Bestandesführung bei Mais sollte gut durchdacht sein

12.04.2017

Hohe Masseerträge, gute Qualitäten und gleichzeitig die Nährstoffbilanz nicht strapazieren. Diese Wünsche eines Maisanbauers Maisanbauers unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach – aber möglich. Klar ist: Die nutzungs- und standortangepasste Sortenwahl legt den Grundstein für den Ertrag. Doch um das volle Ertragspotenzial der Sorte ausschöpfen zu können, reicht dies alleine bei Weitem nicht aus. Mit einer gut durchdachten Bestandesführung können für den Ertrag weitere wichtige Faktoren positiv beeinflusst werden. Die AGRAVIS-Experten geben wertvolle Tipps zu diesem Thema.

Bildmaterial zum Content
Versuche haben gezeigt, dass durch die teilflächenspezifische Maisaussaat Mehrerträge von 10 Prozent und mehr im Vergleich zur betriebsüblichen Aussaat möglich sind.Bestandesführung bei Mais sollte gut durchdacht sein
Versuche haben gezeigt, dass durch die teilflächenspezifische Maisaussaat Mehrerträge von 10 Prozent und mehr im Vergleich zur betriebsüblichen Aussaat möglich sind.

Viel Ertrag wird schon durch die nicht standortangepasste („falsche“) Wahl der Aussaatstärke verschenkt. Doch welche ist die „richtige“ Bestandesdichte? Wie kann sie ermittelt werden? Und welche Faktoren müssen dazu bekannt sein? Um diese Fragen zu beantworten, führt die AGRAVIS Raiffeisen AG seit 2014 Exaktversuche zur Bestandesdichte im Mais durch.

Praxistaugliches System der AGRAVIS NetFarming

Auf Basis der daraus gewonnenen Erkenntnisse hat die AGRAVIS NetFarming GmbH AGRAVIS NetFarming GmbH ein praxistaugliches System entwickelt, um die optimale Bestandesdichte zu ermitteln und mit teilflächenspezifischen Ansätzen zu verknüpfen. Dazu werden Fernerkundungsdaten mehrerer Jahre ausgewertet, um auf Schlagebene unterschiedliche Ertragszonen zu identifizieren. Kombiniert mit dem Wissen über die Wasserverfügbarkeit zur Maisausaat, Wasserhaltefähigkeit des Standortes sowie Abschätzung der zu erwartenden Niederschlagsmenge kann eine Aussaatkarte auf dem NetFarming-Portal erstellt werden.

Wichtig: sortenspezifische Eigenschaften

In diesen Prozess fließen außerdem sortenspezifische Eigenschaften ein. Denn hier bestehen mitunter große Unterschiede. Die Sorte Niklas zum Beispiel ist eher für höhere Saatstärken geeignet als die Sorte DKC 3507. In der Praxis können daher innerhalb sehr heterogener Flächen die empfohlenen Aussaatstärken zwischen 5,4 und 12 Pflanzen pro Quadratmeter variieren. Versuche haben gezeigt, dass durch dieses Verfahren Mehrerträge von 10 Prozent und mehr im Vergleich zur betriebsüblichen Aussaat möglich sind. Darüber hinaus konnten verbesserte Werte in mehreren Qualitätsparametern festgestellt werden. Sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, macht daher Sinn.

Infos zur teilflächenspezifischen Maisaussaat

Weitere Informationen rund um die teilflächenspezifische Maisaussaat sowie zum Maisstarterpaket für Neueinsteiger sind unter www.netfarming.de www.netfarming.de oder in der AGRAVIS Aktuell 1/2017 AGRAVIS Aktuell 1/2017 zu finden. Neben der überlegten Wahl der Aussaatstärke gehört zur Bestandesführung auch eine bedarfsgerechte Ernährung der Maispflanzen. Die Düngestrategie wird allerdings nicht allein vom Wunsch der Ertragsmaximierung bestimmt. Häufig spielen vor allem rechtliche Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle, denn wo Mais angebaut wird, ist die Tierhaltung in der Regel nicht fern und somit ausreichend Gülle vorhanden. Da gleichzeitig die Flächenausstattung knapp ist, müssen sich zahlreiche Betriebe in viehintensiven Regionen mit angespannten Stickstoff- und Phosphorbilanzen auseinandersetzen.

Neue Düngeverordnung

Diese Problematik wird sich durch die neu aufgelegte Düngeverordnung weiter verschärfen und fordert in allen Bereichen der Düngung ein Umdenken. Der effiziente Einsatz mineralischer und organischer Düngemittel muss dabei langfristig oberste Priorität haben. Besonders bei der organischen Düngung können Verluste minimiert werden. Einer der größten Hebel besteht darin, die Ausbringtechnik zu optimieren. Dabei gilt: Je mehr Bodenkontakt hergestellt werden kann, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für gasförmige N-Verluste. Die Gülledüngung zum Mais erfolgt in der Regel auf unbestelltes Ackerland. Die gesetzlich vorgeschriebene Einarbeitungsfrist von vier Stunden soll dafür sorgen, dass die Verluste in die Luft minimiert werden. Doch bereits in diesem Zeitraum können unter ungünstigen Bedingungen N-Verluste bis zu 30 Prozent des applizierten Ammoniumgehaltes entstehen. Eine schnellstmögliche Einarbeitung sollte daher dringend angestrebt werden.

Neben der Technik spielen aber auch die Witterungsbedingungen während der Ausbringung eine große Rolle. Die häufig durchgeführte Gülledüngung in den stehenden Maisbestand muss dabei besonders kritisch hinterfragt werden, denn zu diesem Zeitpunkt ist in der Regel von hohen Temperaturen in Kombination mit Sonneneinstrahlung auszugehen. Beide Faktoren begünstigen die Ammoniakausgasung in hohem Maße, sodass diese Termine dringend gemieden werden müssen. Um die Effizienz der Gülle weiter zu verbessern, ist der Zusatz von Nitrifikationshemmstoffen wie Entec FL oder Piadin besonders bei der Düngung von Mais sinnvoll. Diese sorgen dafür, dass der in der Gülle enthaltene Ammoniumstickstoff langsamer in das auswaschungsgefährdete Nitrat umgewandelt wird.

Risiko der Nitratauswaschung

Beim Mais liegen Hauptnährstoffbedarf und Düngungszeitpunkt weit auseinander, sodass hier das Risiko der Nitratauswaschung besonders groß ist. Die Ammoniumfraktion bleibt länger „an Ort und Stelle“ und hat hinsichtlich der Pflanzenernährung auch weitere positive Effekte, so verbessert sich zum Beispiel die Verfügbarkeit von Mikronährstoffen. Im nächsten Schritt wird bei der Aussaat klassischerweise mit einer mineralischen Unterfußdüngung gearbeitet. Hier ist für viele Betriebe DAP immer noch der Standarddünger, doch aufgrund seiner hohen Phosphor-Aufladung für Betriebe mit angespannten P-Bilanzen nicht immer die beste Wahl. Hier wird viel experimentiert und in der Unterfußdüngung teilweise gänzlich auf Phospor verzichtet. Das wird kurzfristig auch ohne nennenswerte Ertragsverluste funktionieren, kann auf Dauer und unter schwierigen Bedingungen in der Jugend des Maises aber langfristig Probleme mit sich bringen.

Phosphorgaben in den Mais

Wie kann Phosphor also effizienter zum Mais gedüngt werden? Neue Systeme können hier helfen, Phosphorgaben zu reduzieren, ohne Ertragsverluste in Kauf nehmen zu müssen. Bei dem Verfahren der Saatbanddüngung werden feine Mikrogranulate mit der Aussaat direkt in die Saatrille ausgebracht. Die Idee dahinter ist einfach: Die Nährstoffe kommen näher ans Korn. Dadurch erschließt die Maispflanze diese wesentlich schneller und effektiver. Bei dieser Form der Applikation werden gerade einmal 10 bis 15 Kilogramm/Hektar Phosphor ausgebracht. Technisch ist dies über Mikrogranulatstreuer möglich, die für Maisdrillen problemlos nachgerüstet werden können. Mit dem Mikrogranulat Phytavis Microgran P hat die AGRAVIS Versuche auf mehreren Standorten und über mehrere Jahre durchgeführt.

Stickstoff, Schwefel und Zink

Die Ergebnisse zeigen immer wieder, dass durch diese Form der Düngung Phosphor eingespart werden kann, ohne dabei auf Ertrag zu verzichten. Neben Phosphor werden über das Mikrogranulat auch noch geringe Mengen an Stickstoff, Schwefel und Zink gegeben. Der Stickstoffbedarf kann allerdings über diesen Weg alleine nicht abgedeckt werden. Hier kann dann in der klassischen Unterfußdüngung beispielsweise mit stabilisierten Stickstoff-Schwefeldüngern (wie Entec 26) gearbeitet werden. Noch näher ans Korn als über die Mikrogranulate kommen Nährstoffe über eine entsprechende Beize. Besonders auf kalten Standorten und unter ungünstigen Bedingungen kann das Auftragen von Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Zink auf das Maiskorn über das Produkt Trailer Vorteile für die Jugendentwicklung mit sich bringen.

Düngung mit Kornkali

Grundsätzlich muss neben der ausgeglichenen Stickstoff- und Phosphordüngung die Verfügbarkeit der anderen Nährstoffe überprüft werden. Insbesondere Kali wird in hohem Maße durch die Silomais-Ernte entzogen. Diese Mengen sollten sinnvollerweise vor der Saat durch eine Düngung mit Kornkali abgedeckt werden. Zwar bringt auch eine Gülledüngung gewisse Kali-Mengen mit sich, diese werden aber häufig überschätzt. Aktuelle Nährstoffanalysen der organischen Dünger in Kombination mit Bodenanalysen bieten hier eine gute Orientierung, um Versorgungslücken aufzudecken. Wenn dann während der Saison noch Mangelsymptome von zum Beispiel Bor und Zink am Mais auftreten, können Blattdünger kurzfristige Engpässe überbrücken.

Infos gibt es bei Stefan Hanebrink, Telefon 0251 . 682-2067, stefan.hanebrink@agravis.de, www.netfarming.de www.netfarming.de.

AGRAVIS Raiffeisen AG Kontakt:
Industrieweg 110 48155 Münster ,
Tel:( 0251 ) 6820 FB Twitter Youtube Google+ Instagram