AGRAVIS empfiehlt: Bei der Düngung nicht an der falschen Stelle sparen

In allen Bereichen der Landwirtschaft herrscht Unsicherheit über die Entwicklungen für die Zukunft. Mit welchen Produktpreisen können wir mittelfristig rechnen? Welche Strategie ist die richtige für die Unternehmensausrichtung? Vor diesem Hintergrund werden in der Regel die Produktionskosten als Erstes auf den Prüfstand gestellt. Maßnahmen, deren Sinn und Zweck nicht immer offensichtlich sind, werden dann hinterfragt und eingespart. Im Pflanzenbau Pflanzenbau ist dies leider häufig die Kalkung.

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In Zeiten, in denen landwirtschaftliche Produktpreise wenig Spielraum lassen, muss gekalkt werden. AGRAVIS empfiehlt: Bei der Düngung nicht an der falschen Stelle sparen
In Zeiten, in denen landwirtschaftliche Produktpreise wenig Spielraum lassen, muss gekalkt werden.

Natürlich ist es verführerisch, die Kosten für die Kalkung in einem Jahr ausfallen zu lassen, obwohl diese gerade einmal 1 bis 2 Prozent an den gesamten variablen Kosten ausmachen. Aber was sind die Folgen einer langfristig unterlassenen Kalkung?

Grundsätzlich ist die Bedürftigkeit der Ackerböden für Düngekalk in den meisten Regionen unbestritten. Der Einsatz von mineralischen Düngemitteln mit kalkzehrender Wirkung und die natürliche Versauerung durch Niederschläge, Bodenatmung und Bodenumsetzungsprozesse bis hin zu Wurzelausscheidungen der angebauten Kulturpflanzen tragen zu einem erheblichen Kalkverlust bei.

Verschiedene Faktoren

Um die Bodenfruchtbarkeit und damit die Grundlage der Produktion zu erhalten, muss der pH-Wert als Kennziffer und das Calcium als Nährelement im optimalen Bereich gehalten werden. Geraten diese beiden aus dem Optimum, ist die Bearbeitbarkeit des Bodens schlechter, die Verfügbarkeit aller Nährstoffe nimmt ab, das Bodenleben wird ausgebremst und im schlimmsten Fall nimmt die Löslichkeit von pflanzentoxischen Schwermetallen zu. All diese Faktoren haben einen größeren Einfluss auf den Ertrag, als das letzte Kilo Stickstoff oder die richtige Wahl der Fungizidstrategie.

Ertragseinbußen von bis zu 10 Prozent

Untersuchungen zeigen sehr deutlich, dass eine unzureichende Kalkung gerade bei Mais, Gerste und Zuckerrüben zu Ertragseinbußen von 30 bis 40 Prozent führen kann. Weniger anfällig haben sich in den Untersuchungen Weizen, Roggen und Kartoffeln gezeigt. Dennoch kann in der heutigen Zeit kein Betriebsleiter verantworten, auf Grund unterlassener Kalkung Ertragseinbußen von 10 Prozent hinzunehmen.

Grundfutterleistung ist entscheidend

Auch auf Grünland Grünland muss wie auf Ackerland die Kalkung in gleichem Maße Beachtung finden. Für die Produktion von Milch Milch ist die Grundfutterleistung der betriebswirtschaftlich wichtigste Faktor. Und eben diese Grundfutterleistung wird von der Qualität des Weideaufwuchses bestimmt. Die Kalkung wiederum hat Einfluss auf die Artenzusammensetzung der Grasnarben. Wertbestimmende und hochwertige Futterpflanzen benötigen einen schwach sauren bis neutralen pH-Wert. Auf sauren Grünlandböden hingegen dominieren minderwertige Futterpflanzen. Als Zeigerpflanzen für versauerte Böden gelten unter anderem Binsen und Seggen, die Sumpfdotterblume und der kriechende Hahnenfuß.

Novelle der Düngerverordnung

Nicht zuletzt wird uns im Themenkomplex Pflanzenernährung die bereits viel beschriebene und diskutierte Novelle der Düngerverordnung beschäftigen und fordern. Diese verlangt von allen Beteiligten, sich noch intensiver mit dem Einsatz der Nährstoffträger auseinanderzusetzen. Es muss das Ziel sein, einen möglichst hohen Anteil der ausgebrachten Nährstoffe in der Kulturpflanze ankommen zu lassen und in Ertrag umzusetzen. Ist eine ausreichende Kalkversorgung des Acker- oder Grünlandes nicht gewährleistet, so ist die Bereitstellung entscheidender Makro- und Mikronährstoffe nicht optimal und somit die Ausnutzung nicht effizient. Eine gute, auf die Fruchtfolge abgestimmte Kalkstrategie stellt vor dem Hintergrund einer strengeren Gesetzgebung somit einen entscheiden Hebel im System dar.

Alle drei bis vier Jahre: Bodenanalyse durchführen

Das Wichtigste Kontrollinstrument für den Zustand des Bodens bleibt neben einer Spatenprobe die Bodenanalyse. Letztere sollte nicht nur alle sechs Jahre zur Erfüllung der gesetzlichen Pflicht gezogen werden, sondern durchaus alle drei oder vier Jahre. Die Ergebnisse dienen der Kontrolle der eigenen Düngestrategie. Wird die Probe wiederkehrend zum gleichen Zeitpunkt in der Fruchtfolge gezogen, können Vergleiche mit älteren Proben Hinweise darauf geben, wie sich die Werte entwickeln. Sollten sich starke Ungleichgewichte oder sehr geringe Versorgungswerte auftun, kann eine jährliche Kontrolle Aufschluss über den Erfolg eingeleiteter Maßnahmen geben.

"Die teilflächenspezifische Bodenprobe führt zu einer viel höheren Wertigkeit der Probe und damit zu einer deutlichen Effizenzsteigerung der eingesetzten Düngermittel"

Um den Nutzen der Bodenanalyse weiter zu steigern und die Aussagekraft zu verbessern, können auch teilflächenspezifische Ansätze genutzt werden. Eine georeferenzierte (GPS-Marke der Probenahme wird aufgezeichnet) Probenahme bringt über die Jahre eine wesentlich bessere Vergleichbarkeit der Proben.

AGRAVIS NetFarming

Die AGRAVIS NetFarming GmbH AGRAVIS NetFarming GmbH bietet die Möglichkeit, an einzelnen Teilflächen zu definieren, in denen die Proben gezogen werden. Basis des Systems sind Managementzonenkarten, die im weitesten Sinne das Ertragspotenzial des Schlages widerspiegeln. Anhand von Satellitendaten aus den vergangenen Jahren können die Unterschiede in der Ertragsfähigkeit der Ackerfläche ermittelt werden. Dabei wird keine quantitative Aussage getroffen, es ist also nicht erkennbar, ob 70 oder 90 Dezitonnen Getreide geerntet wurden. Es wird hingegen eine qualitative Aussage getroffen, in welchen Bereichen der Höchstertrag möglich ist und in welchen Zonen geringere Erträge erreicht wurden.

Das Ziel des Verfahrens: Homogenisierung der Bodengehaltsklassen

Die Bodenprobe wird nun exakt in den einzelnen Ertragszonen gezogen. So können zum einen Fehler in der Nährstoffversorgung aufgedeckt werden, die möglicherweise höhere Erträge verhindern. Zum anderen können die zu streuenden Nährstoffmengen inklusive des Kalkes exakt auf die Entzüge des realisierbaren Ertragsniveaus angepasst werden. Dabei wird die Versorgung mit Nährstoffen in den jeweiligen Ertragszonen berücksichtigt.

Höhere Aussagekraft von Bodenproben

Dieses Verfahren führt langfristig zu einer Homogenisierung der Bodengehaltsklassen. Die unterschiedlichen Ertragszonen sind unter anderem bodenartbedingt und somit nicht veränderbar. Die daraus abgeleitete Applikationskarte bleibt dadurch immer heterogen – auch bei Gehaltsklasse „C“ aller Nährstoffe. Und das bewusst. Dort, wo viel entzogen wird, soll viel, dort wo weniger entzogen wird, soll weniger Dünger ausgebracht werden.Durch dieses System erreicht die Aussagekraft einer Bodenprobe eine ganz andere Wertigkeit als bisher und führt zu einer deutlichen Effizienzsteigerung beim Einsatz von Düngemitteln.

Kostengünstige Nachrüstmöglichkeiten

Der Einsatz dieses Systems ist auf weitaus mehr Betrieben bereits möglich, als man vermuten würde. Das Abarbeiten von Applikationskarten ist mit wenig Zusatzausrüstung bei allen Düngerstreuern möglich, bei denen geschwindigkeitsabhängig die Streumenge angepasst werden kann. Im Bereich der Kalkstreuer ist die Technik noch nicht so weit verbreitet, aber auch hier bieten die Hersteller kostengünstige Nachrüstmöglichkeiten an. Viele Lohnunternehmer sind dahingehend schon gut aufgestellt.

Kalkprodukte werden durch ihre Wirkungsgeschwindigkeit unterschieden

Bei der Auswahl des Düngekalkes ist entscheiden, dass die Eigenschaften des Produktes zu den Anforderungen des Standortes und dem gewünschten Düngeziel passen. Grundsätzlich muss das eingesetzte Produkt den Anforderungen des Düngerechtes entsprechen. Das heißt ein Mindestgehalt an wertgebenden Inhaltstoffen ist enthalten und die Mindestanforderungen an Reaktivität und Mahlfeinheit werden erreicht.

Um verschiedene Kalkprodukte in ihrer Leistungsfähigkeit zu vergleichen, ist die Ermittlung des Neutralisationswertes nötig. Düngeempfehlungen werden grundsätzlich in „CaO“ angegeben. Die basisch wirksamen Bestandteile der Kalke können aber neben „CaO“ auch als „CaCO3“, „MgCO3“ oder „MgO“ angegeben werden. Für eine Vergleichbarkeit müssen alle Angaben in CaO umgerechnet werden. Der resultierende Neutralisationswert gibt an, welche Menge Säure pro Mengeneinheit Düngekalk neutralisiert werden kann.

Unterscheidung nach Herkunft und ihrer Wirkungsgeschwindigkeit

Die Kalkprodukte können anhand ihrer Herkunft und ihrer Wirkungsgeschwindigkeit unterschieden werden. Letzteres ist für die Praxis am sinnvollsten. Folgt man dieser Betrachtung, sind die Branntkalke als erstes zu nennen. Die Wirkung tritt unmittelbar nach dem Kontakt mit dem Bodenwasser ein. Sie eignen sich besonders gut für die Aufkalkung stark versauerter Böden, vor allem, wenn es um die Verbesserung der Bodenstruktur von schweren tonigen oder schluffigen Böden geht. Auf leichten Böden mit geringerem Puffervermögen sollten Branntkalke nur sehr vorsichtig eingesetzt werden. Auf Grünland und in stehende Bestände nur sind sie nur einzusetzen, wenn diese abgetrocknet sind, sonst droht die Gefahr von Verätzungen.

Konverterkalk ist nachhaltig

Kohlensaure Kalke haben eine langsamere und nachhaltigere Wirkung. Die Umsetzung im Boden ist hier sehr stark vom Ausgangsgestein und der Mahlfeinheit abhängig. Je feiner, desto schneller die Wirkung. Da die Reaktion des Kalkes nicht unmittelbar beim Kontakt mit Wasser einsetzt, ist auch erdfeuchte Ware lieferbar, die Vorteile bei Transport, Lagerung und Ausbringung mit sich bringt. Das Risiko der Verätzung von Pflanzenbeständen ist nicht gegeben. Die kohlensauren Kalke dienen in erster Linie der Erhaltungskalkung für alle, auch sehr leichte, wenig gepufferte Böden. Auf Grünland ist der Einsatz jederzeit möglich, soweit die Befahrbarkeit gegeben ist. Als Zwischenstufe zwischen Branntkalk und kohlensauren Kalken sind Mischkalke im Handel, die die Eigenschaften beider Sorten in sich vereinen und je nach Mischungsanteil dem einen oder anderen Bereich zugeordnet werden können.

Konverterkalk als langsam und nachhaltig wirkender Kalk

Ebenso universell wie die kohlensauren Naturkalke ist der Konverterkalk als langsam und nachhaltig wirkender Kalk einzuschätzen. Sie sind auf allen Böden, zu allen Kulturen und zu jeder Zeit einsetzbar. Als Nebenbestandteile sind Kieselsäure, Phosphat und Spurenelemente zu nennen. Die positiven Effekte der Kieselsäure sind die Stabilisierung des Krümelgefüges, die Freisetzung von im Boden vorhandenem Phosphat durch das Belegen von Austauschern und die Gewebestabilisierung in der Pflanze und damit der Krankheitsabwehr (wie Mehltau) und Standfestigkeit. Die Lagerung ist sowohl im Flachlager als auch am Feldrand problemlos möglich. Auf Grund des hohen spezifischen Gewichtes und der erdfeuchten Beschaffenheit ist das Streubild sehr gleichmäßig und staubfrei.

Größter Nutzen durch Kalkung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass gerade in Zeiten, wo die landwirtschaftlichen Produktpreise wenig finanziellen Spielraum bieten, gekalkt werden muss. Nur so lässt sich aus dem für Betriebsmittel investierten Kapital der größte Nutzen heben. Untersuchungen zeigen, dass die Ertragseinbußen einer unterlassenen Kalkung in keinem Verhältnis zu den Kosten dieser Bodenpflege stehen. Ebenso wichtig wie im Ackerbau ist die Kalkung auf dem Grünland, um die Grundfutterleistung zu sichern. Zur Kontrolle der Düngestrategie bleibt die Bodenuntersuchung das Mittel der Wahl. Um auch hier den größten Nutzen aus dem eingesetzten Kapital zu ziehen und den Wert des Analyseergebnisses zu maximieren, bietet die teilflächenspezifische Grunddüngung und Kalkung der AGRAVIS NetFarming GmbH sehr gute Lösungen. Das richtige Kalkprodukt wird schließlich auf Grund der Ansprüche des Standortes gewählt. Aus der Palette der Qualitätskalke von Branntkalk über kohlensaure Kalke bis hin zum Konverterkalk kann für jeden Standort eine fachgerechte Empfehlung zur Kalkung geplant werden.

Weitere Infos zu diesem Thema gibt es bei Arne Klages (Pflanzenbau-Vertriebsberatung), Tel. 0152 . 01810283, arne.klages@agravis.de, Stefan Hanebrink (Pflanzenbau-Vertriebsberatung), 0251 . 682-2067, stefan.hanebrink@agravis.de und Christian Carl (AGRAVIS NetFarming GmbH), 0172 . 5303459, christian.carl@agravis.de.

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