Landwirt Evers überzeugt von der teilflächenspezifischen Maisaussaat

16.02.2018

Das Problem, das Landwirt Reinhard Evers aus Walsrode mit seinen Ackerflächen hat, kennen viele seiner Berufskollegen. An einer Stelle sind es 30 Bodenpunkte, 20 Meter weiter nur noch18. Evers formuliert das so: „Unten kannst du Karpfen züchten. Oben vertrocknet dir die Pflanze.“ Zur Lösung des Problems arbeitet er mit der AGRAVIS NetFarming GmbH AGRAVIS NetFarming GmbH und deren Konzept der teilflächenspezifischen Maisaussaat zusammen.

Bildmaterial zum Content


Der 62-Jährige Evers baut Mais für die Biogasanlage Biogasanlage an, die er mit Partnern betreibt; inklusive Zukauf von anderen Landwirten der Region sind es 450 Hektar. Die Ackerflächen liegen in einer Endmoräne, bis vor 10.000 Jahren bedeckten Gletscherzungen diesen und andere Teile Norddeutschlands. „Die Bodenunterschiede sind enorm. Da war einiges an Optimierung möglich“, erklärt Reinhard Evers. Diese Optimierung packte er vor zwei Jahren gemeinsam mit der AGRAVIS NetFarming GmbH und deren Konzept der teilflächenspezifischen Maisaussaat an.

Hilfe von ganz oben

Auf humosen Böden wurden bisher 8,5 Maispflanzen pro Quadratmeter abgelegt. „Wo wenig Wasser ist, können fünf bis sechs Pflanzen ernährt werden, wo viel Wasser ist, sind es bis zu zehn.“ Diese Unterschiede mit entsprechenden Maßnahmen für mehr Wirtschaftlichkeit und Bodenverträglichkeit zu optimieren, war nun Aufgabe der AGRAVIS NetFarming GmbH und ihrer Konzepte für Precision Farming. Die NetFarming GmbH holt sich für ihre Module Hilfe von ganz oben. Seit Jahren werden regelmäßig Satellitenaufnahmen von der Europäischen Weltraumorganisation Esa und der amerikanischen Nasaerstellt. Daraus entstehen Karten, die die Vegetation zeigen. „Wenn man mehrere Jahre aufeinander legt, bekommt man eine gute Übersicht der einzelnen Zonen“, erklärt Andreas Könemann, Vertriebsmitarbeiter bei der AGRAVIS NetFarming GmbH. Die Daten kommen Tausende Kilometer entfernt aus dem Weltall, der Nutzen unten am Boden ist millimetergenau.

Klimaneutrale Beheizung von zwei Dörfern

18.000 Tonnen Mais müssen Evers und zwei Kollegen jedes Jahr ernten. So viel benötigen sie als „Futter“ für die Biogasanlage, die sie gemeinsam drei Kilometer entfernt in Groß Eilstorf betreiben. Dank dieser Anlage werden unter anderem zwei Dörfer klimaneutral beheizt. In Evers´ Betrieb stehen außerdem 700 Sauen, er hat 2.000 Mastplätze in einer GbR. Reinhard Evers denkt wirtschaftlich und nutzt dafür alle Möglichkeiten des digitalen Fortschritts. Die Flächen, die beackert werden sollen, gibt er ins I-Pad ein, sodass wiederum der Lohnunternehmer Zugriff hat. Selbst hat Evers keinen Schlepper, „nur einen kleinen, um hin und her zu fahren. Aber die Lohnunternehmer haben alles drauf, beispielsweise Parallelfahrsysteme, die auf zwei Zentimeter Genauigkeit fahren.“ Durch die digitalen Flächengrenzen wissen alle Ernteteilnehmer, sei es der Häckslerfahrer oder der Treckerfahrer, wo das Feld liegt.

Offen für Fortschritte

Anfang 2016 war der Landwirt auf einer Informationsveranstaltung der Landberatung auf die Konzepte der AGRAVIS NetFarming GmbH aufmerksam geworden. „Ich gehe jeden Fortschritt mit, wenn er Verbesserungen und Vorteile bringt“, betont der Landwirt. So wie er denken viele Landwirte, weiß Andreas Könemann: „Die Mehrerträge, die man durch die teilflächenspezifische Maisaussaat erreichen kann, stoßen gerade hier in der Region auf großes Interesse. Denn hier sind die Schläge sehr unterschiedlich und das Wasser ist knapp.“ Evers freut sich, mit Könemann einen Praktiker an der Seite zu haben: „Der hat nicht nur die Technik der Module im Kopf, sondern auch das Feld.“

Satellitenbasierte Zonenkarte als Grundlage

Um die teilflächenspezifische Maisaussaat für Reinhard Evers nutzbar zu machen, benötigten Könemann und seine Kollegen lediglich die digitale Flächengrenze. Aus der Fruchtfolge der vergangenen Jahre erstellten sie die satellitenbasierte Zonenkarte, die Grundstein aller Anwendungen der AGRAVIS NetFarming GmbH ist. Die besprach Könemann dann mit Evers: „Denn das langjährige Wissen der Betriebsleiter fließt in die Zonenkarte mit ein“, betont Könemann. Evers bestätigt: „Man weiß als Landwirt schließlich genau, wo die nassen Löcher sind.“ Über das NetFarming-Modul wurde für jede Teilfläche die optimierte Saatstärke berechnet. Die Faustregel lautet: Je mehr Wasser der Boden hält, desto mehr Körner werden ausgelegt. Könemann arbeitete Informationen zu Wasserverfügbarkeit und Wassererwartung mit ein.

Großer Einfluss der Sortenwahl

Einen weiteren großen Einfluss hat die Sortenwahl, die ebenso mitbewertet wird. Die Daten übertrug, als die Zeit der Aussaat kam, ein USB-Stick aufs Bedienterminal der Sämaschine des Lohnunternehmers, sodass diese „wusste“, in welcher Zone wie viele Körner ausgesät werden mussten. Bei der Ernte erfasste der Häcksler später automatisch auch den Ertrag pro Fläche. 2017 wurden elf Flächen (80 Hektar) auf diese Weise bearbeitet. „Wir hatten jede Menge Regen, und ich habe gedacht, da wird es keinen Unterschied zu den anderen Flächen geben. Von wegen!“, erzählt der Landwirt. Er hat Buch geführt und zeigt beispielhaft die Statistik für Schlag 8: Auf den konventionellen Flächen lag der Ertrag bei 49,8 Tonnen pro Hektar. Auf der Versuchsfläche, ausgedrillt nach Zonenkarte, waren es 56,5 Tonnen pro Hektar. Damit war der Ertrag 6,7 Tonnen pro Hektar höher bei 33 Prozent Trockensubstanz. „Im Durchschnitt erzielte ich einen Mehrertrag von zwölf Prozent pro Schlag oder 150 Euro pro Hektar. Wenn nun alle Schläge für die Biogasanlage so bewirtschaftet würden, dann könnten wir 50 Hektar Fläche einsparen bei der gleichen Menge Ertrag. Die Fläche könnte anders genutzt werden“, betont Evers.

Alle Hebel des Bodens optimal nutzen

„Und diesen Mehrertrag erreiche ich nicht durch mehr Dünger, sondern durch Optimierung. Mit diesem Verfahren kann ich boden- und umweltschonend arbeiten. Ich nutze alle Hebel des Bodens optimal. Statt einfach überall die gleiche Menge Dünger auszubringen, wird auch dieser optimiert über den Stick eingestellt.“ Könemann fügt hinzu: „Die Pflanze wird so angebaut, wie der Boden sie verarbeiten kann. Es wird kein Saatgut verschwendet. Man lässt den guten Boden für sich arbeiten und entlastet die weniger guten Böden.“ Landwirt Reinhard Evers hat schon das nächste Ziel vor Augen: „2018 möchte ich 25 Prozent der Flächen mit der teilflächenspezifischen Maisaussaat bearbeiten. Und mein langfristiges Ziel sind 100 Prozent.“

Informationen zur teilflächenspezifischen Maisaussaat gibt es bei Andreas Könemann, Telefon 0511 . 8075 3395, andreas.koenemann@agravis.de, oder unter www.netfarming.de www.netfarming.de.

AGRAVIS Raiffeisen AG Kontakt:
Industrieweg 110 48155 Münster ,
Tel:( 0251 ) 6820 FB Twitter Youtube Google+ Instagram