AGRAVIS präsentiert Lösung zum Nährstoffmanagement

Was passiert eigentlich mit Gülle? Wie kann Gülle aufbereitet werden und wo kann sie sinnvoll eingesetzt werden? Das waren nur einige Fragen, die im Mittelpunkt des Medientages „Nährstoffüberschüsse – Herausforderungen meistern“ der AGRAVIS Raiffeisen AG standen.

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Journalisten der lokalen und überregionalen Medien, darunter Tageszeitungen, Fachblätter und Hörfunkredaktionen, nutzten am Mittwoch,15. April, die Chance und warfen in Dorsten den Blick hinter die Kulissen einer Biogasanlage Biogasanlage , die überwiegend mit Gülle und Mist „gefüttert“ wird.

„Mit diesem Medientag wollen wir Transparenz in das Thema Nährstoffmanagement bringen, das noch relativ neu ist in der Landwirtschaft, aber dennoch für viele Landwirte, gerade in den Veredlungsregionen – eine Herausforderung darstellt“, formulierte Bernd Homann, Leiter der Unternehmenskommunikation der AGRAVIS Raiffeisen AG, das Ziel. Er freute sich über die gute Resonanz der Veranstaltung: Denn immer wieder mache das Unternehmen die Erfahrung, dass die Zusammenhänge der Landwirtschaft für viele Außenstehende nur schwer zu verstehen seien. „Oftmals sind die Themen aus dem Agribusiness für viele sehr abstrakt, daher haben wir uns entschieden, die Türen zu öffnen und die Prozesse der Biogaserzeugung aus Wirtschaftsdünger vor Ort zu zeigen.“

Damit die Journalisten nicht nur theoretische Informationen erhielten, konnten sie bei einem Rundgang über das Gelände der Biogasanalage die wichtigsten Stationen wie die Leitwarte, Substratannahme, die Fütterung, die Blockheizkraftwerke oder auch die Gasaufbereitung anschauen.

Lösungen zum Thema Nährstoffmanagement

Zentraler Schwerpunkt des Tages: das ganzheitliche Konzept zur Verwertung von überschüssigem Wirtschaftsdünger für die Veredlungsregion Münsterland. Ludger Leifker, AGRAVIS-Generalbevollmächtigter Futtermittel Futtermittel , erklärte, warum die AGRAVIS die Landwirte bei dieser Problematik unterstützen möchte: „Zu unserem Anspruch gehört es, dass wir uns um alle Prozesse der modernen Landwirtschaft Gedanken machen. Als einer der größten nationalen Futtermittelproduzenten sehen wir uns in der Verantwortung, Lösungen zum Thema Nährstoffmanagement mit auf die Höfe zu bringen.“ Aus diesem Grund hat der Konzern zu Beginn des Jahres 2015 das Gemeinschaftsunternehmen ODAS GmbH gegründet. Es beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema Nährstoffmanagement und ist für die Beratung, Aufarbeitung, den Transport der Gülle und die Dokumentation zuständig.

„Uns geht es nicht nur darum, Gülle von A nach B zu transportieren“ betonte Leifker. Vielmehr handle es sich bei den Lösungsansätzen um eine individuelle Nährstoffberatung für die Betriebe, durch die maßgenschneiderte und kostengünstige Lösungen für den Landwirt entwickelt werden.

Prozesse vom Hof bis zum Acker

Steffen Schirmacher-Rohleder, gemeinsam mit Torsten Smit Geschäftsführer bei der ODAS GmbH, erläuterte den Journalisten die konkreten Prozesse vom Hof bis zum Acker. Er betonte, dass der erste Schritt zunächst immer eine umfangreiche Bestandsaufnahme der Betriebssituation sei, um eine individuelle Lösung zu finden. Erst nach einer detaillierten Analyse der Problemstellung werde entschieden, wie und wie viel Gülle oder Mist vom Betrieb gehe und beispielsweise in der Biogasanlage in Dorsten zur Energieproduktion eingesetzt wird. Nach der Verarbeitung in der Biogasanlage werden die Gärreste entweder per Lkw oder per Schiff in die Ackerbauregionen transportiert.

Die Abläufe und Funktionsweise der Biogasanlage stellte Dr. Philipp Spinne, Geschäftsführer der TerraSol Wirtschaftsdünger GmbH, vor. Er erklärte, dass es nicht darum gehe, eine Biogasanlage zu betreiben, sondern eine Nährstoffanlage: „Nach unserem Ansatz soll die Anlage mit einem Wirtschaftsdünger-Anteil von 80 Prozent laufen. Im Volllastbetrieb wollen wir stündlich 700 Normkubikmeter Biomethan einspeisen und zusätzlich im Jahresdurchschnitt ca. 700 Kilowatt Strom über unsere Blockheizkraftwerke produzieren.“

Hier Videos zur Kooepartion ODAS/AGRAVIS und zum Medientag Hier Videos zur Kooepartion ODAS/AGRAVIS und zum Medientag



Interview: Vom Stall auf den Acker

Wohin mit der Gülle und dem Mist? Diese Frage ist derzeit auf vielen landwirtschaftlichen Höfen von zentraler Bedeutung. Durch den intensiven Ausbau der Veredlung und der Bioenergie ist die Menge an Wirtschaftsdünger in den vergangen Jahren in einigen Regionen Deutschlands deutlich gestiegen. Faktoren wie die Novellierung der Düngeverordnung verschärfen die Situation auf den Betrieben zusätzlich. Die ODAS GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der ODAS GmbH & Co. KG ODAS GmbH & Co. KG und der AGRAVIS Raiffeisen AG, möchte den Landwirten zur Seite stehen und bietet ein neues Konzept zum Nähstoffmanagement. Steffen Schirmacher-Rohleder, Geschäftsführer der ODAS GmbH erklärt die Schritte der Gülleverwertung.

Herr Schirmacher-Rohleder, was verbirgt sich hinter dem Konzept der ODAS GmbH?
Schirmacher-Rohleder
: Grundlage für das AGRAVIS-ODAS-Konzept ist der Transport von Wirtschaftsdünger aus Überschussregionen in Aufnahmeregionen. Allerdings beinhaltet das Konzept sehr viel mehr als den bloßen Gülletransport von A nach B. Bevor es überhaupt um den Transport von Gülle und Mist geht, steht eine umfassende und individuelle Beratung auf den Höfen an.

Was heißt das in der Praxis?
Schirmacher-Rohleder
: Im ersten Schritt erörtert der Futtermittelberater der AGRAVIS, wie die Situation genau auf dem landwirtschaftlichen Betrieb aussieht. Wir nennen das eine nährstoffmäßige Erfassung des gesamten Betriebes. Danach wird eine Nährstoffbilanz gemäß der rechtlichen Vorgaben erstellt. Hieran lässt sich ablesen, wo möglicherweise Einsparpotentiale für den Hof liegen. Denn was nicht anfällt, muss auch nicht entsorgt werden. Der nächste Schritt ist die weitere Nutzungs- und Verwertungsmöglichkeit der überschüssigen Nährstoffträger. Auf dieser Grundlage werden verschiedene Möglichkeiten für den Hof, Verwertungswege und deren Kosten aufgezeigt. Ganz wichtig ist uns, dass jedes Angebot individuell auf den Betrieb zugeschnitten ist, denn die Voraussetzungen sind überall anders.

Wie geht es dann weiter?
Schirmacher-Rohleder
: Wir holen die überschüssige Gülle von den landwirtschaftlichen Betrieben ab, dabei kann einmal die flüssige Gülle abtransportiert werden oder auch nur die festen Bestanteile. Hierzu erfolgt zunächst eine Separation der Gülle, bei der die flüssigen und festen Bestandteile der Gülle voneinander getrennt werden. Diese Leistung bieten wir ebenfalls an, je nachdem, was vom Betrieb benötigt wird. Die Gülle wird anschließend beispielsweise in die Biogasanlage in Dorsten transportiert und dort zur Energiegewinnung eingesetzt.

Was genau wird dann in die Aufnahmeregionen transportiert?
Schirmacher-Rohleder
: Das Gärsubstrat. Es bleibt nach dem Einsatz im Fermenter übrig und wird dann per Lkw oder per Schiff in die Aufnahmeregionen transportiert.

Was genau sind Aufnahmeregionen?
Schirmacher-Rohleder
: Aufnahmeregionen sind in erster Linie Ackerbauregionen, in denen die Tierhaltung keine große Rolle spielt. Wir transportieren unseren Wirtschaftsdünger überregional in einem Umkreis von 100 bis rund 300 Kilometer.

Wie kommt der Wirtschaftsdünger auf die landwirtschaftlichen Betriebe?
Schirmacher-Rohleder
: Hierfür greifen wir auf unsere langjährigen Kundenbeziehungen und auf das große Netzwerk der AGRAVIS zurück. Durch die regionalen Genossenschaften und Agrarzentren des Konzerns können wir sowohl auf logistische Strukturen als auch auf Vertriebswege zurückgreifen. Die Vertriebsmitarbeiter stehen in direktem Kontakt mit den Landwirten in den Aufnahmeregionen. Und auch dort erfolgt eine umfassende und individuelle Beratung, bevor der Wirtschaftsdünger eingesetzt wird.

Wie erfolgt der Transport zu den Ackerflächen?
Schirmacher-Rohleder
: Per Lkw. Der Wirtschaftsdünger wird direkt an den Feldrand zur direkten Verarbeitung geliefert. Unterstützung haben wir hierzu von einer Software, mit der wir uns – unter anderem – die Flächen vorher per Satellitenaufnahme anschauen können. So haben wir bereits im Vorfeld einen Überblick über die Gegebenheiten.

Ist damit der Prozess vom Stall auf den Acker abgeschlossen?
Schirmacher-Rohleder
: Nicht ganz. Ein ganz wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist die Dokumentation. Diesen Schritt übernehmen wir für die Landwirte. Das heißt, wir stellen einen Lieferschein Nährstoffmanagement aus und nehmen eine Eingabe nach der Wirtschaftsdüngernachweisverordnung NRW (WDüngNachwV) vor. Dies ist gerade hinsichtlich der Landwirtschaftskammern ein sehr wichtiger Arbeitsschritt.