Tipps für die Pflanzenernährung: Bodenanalysen sind das A und O

Der Schlüsselbegriff in der Pflanzenernährung wird in den kommenden Jahren die Effizienz sein. „Ob die treibende Kraft die bevorstehende Novellierung der Düngeverordnung, der Zwang zur weiteren Kostenoptimierung oder der Wunsch, den technischen Fortschritt zu leben, sein wird, sei dahingestellt“, sagt Arne Klages von der Pflanzenbau Pflanzenbau -Beratung der AGRAVIS Raiffeisen AG.

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„Anhand eines Fahrplans zur Getreidedüngung im Frühjahr 2016 möchten wir vermitteln, welche Möglichkeiten bestehen und welche Methoden zur Effizienzsteigerung wir empfehlen.“ Bevor man die Aufmerksamkeit den Neuerungen in der Welt der Pflanzenernährung widmet, muss sie zunächst Bodenproben, die nicht älter als vier Jahre sein sollten, gelten. Noch immer liegt das größte Potenzial für die Bildung einer stabilen Ertragsstruktur in der richtigen Einstellung des pH-Wertes.

„Kalk ist nicht alles – aber ohne Kalk ist alles nichts!“

Getreu dem Motto: „Kalk ist nicht alles – aber ohne Kalk ist alles nichts!“ „Wir raten daher, einen genauen Blick auf die Bodenanalysen zu werfen“, so Klages. Für Flächen, deren pH-Wert in Gehaltsklasse B liegt, empfiehlt er eine Stoppelkalkung im Sommer 2016, Flächen in Gehaltsklasse A sollten bereits am Ende des Winters eine Kopfkalkung erhalten.

Im gleichen Zuge können die Makronährstoffe Phosphor, Kali und Magnesium überprüft werden. Auch diese sollten sich im Bereich C bewegen. Zudem sollte das Verhältnis von Kali zu Magnesium etwa 2 bis 3 zu 1 sein. „Erkennbare Baustellen im Bereich Phosphor können im Getreide und im Raps erst nach der Ernte behoben werden. Kali und Magnesium müssen, falls nötig mit Hilfe von Kornkali und Kieserit, zu Vegetationsbeginn entsprechend dem Entzug gegeben werden“, rät der Experte.

Über netfarming.de netfarming.de Kalkung und Grunddüngung teilflächenspezifisch erledigen

Eine Kopfdüngung von Phosphor führt kaum zum Erfolg, da der Nährstoff sehr schlecht im Boden beweglich ist und somit kaum die Wurzeln der etablierten Kultur erreicht. In Notsituationen kann lediglich versucht werden, mit Blattdüngern Abhilfe zu schaffen. Über die neue, AGRAVIS-eigene Plattform netfarming.de netfarming.de besteht die Möglichkeit, sowohl die Kalkung als auch die Grunddüngung teilflächenspezifisch zu erledigen: „Je ungleichmäßiger die Schläge sind, desto eher lohnt sich der Blick über Satellitenbilder in die Teilflächen. Gezielte Bodenanalysen in Zonen mit gleichem Ertragspotenzial münden in hocheffizienten Streukarten für Kalke und Grunddünger.“

Nach der Betrachtung der Grundlagen sollte die Aufmerksamkeit der Versorgung des Getreides Getreides gelten. Der zentrale Baustein der Pflanzenernährung im Frühjahr ist der Stickstoff. „Jedoch sei darauf hingewiesen, dass nur bei optimalen pH-Werten und passender Grundnährstoffversorgung jedes wertvolle Kilogramm Stickstoff seine volle Leistung entfalten kann“, gibt Arne Klages zu bedenken. „Die Nährstoffe können niemals unabhängig voneinander, sondern müssen stets im Zusammenhang gesehen werden.“

Verschiedene Parameter bewerten

Für die Planung der Startgabe sollten folgende Parameter bei einer Feldbegehung bewertet werden: Bestockung, Bodentemperatur, Befahrbarkeit, Vegetationsbeginn und Wurzelregeneration. Je nach Ergebnis bietet sich für sehr gut entwickelte Bestände mit früher Befahrbarkeit das nitratfreie Piamon an. Als Standard für die meisten Fälle passt der ASS. Pflanzen, die noch starke Unterstützung benötigen, können mit YaraBela Sulfan oder KAS plus Kieserit sehr nitratlastig gestartet werden. Als Universallösung kann mit dem Flüssigdünger ALZON 25/6 gearbeitet werden. Mit Nitratanteil, Schwefelkomponente und Nitrifikationshemmstoff kann je nach Aufwandmenge sehr flexibel auf die jeweilige Situation reagiert werden. „Besonders auf leichten Böden haben wir im Roggen und Weizen hohe N-Effizienzen mit Einmalgaben von 150 Kilogramm Stickstoff mit ALZON 25/6 erreicht. Wichtig bleibt in diesem Zusammenhang, dass die Schwefelversorgung in Sulfatform bereits zu Vegetationsbeginn sichergestellt wird“, so Klages.

Gülle oder Gärrest zur Versorgung des Getreides

Auf zahlreichen Flächen kommen auch Gülle oder Gärrest zur Versorgung des Getreides zum Einsatz. Die Wirkung der Nährstoffe Stickstoff und Schwefel setzt zum größten Teil erst zum Schossen ein. Die Ausbringung geschieht jedoch, sobald die Befahrbarkeit möglich ist, damit bei kühlen Temperaturen und bedecktem Himmel die Verluste möglichst gering sind. Auf Flächen mit regelmäßiger organischer Düngung kann die drohende „Stickstoffbombe“ durch die Zugabe von Nitrifikationshemmern wie zum Beispiel ENTEC flüssig entschärft werden. Alternativ kann eine Düngungsstrategie mit Gülle oder Gärrest durch eine mineralische Ergänzung mit 5,0 Dezitonnen pro Hektar ENTEC 26 gestartet werden.

Wichtige Pflanzenanalyse

Kurz vorm Übergang ins Schossen (EC30) kann eine Pflanzenanalyse auf einzelnen Betriebsflächen helfen, die gesamte Nährstoffversorgung zu überprüfen. Selbst wenn im Boden alle Nährstoffe vorhanden sind, können zahlreiche Faktoren, zu allererst eine Frühjahrstrockenheit, dazu führen, dass die Nährstoffe nicht in die Pflanze gelangen. Ebenso treten immer wieder latente Mangelsituationen auf, die optisch nicht wahrgenommen werden, wohl aber zu Ertragsverlusten führen. Wenn es also das Ziel ist, Effizienz, hohe Erträge und schlanke Bilanzen zu erreichen, kann ein Ernährungscheck per Pflanzenanalyse hilfreich sein: „Im Getreide finden sich häufig Defizite bei Kupfer, Mangan und Zink. In eigenen Monitorings haben wir in den vergangenen Jahren zusätzlich das Element Bor regelmäßig im Mangel gefunden.“

Blattdüngung entsprechend dem Analyseergebnis

Eine Blattdüngung entsprechend dem Analyseergebnis zur ersten Fungizid-Maßnahme sichert die Ernährung weiter ab. Liegt eine Unterversorgung bei den genannten Schlüsselnährstoffen vor, kann der Einsatz von PHYTAVIS Getreide Plus Abhilfe schaffen. Ein Nährstoff, der bislang als nicht notwendig für die Pflanzennährung gilt, ist Titan. „Seit zwei Jahren beobachten wir in eigenen Versuchen das Produkt Tytanit mit 8,5 Gramm Titan pro Liter. In jedem Versuch sind im Vergleich zur Kontrolle Mehrerträge erzielt worden. Ein Exaktversuch in Wintergerste lieferte in 2015 einen statistisch belegten Mehrertrag“, berichtet Klages.

Hinweise zur Düngungsstrategie

Wird eine Düngungsstrategie mit mehreren Gaben geplant, können zum Schossen und zum Fahnenblattstadium alle gängigen N-Einzeldünger wie KAS, Harnstoff oder AHL eingesetzt werden. Für die beste Ausnutzung des ausgebrachten Stickstoffs sind die Eigenschaften der Düngerarten zu beachten. Für Harnstoff besteht ein Verlustrisiko, wenn die Granulate auf trockenen Boden fallen. Liegt der pH-Wert im Bereich um 7 und es herrschen Temperaturen deutlich über 20 Grad, sollte die Wahl auf eine andere Düngerform fallen. Nachfolgende Niederschläge, starke Tauphasen, dichte Pflanzenbestände und Temperaturen unter 20 Grad ermöglichen Hocherträge mit Harnstoff. Unabhängiger von Luft- und Bodenfeuchtigkeit ist KAS einzustufen. Eine hundertprozentige Wirkungssicherheit gibt es aber auch beim KAS nicht.

Isaria-Sensor bestimmt die Dosierung

Flüssigdünger müssen immer grobtropfig ausgebracht werden, Witterungsbedingungen wie beim Harnstoff beschrieben, sind von Vorteil. Ab der zweiten Gabe kann der Isaria-Sensor die Dosierung des Stickstoffs für jedes Ertragspotenzial teilflächenspezifisch bestimmen. „Damit wird in Zonen mit geringem Potenzial weniger Stickstoff gegeben. Teilbereiche, die hohe Erträge produzieren können, werden ausgedüngt. In unseren Versuchen hat der Sensor stets das passende Ertragsniveau gefunden und eine gute N-Bilanz erzeugt“, berichtet der Pflanzenbau-Fachmann. Soll Backweizen erzeugt werden, kann der Proteingehalt mit einer kombinierten Stickstoff-Schwefel-Lösung nach der Blüte abgesichert werden.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass grundsätzlich der pH-Wert und die Grundnährstoffversorgung mit aktuellen Bodenproben zu überprüfen sind. Anschließend muss die Wahl des Stickstoffdüngers an die Bestandsentwicklung Ende Februar angepasst werden. Pflanzenanalysen und darauf abgestimmte Blattdünger sichern die Ernährung während der Vegetation ab. Je ungleichmäßiger die Flächen sind, desto eher bietet sich der Einstieg in die teilflächenspezifische Bewirtschaftung an. Die Kalkung und Grunddüngung sind ein einfacher Start, der ganz nebenbei die Stickstoff- und Phosphoreffizienz steigert und damit Bilanzen entlastet.

Weitere Informationen zu diesem Thema gibt es bei der Pflanzenbau Pflanzenbau -Beratung der AGRAVIS Raiffeisen AG oder direkt bei Arne Klages, Tel. 0152 . 01810283, arne.klages@agravis.de.

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