Herbstaussaat: Bewährte Getreidesorten und neue Hoffnungsträger

Die Herbstaussaat des Wintergetreides 2016 Wintergetreides 2016 rückt immer näher. Um die für den Betrieb und den Standort richtigen Sorten für den Anbau wählen zu können, sind viele Kriterien zu beachten. In erster Linie werden dabei vor allem die Ertragseigenschaften der jeweiligen Sorten analysiert, dabei darf aber die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten nicht aus den Augen verloren werden.

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Die Wintergerste konnte dieses Jahr nicht an die Spitzenerträge aus dem Rekordjahr 2015 anknüpfen. Die Erträge waren vielerorts deutlich niedriger und die Kornqualitäten eher durchschnittlich. Gründe sind unter anderem die Witterung zur Kornfüllung, die Düngestrategie sowie der späte und teils hohe Ramulariadruck. Die Versuchsergebnisse der AGRAVIS Raiffeisen AG zu den gedroschenen und ausgewerteten Leistungsprüfungen gibt es hier hier .

Neue Sorten getestet

Im Bereich der Gerstensorten wurden in diesem Jahr, neben vielen altbekannten Sorten, die neuen Sorten Joker, KWS Kosmos und KWS Infinity im Versuchsbetrieb der AGRAVIS getestet.

Die mehrzeilige Sorte Joker weist bei den Liniensorten die höchste Ertragseinstufung bei guter Blattgesundheit auf, mit leichter Schwäche beim Zwergrost. Besonders erwähnenswert ist die Doppelresistenz gegen beide Typen des Gelbmosaikvirus (BaYMV1+2, BaMMV).

Die Sorte KWS Kosmos, ebenfalls eine Zulassung aus dem Jahr 2015, zeichnet sich durch eine hohe Ertragsleistung, gute Strohstabilität sowie ebenfalls gute Blattgesundheit aus, jedoch mit eindeutiger Schwäche beim Zwergrost.

Die KWS Infinity ist bei den zweizeiligen Sorten als neue, leistungsstarke Sorte zu nennen mit breit angelegter guter Blattgesundheit, Strohstabilität und guter Standfestigkeit, sowie hoher Tausendkornmasse (TKM). Auf diesem Leistungsniveau liegen auch die bekannten Sorten Matros, California und KWS Glacier.

Vor allem die Sorte Matros konnte in diesem Jahr auf dem leichten Standort in Münster auf dem Versuchsgut der AGRAVIS ihre Leistungsfähigkeit erneut beweisen. Die spätreife Sorte besticht durch ihre gute Winterhärte, und die gute Resistenz gegenüber Mehltau und Zwergrost.

Die Hybridgerste Celoona hat ihre Leistungsfähigkeit in der diesjährigen Ernte zum zweiten Mal unter Beweis gestellt. Sie punktet mit einer guten Blattgesundheit mit Höchsterträgen auf allen Standorten und ist auch für leichtere, gerstenfähige Böden geeignet. Die Standfestigkeit sollte wie bei vielen anderen Hochertragsgerstensorten abgesichert werden. Celoona zeigt hier ein gutes Reaktionsvermögen auf den Einsatz von Wachstumsreglern. Bei den Hybridgersten zeigen sich weiterhin die Vorteile in der konstanten Ertragsstärke sowie in der Spätsaattoleranz.

Schwächere Erträge, gute Qualität beim Weizen

Auch für die Weizenernte zeichnen sich etwas schwächere Erträge, aber mit guter Kornqualität ab. Bei den Weizensorten ist die neue Sorte Benchmark zu nennen. Im vergangenen Jahr auf vielen Feldtagen vorgestellt, ist dieser B-Weizen als Hochertragssorte eingestuft und hat dies auch in den Leistungsprüfungen der AGRAVIS unter Beweis gestellt. Diese standfeste und kürzere Sorte zeichnet sich durch gute Resistenzeigenschaften gegenüber allen Krankheiten aus, mit leichter Schwäche beim Braunrost und in der Winterhärte (nicht in die Frühssaat). Benchmark eignet sich somit besonders als Stoppelweizen, wenn er nicht zu früh gedrillt wird.

KWS Barny ist vor allem unter den Neuzulassungen 2016 des Bundessortenamtes zu erwähnen. Die sehr ertragsstarke B-Weizen-Sorte, mit Höchstertragsnote 9 eingestuft, konnte dieses Leistungspotenzial bereits im vergangenen Jahr in den Sortenprüfungen auf St. Mauritz zeigen. KWS Barny zeichnet sich durch eine gute Blattgesundheit und mittlere Fusariumanfälligkeit aus. Durch dieses gute Profil ist die Sorte für fusarienproblematische Maisfruchtfolgen interessant. Mit einer etwas überdurchschnittlichen Wüchsigkeit ist diese Sorte spätsaattauglich, sollte sich aber bei angepassten Saatmengen in Frühsaaten nicht überwachsen.

Manitou ist eine vielversprechende Neuzulassung aus dem Jahr 2015. Die C-Weizen-Sorte mit der höchsten Ertragseinstufung wartet neben einer guten Winterfestigkeit und Standfestigkeit auch mit einer guten, breitangelegten Blattgesundheit auf. Die Sorte eignet sich für alle Standorte, Vorfrüchte und Saatzeiten.

RGT Reform hat sich unter den A-Weizen-Sorten als ertragsstärkste Sorte in den Versuchen der letzten zwei Jahre hervorgetan. Die Sorte besticht neben den hohen Erträgen mit guten bis sehr guten Qualitätseigenschaften, einer guten Winterhärte, geringen Anfälligkeit gegenüber Blatt- und Ährenkrankheiten sowie einer breiten Standorteignung.

JB Asano als weitere große A-Weizen-Sorte weist neben hohen Erträgen und einer hohen TKM eine mittlere Qualität mit guter Mehlausbeute vor. Die Sorte ist für alle Standorte geeignet und hat eine geringe Anfälligkeit gegenüber Mehltau und Braunrost, aber ein Schwäche in der Gelbrostresistenz.

Spätsaatverträgliche Sorten für Maisfruchtfolgen

In Maisfruchtfolgen sind Sorten gefordert, die eine geringe Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarien aufweisen und je nach Mais-Erntetermin auch spätsaatverträglich sind, wie zum Beispiel Anapolis, RGT Reform und die im vergangenen Jahr eingeführte Sorte Johnny.

Tobak ist als Hochertragsweizen im B-Segment seit Jahren in vielen Regionen stark im Anbau. Diese Sorte sollte aber aufgrund der hohen Fusarieneinstufungen auf keinen Fall nach Mais oder pfluglos nach Zuckerrüben angebaut werden.

Als sehr winterharte Sorte mit hohem Ertragspotential und guten Qualitätseigenschaften punktet die B-Weizensorte Desamo. Diese kurze, blattgesunde Sorte eignet sich für alle Standorte und Vorfrüchte.

Schwierige Triticalebestände

In einigen Regionen sind in diesem Frühjahr manche Triticalebestände in der Fläche abgestorben. Je nach Region waren einige Sorten vermehrt in der Diskussion, jedoch gab es ebenso viele gute Bestände, sodass abschließend nicht nur die Sorten verantwortlich gemacht werden können. Dieses Vorkommen war bedingt durch viele Faktoren, wie zum Beispiel den Zustand der Fläche (pH-Wert, Bodenstruktur), Ablagetiefen, Witterungsbedingungen wie hohe Niederschlagsmengen in den Wintermonaten und dadurch bedingte Nährstoffverlagerungen und früher Infektionsdruck durch Mehltau und Gelbrost. Dies hat vielerorts zu einem Umbruch der Flächen geführt.

Im Sortiment der Triticalesorten hat sich die frühreife Sorte Fredro mit sehr guter Leistung auf St. Mauritz präsentiert. Die Sorte ist dank ihrer Wüchsigkeit spätsaatverträglich und weist eine gute Blattgesundheit auf, vor allem bei Mehltau und Gelbrost. Dank ihrer Pflanzenlänge und geringeren Lageranfälligkeit eignet sich die Sorte auch für Betriebe mit hohem Wirtschaftsdüngereinsatz und für Landwirte, die einen hohen Strohertrag erwarten. Im Frühjahr 2016 ist Fredro neben den stressbedingt ausgefallenen Sorten als sehr vital und positiv aufgefallen.

Barolo kommt als weitere neue Sorte (Zulassung 2015) in den Anbau. Die Sorte zeichnet sich durch hohe bis sehr hohe Erträge aus. Die Ertragsbildung erfolgt über eine mittel bis hohe Bestandesdichte und eine sehr hohe Kornzahl je Ähre bei einer mittlereren TKM. Barolo weist eine sehr gute Blattgesundheit auf, vor allem bei Gelbrost, sowie eine gute Ährenfusarientoleranz. Die Sorte ist kurz im Wuchs und standfest. Als altbekannte und bewährte Sorten stehen nach wie vor Dinaro, Adverdo und Silverado zur Herbstaussaat zur Verfügung. Vor allem bei Adverdo und Silverado sollte jedoch die Fungizidstrategie auf das Resistenzprofil abgestimmt werden.

Fazit: Für die Aussaat 2016 stehen neben den bekannten und bewährten Sorten somit einige interessante und neue Sorten zur Verfügung. Durch die gezielte standort-, boden-, saatzeit- und eigenschaftenbezogene Sortenwahl kann der Grundstein für eine erfolgreiche Ernte 2017 bereits in diesem Herbst ausgesät beziehungsweise gelegt werden.

Mehr Infos zu diesem Thema gibt es bei Thomas Schulze Pröbsting, Tel. 0172.6799053, thomas.schulze.proebsting@agravis.de und Eberhard Möller, Tel. 0171.9902051, eberhard.moeller@agravis.de sowie hier hier .