Raps: durch frühen Wachstumsreglereinsatz stabilisieren

Die Rapsbestände auf den Feldern haben den Winter gut verpackt. Weil es keine strengen Frostperioden gab, sind bisher keine Auswinterungsschäden zu verzeichnen. Allerdings sind viele Bestände durch Schädlinge wie Kohlfliegen (Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt) und Erdflöhe geschädigt. Was ist jetzt zu tun? AGRAVIS-Experte Franz Schulze-Eilfing gibt Tipps.

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In Norddeutschland gab es teilweise einen massiven Käferzuflug. Hierzu beigetragen haben die langen Vegetationsperioden im gerade zu Ende gegangenen Winter und im Winter 2013/2014, die für eine starke Vermehrung der Tiere sorgten. So bewirkten die hohen Temperaturen einen langen Zeitraum für die Eiablage im Herbst. Daraus entwickelte sich ein massiver Erdflohlarven-Befall.

Phorma-Infektionsblöcke

In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein war der Befall mit Erdflöhen und Kohlfliegenlarven zum Teil so gravierend, dass Bestände umgebrochen werden mussten. Als „worst case“ kamen zwei große Phoma-Infektionsblöcke hinzu, hervorgerufen durch einen warmen Herbst mit viel Feuchtigkeit. Im September 2014 war dies vor allem in Norddeutschland der Fall, im Oktober dann nahezu flächendeckend in Deutschland. Um die Weihnachtszeit gab es zudem noch eine weitere Witterungsperiode mit milden Temperaturen und viel Regen.
Die Feuchtigkeit bot gute Bedingungen für den Phoma-Erreger, insbesondere anfällige Rapssorten waren hiervon betroffen. Der Schaden durch Phoma-Befall ist dort am größten, wo hohe Bestandsdichten – Durchwuchs von Altraps – mit Sorten ohne Phoma-Resistenz gesät wurden. Besonders stark ist der Phoma-Befall bei Rapspflanzen, die gleichzeitig durch Schädlinge geschwächt wurden. An vielen Standorten wäre eine gezielte Maßnahme gegen Phoma lingam im September und Oktober sinnvoll gewesen.

Wichtiger Wachstumsregler-Einsatz

Was ist in dieser Situation zu tun? „Wir empfehlen zur Gesunderhaltung und zur Stabilisierung der Pflanzen einen frühen Wachstumsregler-Einsatz mit guter Fungizidwirkung“, sagt Franz Schulze-Eilfing, Leiter des Bereichs Pflanzenbau-Beratung Pflanzenbau-Beratung bei der AGRAVIS Raiffeisen AG. Zwar könne eine frühe Wachstumsregler-Applikation mit guter Fungizidwirkung zu Beginn des Längenwachstums die Herbstinfektionen nicht mehr bekämpfen. Er trage jedoch zur Stabilisierung des unteren Stängelbereichs durch Einkürzung, Verdickung und Tiefe-Verzweigung bei und bringe Schutz vor weiteren frühen Infektionen, die nach den starken Niederschlägen der vergangenen Tage zu erwarten sind – auch durch andere Rapskrankheiten. Nach dem Wiederergrünen und zu Beginn des Schossens sind die Stängel der Pflanzen für eine Behandlung noch gut zu erreichen. Hierzu bieten sich Produkte wie Tilmor, Toprex und Efilor an. Zu einem späteren Zeitpunkt rät der Experte zu einem Wachstumsregler wie Carax, um auch in diesem Frühjahr die Bestände nach einer kurzen Vegetationsruhe stärker einzukürzen. Denn ähnlich wie im Vorjahr ist erneut mit einer höheren Lageranfälligkeit zu rechnen.

Effizientere Saatgutbeize

Insgesamt ist nach Einschätzung des AGRAVIS-Experten aktuell im Raps ohne Beize mit neonicotinoiden Wirkstoffen ein stärkerer Kohlfliegen-Befall als in den Vorjahren festzustellen. In der Vergangenheit wurde der frühe Käferzuflug durch die Beize noch abgefangen. Im vergangenen Herbst waren gegen den Erdfloh häufigere Behandlungen erforderlich. Die zusätzlichen Flächenspritzungen reduzierten im Vergleich zu den Neonicotinoiden aber keinesfalls die Umweltbelastung, sondern gefährdeten im Gegenteil Bodenleben und Nützlinge, da relativ viel Wirkstoff bei den jetzt notwendigen frühen Applikationen gegen den Rapserdfloh auf den Boden gelangt. Außerdem seien die Flächenspritzungen weniger effizient als die Saatgutbeize, so Schulze-Eilfing. Denn mit deutlich weniger und platzierten Wirkstoffmengen wurde im frühen Stadium ein größeres Spektrum an Schädlingen abgedeckt.