AGRAVIS Raiffeisen AG entwickelt 7-Phasen-Futterprogramm

In Deutschland werden Puten schwerer Linien gemästet, die zerlegt und verarbeitet werden. Diese Linien zeichnen sich durch hohe Mastendgewichte, gute Futterverwertungen und hohe Fleischausbeuten aus. Für die Mast ist ein spezielles, an den Bedarf der Tiere angepasstes Futter nötig. Das in der Putenmast übliche 6-Phasen-Futter ist von der AGRAVIS Raiffeisen AG zu einem 7-Phasen-Futterprogramm weiterentwickelt worden, das dem Nährstoffbedarf der modernen Linien besser angepasst ist.

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Putenküken stellen besonders hohe Anforderungen an die Verdaulichkeit und die Zusammensetzung des Futters. AGRAVIS Raiffeisen AG entwickelt 7-Phasen-Futterprogramm
Putenküken stellen besonders hohe Anforderungen an die Verdaulichkeit und die Zusammensetzung des Futters.

Die Wachstumskurven von Hähnen und Hennen unterscheiden sich. Deshalb werden Puten geschlechtsgetrennt gemästet. Die Mast der Putenhennen dauert bis zur 16. Lebenswoche, die der Hähne bis zur 21. Woche. Bei den Hennen erfolgt der Fleischansatz früher und sie sind eher ausgemästet. Deshalb können die Futterphasen in der Hennenmast vorgezogen werden.

Für jede Phase das optimale Putenfutter

Putenküken stellen besonders hohe Anforderungen an die Verdaulichkeit und die Zusammensetzung des Futters. Bedingt durch den hohen Aminosäurebedarf der Küken müssen die Starterfutter P1 und P2 hohe Protein-Gehalte aufweisen, die in praxisüblichen Futtermischungen nur durch hohe Anteile an Sojaextraktionsschrot erreicht werden können. Pflanzliche Proteinträger wie Soja-, Raps- und Sonnenblumenextraktionsschrot enthalten besonders viel Kalium. Putenfutter auf der Basis von Sojaextraktionsschrot und Getreide weisen Kaliumgehalte auf, die den Bedarf um das Zwei- bis Dreifache überschreiten. Überschüssiges Kalium kann zu erhöhter Wasseraufnahme und erhöhten Wassergehalten im Kot führen. Für Kalium gilt der Grundsatz „weniger ist mehr“, denn der letzte Tropfen kann das Fass zum Überlaufen bringen. Weiterhin enthalten Sojaschrot und andere Leguminosen auch hohe Gehalte an alpha-Galactosiden. Das sind Oligosaccharide, die für das Tier unverdaulich sind, aber von den Dickdarmmikroben sehr gut genutzt werden können. Zu hohe Gehalte dieser Oligosaccharide im Futter führen zu Verdauungsstörungen wie Blähungen oder Durchfälle.

Startfutter enthält Kartoffeleiweiß

Deshalb empfiehlt es sich, im Starterfutter einen Teil des Sojaschrotes durch kalium- und oligosaccharidarme Proteinträger zu ersetzen. Es stehen uns aber nur wenige pflanzliche Proteinträger zur Verfügung, die niedrige Gehalte an Kalium und Oligosacchariden aufweisen. Proteinträger tierischer Herkunft hingegen sind generell kaliumarm und frei von Oligosacchariden. Als eines der wenigen tierischen Eiweißfuttermittel ist Fischmehl in der Fütterung von Geflügel und Schweinen erlaubt. Tierische Rohstoffe dürfen nur in Werken verarbeitet werden, die kein Wiederkäuerfutter herstellen. Deshalb wird im Starterfutter des AGRAVIS-Putenfutter-Programms Kartoffeleiweiß verwendet. Kartoffeleiweiß ist einer der wenigen pflanzlichen Eiweißträger, die keine Oligosaccharide und wenig Kalium enthalten. Seit vergangenem Herbst wird außerdem fischmehlhaltiges Putenstarterfutter aus dem Werk in Höltinghausen angeboten.

Taktgeber der Verdauung: der Muskelmagen

Die Partikelstruktur des Futters beeinflusst den Verdauungstrakt und den Ablauf der Verdauung. Das aufgenommene Futter gelangt zunächst in den Kropf und von dort über den Drüsenmagen und den Muskelmagen in den Dünndarm. Im Drüsenmagen wird das Futter mit eiweißverdauenden Enzymen und Salzsäure versetzt. Der Muskelmagen zerkleinert die Futterpartikel und vermischt sie mit den Verdauungsenzymen. Erst wenn das Futter fein genug zerkleinert ist, wird es vom Muskelmagen in den Dünndarm weitergeleitet. Der Muskelmagen ist so gewissermaßen der Taktgeber der Verdauung. Im Dünndarm wird das Futter mit Hilfe weiterer Verdauungsenzyme verdaut, die in der Bauchspeicheldrüse und der Darmwand gebildet und in den Darm ausgeschüttet werden.

Puten verdauen grob zerkleinertes Futter besser

Gröbere Futterpartikel bewirken eine intensivere Arbeit des Muskelmagens. Seine Muskulatur wird kräftiger und er kann so seine Funktion besser erfüllen. In verschiedenen Versuchen wurde festgestellt, dass Puten unzerkleinertes oder grob zerkleinertes Getreide besser verdauen können als fein vermahlenes. Grobe Futterpartikel verlangsamen die Passagerate durch den Darm. Dadurch steht dem Verdauungstrakt mehr Zeit für die Verdauung des Futters zur Verfügung. Futtermischungen mit hohen Anteilen an groben Futterpartikeln aus Getreide verbessern die Verdauung, insbesondere die Verdauung der Stärke. Hohe Anteile feiner Getreidepartikel hingegen können die Viskosität des Dünndarminhaltes erhöhen, was die Verdauung und die Darmflora negativ beeinflussen kann. Enthält die Futterration zu viele grobe Partikel, kann die Futteraufnahme hingegen sinken und zu geringeren Mastendgewichten führen. Die Futterverwertung wird dadurch aber nicht verschlechtert. Deshalb wird den AGRAVIS-Putenmastfuttern ein Teil des Maises nach der Pelletierung in Form von gebrochenem Mais zur Unterstützung des Verdauungsablaufs und der Darmgesundheit zugefügt.

Fragen rund um die Putenmast beantwortet Dr. Ludger Koddebusch, Tel. 0251 . 682-2285, ludger.koddebusch@agravis.de.

Info: Rund 11,6 Kilogramm Geflügelfleisch verzehrte ein Bundesbürger im Jahr 2015.

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