Fungizid-Strategie im Weizen für 2015

Der Krankheitsverlauf 2014 im Wintergetreide Wintergetreide hat viele Landwirte vor besondere Herausforderungen gestellt. Im Mittelpunkt stand sicherlich der Gelbrost. Der ungewöhnlich frühe und anhaltende Erregerdruck führte vielerorts zu einem zeitigen Spritzstart.

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Starker Gelbrostbefall kann in anfälligen Sorten zu Ertragsverlusten von bis zu 40 Prozent führen.Fungizid-Strategie im Weizen für 2015
Starker Gelbrostbefall kann in anfälligen Sorten zu Ertragsverlusten von bis zu 40 Prozent führen.

Aber auch andere Pathogene profitierten von der ungewöhnlich milden Winterwitterung 2013/14. So traten beispielsweise Halmbruch und Septoria tritici regional vermehrt in Erscheinung. Produktauswahl und Applikationstermin der ersten Fungizidmaßnahme waren vielfach entscheidend für den Erfolg der Gesamtstrategie.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen sollte der Planung des Spritzstarts 2015 ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dazu ist im ersten Schritt eine realistische Einschätzung der schlagspezifischen Risikofaktoren hilfreich. Ein generell erhöhtes Befallspotenzial für die aktuelle Kultur besteht zum Beispiel, wenn:

  • die Vorfrucht bereits anfällig für die relevanten Pathogene war,
  • der Anteil Wintergetreide in der gesamten Fruchtfolge hoch ist,
  • frühe Saattermine gewählt werden,
  • die Bodenbearbeitung als Mulchsaat erfolgt,
  • die angebaute Sorte eine erhöhte Anfälligkeit aufweist.

Wichtig: Risikoabschätzung

Zusammen mit einem Blick auf die Winterwitterung lässt sich mit diesen Faktoren für den Halmbruch-Erreger schon eine tragfähige Risikoabschätzung vornehmen. Milde Winter mit langen, nasskalten Phasen sind ideal für dieses Pathogen. Diese Beschreibung trifft sicherlich auch für weite Teile des Winters 2014/2015 zu. Kommt im Rahmen der schlagspezifischen Betrachtung noch ein früher Saattermin und eine anfällige Vorfrucht hinzu, so sollte zum Schosstermin eine halmbruchwirksame Fungizidmaßnahme eingeplant werden. Produkte mit den Wirkstoffen Boscalid, Prothioconazol, Cyprodinil oder Xemium bieten die stärkste Leistung. Bei diesem Erreger ist eine Risikoanalyse besonders wichtig, da das Ausmaß des Schadens erst spät in der Saison sichtbar wird, während eine effektive Behandlung nur bis Mitte des Schossens möglich ist.

Neben der Gesunderhaltung der Halmbasis soll eine gezielte Fungizid-Maßnahme zu Beginn des Längenwachstums den Blattapparat gesund erhalten und möglichen Ausgangsbefall ausräumen. Während dieser Phase spielen in der Regel Mehltau, Gelbrost und S. tritici die Hauptrolle. Eine regelmäßige Kontrolle der Bestände im Frühjahr kann helfen, böse Überraschungen zu vermeiden. Auch dabei hilft die Kenntnis der schlagspezifischen Risikofaktoren.

Unterschiedliche Anfälligkeit gegenüber Gelbrost

So gibt es beispielsweise bei der Anfälligkeit gegenüber Gelbrost deutliche Unterschiede. Weizensorten wie JB Asano, Akteur oder Primus gelten spätestens seit dem vergangenen Jahr als hochanfällig. Wenn es sich dann noch um eine Frühsaat handelt, empfiehlt es sich, genauer hinzusehen. Zur Bekämpfung des Gelbrostes steht eine breite Produktpalette zur Verfügung. Besonders leistungsstark sind epoxiconazol- oder tebuconazolhaltige Fungizide. Je nach Witterungsverlauf im Frühjahr kann bei Pathogenen wie Gelbrost oder Mehltau auch eine Behandlung vor Schossbeginn sinnvoll sein. In diesem Fall sollten dann aber Spezialfungizide zum Einsatz kommen.

Der Einsatz von breit wirksamen Kombinationen wie zum Beispiel AGRAVIS Flexion Viva, Aviator Xpro + Talius oder Capalo sollte erst ab EC 31 erfolgen, da die Dauerwirkung der Produkte sonst nicht voll ausgeschöpft werden kann. Die wichtigste Krankheit beim Anbau von Weizen ist aber weiterhin S. tritici. Im Schnitt der Jahre führt sie zu den höchsten Ertragsverlusten.

Kurativ- oder Protektivleistung?

Aufgrund der vergleichsweise langsamen Entwicklung des Erregers sind starke Schäden in erster Linie zu erwarten, wenn deutlicher Ausgangsbefall und gute Infektionsbedingungen zu Schossbeginn (Niederschläge mit Blattnässephasen über 35 Stunden) zusammentreffen. Gelingt es zu diesem Zeitpunkt, eine Neuinfektion zu vermeiden, so wird das Schadpotenzial deutlich reduziert.

Bei der Produktwahl muss zwischen Kurativ- und Protektivleistung unterschieden werden. Eine gute vorbeugende Wirkung lässt sich beispielsweise durch alle vorhergehenden Kombinationen erzielen. Das Produkt „Bravo“ ist unter diesen Bedingungen ebenfalls effizient einzusetzen. Dieses Kontaktfungizid ist gleichzeitig ein entscheidendes Werkzeug für ein wirksames Resistenzmanagement bei der Septoria-Kontrolle. Ist hingegen höchste Kurativleistung gefragt – starker Ausgangsbefall, intensive Regenfälle, mehr als vier Tage eingeschränkte Befahrbarkeit –, so muss auf prothioconazol- oder xemiumhaltige Fungizide zurückgegriffen werden.

Weitere Informationen und Tipps gibt es bei der AGRAVIS-Pflanzenbau-Beratung AGRAVIS-Pflanzenbau-Beratung oder direkt bei Eiko Tjaden, Tel. 0521 . 682-2574, eiko.tjaden@agravis.de.