden. Die Ertragsaussichten für Wintergerste und Weizen sind 2019 höher als im Vorjahr. Der kühle und nasse Mai unterstützte die Pflanzenentwicklung auf guten Böden. Auf leichteren Böden sind die Bodenfeuchtevorräte immer noch sehr gering. Auf diesen Böden gingen die Ertragsaussichten von Winterweizen nach der Hitzewelle Ende Juni stark zurück.

War es in den letzten Wochen in Norddeutschland trockener als sonst? Wenn ja, welche Kulturen sind von der Trockenheit betroffen und welche Folgen hat diese für die Erträge?

Der Juni war zu warm und zu trocken, dies hatte eine frühe Reifung der Wintergerste zur Folge. Auch der Winterweizen litt auf leichteren Böden unter dem trockenen Wetter. Die kühlere Witterung Anfang Juli reduzierte den Stress für Winterweizen und die Ertragsaussichten stabilisierten sich. Aufgrund der Hitzewelle Ende Juni haben wir die Winterweizenertragsschätzungen für 2019 reduziert. Die Weizenerträge in unserer Region sollten dennoch 12 bis 17 Prozent über dem Vorjahreswert liegen.

Hat die Trockenheit in Norddeutschland weitere Auswirkungen für die Landwirte gehabt? Zum Beispiel Änderungen bei den Bewässerungszuschlägen oder bei den Schifffahrtsbedingungen auf Flüssen?

Ja, die Bewässerung ist auf den leichteren Böden in Niedersachsen teilweise begrenzt. Den Landwirten steht nur eine bestimmte Quote zur Verfügung. Diese Quote wurde bereits teilweise für Getreide verwendet. Der Schwerpunkt der verbliebenen Quote sollte nun nur noch für Kartoffeln oder Zuckerrüben zur Verfügung stehen. Die Wasserstände der Schifffahrtswege sinken aktuell, aber das ist vorerst kein Thema für uns.
Des Weiteren leidet derzeit das Maiswachstum unter zu warmen und trockenen Witterungsbedingungen. Daher sind in den nächsten Tagen Niederschläge erforderlich. Andernfalls dürften sich die Ernteaussichten für Mais stark verschlechtern. Betriebe, die Biogas produzieren, kaufen bereits Getreide wie zum Beispiel Roggen zu, um die Rohstoffversorgung stabil zu halten. Dabei sollte der Roggen Mais als Rohstoff teilweise ersetzen.

Wie schätzt AGRAVIS die Getreideproduktion in Deutschland in der Saison 2019/2020 ein?

Nach Schätzungen des DRV liegt die Winterweizenproduktion für 2019 bei 23,6 Mio. Tonnen, im Vorjahr waren es 19,6 Mio. Tonnen. Diese Schätzung liegt jedoch unter der Juni-Prognose von 24,4 Mio. Tonnen. Die Gerstenproduktion wird auf 11,9 (12,1; 9,6) Mio. Tonnen geschätzt. Die Rapserzeugung dürfte aufgrund der schlechten Ernteerträge auf leichten Böden und eines starken Rückgangs der Anbauflächen auf 3 (3,1; 3,7) Mio. Tonnen weiter sinken.

Standortdaten ändern

Bestimmen Sie hier Ihren Standort. Tragen Sie hierfür lediglich Ihre PLZ sowie die Straße ein.