Interview mit AGRAVIS-Grünlandexpertin Imke Hansing

Düngeverordnung: Auf die richtige Mischung kommt es an

Das Dauergrünland ist die wichtigste Bewirtschaftungsform zur Erzeugung von Grundfutter für die Milchproduktion Milchproduktion und alle anderen Zweige der Rindviehhaltung. Gerade auf diesen Betriebszweig wirkt sich die neue Düngeverordnung massiv aus. Imke Hansing Pflanzenbau-Vertriebsberaterin der AGRAVIS erläutert, worauf es beim Grünlandmanagement Grünlandmanagement ankommt.

Imke Hansing Grünland novellierte Düngeverordnung

Was ändert sich für die Grünlandbewirtschaftung durch die neue Düngeverordnung?

Imke Hansing: Beim Grünland stand bisher erst einmal die Qualität im Vordergrund und der Ertrag kam an zweiter Stelle. In der Praxis wurde die Nährstoffversorgung zwar am Bedarf orientiert, eine exakte Berechnung und Dokumentation der geplanten Stickstoffmenge im Vorfeld war jedoch nicht erforderlich. Das ist nun anders: In der neuen Düngeverordnung neuen Düngeverordnung ist festgelegt, dass die Ermittlung des Düngebedarfs nach Schlag oder Bewirtschaftungseinheit auf Grundlage des Ertrags erfolgt. Der Düngebedarf, der sich aus den Erträgen abzüglich unterschiedlicher Standortfaktoren errechnet, ist bindende Obergrenze. Es ist also notwendig, dass die Stickstoffdüngung vor der Saison genau geplant und dokumentiert wird. Ausgangspunkt ist in jedem Fall der Trockenmasseertrag und der Rohproteingehalt. Dies hat zur Folge, dass die Erträge sowie der effiziente Einsatz der Nährstoffe verschärft in den Vordergrund rücken.

Wie wird der Düngebedarf exakt ermittelt?

Imke Hansing: Bei einer Nutzung mit vier Schnitten, einem Ertragsniveau von 90 dt Trockenmasse/Hektar und einem zu erzielenden Rohproteingehalt von 17 Prozent in der Trockenmasse ergibt sich ein Stickstoffbedarfswert von 245 Kilogramm/Hektar. Ausgehend von diesem Bedarfswert werden Korrekturen für abweichende Erträge/Qualitäten, der Stickstoff-Nachlieferung aus organischer Düngung im Vorjahr, der Stickstoff-Nachlieferung aus dem Boden und einer Stickstoffbereitstellung durch Leguminosen vorgenommen. Nach den Abzügen ergibt sich der korrigierte Düngebedarf der Fläche. Dramatische Ausmaße nimmt die Düngeverordnung bei der Bewirtschaftung von Moorflächen an. Auf Niedermoorflächen wird im Zuge der Düngebedarfsermittlung eine Korrektur von - 80 Kilogramm Stickstoff pro Hektar allein aufgrund der Nachlieferung aus dem Bodenvorrat vorgenommen, hinzu kommen weitere Abzüge für die organische Düngung im Vorjahr und andere – die Bewirtschaftung dieser Flächen wird massiv eingeschränkt.

Ist also eine veränderte Düngung wichtig, um den neuen Regelungen gerecht zu werden?

Imke Hansing: Es sind verschiedene Stellschrauben, an denen der Landwirt drehen muss. Die Nährstoffeffizienz ist natürlich einer der wichtigsten Faktoren. Diese wird unter anderem über eine optimierte Ausbringungstechnik, angemessene Ausbringungsbedingungen (Witterung, Zeitpunkt u. a.) und die Optimierung des Bodens, beispielsweise den richtigen pH-Wert gesichert. Eine weitere Stellschraube ist die Bestandszusammensetzung. Um bei einer limitierten Düngung einen Ertragsverlust zu vermeiden, ist es nun noch wichtiger, eine hochwertige Saatmischung zu verwenden und auf eine leistungsstarke Grasnarbe zu setzen. Um ein Beispiel zu nennen: Plantinum Ei-Weiß Plantinum Ei-Weiß ist eine Kleegras-Mischung mit einer breiten Standorteignung. Die Zusammensetzung besteht aus mittleren und spätblühenden Weidelgräsern, die ein zügiges Nachwuchsverhalten sichern. Der enthaltene Weißklee sorgt für eine erhöhte Ernteflexibilität, denn er verholzt nicht so schnell wie Gras und weist einen hohen Blattanteil auf. Der züchterische Fortschritt ermöglicht einen hochwachsenden Weißklee mit hoher Konkurrenzkraft gegenüber den wüchsigen Gräsern. Neue Genetiken zeichnen eine hohe Ausdauer aus, die durch ein gutes Verzweigungspotenzial eine Etablierung in intensiv geführten Beständen ermöglicht. Hinzu kommen die positiven Eigenschaften mit Blick auf den Futterwert und die Pflanzenernährung.

Welche Eigenschaften sind das?

Imke Hansing: Der Weißklee verfügt über den Vorzug, Luftstickstoff zu binden. Pro Prozent Ertragsanteil Klee können leicht drei bis vier Kilogramm Luftstickstoff mittels Knöllchenbakterien fixiert und den Bestandspartnern, vor allem den Weidelgräsern, zugeführt werden. Entsprehend kann mit dieser heimischen Eiweißpflanze bei der Mineraldüngergabe Stickstoff eingespart werden - ein wichtiger Pluspunkt im Hinblick auf die neue Düngeverordnung und die damit verbundene limitierte Ausbringung von mineralischem oder organischem Stickstoff. Aber auch bei intensiver Düngung kann ein Klee-Gras bis zu 24 Prozent Mehrertrag gegenüber Gras-Reinsaaten erzielen. Entscheidend ist, dass der Weißklee bei starker Stickstoffreduzierung nur einen geringen Ertragsrückgang bewirkt und die Erträge stabilisiert.

Und wie eignet sich die Mischung für die Fütterung?

Imke Hansing: Die Gräserarten und -anteile haben einen hohen Futterwert bei guter Schmackhaftigkeit. Durch den Weißklee-Anteil wird der Rohproteingehalt in der Grundfuttermischung um bis zu vier Prozent erhöht, sodass die Proteinversorgung der Kühe und die Grundfutterqualität verbessert werden. Auch der Energiegehalt der Grassilage kann durch den Weißklee bis zu drei Prozent gesteigert werden. Bei verbesserter Grundfutterqualität steigt folglich die Trockenmasseaufnahme der Kuh an, die Grundfutterleistung nimmt zu.

Mit einem qualitativ hochwertigen Grundfutter wird gleichzeitig der Mineralfutterbedarf reduziert. Dies ist auch ein wichtiger Vorteil bei der Umsetzung der neuen Düngeverordnung, da in der Stoffstrombilanz auch zugekaufte Nährstoffe berücksichtigt werden müssen.

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