AGRAVIS-Experte: „Guter Spargel braucht seine Zeit“

Der Frühling ist da und der Spargel wächst. Was es mit dem Anbau, der Qualität und dem Preis des edlen Gemüses auf sich hat, erklärt Frank Uwihs, Sonderkulturen Sonderkulturen -Experte der AGRAVIS Raiffeisen AG.

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Woran erkennt der Verbraucher guten Spargel?
Uwihs
: Guten Spargel erkennt der Kunde an seiner Frische. Wenn die Schnittstellen noch feucht sind und es beim Zusammendrücken etwas spritzt, hat das Gemüse eine hervorragende Qualität. Wird Spargel nicht sofort gegessen, sollte er in ein feuchtes Tuch eingewickelt im Gemüsefach des Kühlschrankes gelagert werden. So hält er ein paar Tage.

Warum darf Spargel nur zehn Wochen im Jahr verzehrt werden?
Uwihs
: Die Pflanze muss sich erholen und Vorräte wie Zucker, Nährstoffe und Spurenelemente für das nächste Jahr sammeln. Pflanzenexperten sagen, der Spargel geht in die Sommerferien und muss sich auf die nächste Saison vorbereiten.

Was muss beim Anbau des Spargels bedacht werden?
Uwihs
: Spargelproduzenten wollen über die gesamte Saison möglichst gleiche Erntemengen erzielen, um den Kunden immer ausreichend Spargel zur Verfügung zu stellen. Dabei hilft der Einsatz von Folien, mit denen die Temperaturen im Damm beeinflusst werden. Im Frühjahr werden die Dämme mit Metallbügeln überspannt und mit einer transparenten Folie ein Klima wie in Südeuropa geschaffen. Während an heißen Tagen im Juni der Damm durch den Einsatz von weißen Folien gekühlt wird, die das Wachstum und damit den Ertrag ein wenig reduzieren.

Wie wird die Ernte in diesem Jahr ausfallen?
Uwihs
: Die Frühjahrsstürme im März und April wurden einigen Landwirten zum Verhängnis. Die Folien wurden durcheinander geweht und mit viel Aufwand wieder aufgeräumt. Zudem starteten wir zwei Wochen später in die Saison als im vergangenen Jahr, da im März die Sonnenstunden fehlten. 2014 hatten wir in diesem Zeitraum 185 Stunden Sonnenschein, in diesem Jahr nur 140 Stunden.

Warum ist Spargel ein so teures Gemüse?
Uwihs
: Der Aufbau ist aufwendig, kostenintensiv und echte Handarbeit: Spargel wird nicht nur gestochen, sondern auch sortiert und gewaschen. Bis zu 50 Prozent der anfallenden Kosten sind Lohnkosten, die sich seit Kurzem nun auch nach dem Mindestlohn richten. Spargelpflanzen wachsen zunächst ein Jahr und werden gepflegt, ehe dann im darauffolgenden Jahr eine kurze zehntägige Ernte stattfindet. Danach ruht sich der Spargel wieder aus, um Kraft für das nächste Jahr zu tanken. Im zweiten Stechjahr wird dann vier Wochen lang geerntet und ab dem dritten Stechjahr die üblichen acht bis zehn Wochen. Für alle Flächen gilt: Am Johannistag, dem 24. Juni, ist offiziell Schluss mit der Saison.