Chilla checkt!

AGRAVIS-Experte Bernhard Chilla analysiert die Märkte

16.7.2018:

„Die Rapserträge von 2018 und 2019 in der EU enttäuschen – das Rapsangebot sinkt deutlich gegenüber dem Vorjahr. Rapsvorräte sollten in der EU wieder fallen, aber sind vor allem in Kanada, dem wichtigsten Exportland der Welt, noch sehr hoch.“

EU-Rapsmarkt 2018/2019 – Am Tropf vom Biodiesel und dem US-China Handelsstreit

Der Rapsmarkt 2017/2018 entwickelt sich komplett anders als zu Beginn des Wirtschaftsjahres erwartet wurde. Produktionsmengen weltweit waren viel höher als gedacht, die EU-Kommission erlaubte wieder die Einfuhr von argentinischem Biodiesel, sodass in der EU die Rapsverarbeitung sank. Die Rapsbestände in der EU stiegen dadurch auf das höchste Niveau seit 2009/2010. Zudem wurde noch eine neue Rekordernte von Palmöl eingefahren, sodass auch weltweit ein Überangebot an Pflanzenölen vorherrschte. Nur der Anstieg des Rohölpreises weltweit sowie eine sehr gute Nachfrage nach Rapsschrot unterstützen vor allem in den vergangenen Monaten den Rapsmarkt. Im Frühjahr 2018 waren wieder die Vorrausetzungen in der EU für eine neue Rekordernte beim Raps Raps geschaffen. Der Rapsanbau Rapsanbau in der EU wurde in wichtigen Anbauländern erheblich ausgedehnt. Die Produktionserwartungen für das Wirtschaftsjahr 2018/19 stiegen. Auch eine mögliche gestiegene Nachfrage hätte dann nicht ausgereicht, Bestände in der EU abzubauen. Doch dann machte uns das Wetter in der EU einen Strich durch diese Prognose.

Nicht nur die Getreideproduktionserwartungen in der EU sinken, sondern auch die Rapserzeugung soll erheblich niedriger sein als 2017/2018 – Rapserträge enttäuschen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich

Eine viel zu trockene Wetterlage in weiten Teilen der EU, späte Nachtfröste in Polen, ein hoher Krankheitsdruck in Frankreich und nasses Wetter während der Ernte Ernte in Südosteuropa ließ die Ertragserwartungen stark sinken. Die EU Produktion dürfte nun nach Schätzungen vieler Marktbeobachter nun erheblich niedriger werden als 2017/18 und sogar unter der Produktion von vor zwei Jahren sein. Vor allem die Erträge in Frankreich und auch wieder die in Deutschland enttäuschen bislang sehr. Auch die zu trockenen Wachstumsbedingungen in England rücken nun verstärkt in den Fokus. Die Erntemenge in Frankreich könnte um 15 Prozent fallen, in Deutschland wird die Erzeugung nur gut die Hälfte der Rekordproduktion von über 6 Millionen Tonnen der Jahre 2009 und 2014 betragen.

Hohe Rapsvorräte in der EU verbessern die Versorgungslage

Der Einbruch der Produktion in diesem Wirtschaftsjahr könnte das Angebot hierzulande drastisch reduzieren. Aber hohe Anfangsbestände, die aus sehr großen Importmengen aus der Ukraine und auch Australien aus dem vergangenen Wirtschaftsjahr herrührten, puffern in der EU eine große Versorgungslücke zumindest vorerst ab. Zudem sollten zu Beginn des Wirtschaftsjahres 2018/19 wiederum hohe Rapsankünfte aus der Ukraine zu erwarten sein. Wie gut das Angebot in der EU im gesamten Wirtschaftsjahr 2018/19 sein wird, hängt dann ab Dezember 2018 davon ab, wie hoch die Rapsproduktion in Australien sein wird. Bisher waren die Wachstumsbedingungen unterdurchschnittlich. Auch konnte aufgrund der zu trockenen Wetterlage zwischen März und Mai 2018 viel weniger Raps Raps ausgesät werden als von den Landwirten geplant. Dennoch ist es aktuell viel zu früh, jetzt schon eine weit unterdurchschnittliche Produktion anzunehmen. Somit hängt die Versorgungsentwicklung von Raps in der EU nun verstärkt von der Nachfrage der Verarbeitungsindustrie ab.

EU Verarbeitung von Raps hängt weiterhin von der Biodieselpolitik ab – Rapsschrot bleibt aber in der EU gefragt, da weniger Getreide dem Futtermarkt zur Verfügung stehen sollte

Die Entwicklung der Rapsverarbeitung in der EU war in den vergangenen Jahren ein weiterer Grund, warum keine knappe Versorgungslage entstand. Die Rapsverarbeitung blieb zwar höher als im langjährigen Mittel, sank aber im Vergleich zu den beiden Jahren zuvor. Die Nachfrage sank vor allem in den ersten Monaten des Kalenderjahres 2018 im Vergleich zu den Jahren davor, weil die Biodieselproduktion sank. Der Biodieselbedarf in der EU bleibt aber in den kommenden Monaten wieder der wichtigste Einflussfaktor. Manche Marktbeobachter gehen davon aus, dass der Rapsölbedarf zur EU Biodieselproduktion aufgrund der hohen Einfuhren aus Argentinien weiter sinkt. Ob diese Prognose aber eintrifft, hängt nun wieder von den Entscheidungen der Politik ab. Nachdem die EU Kommissionen im Herbst 2017 die Türen für argentinische Biodieseleinfuhren öffnete, starten nun wieder Diskussionen, ob diese Türen wieder geschlossen werden. Die Biokraftstoffverbände fordern, dass argentinischer Biodiesel wieder stärker besteuert wird. Noch hat die EU Kommission über die Beschwerde nicht entschieden. Wenn argentinischer Biodiesel sich in der EU nicht mehr rechnen würde, dürfte die Nachfrage nach heimischem Rapsöl wieder steigen. Dennoch spielt nicht nur der argentinische Biodieselimport eine Rolle. Auch Biodiesel aus Indonesien könnte im Laufe des Jahres noch das Biodieselangebot erhöhen. Dagegen könnte die Rapsverarbeitung in der EU unterstützt werden, da die Nachfrage nach Rapsschrot auf dem Niveau der Vorjahre bleiben sollte. Eine geringere Getreideproduktion in der EU dürfte die Nachfrage nach Ölschroten unterstützen.

Handelsstreit der USA mit China kann kurzfristig weltweit zu einer verstärkten Rapssaatnachfrage führen – Ob dieses aber ein langfristiger Trend sein wird, bleibt aber abzuwarten

Die globale Nachfrage von Rapssaat Rapssaat wird derzeit sehr stark von dem Handelsdisput zwischen China und den USA beeinflusst. Der chinesische Strafzoll auf Sojabohnen aus den USA erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass China einen Teil seiner Bedarfslücke durch Rapssaat- oder Rapsschrotimporte schließt. Auffällig ist derzeit, dass China relativ hohe Mengen an Rapssaat aus Kanada einführt, um möglicherweise eine eventuell entstandene Knappheit durch andere Ölsaaten zu kompensieren. Ob dieser Trend nun aber lange anhält oder dieses nur ein saisonaler Effekt ist, bleibt abzuwarten. Falls aber doch ab August 2018 die Importmengen Chinas überdurchschnittlich hoch bleiben, könnten die Bestände in Kanada stärker sinken. Auch australischer Raps könnte durch den politischen Disput seinen Weg nach Australien finden. Dieses hätte dann hohe Auswirkungen für den deutschen Rapsmarkt. Rapsimporte aus Australien könnten dann erheblich niedriger sein im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren.

Rapsmarkt 2018/2019 sollte wieder ein sehr politischer Markt werden

Rapssaat ist daher durch die Entscheidung der chinesischen Regierung, Strafzölle auf US- Sojabohnen einzusetzen, und der Biodieselpolitik in der EU ein sehr politischer Markt geworden. Ein Aussetzen der Strafzölle könnte die Versorgungslage für Rapssaat weltweit wieder ganz schnell verändern. In Kanada selbst sollte aufgrund hoher Anfangsbestände mehr Raps zur Verfügung stehen als noch in den Vorjahren. Die Anbaufläche zur Ernte 2018 soll stabil bleiben und bei einer normalen Wachstumsentwicklung dürfte das Rapsangebot in Kanada hoch bleiben. Somit würde sich weltweit die Versorgungslage beim Raps doch nur stark verknappen, wenn auch in dem wichtigsten Exportland der Welt ebenfalls größere Ertragsverluste im Vergleich zum Vorjahr eingefahren werden.

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Es handelt sich bei der obigen Analyse ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung! Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können irgendeine Prognose bzgl. der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.