AGRAVIS-Vorstandschef: TTIP fördert „Selbstverständlichkeit des Handels“

Unternehmerisches Handeln und Optimismus prägen sein Wirken seit Jahrzehnten, deshalb sieht Dr. Clemens Große Frie, Vorstandsvorsitzender der AGRAVIS Raiffeisen AG, die aktuellen Diskussionen um das Freihandelsabkommen TTIP auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Beides aus der Fragestellung heraus: „Verpassen wir eine Chance?“.

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Für Große Frie ist das Thema von enormer Wichtigkeit, denn hier entscheide sich auch die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit Deutschlands und Europas, so der AGRAVIS-Konzernlenker, der am 25. Juni 2015 den Wirtschaftspreis der Stadt Münster erhält. Der 63-Jährige leitet das Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen seit dessen Gründung im Jahr 2004. Die AGRAVIS Raiffeisen AG führt ihre unternehmerische Tätigkeit vorwiegend an rund 400 eigenen Standorten in Deutschland aus, aber die internationale Vernetzung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Im Interview nimmt Große Frie zum geplanten Freihandelsabkommen TTIP mit den USA Stellung.

Welche drei Begriffe fallen Ihnen spontan zu TTIP ein?

Dr. Clemens Große Frie: Chancen, „Made in Germany“ und Bedenkenträgerei.

Was meinen Sie mit Bedenkenträgerei?

Große Frie: Die Diskussion in Deutschland ist nach meiner Beobachtung geprägt von mancherlei Aufgeregtheit. Mit Symbolthemen wie dem amerikanischen Chlorhühnchen wird Stimmung gemacht. Diese Steilvorlagen nutzen die Bedenkenträger aus, um ihre grundsätzliche Skepsis zu unterstreichen. So bekommt das Misstrauen gegenüber TTIP in der öffentlichen Wahrnehmung ein deutliches Übergewicht. Und das, obwohl noch niemand genau weiß, was überhaupt in diesem Abkommen stehen wird. Diese Unwissenheit ist ein guter Nährboden, auf dem Ablehnung gedeihen kann. Daran zeigt sich, dass es vermutlich besser gewesen wäre, die Diskussion über TTIP von vornherein transparenter zu führen.

Heißt das, es gibt aus Ihrer Sicht keine Risiken bei diesem Abkommen?

Große Frie: Doch, natürlich kann es sie geben. Diese Risiken müssen in den laufenden Verhandlungen sauber benannt und bestmöglich abgefedert werden – und zwar zwischen Verhandlungsführern, die sich auf Augenhöhe begegnen und einen fairen Ausgleich anstreben. Die Risiken sind das eine, aber in einem weit größeren Maße bietet dieses transatlantische Freihandelsabkommen Chancen.

Woran denken Sie dabei?

Große Frie: Die USA sind eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt. Dadurch ergeben sich für die deutsche Wirtschaft, auch für die deutsche Landwirtschaft, neue Absatzmärkte. Bei Autos und anderen Gütern wissen die Amerikaner schon sehr genau, welche exzellenten Produkte sie mit dem Stempel „Made in Germany“ bekommen. Und sie werden demnächst auch von der herausragenden Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus „good old Germany“ begeistert sein – von Produkten, die nachhaltig nachhaltig und integriert erzeugt sind. Wir haben in Europa und vor allem in Deutschland ein für die Landwirtschaft bevorzugtes Klima, wir haben viel Know how in unserer Land- und Ernährungswirtschaft, wir arbeiten umweltbewusst, mit Vernunft und weitsichtig mit hohen Standards. Deshalb ist der Export dieser so entstandenen Produkte eine Chance. Davon bin ich überzeugt. Diese Qualität wird sich auch in anderen Ländern durchsetzen. Der Export von Schweinefleisch aus der EU in die USA, um ein Beispiel zu nennen, erreicht die gleiche Dimension wie die Ausfuhr nach Hongkong. Da ist also noch viel Luft nach oben. Auf der anderen Seite wollen die USA uns mehr Soja verkaufen. Wir brauchen diesen Rohstoff für unsere Futtermittelproduktion Futtermittelproduktion , schaffen damit Fleisch, das veredelt ein Exportartikel ist. Landwirtschaft und Agrarhandel finden ja schon längst nicht mehr nur um den eigenen Kirchturm herum statt. Es ist ein globales Geschäft. Und ein wachsender Export wäre zugleich Ausdruck der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Landwirtschaft.

Welche Grundbedingung knüpfen Sie an TTIP?

Große Frie: Wichtig ist, dass zwischen den Handelspartnern die Chancengleichheit bei Produktion und Vermarktung gewahrt bleibt. Wenn das sichergestellt ist, kommen wir mit diesem Abkommen der „Selbstverständlichkeit des Handels“ ohne unnötige bürokratische Hemmnisse zum Beispiel bei der Zulassung von Tiermedizin einen deutlichen Schritt näher. Die Politik sollte sich darauf beschränken, die Leitplanken zu setzen, zwischen denen sich Handel bewegen kann. Alles andere ist bei den unternehmerisch Verantwortlichen bestens aufgehoben.

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