Legepause: Tiergesundheit und Eiqualität einfach und effektiv erhöhen

Stefan Gerdes ist jeden Tag nahezu allein unter Frauen. Als Betriebsleiter der Graftschafter Frischei GmbH ist er der Herr über 360.000 Legehennen. 2012 hat die Gesellschaft, die von 18 Landwirten aus dem Raum Wietmarschen (Niedersachsen) gegründet wurde, mit zwei Ställen begonnen – heute stehen neun Ställe zur Verfügung. Die stückweite Erweiterung des Betriebes und der nachträgliche Bau der eigenen Aufzuchtstation brachte für den 28-Jährigen direkt eine große Herausforderung mit sich.

Bildmaterial zum Content
Johannes Voß-Stemping, Geschäftsführer der Hagedorn-Voß GmbH, zeigt, wie ein aufgeschlagenes frisches Ei aussieht.Legepause: Tiergesundheit und Eiqualität einfach und effektiv erhöhen
Johannes Voß-Stemping, Geschäftsführer der Hagedorn-Voß GmbH, zeigt, wie ein aufgeschlagenes frisches Ei aussieht.

„Wir konnten den Betrieb nicht im kontinuierlichen 20-Wochen-Rhythmus fahren“, erklärt Gerdes. Einige Tiere mussten zugekauft werden, da die Aufzucht noch nicht einsatzfähig war. So gab es zwischen den Herden einen geringeren Zeitabstand als im Betriebsablauf vorgesehen war. Die mögliche Lösung des Problems: eine Legepause. „Unsere Hoffnung war, dass wir die Herden dadurch so synchronisieren können, dass alle Abläufe wieder ins Betriebsmanagement passen“, erklärt Gerdes.

Futter- und Lichtkonzept für die richtige Legepause
Zum Video Zum Video

Während der Legepause – auch Mauser genannt – erneuert sich einerseits das Federkleid der Tiere, vor allem aber regeneriert sich der Legeapparat. Das Ergebnis dieses Prozesses ist ein neues Gefieder sowie eine bessere Legeleistung und Eiqualität. Doch der eigentlich so natürliche Vorgang bedeutet eine enorme Anstrengung für die Tiere und muss daher bei der Bodenhaltung im Stall mit viel Fingerspitzengefühl umgesetzt werden. Stefan Gerdes hat zusammen mit seinen Kollegen Florian Kröger, Geschäftsführer der AGRAVIS Mischfutter Emsland GmbH AGRAVIS Mischfutter Emsland GmbH , sowie Heinrich Icking, Produktmanager Geflügelfutter Geflügelfutter bei der AGRAVIS Mischfutter GmbH, lange überlegt, wie die Umsetzung genau aussehen könnte. Gemeinsam entwickelten sie ein Futter- und Lichtkonzept, um die Vorgänge für die Tiere möglichst schonend zu gestalten.

Leistungsfähigere Tiere und größere Eier

Heute, rund acht Monate nachdem die erste Herde in die Legepause geschickt wurde, fällt das Fazit rundum positiv aus. Auch der Mehraufwand, der durch das Wegräumen der alten Federn, verlegte Eier und das mehrmalige Ausmisten entstand, habe sich am Ende gerechnet, sagt Stefan Gerdes: „Die Tiere sind länger fit und leistungsfähig, die Eier sind größer und haben eine bessere Schalenqualität.“ Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht spreche viel für die Mauser: „Die Legepause hat uns pro Tier rund einen Euro gekostet. Hätten wir neue Junghennen kaufen müssen, wären etwa vier Euro pro Tier an Kosten auf uns zugekommen.“ So aber seien die Hennen nach der Legepause fast wie Junghennen zu sehen, nur eben ein bisschen leistungsfähiger. Lag das durchschnittliche Eigewicht der Herde vor der Mauser bei 48 Gramm, so waren es nach den drei Wochen Pause 66 Gramm. Zudem erhöhte sich die Eiproduktion von etwa 360 Eiern pro Henne auf etwa 535 Eier. „Und unsere Tiere werden älter“, fügt Gerdes hinzu. Wurde sonst nach 75 Wochen ausgestallt, waren es bei der Mauserherde 110 Wochen.

Erfolgreiches Konzept spricht sich rum

Ein Konzept, das funktioniert, spricht sich herum. So wurden auch Johannes Voß-Stemping und David Schulze-Wettendorf im münsterlädnischen Nordwalde darauf aufmerksam. Die Geschäftsführer der Hagedorn-Voß GmbH halten 135.000 Legehennen in Kleingruppenhaltung und agieren seit 2010 am freien Markt. „Unsere Hauptzielgruppe sind Markthändler, aber wir liefern auch an den Großhandel oder die Gaststätte nebenan“, erklärt Johannes Voß-Stemping. Die Junghennen kommen mit 17 Wochen nach Nordwalde – ausgestallt werden sie in der Regel in der 90. Lebenswoche. Da der Eiermarkt starken Nachfrageschwankungen unterworfen ist, machten sich die beiden Geschäftsführer Gedanken um die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebes und kamen so auf die Legepause. „Wir hatten im Mai eingestallt und im Sommer ist die Nachfrage nach Eiern sehr gering“, sagt Davis Schulze-Wettendorf. Daher sei überlegt worden, wie die Wirtschaftlichkeit erhöht und die absatzstarken Zeiten wie Ostern und Weihachten optimal ausgenutzt werden können.

In der Legepause Hinweise beachten

Über den parallel laufenden Schweinemastbetrieb der Familie Voß-Stemping bestanden bereits Kontakte zur AGRAVIS und so wurde das Mauser-Konzept aus Wietmarschen ins Münsterland „importiert“. Florian Kröger betreut den Betrieb und sah sich dort vor noch andere Herausforderungen gestellt als in Wietmarschen. „Wir haben mit der Legepause im Juli 2014 begonnen“, erinnert er sich. Die Herde sei mit einer Legeleistung von 86 Prozent in die Mauser gegangen – ein sehr guter Wert für die 76. Lebenswoche. Also waren die Erwartungen entsprechend hoch. Denn nach der Pause stand direkt eine sehr nachfragestarke Zeit an. Dementsprechend durfte es keinen Leistungsabfall und nicht zu viele Verluste geben. „Es ist und bleibt abzuwägen, ob ein Betrieb sich für die Legepause oder für den Kauf von neuen Junghennen entscheidet“, sagt Kröger.

Ständige Überwachung und Analyse

Für die Hagedorn-Voß GmbH hat sich die Legepause rentiert. Auch, wenn die Geschäftsführer anfangs skeptisch waren. „Die Legepause ist ein Eingriff in den normalen Lebensrhythmus der Tiere und man weiß nie, wie sie reagieren“, betont David Schulze-Wettendorf. Zuversichtlich seien alle Beteiligten dennoch gewesen, da die Rahmenbedingungen optimal waren. Neben den technischen Voraussetzungen war eine ständige Überprüfung und Analyse der Herde in den verschiedenen Mauser-Phasen gewährleistet.

„Das Prinzip ist immer das gleiche, muss aber individuell an den jeweiligen Betrieb angepasst werden“, erläutert Florian Kröger. Die Herde müsse unter den Gesichtspunkten Gesundheit, Fitness, Gewicht und Alter vor einer Entscheidung für die Legepause genau unter die Lupe genommen werden. Unabdingbar hält der Experte ein sehr genaues Monitoring sowie ein exakt angepasstes Futter- und Lichtkonzept. Wie in Wietmarschen auch, setzen die Nordwalder auf das Golddott-Phasenfutter.

Aufgrund der guten Erfahrungen, die David Schulze-Wettendorf und Johannes Voß-Stemping mit der Legepause gesammelt haben, ist es für sie absolut denkbar, diese Möglichkeit wieder zu nutzen: „Der Mehraufwand rechnet sich für uns auf jeden Fall.“ Bis zur 110. Lebenswoche bleiben die Tiere im Betrieb und legen bis dahin voraussichtlich jeweils 520 Eier. Normalerweise wird nach 76 Wochen – und somit nach etwa 332 Eiern pro Huhn – ausgestallt.

Auf einen Blick: Grafschafter Frischei

  • 18 Landwirte als Gesellschafter
  • Start 2012 mit zwei Ställen
  • Heute neun Ställe mit je 40.000 Tieren
  • Eigene Aufzucht-Anlage
  • Jährliche Ei-Produktion: rund 13,6 Mio. Stück
  • Genetik: Isa Dekalb Weiß
  • Geschlossenes System
  • Durchschnittliches Lebensalter: 85 Wochen
  • Phasenfutter GoldDott

Auf einen Blick: Hagedorn-Voß GmbH

  • Gesellschafter: Johannes Voß-Stemping, David Schulze-Wettendorf
  • Seit 2010 zwei Ställe
  • 135.000 Legehennen in Kleingruppenhaltung
  • Tägliche Ei-Produktion: 100.000 bis 140.000 Stück
  • Eigene Packstelle, Kottrocknung, Kotvermarktung
  • Genetik: Lohmann braun (75 Prozent) und Lohnmann weiß (25 Prozent)

Zum Video Zum Video

Mehr Informationen zur Legepause sowie den dazugehörigen Futter- und Lichtkonzepten gibt es bei Florian Kröger, Tel. 0591 . 80014-62, florian.kroeger@agravis.de oder bei Produktmanager Heinrich Icking, Tel. 0251 . 682-2284, heinrich.icking@agravis.de