Bernhard Chilla, Marktanalyst bei der AGRAVIS Raiffeisen AG, prognostiziert die Getreideernte in Deutschland und der EU. Die Fachleute aus unseren Arbeitsgebieten skizzieren ihre Erwartungen in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands. Diese und alle weiteren wichtigen Begriffe finden Sie in unserem Glossar

Stand: 20. Juni 2026

Bernhard Chilla zur Ernte 2026 in Deutschland und der EU



Die deutsche Getreideernte 2026 steht kurz bevor – und die bisherigen Rahmenbedingungen lassen auf ein insgesamt erfreuliches Ergebnis hoffen. Nach aktuellem Stand konnte sich das GetreideDie AGRAVIS ist Experte für alle Fragen rund um das Thema Getreide. in weiten Teilen Deutschlands bislang ohne gravierende Wetterextreme gut entwickeln. Insbesondere in den westlichen und nördlichen Anbauregionen sowie in der Mitte Deutschlands sorgte regelmäßiger und ausreichender Niederschlag für stabile Wachstumsbedingungen und überdurchschnittlich hohe Ertragsaussichten. Auch in anderen Regionen fiel der Regen oftmals genau in den entscheidenden Entwicklungsphasen der PflanzenDie AGRAVIS ist Expertin in ihrem Geschäftsbereich Pflanzen., sodass witterungsbedingter Stress weitgehend ausblieb. Lediglich in Südwest- und Süddeutschland könnte die trockenere Witterung im Mai die Ertragsperspektiven etwas gedämpft haben.
Dennoch wird bundesweit – ähnlich wie im Vorjahr – mit einer insgesamt überdurchschnittlichen Getreideproduktion gerechnet. Erst eine anhaltend heiße und trockene Wetterphase bis zur ErnteDie Ernte beschreibt alle Arbeiten zum Einbringen landwirtschaftlicher Gewächse und Früchte. könnte die derzeit hohen Erwartungen noch spürbar eintrüben.

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Besonders im Fokus steht die Weizenernte. Dank einer ausgeweiteten Anbaufläche und der bislang günstigen Wachstumsbedingungen dürfte die Produktion im Jahr 2026 zwischen 22,3 und 22,8 Millionen Tonnen liegen. Damit würde sie sich erneut auf einem Niveau bewegen, das bereits im Vorjahr überdurchschnittlich hoch war. Eine Erntemenge deutlich oberhalb von 22 Millionen Tonnen wäre ausreichend, um den inländischen Bedarf problemlos zu decken. Entscheidend für die Marktentwicklung wird jedoch nicht allein die Menge sein: In den kommenden Wochen rückt die Qualität des Weizens zunehmend in den Mittelpunkt. Sollte diese – wie im Vorjahr – auf hohem Niveau ausfallen, könnten sich die Exportchancen für deutschen WeizenWeizen sind verschiedene Pflanzenarten der Süßgräser. spürbar verbessern.

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Im internationalen Kontext könnte der Europäischen Union im Wirtschaftsjahr 2026/27 eine stärkere Rolle zukommen. In den USA wird – im Gegensatz zum Vorjahr – eine deutlich geringere Weizenernte erwartet. Der dadurch sinkende Exportüberschuss der Vereinigten Staaten müsste teilweise durch Lieferungen aus der EU kompensiert werden. Dies eröffnet vor allem europäischen Produzenten zusätzliche Absatzmöglichkeiten. Da die USA traditionell Weizen ähnlicher Qualitäten anbieten wie Deutschland, könnte sich für den deutschen Export insbesondere bei Qualitätsweizen ein Vorteil ergeben.

Neben dem Weizen zeigt sich auch bei der Wintergerste ein positives Bild. Eine größere Anbaufläche und günstige Wachstumsbedingungen in ertragsstarken Regionen deuten darauf hin, dass die Produktion erneut über dem langjährigen Durchschnitt liegen wird. Damit könnte erneut ein beträchtlicher Exportüberschuss zur Verfügung stehen. Allerdings sind die Perspektiven auf den internationalen Märkten derzeit weniger klar als im Weizensektor. Im vergangenen Jahr profitierte der deutsche Gerstenmarkt von einer überraschend hohen Importnachfrage aus Nordafrika und dem Mittleren Osten. Für 2026 sieht die Lage jedoch anders aus: In wichtigen Importregionen – insbesondere in Nordafrika und der Türkei – werden deutlich bessere eigene Ernten erwartet. Entsprechend dürfte der Importbedarf spürbar zurückgehen.

Dies erhöht den Druck auf den deutschen Exportmarkt, neue Absatzmärkte zu erschließen. Ein möglicher größerer Abnehmer könnte Spanien werden: Dort werden die Produktionsaussichten für Futtergetreide im Wirtschaftsjahr 2026/27 deutlich schwächer eingeschätzt als im sehr guten Vorjahr. Dies könnte Spanien zu einem wichtigen Abnehmer deutscher Futtergerste machen. Gleichzeitig bleibt das Gerstenangebot innerhalb der Europäischen Union hoch. Auch in Ländern wie Frankreich sowie in Teilen Südosteuropas wird aufgrund größerer Anbauflächen mit guten Ernten gerechnet. Deutschland wird sich daher auf dem Exportmarkt gegen andere EU-Anbieter behaupten müssen.

Insgesamt zeichnet sich für den deutschen Getreidemarkt im kommenden Wirtschaftsjahr ein differenziertes Bild ab: Während sich im Weizensektor durch gute Ernteaussichten und mögliche Veränderungen im globalen Angebot attraktive Vermarktungschancen eröffnen, bleibt die Lage im Gerstenmarkt unsicher. Die ersten Monate des Wirtschaftsjahres 2026/27 werden entscheidend dafür sein, wie stark die internationale Futtergerstennachfrage tatsächlich ausfällt.

Die Situation in den AGRAVIS-Arbeitsregionen

Die AGRAVIS-Fachleute geben einen Überblick über die aktuelle Situation und schätzen die Ernte in ihren Arbeitsgebieten in Niedersachsen, Ostfriesland, Westfalen und Hessen ein.

Die Fachleute Franziska Heinemann und Nils Kreimeyer von der

AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH

Experte Tamme Dirks von der

AGRAVIS Ems-Jade GmbH

Bei der Erntequalität erwartet der Experte eine Spanne von sehr gut bis moderat. Einfluss hat nun die Witterung in den nächsten Wochen: hohe Sonneneinstrahlung bedeutet hohe Hektolitergewichte. So sind die Kulturen aktuell verteilt:  Winterweizen 30 %, Wintergerste 15 %, Winterraps 15 %, Sommerhafer 5 %, Sommergerste 5 %, Sommerweizen 2 %, MaisMais ist eine Pflanzenart und gehört zur Familie der Süßgräser. 20 % und Sonstiges (Bohnen, Kartoffeln, Zuckerrüben, Zwiebeln, Erbsen) 8 %. In den vergangenen Monaten gab es immer genug Feuchtigkeit. Wegen des kalten Winters und Frühjahres ist die Vegetation später als sonst gestartet. Die Düngungsmaßnahmen erfolgten alle terminiert, der PflanzenschutzDie AGRAVIS-Fachleute beraten Landwirt:innen zum Thema Pflanzenschutz. war durchschnittlich und planmäßig, Insektizide mussten kaum eingesetzt werden.

Die regionalen Gewitter mit Hagel haben teilweise für Schäden im RapsRaps ist eine Pflanzenart und eine wirtschaftlich bedeutende Nutzpflanze. gesorgt. Insgesamt gibt es inhomogene Bestände auch innerhalb einzelner Kulturen (teilweise wurde aufgrund des nassen Herbstes Winterweizen noch im Dezember gesät). Die Ernte wird ein logistischer Aufwand, da alle Druschfrüchte durch den inhomogenen Stand gleichzeitig geerntet werden können: Hafer, Gerste, Sommergerste, Weizen, Raps, Erbsen (können alle an einem Tage geliefert werden). Es gibt aber ausreichend Lagerkapazitäten.

Dieses Jahr wird nach Einschätzung von Tamme Dirks nicht die Menge, sondern die Vielfalt eine Herausforderung. Die Rapsbestände stehen über das Gebiet hinweg gut. Die Erträge werden gut, jedoch nicht überragend. Der Ölgehalt wird stattlich, wenn es in der nächsten Zeit weiterhin hohe Sonneneinstrahlungen gibt. Beim Mais lief die SaatDie AGRAVIS-Expert:innen aus dem Pflanzenbau beschäftigen sich mit allen Fragen rund um die Saat. ohne Komplikationen, der Auflauf ist homogen, die Jugendentwicklung stark verhalten, aufgrund geringer Temperaturen und Nässe im Frühjahr. Der Pflanzenschutz im Vorauflauf ist ideal, er zeigt hohe Wirkungsgrade. Eine Nachspritzung erweist sich aufgrund immer wieder einsetzender Niederschläge als schwieriger. Aktuell gibt es aufgrund hoher Temperaturen und feuchter Böden schnelles Wachstum. Die Prognose: Es wird eine durchschnittliche bis gute Maisernte im Arbeitsgebiet der AGRAVIS Ems-Jade geben.

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Die Bestände im Arbeitsgebiet der

AGRAVIS Westfalen-Hessen GmbH

Beim Weizen erwarten sie überwiegend stabile Proteingehalte und Stand jetzt gute Fallzahlen sowie Hektolitergewichte. Die Gerste dürfte ebenfalls zufriedenstellend ausfallen, nur beim Raps wird es schwierig, dieses einzuschätzen, da bis vor Kurzem die Sonnenstunden teilweise gefehlt haben.   Winterweizen hat bei der AGRAVIS Westfalen-Hessen den größten Anteil, gefolgt von Gerste und Raps, wobei die Anbaufläche beim Raps etwas zu Lasten vom Mais ausgedehnt wurde.  Das Frühjahr hat für eine gute Bestandsentwicklung gesorgt. Fraglich ist nur, wie sich die kurze Hitzewelle über Pfingsten in der Kornfüllungsphase ausgewirkt hat. Wenn überhaupt, dürfte sie sich nur regional geringfügig ausgewirkt haben. 

Extreme Wetterereignisse waren insgesamt überschaubar, aber regional gab es durchaus Unterschiede mit Starkregen und teilweise Hagel. Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen konnten größtenteils planmäßig durchgeführt werden, was sich jetzt positiv auf die Bestände auswirkt. In der Logistik erwarten die Fachleute eine konzentrierte Erntephase, was erfahrungsgemäß immer Druck auf Annahme und Transport bringt. Entscheidend wird sein, die Warenströme gut zu steuern, insbesondere wenn Erntefenster kurz sind. Die Lagerkapazitäten sind für die Ernte 2026 nicht ausgeweitet worden. Was jedoch hilft, ist die Tatsache, dass viele Kunden die recht guten Preise in den vergangenen Wochen genutzt haben, um Teilmengen aus der Ernte 2026 abzusichern. Dieses erleichtert die Logistik und somit auch die Steuerung von Warenströmen. 

Beim Raps rechnet die AGRAVIS Westfalen-Hessen mit durchschnittlichen bis guten Erträgen. Die Bestände konnten sich nach der AussaatDas Ausbringen des Saatgutes in den Boden der Felder geschieht mit speziellen Sämaschinen. gut etablieren, und auch die Blütebedingungen waren überwiegend positiv. Allerdings ist Raps im Vorfeld immer sehr schwer einzuschätzen. Die Bestände beim Mais sind im Frühjahr durch relativ niedrige Temperaturen in der Entwicklung zurückgeblieben. Die Regenfälle und Temperaturen der vergangenen Wochen haben dem Mais gutgetan und somit dürfte in den nächsten Wochen die rückständische Entwicklung aus dem Frühjahr wieder kompensiert werden. Bei ausreichend Niederschlägen dürfte Stand jetzt einer mindestens durchschnittlichen Maisernte auch nicht mehr viel im Wege stehen.  

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Prognosen aus den Regionen