In ersten Regionen läuft die Ernte an

Sehr unterschiedliche Erwartungen im AGRAVIS-Arbeitsgebiet

Die Ernte 2020 steht in den Startlöchern. AGRAVIS-Experte Bernhard Chilla erklärt, welche Auswirkungen das Wetter auf die bevorstehende Ernte hat. Die aktuelle Situation in einzelnen Regionen des AGRAVIS-Arbeitsgebietes beschreiben Experten des Unternehmens. Sie geben auch Einschätzungen zu den Ernteerwartungen ab.

Bernhard Chilla, AGRAVIS-Experte für Agrarerzeugnisse
Bernhard Chilla, AGRAVIS-Experte für Agrarerzeugnisse

Auswirkungen des Wetters auf Weizen, Roggen und Gerste

Bis Anfang Juni fehlte der Regen. Durch die teilweise sehr ergiebigen Niederschläge konnte vor allem der Weizen profitieren und sein Ertragspotential verbessern.

Weizen

Der Weizen wird jetzt in der Kornfüllungsphase sein, so dass noch einmal eine gute Niederschlagsmenge nötig ist, um die jetzt deutlich verbesserten Ertragsaussichten zu halten. Ein Ertrag über dem langjährigen Mittel kann nicht ausgeschlossen werden.

Wintergerste

Für die Wintergerste kam der Regen teilweise zu spät, um die trockenheitsbedingten Schäden noch richtig zu kompensieren. Zudem führte in manchen Regionen Deutschlands starker Frost Anfang Mai zusätzlich zu einem anderen Problem. Ähren wurden nicht vollständig mit Körnern belegt. Somit sank dadurch noch zusätzlich das Ertragspotential und bleibt damit leicht unter dem langjährigen Mittel.

Roggen

Für Roggen kam der Regen rechtzeitig, um die Ährenausbildung zu verbessern. Die Trockenheit im Mai hat aber dazu geführt, dass die Bestandsdichte teilweise zu gering war. Eine gute Ährenausbildung kann aber einen Teil dieser Verluste wieder wettmachen, so dass sich die Roggenertragsaussichten auch verbessert haben.

Ernteaussichten

Insgesamt haben sich die Ernteaussichten nach dem trockenen Mai erheblich verbessern können. Dennoch darf die Wetterlage nicht für einen längeren Zeitraum in zu „trocken und heiß“ umschlagen. Das könnte die Ernteaussichten vor allem für den Weizen noch einmal leicht senken.

Mais

Das Maiswachstum profitiert ebenso von der Wetterlage im Juni. Die Bestände haben sich sichtbar erholt und zeigen mit dem warmen Wetter ein kräftigen Wachstumsschub. Der Mais kommt dann im Juli in die wichtigste Wachstumsphase, dann steigt er Wasserbedarf kräftig an und entscheidet zusammen mit der Wetterlage im August, wie gut die Ernte in diesem Jahr wird.

Baldige Ernte der Wintergerste – Weizen und Roggen im gewohnten zeitlichen Rahmen

Das aktuelle Wetter fördert nun die Abreife sehr stark. Die Ernte der Wintergerste sollte in den südlichen Anbauregionen nun langsam beginnen und Ende Juni in vollem Gang sein. Damit ist der Beginn leicht früher als sonst üblich. Dennoch ist die Ernte nicht so verfrüht, wie noch im Mai befürchtet wurde. Die Weizenernte sollte unter Berücksichtigung des aktuellen Wachstumsstandes nicht verfrüht beginnen und ganz normal Ende Juli starten. Auch bei Roggen kann man derzeit nicht von einer sehr verfrühten Ernte sprechen.

Ernte

Ostfriesland erwartet unterdurchschnittliche Ernte

„Wir haben in Ostfriesland relativ wenig Flächen mit Wintergetreide bestellen können, da dies durch Dauerregen im Herbst 2019 nicht mehr möglich war“, berichtet Hilko Kroon, Getreidehändler bei der AGRAVIS Ems-Jade GmbH. Ein ähnliches Bild zeichnete sich bei der Aussaat von Sommergetreide ab, mit der ebenfalls erst mit vier bis sechs Wochen Verspätung begonnen werden konnte, womit dort die größten Defizite erwartet werden. Schäden durch Hagel und Fröste oder Starkregen hat es hingegen keine gegeben.

„Beim Winterweizen und bei der Wintergerste rechnen wir aktuell mit durchschnittlichen Erträgen von ca. acht Tonnen pro Hektar bzw. sieben Tonnen bei der Triticale“, sagt Kroon. Beim Sommergetreide sei die Sommergerste am stärksten verbreitet, die rund fünf bis sechs Tonnen Ertrag pro Hektar bringen wird. Allerdings gibt es auch Schläge mit nicht nennenswerten Erträgen. „Alles in Allem erwarten wir eine unterdurchschnittliche Ernte in unserem Gebiet“, hält Hilko Kroon fest. Der Getreidehändler geht derzeit von einem voraussichtlichen Erntebeginn bei Wintergerste zwischen dem 15. und 20. Juli aus. Die Weizenernte könnte um den 1. August herum starten.

Positive Erwartungen in Niedersachsen und Ostwestfalen

Recht zuversichtlich ist man bei der AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH und der AGRAVIS Kornhaus Ostwestfalen GmbH mit Blick auf die Ernteerträge bei Weizen, Rogge, Mais, Triticale etc. – und das, obwohl das gesamte Arbeitsgebiet von den ungünstigen Trockenlagen im Frühjahr betroffen war. „Da wir nun aber fast flächendeckend Niederschläge gehabt haben und diese in großen Teilen auch noch für alle Kulturen früh genug waren, rechnen wir mit einer Ernte wie im Vorjahr. Das hängt natürlich vom Witterungsverlauf der nächsten Tage ab“, erklärt Rainer Widdel, gemeinsam mit Alexander Nergonewitsch Geschäftsführer der beiden Gesellschaften. Allerdings schränkt er ein: „Ausgenommen sind Regionen wie Nord-Hannover bzw. der Raum Wolfsburg Richtung Altmark. Hier kamen die Niederschläge zum Teil zu spät.“ Von Schäden bei Starkregen ist der Arbeitsbereich der beiden Gesellschaften weitestgehend verschont geblieben.

Je nach weiterem Witterungsverlauf kann es auf den Trockenstandorten zum Gerstendrusch um den 27. bis 30. Juni kommen. Die Vollernte wird nach Schätzung der Experten um den 6. bis 8. Juli beginnen.

Wetter beeinflusst Erträge im Osten

Auch im Arbeitsgebiet der AGRAVIS Ost (Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und Thüringen) fielen willkommene Niederschläge. „In unserem nördlichen und westlichen Erfassungsgebiet kam der Regen rechtzeitig. Im südöstlichen Sachsen-Anhalt und im südöstlichen Thüringen kam der Niederschlag teilweise etwas spät“, berichtet Wilhelm Winkelmann, Agrarhändler bei der Baro Lagerhaus GmbH. Vom Regen werde vor allem der Weizen profitieren. Dagegen seien Sommerungen von der Trockenheit eher betroffen. Zudem gebe es regionale Frostschäden im Raps und bei der Gerste. „Der Raps macht in vielen Gebieten keinen guten Eindruck“, erklärt Winkelmann, „im Raum Querfurt wurden vermehrt taube Ähren festgestellt.“ Anfang Juli rechnet er mit der ersten Gerste. Der Experte hofft, dass die Ernte am Ende nicht schlechter als 2019 ausfallen wird.

Spätfrost und ungleichmäßiger Regen in Südwestfalen

Die Landwirte im Arbeitsgebiet der AGRAVIS Westfalen-Süd GmbH hatten in den letzten Wochen mit ungünstigen Wetterlagen zu kämpfen. Die Regenmengen der letzten Zeit waren ganz unterschiedlich. Hinzu kam zum Teil Spätfrost in den Höhenlagen. „Der Frost hat dem Raps und der Gerste geschadet“, berichtet Frederik Fischer-Neuhoff, Vertriebsleiter der AGRAVIS Kornhaus Westfalen-Süd GmbH. Der Experte prognostiziert für Weizen, Gerste sowie Roggen durchschnittliche Erträge. Für den Raps sind die Ernteerwartungen hingegen weniger vorhersehbar. „Der Raps ist eine Wundertüte“, schildert Fischer-Neuhoff. Des Weiteren sind die Prognosen für die Sommerungen unterschiedlich: Während es beim Hafer ganz gut aussieht, bringt die Ackerbohne voraussichtlich eher geringe Erträge ein. Die Einschätzungen für den Mais sind ebenfalls positiv. Dort, wo die Krähen ihn nicht gefressen haben, steht der Mais sehr gut. „Mit dem Erntestart kann ungefähr in 14 Tagen gerechnet werden“, so der Experte.

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