Chilla checkt!

AGRAVIS-Experte Bernhard Chilla analysiert die Märkte

6.6.2018:

„Eine sehr warme und trockene Wetterlage seit April in weiten Teilen Europas verändert die Ertragserwartungen zur Ernte 2018/2019. Auch in Russland, dem wichtigsten Weizenexporteur weltweit.“

Weltweizenversorgung 2018/2019 – Verändert die trockene Wetterlage in wichtigen Anbauregionen Europas die Versorgungslage weltweit?

Das globale Angebot von Getreide Getreide und Ölsaaten sollte sich im kommenden Wirtschaftsjahr im Vergleich zu den Vorjahren verändern. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium erwartet, dass die globalen Vorräte von Sojabohnen, Mais Mais und auch Weizen Weizen sinken. Die globale Nachfrage soll wie auch schon in diesem Wirtschaftsjahr stärker steigen als das Angebot. Nachdem 2017/18 aufgrund von starken Ernterückgängen in Brasilien, Argentinien und auch in der Ukraine die Vorräte von Körnermais gefallen sein dürften, steht 2018/19 neben dem Mais die globale Weizenversorgung im Fokus.

Weltweizenanbaufläche 20181/19 sinkt weiter – Anbaufläche soll nun so niedrig sein wie zuletzt 2012/13

Die globalen Weizenvorräte sollen erstmals seit 2012/13 wieder sinken, obwohl in China ein weiterer Aufbau der Bestände erwartet wird. In China sollen weiterhin nahezu 50 Prozent der globalen Weizenvorräte liegen. Um ein besseres globales Versorgungsbild für Weizen Weizen zu zeichnen, hat das US Landwirtschaftsministerium beschlossen, zukünftig eine Weizenversorgungsbilanz ohne China abzubilden. In den wichtigsten Exportländern wird ein signifikanter Abbau der Vorräte im kommenden Wirtschaftsjahr erwartet. Ein wesentlicher Grund dieser möglichen Entwicklung ist, dass Landwirte in den Exportländern aufgrund relativ niedriger Preise sowie des sehr ungünstigen Aussaatwetters auf der Nord- sowie auf der Südhalbkugel den Anbau von Weizen eingeschränkt haben sollen. Der stärkste Rückgang wird dabei in Europa beobachtet. In der EU wurde vor allem in Deutschland, Skandinavien und auch in den baltischen Staaten weniger angebaut. Auch in Russland, das 2017/18 mit Abstand der wichtigste Exporteur von Weizen war, soll die Anbaufläche wegen zu nassen Wetters im Sommerweizengürtel unter dem des Vorjahres liegen. In Australien dagegen, dem wichtigsten Exporteur auf der Südhalbkugel, konnten Landwirte bisher aufgrund von zu trockenem und warmen Wetter nicht wie gewünscht die Flächen mit Weizen bestellen. Nur in den USA, Kanada und in Argentinien soll der Anbau ausgedehnt werden.

Rekorderträge sind in den Exportländern nötig, um Bestände nicht signifikant abzubauen - Wetterentwicklungen und Wachstumsberichte rücken in den Fokus

Somit rücken nun verstärkt die Wachstumsbedingungen für den Weizen Weizen in den Mittelpunkt. Um das Weizenangebot 2018/19 in den Exportländern auf dem des Vorjahresniveau zu halten, müssten die Erträge höher sein als noch im Vorjahr. Doch scheint in diesem Jahr das Wetter bis Ende Mai weltweit nicht die Voraussetzungen dazu zu geben. In den USA war es im Winterweizengürtel des HRW- Weizens lange Zeit viel zu trocken und auch zu warm, sodass dort das Ertragsniveau derzeit niedriger eingeschätzt wird als im Vorjahr. Dieses ist insofern wichtig, weil der HRW-Weizen ähnliche Qualitäten aufweist wie deutscher, polnischer und baltischer Weizen und dadurch im Exportmarkt mit dem Weizen aus der EU konkurriert. Aber nicht nur aus den USA sind schlechte Wachstumsbedingungen als im Vorjahr berichtet worden

In Russland erstmals seit 2015 wieder zu trockene Wachstumsbedingungen in wichtigen Anbauregionen – Russische Weizenproduktion entscheidet über die globale Versorgungslage

Auch in Russland sind teilweise die Wachstumsbedingungen alles andere als ideal und unterscheiden sich erheblich von denen des Vorjahres. Im Jahr 2017 war es in den wichtigsten Anbauregionen von Winterweizen Winterweizen während der Wachstumsphase zwischen April und Mitte Juni kühler und auch nasser als im langjährigen Durchschnitt. Die Folge waren Erträge und eine Produktion, die so hoch war wie zuletzt 1990. In diesem Jahr lässt sich das komplette Gegenteil des Vorjahres beobachten. Seit Anfang April ist zum einen eine viel zu trockene Wetterlage zu beobachten, zum anderen liegen auch die Temperaturen leicht über dem langjährigen Mittel. Der Winterweizen ist dort nun in der wichtigsten Wachstumsphase.

Bisher ähnelt diese Wetterlage dem Misserntejahr 2012. Noch sollen die Ertragsvoraussetzungen aber immer noch besser sein als damals, doch die Sorge über Ertragsverluste hat in den vergangenen Wochen zugenommen. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium erwartet eine deutlich niedrigere Ernte als im Vorjahr. Auch lokale Marktbeobachter schätzen die Produktion 2018 niedriger ein. Die Erntehöhe aus Russland ist entscheidend für das Exportpotenzial des Landes im Wirtschaftsjahr 2018/19. Zwar sind die Vorräte aus 2017/18 noch hoch, aber dennoch sollten die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr sinken. Somit müssten andere Exportländer diesen Rückgang kompensieren.

In der EU, vor allem in Deutschland, Polen und dem Baltikum, ist es zu trocken und auch zu warm

Normalerweise müsste die EU in die Bresche springen. Frankreich hat in diesem Jahr die Voraussetzungen bislang geschaffen, mehr exportieren und teilweise das Defizit aus Russland kompensieren zu können. In Frankreich soll nach Einschätzungen lokaler Marktbeobachter eine sehr gute Ernte heranwachsen. Aber alleine kann es eine Lücke nicht füllen. Russland ist auch ein Exporteur einer Weizenqualität, die in Frankreich weniger zu finden ist. Wenn aus Russland weniger als 2017/18 exportiert werden sollte, müssten auch Deutschland, Polen und die baltischen Staaten zum Füllen der Lücke beitragen. Doch auch dort sind die Wachstumsbedingungen alles andere als ideal. Die Anbaufläche ist niedriger als 2017/18 und nun herrschen in den wichtigsten Exportregionen dieser Länder seit April sehr warmes und auch trockenes Wetter vor. Derzeit gehen viele Ernteerwartungen für 2018/19 davon aus, dass weniger als im Vorjahr produziert wird. Somit scheint das Exportpotenzial niedriger auszufallen als 2017/18. Nicht vergessen werden sollte dabei, dass mit Ausnahme von Polen kaum hohe Lagerbestände vorhanden sind, die einen Ernteverlust abpuffern könnten. Doch ein wichtiger Punkt sollte nicht übersehen werden: Sehr gutes Wachstumswetter im Juni kann die Ernteerwartungen noch nach oben schrauben. Die Wetterentwicklung im Jahr 2008 könnte noch in Erinnerung gerufen werden. Damals waren auch ungünstige Wachstumsbedingungen verzeichnet worden und die Erträge haben am Ende sehr positiv überrascht.

Entscheidender Einflussfaktor für den globalen Bedarf bleibt die Nachfrage des Futtersektors - weltweit und auch in Deutschland

Somit wird im Laufe des Wirtschaftsjahres 2018/19 die globale Nachfrage der wichtigste Einflussfaktor werden. Vor allem im Futtersektor entscheidet sich, wie gut oder knapp der Weizenmarkt 2018/19 versorgt sein wird. In den vergangenen Jahren wurde die Nachfrage immer unterschätzt. Das lag aber vor allem daran, dass sich der Weizen nicht nur in Deutschland oder der EU, sondern auch in Asien im Mischfutter Mischfutter sehr gut gerechnet hatte. Von einer guten Futternachfrage kann auch wieder ausgegangen werden, wenn der Preis für Sojaschrot im Vergleich zum Futterweizen – wie aktuell – relativ hoch bleibt. Somit wird – wie in den Vorjahren auch – Russland für die Weltversorgung 2018/19 das entscheidende Zünglein an der Waage sein. Derzeit sieht es danach aus, dass das Exportpotenzial des Landes sinken wird. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass die Wetterlage im Juni nicht nur für die EU, sondern auch für Russland darüber entscheiden wird, ob die Produktion 2018/19 tatsächlich so niedrig oder noch niedriger ausfällt wie derzeit erwartet. Es gab auch schon Jahre wie 2008, als die Erträge am Ende doch signifikant höher waren als im Juni noch gedacht.

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Es handelt sich bei der obigen Analyse ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung! Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können irgendeine Prognose bzgl. der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.